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Streckenübersicht 2. Etappe: Amsterdam - Kopenhagen  Total 1'618 km

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Freitag, 14. Mai 2010

Unser Time Out ist abgelaufen. Die Fahrräder können es gar nicht erwarten, morgen früh in Vollpackung mit uns zur zweiten Etappe aufzubrechen.

Unser mobiler Haushalt ist optimiert. Die warmen Kleider haben wir gegen eine Frühlingsversion ausgewechselt. Sicher werden uns aber Dinge fehlen, die wir für die zweite Etappe ausgemustert haben.

Samstag, 15. Mai 2010

Wir sitzen in einem Strandrestaurant mit Blick aufs Meer. Jedoch hinter Glas. Es ist bereits 21.00 Uhr. Die Sonne scheint noch und spiegelt sich in den Wellen. Ein kräftiger, eisiger Wind weht vom Meer her. Nebst WC und Dusche auf dem Campingplatz Petten, ist dies in der näheren Umgebung der einzig warme Ort. Der Zeltplatz in den Dünen ist sehr schön aber nicht weniger windig. Wir wollen den Sonnenuntergang geniessen und bleiben deshalb hier bis es dunkel wird. Anschliessend fahren wir mit unseren Rädern zum Zelt zurück und verkriechen uns  in die Schlafsäcke.

Die Strecke führt uns heute durch einen Nationalpark und das nordholländische Dünenreservat. Immer schön auf und ab. Je nördlicher wir radeln, desto urchiger wird die Gegend. Zuerst Wälder, dann Busch- und Heidelandschaft.

Nicht nur Naturlandschaften geniessen unsere Aufmerksamkeit. Auch von den riesigen Tulpenfeldern in all den verschiedenen Farben sind wir fasziniert.

Kurz vor unserem Tagesziel kommt mein Fahrrad so stark ins schwanken, dass ich fast stürze. Ich halte an, um mich vom Schreck zu erholen. Ja, die Luft ist draussen. Nein, nicht bei mir, sondern bei meinem Vorderrad. Wenige Meter vom Ort des Geschehens steht ein Picknicktisch. Somit kann die Reparatur bequem sitzend ausgeführt werden.

Srecke:  Amsterdam Schiphol – Petten   102 km
Wetter:  Sonne, aber kalter Wind,  8 bis 14 Grad

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Endlich bekommen wir die vielen leuchtenden Tulpenfelder zu Gesicht

Auf und ab durch die Sanddünen

Sonntag, 16. Mai 2010

Wo liegt der Unterschied  zwischen Velo fahren und zelten, wenn stürmische Winde wehen? Beim campieren spielt es keine Rolle, von welcher Seite das Zelt durchgeschüttelt wird.

Den weiteren Weg haben wir über die 5 Westfriesischen Inseln geplant. Das Hüpfen von einer Insel zur anderen bringt Abwechslung. Also beginnen wir schön der Reihe nach mit Texel.  Der Westküste entlang radeln wir bis nach De Cocksdorp. 

Beim Kauf der Billette in Texel erkundigen wir uns nach dem anschliessenden Radweg bei Ankunft der Fähre in Vlieland. Die Fährfrau lacht und erklärt, wir würden durch einen Sandtruck abgeholt, der uns durch die lange Sandpiste ins Städtchen bringe. Nun wissen wir auch, weshalb wir auf der Velokarte keine eingezeichneten Velowege im Südteil der Insel Vlieland gefunden haben. Wir sind nur zwei Pärchen, die die Fähre besteigen. Auch die Engländer führen den ganzen Haushalt samt Zelt und Kochgeschirr mit sich. Das Einladen stellt eine erste Herausforderung dar. Über einen schmalen, hohen Holzsteg geht es zu einer Rampe, die dann steil abfällt. Anschliessend müssen die Räder über die Bootswand gehoben werden. Das braucht mehrere Personen für die vier schwer beladenen Vehikel. Auf der Fahrt zur Insel Vlieland können wir eine Robbenkolonie bestaunen. Die Tiere sonnen sich und lassen sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Auf der Insel angekommen, wartet der Spezialtruck mit seinen grossen, breiten Reifen. Unsere Räder werden verladen und los geht’s über eine riesige Sandpiste. Wäre es nicht so schrecklich kalt, man könnte glauben, in der Sahara zu sein. Die Fahrt dauert fast eine Stunde. Durch den teilweise losen Sand und durch die Verwehungen schafft es der Laster problemlos. Mit unseren Rädern hätte es wirklich kein Durchkommen gegeben.

Heute haben wir genug Kälte und Wind abbekommen. Wir ziehen deshalb eine Pension mit Meersicht vor. Wenn’s diese Nacht wieder so windig wird, dann schliessen wir einfach die Fenster.

Strecke: Petten – Oost-Vlieland   67 km
Wetter:   Schleierwolken und windig

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Ausstieg aus der Fähre: Ganz schön anstrengend!

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Sand und nichts als Sand, soweit das Auge reicht (Fahrt mit dem Sandtruck)

Montag, 17. Mai 2010

Unser Plan, von Insel zu Insel zu hüpfen, müssen wir aufgeben. Wegen zwei verirrten Velofahrern wird der Fährbetrieb in der Vorsaison nicht aufgenommen. Auch der Aufwand gestern mit Boot und Sandtruck war für vier Personen sicher nicht kostendeckend.

Am Mittag bringt uns die Fähre wieder zurück aufs Festland. Auf der LF10a geht’s weiter nordwärts. Diese Wattenmeerroute führt nicht nur dem Damm entlang.  Abstecher in Dörfer sorgen für Abwechslung. Am Abend erreichen wir das Dorf Holwerd. Ein schöner Zeltplatz und für uns das Wichtigste, windgeschützt und sogar mit Holztischen und Bänken.

Einkaufen auf dem Campingplatz kann man nichts. Die zwei Restaurants im Dorf sind noch geschlossen. In einem Coop-Laden kaufen wir unser Abendessen ein. Zugegeben, ich habe das „Fertigmenu" ausgelesen. Alles nur auf holländisch beschrieben. Welche Überraschung: Der Inhalt der Verpackung entspricht nicht dem abgebildeten Menu. Anscheinend hätte man die Zutaten noch separat kaufen müssen. Barbara behauptet, das wäre ihr nie passiert. Ich sei einfach manchmal ein „Pfuderi“. Gar nicht so schlimm. Mit Bouillonwürfeln und unserer Hausgewürzdose schmeckt das „Fertigmenu“ gar nicht so schlecht. Alles zubereitet und optimiert durch mich.

Strecke:  ab Insel Vlieland aufs Festland nach Holwerd   67 km
Wetter:   Sonne nur schwach hinter den Schleierwolken (11 bis 23 Grad)

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Dem Dammweg entlang

Koch Edi versucht noch zu retten, was zu retten ist

Dienstag, 18. Mai 2010

Heute lassen wir das Zelt stehen. Verstauen unsere sieben Sachen darin und radeln zur Fähre. Eine Stunde später befinden wir uns auf der Insel Ameland. Die Tour rund um die Insel beginnt natürlich mit einem Cappuccino an der Morgensonne.

Für einmal können wir ohne Gepäck mit und gegen den Wind radeln. Ja, das geht schon einiges lockerer! Die Velowege schlängeln sich durch Dünen, Heiden und Wälder. Eine richtige Veloinsel. Das wissen auch viele andere. Es herrscht, trotz Vorsaison, bereits ein reger Betrieb auf den zum Teil schmalen Velowegen. Wie muss es hier wohl in der Hochsaison aussehen? Beim Hafen haben wir eines der verschiedenen Geschäfte gesehen, welches Fahrräder vermietet. Mehrere 100 Velos sind in Reih und Glied aufgestellt. In der Hochsaison wird ein grosser Teil dieser Räder auf den Velowegen unterwegs sein.

Wir geniessen den heutigen „Ruhetag“. Setzen uns in windgeschützte Sanddünen und beobachten die Natur und das Treiben. Ja auf dieser Insel könnte man einige Tage verweilen. Auf der Seite des Wattenmeeres befinden sich grosse Kolonien von Möwen, Enten und Wildgänsen. Schwärme von mehreren hundert Vögeln erheben sich gemeinsam unter einem wilden Kreischen von ihren Brutstätten und schwingen sich in die Lüfte. So, als wollten sie uns mit ihren Formationsflügen ihr Können unter Beweis stellen.

Das  Abendessen hat heute Barbara zubereitet. Es hat besser geschmeckt als gestern. Doch diese Pasta Pomadoro Mozzarella haben wir noch aus Deutschland.

Strecke:  einfach rund um die Insel Ameland   57 km
Wetter:   viel Sonne aber immer noch ein kalter Wind (9 bis 23 Grad)

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Der Veloweg schlängelt sich durch die Dünen der Insel Ameland

Auf der höchsten Düne der Insel Ameland

Mittwoch, 19. Mai 2010

Heute verwöhnen uns Sonne und Wind. Bereits beim Aufstehen lacht die Sonne und keine einzige Wolke ist sichtbar. Der Wind, der bläst auch heute kräftig, aber diesmal meistens von hinten.

Die Strecke führt uns durch viele Dörfer. Die Kirche immer schön in der Mitte und alle Häuser mit gepflegten Gärten und Vorplätzen. Viele Schilder mit „to koop“ weisen jedoch auf eine Abwanderung aus den ländlichen Gebieten hin. Die Landwirtschaft ist hoch automatisiert und Industrie ist kaum anzutreffen.

Nun sind wir im Eemshotel in Delfzijl. Wir brauchen wieder einmal eine warme Nacht und wollen zudem unsere sieben Sachen retablieren. Heute bleibt unsere Feldküche geschlossen!

Strecke:  Holwerd – Delfzijl    102 km
Wetter:   ganzer Tag strahlende Sonne mit viel Wind (7 bis 23 Grad)

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Nein, diese Sandpiste ist nicht unser Veloweg (Militärübungsgelände)

Der Veloweg, schön betoniert, ist gleich nebenan

Donnerstag, 20. Mai 2010

Die Fähre von Delfzijl nach Emden fährt nur am Wochenende. Also nehmen wir den Umweg von etwas über 60 km unter die Räder. Mit der Planung der Tagesetappen haben wir aufgehört. Die Länge einer Tagesstrecke ist abhängig von Wind, Wetter und unserer Laune. Am späteren Nachmittag beginnen wir, jeweils für eine Unterkunft Umschau zu halten. Somit stresst uns auch dieser kleine Umweg nicht.

Wir folgen der internationalen Dollard Route. Diese führt durch ausgedehnte Polderlandschaften. Ein Grossteil der Strecke befindet sich unter dem Meeresspiegel. Nasse Füsse kriegen wir deswegen jedoch nicht. Schier endlose Entwässerungskanäle ermöglichen nun intensive Landwirtschaft. Jeder Quadratmeter Land wurde hier dem Meer abgerungen.

Am Nachmittag überqueren wir die Westerwoldsche Aa, ein schmaler Kanal und damit auch die Landesgrenze Deutschland-Holland. Nichts weist darauf hin, dass wir uns in einem anderen Land befinden, ausser der Beschilderung, die jetzt in Deutsch geschrieben ist.

Strecke:   Delfzijl – Knock   84 km
Wetter:    Sonne und nochmals Sonne; es wird wärmer (10 bis 25 Grad)

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Genau an diesem Steg entlang weist uns die Velobeschilderung

doch dann plötzlich geht's nicht mehr weiter. Wir sind viel unter dem Meeresspiegel geradelt, doch so lieber nicht ...

Freitag, 21. Mai 2010

Wir sitzen im Zelt, welches vom Wind kräftig durchgeschüttelt wird. Dieser zerrt und reisst von allen Seiten. Es wird sicher keine ruhige Nacht werden.

Doch nun zum heutigen Tag. Wir wollen nicht jammern, aber 60 km zehren an unseren Kräften. Wir benötigen dafür fast den ganzen Tag. Petrus erbarmt sich unser. Plötzlich dreht der Wind. Die restlichen 30 km werden wir richtiggehend Nordostwärts geschoben.  So stellen wir uns das Radeln mit einem Flyer oder Stromer vor. Einfach genial!

Die heutige Strecke führt meistens entlang des Deiches. Links das Watt, rechts leuchtend gelbe  Rapsfelder. Wir pedalen durch verträumte Dörfer und belebte Nordseekurorte. Besonders angetan sind wir von den urchigen Hafenstädtchen mit ihren alten Fischkuttern.

Das Nachtessen geniessen wir in einem Hafenbeizli in Neuhartlingersiel. Natürlich Fisch aus der Nordsee. Der Wirt kümmert sich rührend um uns. Gibt Tipps zum weiterradeln und begleitet uns sogar noch zu unseren Velos und wünscht uns eine gute Weiterreise. Einmal mehr sind wir erstaunt über die Gastfreundschaft und das Interesse der Friesländer an unserem „Projekt“.

Strecke:  Knock – Neuharlingersiel  97 km
Wetter:   Sonne pur, kühler Wind (9 bis 28 Grad)

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Entlang des Wattenmeeres mit den Deich verbauungen

Im Hafen des Fischerstädtchens
Greetsiel

Samstag, 22. Mai 2010

Der Wirt vom gestrigen Hafenrestaurant hat uns erklärt, dass die Fähre von Wilhelmshaven nach Eckwarden erst ab 15. Juni den regelmässigen Betrieb aufnehmen werde. Einmal mehr werden wir zu einem grösseren Umweg gezwungen. So radeln wir quer durch Ostfriesland. Alles auf regionalen, nationalen und internationalen Radwegen. Das Finden des richtigen Weges ist nicht immer einfach. Die Beschilderung teilweise mangelhaft und uneinheitlich. Ich habe mehrmals einen der „speziellen“ Wegweiser übersehen. Barbara hat viel den schärferen Blick, sich mit all den Velowegweisern zurechtzufinden. Nun will sie mich in den Kurs der Migros-Club-Schule schicken: „Wie kann man effizient Wegweiser lesen und richtig interpretieren“. Bevor ich mich jedoch  anmelde, werde ich meinen Optiker konsultieren.

Fast wie ein Ritual schalten wir ein- bis zweimal pro Tag einen Stopp in einer Caféstube ein. An der Sonne und windgeschützt geniessen wir unser feines Cappuccino. 

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Strecke:  Neuharlingersiel – Nordenham  105 km
Wetter:   Sonnenschein, warm (10 bis 30 Grad)

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Wollen wirklich alle ein Autogramm von Barbara?

Sonntag, 23. Mai 2010

Gestern haben wir den Fahrplan für die Fähre nach Bremerhaven studiert. Gut überlegt, heute ist ja Sonntagsfährdienst. Um 09.20 Uhr legt also das Schiff ab. Wir haben die Strecke bis zur Fähre genau geplant und noch etwas Reserve berücksichtigt. So erreichen wir den Hafen wie vorgesehen. Doch kein Schiff weit und breit in Sicht. Wir haben die Abfahrtszeiten ab Bremerhaven mit derjenigen ab Nordenham verwechselt. Lesen ist manchmal eben doch eine Glücksache.

Die heutige Strecke führt uns von der Weser bis über die Elbe, alles quer feldein. Bis am Nachmittag begegnen wir fast keinen Radlern. Erst als wir uns der Elbe nähern, werden die Strassen durch Velofahrer bevölkert. Viele Familien nutzen das schöne Pfingstwetter für einen Ausflug. Wir überholen eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Beim Vorbeifahren höre ich, wie das Mädchen zur Mama sagt: „Mensch, haben die aber viel Gepäck“.

Mittagessen gibt es auf einem Dorfplatz mit Sitzbänken. Schön windgeschützt. Gestern waren wir zum Nachtessen bei einem Griechen. Das Essen war ausgezeichnet, die Menge jedoch für schwerarbeitende Seemannsleute. Wir liessen uns die Hälfte des Nachtessens einpacken. Nun nach 50 km, haben wir Hunger und der zweite Teil von gestern Abend schmeckt heute wunderbar.

Die Orientierung auf den regionalen Fahrradwegen ist nicht immer einfach. An den Kreuzungen  werden jeweils so viele Ortschaften in alle Himmelsrichtungen angeschrieben, dass eine genaue Konsultation der Velokarte unabdingbar ist. Barbara hat nun die anzufahrenden Ortschaften auf einen Zettel geschrieben und diesen an der Lenkstange angeklebt. Sie sagt, dass dies ihr manuelles GPS sei. Und wirklich, wir müssen die Velokarte viel weniger aus der Packtasche nehmen.

Strecke:   Nordenham – Glückstadt  99 km
Wetter:  viel Sonne; es wird jeden Tag wärmer (13 bis 31 Grad)

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Einfahrt in Bremerhaven

Barbara's manuelle GPS

Montag, 24. Mai 2010

Wir schauen am Morgen aus dem Fenster. Es regnet. So lassen wir uns Zeit und starten erst nach 11 Uhr. Die Strecke bis an die dänische Grenze wollen wir auf dem Ochsenweg radeln. Dieser Weg verbindet seit mehreren 100 Jahren den Norden mit Mitteleuropa. Der Weg war militärisch wie auch als Handelsweg wichtig. Im 16. Jahrhundert wurden in weniger als 2 Monaten über 50‘000 Ochsen gezählt, die über diesen Weg transportiert worden sind. Wir werden auf der Strecke immer wieder der dänischen und deutschen Geschichte begegnen.

In Hohenlackstedt verfahren wir uns. Nach 45 Minuten erreichen wir den gleichen Dorfeingang. Der Grund ist auf diesem Abschnitt die fehlende Beschilderung des Ochsenweges. Durch den Wald haben wir uns einfach verfahren. Also nehmen wir einen zweiten Anlauf. Und es klappt. Bis wir einige Kilometer später in den Wäldern wieder die Orientierung verlieren. Und wieder erreichen wir, diesmal zum dritten Mal, das Dorf Hohenlackstedt. Ein Mann gibt uns Nachhilfeunterricht. Der Ochsenweg sei durch diesen Wald nicht mehr ausgeschildert, führe kreuz und quer durch Feld und Wald. Wir sollten doch den Radweg entlang der Bundestrasse 77 nehmen. Wir befolgen seinen Rat. Nach wenigen Kilometern überkommt uns der Ehrgeiz:  Jeder hat Anrecht auf einen dritten Versuch. Wir verlassen den Radstreifen entlang der Bundesstrasse  und radeln wieder in den Wald hinein. Wir glauben nun, den Weg gefunden zu haben, sind jedoch bei jeder Abzweigung etwas unsicher. Plötzlich ist der Ochsenweg wieder ordentlich ausgeschildert und so erreichen wir unser Etappenziel Hohenwerstedt. Der Spruch „An Pfingsten geht‘s am ringsten“ trifft für uns am Pfingstmontag auf alle Fälle nicht zu.

Strecke:  Glückstadt – Hohenwerstedt   77 km
Wetter:   Vormittag Regen am Nachmittag ganz angenehm ( 12 bis 23 Grad)

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Bei Krempermoor zeigt unser Kilometer- stand genau 2‘222. Wir installieren unser Stativ  um diesen Meilenstein festzuhalten. Drei Mädchen kommen daher geradelt und wollen die Fotos knipsen. Sie zeigen ein grosses Interesse an uns und unserer Reise. Die Distanz von über 2‘200 km können sie sich jedoch nicht vorstellen.

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Um 11.54 Uhr haben wir genau 2'222 km von zuhause aus zurückgelegt (und wenige Minuten später begann es so richtig zu regnen!)

Dienstag, 25. Mai 2010

Bei Rendsburg unterradeln wir den Nord-Ostsee-Kanal. Mit einem Lift geht es in die Tiefe und in einem Tunnel nur für Velos unter dem Kanal durch. Der Nord-Ostsee-Kanal gilt als die weltweit meistbefahrenste Wasserstrasse.

Gestern hat sich Barbara über den Ochsenweg mit seinen holperigen Steinplatten beschwert. Der Ochse scheint dies erhört zu haben. Nach Lohe führt die Strecke durch einen weichen, sandigen Weg, quer durch sogenannte Inlandwanderdünen. Der Feldweg sieht eigentlich ganz passabel aus, etwas uneben und mit wenigen Zentimetern Sand bedeckt. In einem ganz kleinen Gang strampeln wir Kilometer um Kilometer nordwärts. Immer wieder bleiben wir in den Sandverwehungen stecken, beim starken Pedalen bricht oft das Hinterrad aus und wir kämpfen mit dem Gleichgewicht.  Einige Meter schieben und von neuem strampeln. Barbara will nun ihren Stahlesel gegen einen Ochsen eintauschen.

Die Strecke ist aber hochinteressant. Wir passieren die Schlachtfelder, wo der König von Dänemark mit dem holsteinischen Grafen um den Besitz des Herzogtums Schleswig kämpfte

In der Abendsonne erreichen wir müde und verschwitzt Schleswig. Wenn nicht der sandige Weg uns das Vorwärtskommen erschwerte, so taten dies die böenartigen Winde.

Strecke:   Hohenwestedt – Schleswig   80 km
Wetter:     Sonne, kurz Regen und stets böenartiger Wind (9 bis 24 Grad)

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Picknick-Stopp im Walde .... 

... alles Müller oder was!

Mittwoch, 26. Mai 2010

Wir radeln weiter auf dem Ochsenweg durch Wälder und durch Moorlandschaften nordwärts.  Die Strecke wird leicht hügelig, dafür hat der Wind nachgelassen. Bei Munkwolstrup besichtigen wir das ca. 5‘000 Jahre alte und teilweise rekonstruierte Grosssteingrab.

Um 14 Uhr erreichen wir die Altstadt von Flensburg. Hier wollen wir nun einen wohlverdienten Ruhetag einschalten. Noch auf deutschem Boden „lädelen“ und vor allem neues Kartenmaterial einkaufen, sowie defekte Gegenstände ersetzen.

Strecke: Schleswig – Flensburg   52 km
Wetter:   leicht bewölkt, fast kein Wind (8 bis 24 Grad)

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Hafenstädtchen Holm bei Schleswig

5'000 Jahre altes Grosssteingrab bei Munkwolstrup

Donnerstag, 27. Mai 2010

Ausschlafen, ausgiebig frühstücken mit einem intensiven Zeitungsstudium. So ruhig gestaltet sich der Vormittag. Am Nachmittag schlendern wir zu Fuss durch die längste Fussgängerzone von Schleswig-Holstein. Die Flensburger behaupten, es sei die schönste Einkaufsstrasse des ganzen Bundeslandes. Die Fahrräder, auch die haben eine Pause verdient, konnten wir gestern in einem Nebenraum zu den Konferenzsälen sicher deponieren.

Von Wäscheklammern, Strassenkarten bis zu Trainerhosen und Schuhen haben wir eingekauft. Die Hohlräume in unseren Packtaschen werden nun verschwinden. Der wichtigste Einkauf waren aber die Hosenträger für Edis Velohosen. Das erspart ihm das ständige Hochziehen bei jedem Stopp.

Wir beschliessen eine Routenänderung. Anstelle der dänischen Ostseeroute, die für den ersten Streckenabschnitt schlechte Kritik hat, werden wir via Sonderborg auf die Insel Fyn radeln.

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und diesen Rat haben wir befolgt!

Freitag, 28. Mai 2010

Wir sind auf dem Zeltplatz in Bojden. Nicht im Zelt, nein in einer kleinen Blockhütte. Die schwarzen Wolken und die starken Winde haben unseren Entscheid leicht gemacht. Mit Blick auf das Südfünische Inselmeer können wir das Wechselspiel von Gewitterwolken und Sonne aus unserem wetterfesten Häuschen bestaunen. Doch nun zum heutigen Tag.

Heute Morgen verlassen wir bei herrlichem Sonnenschein Flensburg und fahren entlang des Flensburger Fjords. Wir sind auf Meereshöhe gestartet und befinden uns wieder auf Meereshöhe. Wir können viele tolle Schussfahrten geniessen. Doch jede von diesen muss zuerst „abverdient“ werden. Die Strecke dem Wasser entlang, durch Wälder und hügelige Wiesen gefällt uns sehr. Den Grenzübergang von Deutschland nach Dänemark haben wir gar nicht bemerkt. Erst die neue Beschilderung hat uns darauf aufmerksam gemacht. In Fynshav besteigen wir die Fähre nach Bojden und erreichen eine Stunde später die Insel Fyn.

Strecke:   Flensburg – Bojden   69 km
Wetter:     Sonne, Nachmittag Wind und Gewitterregen (7 bis 28 Grad)

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Dem Flensburger Fjord entlang

Samstag, 29. Mai 2010

Und wieder ein strahlend blauer Himmel. Ja, wenn Engel reisen, lacht die Sonne. Nur die Temperatur, vor allem morgens und in der Nacht, lässt nach wie vor zu wünschen übrig.

Wir radeln zuerst weiter auf der 8. und danach auf der regionalen 60. Veloroute nordwärts. Die Strecke geht wie gestern auf und ab. Die Aufstiege müssen mühsam erarbeitet werden. Die tollen Schussfahrten sind leider im Nu vorbei. Schon beim runter fahren sind wir uns bewusst, gleich geht es wieder bergauf. Der Tacho zeigt bereits um die Mittagszeit mehrere hundert Höhenmeter. Entschädigt werden wir durch eine wundervolle Landschaft. Auch hier versetzen uns die riesigen gelb leuchtenden Rapsfelder immer wieder ins staunen. Nach dem gestrigen Regen erscheinen uns die Farben noch kräftiger.

Nun sind wir auf dem Campingplatz Willemoes in Assens. Wir sind nicht mehr ganz alleine. Die Saison ist eröffnet. Gegen Abend schlendern wir durch das Städtchen. Hier sind wir aber die einzigen. Am Strand dagegen herrscht reger Betrieb. Ein Handballturnier der Junior-Damen ist im Gange. So hat sich das Leben von der Altstadt an den Strand verschoben.

Unser selbst gekochtes Nachtessen: Salat, Spaghetti und einen „Oak Aged Tempranillo" (es ist schliesslich Samstag, und eine Flasche hat uns im Einkaufscenter einfach so angelacht).

Strecke:   Bojden – Assens   63 km
Wetter:   recht freundlich mit viel Sonne (13 bis 26 Grad)

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Runter und gleich wieder hinauf gehts durch das hügelige Gebiet

Auch hier die grossen, leuchtenden Rapsfelder und im Hintergrund das Meer

Sonntag, 30. Mai 2010

Sie wurde angekündigt, die Schlechtwetterfront. Nun ist sie also da. Wir hören den Regen und drehen uns noch einmal (vielleicht war es auch mehrmals) im Schlafsack bis wir aufstehen. Beim eher späten Aufbruch gibt es doch eine Regenpause. Gestern war das Meer noch blau, heute graubraun. Die tiefen Wolken und der Nieselregen geben der Landschaft einen besonderen Charme.

In Middelfart unternehmen wir nach unserem Cappuccino trotz Regen eine Stadtbesichtigung. Die alten farbigen Häuser sehen auch bei regnerischem Wetter malerisch aus

Bei Strib überzeuge ich Barbara, dass man mit dem Velo auch Wanderwege befahren könne. Doch kurze Zeit später bleiben wir im Dornengestrüpp stecken. Dies nicht ohne Folgen…! Beim Flicken fragt uns ein vorbei spazierender Einheimischer, zuerst natürlich auf dänisch, dann auf englisch, ob wir beabsichtigen, hier zu übernachten. Nein, bei einem Platten müssen die Packtaschen abgeschnallt werden. Zudem ist das Veloflickzeug zuunterst, so dass eine der Taschen noch leergeräumt werden muss. Zugegeben, man könnte schon meinen, wir möchten hier länger verweilen.

Wenige Kilometer später, das Schicksal ist doch gerecht, verliert Barbara an ihrem Hinterrad Luft. Eine eingefahrene Scherbe ist der Grund dafür. Diesmal erfolgt die Reparatur auf einem Holztisch vor einer geöffneten Galerie. Die Besitzerin erscheint, hat Bedauern und offeriert uns freundlicherweise je eine grosse Tasse Kaffee!

Nun sind wir auf einem Zeltplatz am Trockenen. Es gibt heute die zweite Hälfte der Spaghetti, den Rest der Tomatensauce und Parmesankäse. Wein von gestern hat es leider keinen mehr.

Strecke:     Assens – Vejlby  63 km
Wetter:        ganzer Tag regnerisch (kühle 11 bis 13 Grad)

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Unsere kleine trockene Unterkunft

Auf diesem Wanderweg geht es für uns nicht mehr weiter

Montag, 31. Mai 2010

Heute hoppeln uns mehr Hasen über den Weg, als uns Velofahrer begegnen. Die Strecke ist anstrengend. Das Auf und Ab, der zum Teil weiche klebrige Waldboden und der starke Wind. All dies ist Schuld, dass wir wirklich auf den Felgen den Campingplatz am Hasmark Strand ansteuern. Es ist noch nicht einmal 15 Uhr, für uns jedoch ist der Radlertag für heute beendet

Wenn auch unsere Kondition ein Tief durchläuft, die Moral ist nach wie vor tip top. Nach meiner Berechnung werden wir morgen die ersten 20 km Rückenwind haben. Ein schwungvoller Start scheint somit garantiert.

Es soll heute erneut eine sehr kalte Nacht geben. Deshalb beschliessen wir, in einer Blockhütte zu übernachten.

Auf dem Campingplatz lernen wir Esthi und Ernst aus Luzern kennen. Ganz spontan laden sie uns zu einem Apéro ein. Die Beiden sind ebenfalls mehrere Monate unterwegs, allerdings  mit einem Camper. Wir alle schätzen den gemeinsamen Schwatz in unserer Muttersprache.

Strecke:   Vejlby – Hasmark Strand   60 km
Wetter:     je später der Tag je sonniger (11 bis 17 Grad)

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Die Ruhenpausen werden immer häufiger

Abendspaziergang entlang des Strandes

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Abschiedsföteli mit Esthi und Ernst aus Luzern

Dienstag, 1. Juni 2010

Der gestern versprochene Start mit Rückenwind verzögert sich. Wir suchen die regionale Veloroute 32. Diese verläuft nach unserer Velokarte genau entlang des Hasmark Strandes. Dem ist aber nicht so. Nach dem zweiten Anlauf, wir befinden uns bereits am Anfang der Halbinsel Hals, sind wir sicher, der Fehler liegt nicht bei uns. Die Karte ist ungenau. Die Autokarte ist für einmal präziser. Eine Stunde später finden wir den Einstieg zum Radweg, der dem Fjord entlang führt.  Das Suchen hat sich gelohnt. Heute geht das Pedalen bei uns wieder lockerer. Die Strecke führt viel dem Meer entlang und ist nicht mehr so hügelig. Am Abend erreichen wir Nyborg. Von hier geht es dann morgen über den Storebaelt nach Korsor.

Die Storebaelt Brücke verbindet die beiden Inseln. Es ist die längste Hängebrücke Europas und  für Velos gesperrt. Deshalb müssen wir, um auf die Hauptinsel Seeland zu gelangen, den Zug nehmen. Wir lösen bereits heute die Fahrkarten und nehmen auch die benötigte Reservation für die Fahrräder vor. Eine komplizierte Angelegenheit und dies nur für eine Station Zugsfahrt über die Brücke. Der Mann am Billettschalter erklärt uns noch, wir hätten mit den Rädern genau dort zu stehen, wo der reservierte Wagen Nr. 13 anhalten werde. Zum Einsteigen bleibe uns genau 1 Minute Zeit. Kein Problem für uns! Wir haben nur 2 Räder, 8 Packtaschen, 1 Zeltsack und 2 Rucksäcke. Was der Bahnangestellte jedoch nicht weiss,  wir sind Berner.

Strecke:  Hasmark Strand – Nyborg  96 km
Wetter:    endlich sommerlich warm und schön (13 – 27 Grad)

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Auf der Halbinsel Hals

Mittwoch, 2. Juni 2010

Die Zugsfahrt gestaltet sich mühsam. Wir werden beim Einsteigen durch Passagiere behindert, die an jeder Haltestelle schnell ein paar Zigarettenzüge benötigen. Unsere reservierten und separat bezahlten Veloplätze sind durch Männer belegt, die schon tief in die Bier- und Schnapsflasche geschaut haben. So stehen wir mit Velo und Gepäck im Gang all den übrigen Passagieren und Bahnangestellten im Wege. Da es nur eine Station dauert, ist dies  für uns nicht so stressig. Beim Aussteigen sind natürlich wieder die Raucher auf der Treppe. Damit der Zug nicht ohne sie wegfährt, weichen sie keinen Schritt zur Seite und versperren wieder den Weg. Zug fahren mit den Rädern und dem Gepäck ist also nicht immer einfach und angenehm.

Die heutige Strecke, alles nordwärts der Westküste entlang, verfügt über keine vorgegebenen Velorouten. Auf den Nebenstrassen radelt es sich dennoch angenehm.

Das Wetter wird immer wärmer. Ein richtiger Frühsommertag. Der einzige Quälgeist ist der starke Gegenwind. Wir lassen uns aber nicht aus der Ruhe bringen. Nicht Kopf runter und einfach stärker in die Pedale treten. Nein, einfach langsamer radeln, mehr Pausen einschalten, die Tagesetappe entsprechend kürzen und dem trotzigen Gegenwind  keine Beachtung schenken!

Nun sind wir auf dem Campingplatz Vestsjoelland. Auf der grossen Zeltwiese sind wir die Einzigen. Der Ausblick vom Zelt aus auf das offene Meer ist sehr romantisch. Heute sehen wir die grosse Brücke von Storebaelt von der anderen Seite. Luftlinie ist die Brücke genau 27 km entfernt und dafür radelten wir mehr als einen halben Tag.

Erstmals haben wir kurze Hosen und ein T-Shirt angezogen. Einzig die vielen Fliegen, die uns richtiggehend  belagern, sorgen dafür, dass wir nicht zu übermütig werden.

Strecke:  Nyborg – Vestsjoelland   46 km
Wetter:   ein herrlich warmer Frühsommertag  (13 bis 30 Grad)

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Die Einzigen auf der Zeltwiese ...             ... oder doch nicht ganz alleine          

Donnerstag, 3. Juni 2010

Wieder einmal eine Nacht mit kurzen Unterbrüchen. Unsere Matratzen verlieren Luft. Zweimal liegen wir auf dem harten Boden und müssen erneut aufblasen. Die Campingartikel werden immer leichter, die Beständigkeit dafür kürzer. Da eine Reparatur kaum möglich ist, einfach auf die Liste des auszuwechselnden Zubehörs setzen.

Bei der Inhaberin des Campingplatzes konnten wir gestern noch vier Brötchen bestellen. Zusammen mit etwas Käse und einem Kaffee geniessen wir diese an der wärmenden Sonne.

Zuerst fahren wir nordwärts bis Kalundborg. Die Altstadt ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Dänemarks. Anschliessend radeln wir auf der Veloroute 4 ostwärts Richtung Holbaek.

In Vipperod steuern wir den Campingplatz an. Die Anmeldung ist nicht besetzt, obschon diese gemäss Anschlag offen sein sollte. Keine Menschenseele weit und breit. Dies erlebten wir bereits mehrmals. Manchmal ist ein Zettel mit einer Telefonnummer an die Eingangstür geklebt. Wählt man diese Nummer, so meldet sich ein Telefonbeantworter, natürlich auf dänisch. Die Stimme sagt etwas, keine Ahnung was. Das Einchecken auf den einfacheren Campingplätzen ist nicht immer leicht. Bisher haben wir es irgendwie immer geschafft, so auch heute.

Es ist bereits 22.30 Uhr und draussen ist es immer noch hell. Dennoch ist es Zeit, in den Schlafsack zu kriechen.

Strecke: Vestsjoelland – Vipperod   83 km
Wetter:   noch schöner als gestern…

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Immer wieder gehts auf und ab, da muss zwischendurch geschoben werden     

Freitag, 4. Juni 2010

Da Barbara es im Schlafsack wegen Wadenkrämpfen nicht mehr aushalten kann, gibt es schon um 6 Uhr Tagwacht. Um 8 Uhr ist das getrocknete Zelt bereits mit den Packtaschen auf den Rädern festgeschnallt.

Die Strecke führt uns auf dem Radweg 4 weiter quer durch Nord-Seeland. Wir radeln auf Waldwegen, durch schmucke Dörfer und blühende Wiesen. Vereinzelt erblicken wir Rehe und Hasen. Grosse Herrschaftssitze zeigen aber auch, dass in dieser Gegend intensiv Landwirtschaft, vor allem Pferdezucht, betrieben wird.

In Grydehoi besuchen wir Grabanlagen, bzw. deren Überreste aus der Zeit der Wikinger (900 bis 950 n.Chr). In den Gräbern befanden sich immer zwei Personen. Der Herr mit seinem enthaupteten Sklaven.

Am  späteren Nachmittag erreichen wir den Grossraum Kopenhagen. Etwa 18 km vom Stadtkern entfernt suchen wir einen Campingplatz auf. Wir beziehen eine Hütte. Nun sind beide Luftmatratzen nicht mehr dicht. Letzte Nacht mussten wir alle zwei Stunden Luft hinein pusten, damit wir nicht auf dem kalten Boden lagen. Es ist doch schön, wenn man zwischendurch so gute Ausreden findet...  Die Hütte liegt direkt an einem Kanal. Das Nachtessen geniessen wir auf unserer kleinen Veranda und lassen uns durch die Abendsonne noch etwas aufwärmen. Morgen greifen wir Kopenhagen von Süden an!

Strecke:  Vipperod – Ishoj   72 km
Wetter:    sommerlich schön und  warm

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Grabanlage aus der Zeit der Wikinger               

Unser Ausblick von der Veranda während des Nachtessens

Samstag, 5. Juni 2010

Ohne unser Gepäck unternehmen wir heute einen Ausflug nach Kopenhagen. Mit dem Velo versteht sich, denn Kopenhagen gilt als die velofreundlichste Stadt überhaupt. Dies können wir bestätigen. Das ausgebaute Radwegnetz, die breiten Radspuren entlang der Strassen und über die Kreuzungen, die für Velofahrer separaten Lichtampeln, das sind nur einige Beispiele. Wir verspüren auch sofort den grossen gegenseitigen Respekt zwischen Autofahrern, Velofahrern und Fussgängern.

So entdecken wir per Velo und zu Fuss die Innenstadt und das Hafengebiet. Der Sommer ist auch in Kopenhagen angekommen. Die Menschen geniessen den herrlich warmen Tag. Sommerlich gekleidet flanieren Jung und Alt durch die Strassen oder verweilen auf den Plätzen. Eine pulsierende multikulturelle Stadt.

Strecke: Ausflug nach Kopenhagen und zurück  54 km
Wetter:   ein herrlicher Sommertag

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Separate Lichtampeln für Velofahrer

Sonntag, 6. Juni 2010

Heute radeln wir nun voll beladen ins Zentrum von Kopenhagen. Mit etwas mehr als 1‘600 km schliessen wir die zweite Etappe ab.

Die bisher zurückgelegte Strecke von Bern bis hier hin nach Kopenhagen beträgt über 3‘000 km. Dazu sind wir gemäss Angaben des Velocomputers über 190 Stunden im Sattel gesessen (9er Probe vorgenommen!). Zugegeben, wir haben nicht den kürzesten  Weg gewählt. Dies war auch gar nie unser Ziel. Vielmehr suchen wir stets die nationalen und regionalen Velowege, zwischendurch auch Pilger- und Wanderwege. Immer möglichst abseits vom Strassenverkehr.

Nun schalten wir wieder eine kurze Pause ein, bevor wir nach Schweden aufbrechen.

Strecke:  Ishoj  - Kopenhagen Zentrum  22 km
Wetter:    sommerlich schön und  warm