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Streckenübersicht 3. Etappe Kopenhagen - Stockholm  Totel 1'167 km

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Freitag, 11. Juni 2010

Die Packtaschen sind mit frischer Wäsche gefüllt. Die mobile Küche mit Cappuccino, Pasta, Reis und vielem mehr ergänzt. Auch die defekten Ausrüstungsgegenstände sind ersetzt. Bei den Schlafmatten haben wir uns für die „Luxusversion“ mit Isolation und Daunenfüllung entschieden. Sie sind zwar grösser und schwerer, dafür sollten die Nächte angenehmer werden. Wir werden nicht auf Wolke 7 schlafen aber auf Exped Downmat 7.

Die Öresundbrücke, welche Dänemark mit Schweden verbindet, feiert morgen ihr 10-jähriges Bestehen. Nebst grossen Festivitäten findet ein Marathonlauf über die Brücke statt. Für Radfahrer ist und bleibt sie jedoch gesperrt. Somit müssen wir wohl oder übel zum Start eine kurze Zugsfahrt über uns ergehen lassen.

Wir sind gespannt auf Schweden. 

Samstag, 12. Juni 2010

Wir besteigen den zum Glück nicht überfüllten Zug und hoffen, dass unser häufiger Begleiter, der Wind, uns nicht verfolgt. Wirklich, er ist in Dänemark geblieben. Dafür erwartet uns sein grosser Bruder und der ist wesentlich kräftiger. Gestern hat Barbara im wetter.com bereits gesehen, dass der heutige Tag von stürmischen Winden begleitet sein wird. Die Vorhersage stimmt.

In Malmö angekommen besorgen wir in der Touristinformation Velokarten. Anschliessend radeln wir durch die Altstadt. Malmö war anfangs des 16. Jahrhunderts die zweitgrösste Stadt Nordeuropas. Dies kommt immer noch durch die alten, imposanten Bauwerke zum Ausdruck.

Als wollte Petrus uns etwas necken, wechselt sich Regen und Sonnenschein in kurzen Abständen ab. Bei den ersten Regentropfen suchen wir jeweils einen Unterstand. Nach einigen Minuten hellt sich der Himmel wieder auf und die Sonne kommt hinter den schwarzen Wolken erneut zum Vorschein. Dies wiederholt sich mehrmals.

Die Velowege sind hervorragend ausgeschildert und führen durch abgelegene Wald-, Dünen- und Moorlandschaften. Der Einstieg in Schweden ist trotz des ständigen Gegenwindes gelungen. Es gefällt uns und wir fühlen uns wohl.

Strecke:    Kopenhagen - Malmö – Falsterbo  60 km
Wetter:    schön mit kurzen Regenunterbrüchen; stürmische Winde

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In Schweden angekommen (vor dem Regierungssitz von Malmö)

Durch den Naturpark Skanörs Ijung

Sonntag, 13. Juni 2010

Für den unruhigen Schlaf sind nicht die neuen Mätteli verantwortlich. Auf denen liegt es sich ausgezeichnet. Fast wie auf einem Heizkissen. Nein, es sind die stürmischen Winde, die uns in der Nacht mehrmals wecken. Wir befürchten, dass die Windböen unser Zelt zerreissen könnten. Wegfliegen kann es nicht, da sind wir zusammen mit unserem Gepäck viel zu schwer.

Wir radeln südwärts zuerst durch grosse Gemüsekulturen und dann immer der Küste entlang. Hören die Wellen und das Laufgeräusch unserer Räder. Es tönt in unseren Ohren wie Musik. Im kleinen Hafen von Smygehamn erreichen wir den südlichsten Punkt von Schweden

Am Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel, das Städtchen Ystad. Dieser Ort ist bekannt durch Kommissar Wallander (in den Romanen des Bestsellers Henning Mankell). Die Altstadt gehört mit seinen Fachwerkhäusern zu den schönsten Südschwedens. Die feuergefährdeten Häuser werden noch heute durch einen Feuerwehrmann von einem Kirchturm aus überwacht. Besteht keine Gefahr, bläst er alle Viertelstunde in sein Kupferhorn.

Wir lassen uns am Rande der Stadt auf einem Campingplatz im Kiefernwald nieder. Wir sind zuversichtlich, dass es eine weniger windige Nacht geben wird.

Strecke:   Falsterbo – Ystad   93 km 
Wetter:   stark bewölkt, kalt und windig

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Südlichster Punkt von Schweden

Montag, 14. Juni 2010

Die heutige Strecke führt vorwiegend der Küste entlang. Mehrmals verweilen wir an den schönen Stränden mit den Sanddünen und geniessen die wärmende Sonne und das Rauschen der Wellen.

In Ales stenar schieben wir unsere Räder auf eine Anhöhe. Hier inmitten einer Kuhweide steht die grösste Schiffssetzung der Wikinger. Diese Grabanlage mit den grossen Steinen wurde in Form eines Schiffes gebaut und genau nach der Sonne ausgerichtet. Die Anlage soll über 3‘500 Jahre alt sein, doch so genau kann dies die Forschung jedoch nicht bestimmen. Mindestens so beeindruckend ist die Sicht auf das Meer.

In Skillingen beabsichtigen wir, einen ganz anderen Friedhof zu besuchen. Es sollen viele gestrandete und halb versunkene Schiffe zu sehen sein. Gefunden haben wir keine, dafür im Fischerhafen ein kleines Beizli. Es ist Zeit für eine Kaffeepause. Wir sitzen gemütlich hinter Glas mit Sicht auf den Hafen und können die Fischerboote beobachten, die begleitet von einer Schar Möwen rein tuckern. Da kann uns die Bedienung leicht überzeugen. Aus dem Kaffee wird ein Lunch mit Lachs an einer Weissweinsauce, neuen Kartoffeln und Salat, Getränke inkl. Kaffee à la discrétion. Gekostet hat das excellente Mittagessen für uns beide keine 200 Kronen (Fr. 30.--).  Zugegeben, wir haben viel zu viel gegessen. Nun geht das Pedalen mit dem Auf und Ab und dem teilweise starken Gegenwind noch mühsamer.

Strecke:  Ystad – Kivik  77 km
Wetter:     Sonne, Wolken und Wind

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Sind wir müde, stellen wir die Räder am Strand ab und schalten eine Siesta ein.

Dienstag, 15. Juni 2010

Heute suchen wir vergebens einen Veloweg entlang der Küste. Wir müssen auf der Hauptstrasse fahren. Die hügelige Gegend mit den steinigen Wiesen erinnert uns an unseren Jura. Für die ersten 20 km benötigen wir zwei Stunden. Die vielen grossen Lastwagen, die in hohem Tempo an uns vorbeifahren, erleichtern das Radeln nicht. Die Druckwellen, welche die Laster erzeugen, bringen unsere Räder immer ins Schwanken. Wir sehnen die verkehrsfreien Radwege herbei.

Ein neues Geräusch bringt uns auf andere Gedanken. Es sind Hagelkörner, die auf unsere Helme prasseln. Doch nicht lange. Rasch geht der Hagel in einen starken Gewitterregen über. Für uns bleibt zu wenig Zeit, um die Regenmontur überzustülpen. Innen nass, aussen nass. Das Fahren auf den Hauptstrassen, auch wenn zwischendurch ein abgetrennter Radweg vorhanden ist, wird noch mühsamer.

Am späteren Nachmittag wird der starke Gewitterregen durch einen feinen Sommerregen abgelöst. Kurz vor Vanneberga zeigen unsere Kilometerzähler 3‘333 km an.  Rasch, zwei drei Schnappschüsse und weiter geht‘s.

In Sölvesborg wird das Vorwärtskommen immer anstrengender. Ich stelle fest, dass ich mit dem Vorderrad einmal mehr fast auf den Felgen fahre.  Warum habe ich bereits vier Plattfüsse und Barbara nur einen?

Auf dem Valjevikens Camping beziehen wir eine Stuga (kleine Hütte). Wir müssen unsere nassen sieben Sachen irgendwie trocken kriegen.

Strecke:  Kivik – Sölvesborg  79 km
Wetter:    ein bisschen Hagel, viel Regen, Wind und am Abend wieder Sonne

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Bei einem leichten Sommerregen erreichen wir die Schnapszahl 3'333 km. Rasch zwei, drei Föteli und weiter geht's ...

Mittwoch, 16. Juni 2010

Nach dem reinigenden Gewitter von gestern ist die Landschaft heute besonders farbintensiv. Die Sonne scheint und wir radeln auf der Fernradroute Cykelsparet nordwärts. So ganz sicher sind wir allerdings nicht, auf dem richtigen Weg zu sein. Im Ryssberget Naturreservat bewältigen wir den steilen Waldweg nur noch mit schieben. Oben angekommen wird uns bewusst, wir haben den Radweg mit einem Wanderweg verwechselt. Zurück oder weiter? Barbara hat hinten einen Plattfuss. Nun steht es 4 zu 2. Beim reparieren haben wir Zeit zum überlegen und entscheiden gemeinsam, nicht umzukehren. Bei einer späteren Querverbindung sollten wir wieder auf den Radweg stossen. Dies ist der falsche Entscheid, wie sich  herausstellen wird. Wohl finden wir die Querverbindung. Steil geht’s bergab. Der Weg wird erneut zu einem schmalen Wanderweg. Mal links, dann wieder rechts und plötzlich gibt’s nicht einmal mehr einen schmal getretenen Pfad. Wir stecken mit unseren beladenen Rädern fest. Zuerst nehmen wir es ganz locker. Doch dann wird die Angelegenheit zur Tortur. Zu Fuss versuche ich, einen Weg aus dem Wald zu finden. Barbara bleibt bei den Rädern zurück und wehrt den angriffslustigen Mücken. Es braucht viel Zeit, Nerven und Kraft, bis wir endlich einen abgelegenen Bauernhof erreichen. Ein wohltuendes Gefühl, auf einer asphaltierten Strasse weiterradeln zu können.

Die Strecke dem Meer entlang durch das hügelige und steinige Hinterland ist abwechslungsreich und schön. Über das Auf und Ab beklagen wir uns gar nicht. Einfach in keinen Waldweg mehr abbiegen…

Nun befinden wir uns auf dem Zeltplatz in Järnavik. Ein Abendspaziergang dem Fjord entlang, eine doppelte Portion Nudeln und die Radlerwelt ist für uns wieder in Ordnung.

Strecke:   Sölvesborg – Järnavik  75 km
Wetter:   ganzer Tag Sonnenschein

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Wie war das mit Hänsel und Gretel....?

Donnerstag, 17. Juni 2010

Es war wieder eine frostige Nacht. Der Campingwart beruhigt uns, dass dies eigentlich nicht normal sei und es bald wärmer werde. Tagsüber ist es nun angenehm. Wir ziehen die kurzen Radlerhosen an.

Heute pedalen wir ausschliesslich auf dem Fernradweg Cykelsparet. Er führt uns durch Wälder, entlang riesiger Felder und hügeliger Naturwiesen. Zwischendurch können wir einen Blick auf einen der vielen Fjorde werfen. Obschon der Radweg meistens auf normalen Strassen verläuft, ist es angenehm ruhig. Ausgenommen durch die Dörfer und Städtchen begegnen uns nur selten Autos oder Lastwagen.

Die Freundlichkeit der Schweden überrascht uns immer wieder aufs Neue. Sei es auf Campingplätzen, in Einkaufsläden oder auf der Strasse. Es werden ein paar nette Worte gewechselt. Sogar auf dem Radweg während des Fahrens werden wir mehrmals angesprochen. Die Neugierde wird sicher nicht zuletzt durch unsere schwer beladenen Räder hervorgerufen. Wir werden gefragt, woher wir kämen, wohin wir gingen, wie es uns hier in Schweden gefalle und viele Nebensächlichkeiten mehr. Eine jüngere Schwedin ist besonders interessiert an unserer Reiseroute. Zum Schluss fragt sie: „Are you normal?“ Dies fragen wir uns manchmal auch, wenn wir uns im Wald verirren, den Weg suchen oder im Kreis herum fahren.

Strecke:  Järnavik - Kristianopel   98 km
Wetter:   ganzer Tag sonnig und wärmer

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Unsere "Tankstelle" für Frühstück, Mittag-  und Abendessen

Unsere Nachbarn auf dem Zeltplatz

Freitag, 18. Juni 2010

Als wir gestern so um 23 Uhr in die Schlafsäcke kriechen, ist schon alles kalt und feucht. Kurz nach 3 Uhr wird es bereits hell. Das Zelt ist innen ganz nass. Wir hören die Tropfen, die auf den Zeltboden fallen. Aber auch das Innenzelt ist voller Wasserperlen. Dies ist mit Abstand die feuchteste Zeltnacht. Es gibt Nächte, da bleibt das Zelt trocken und andere, da ist das Zelt innen wie aussen feucht. Doch so durchnässt war unsere mobile Wohnung noch nie. Gegen 6 Uhr kommt ein starker Wind auf. Der hilft uns tatkräftig beim Trocknen.

Der gleiche Wind schiebt uns nun ständig von hinten. Deshalb nennen wir die heutige Etappe „Speedy pedales“. Die Strecke ist flach. Wald und nochmals Wald. Endlos erscheinen uns die Strassen. Unsere Velocomputer zeigen über grosse Strecken zwischen 25 und 35 km/h an. 

Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir Kalmar. Wir besichtigen das Schloss, das zu den schönsten schwedischen Renaissancepalästen zählen soll. Danach schlendern wir kreuz und quer durch die Altstadt.

Nun sitzen wir in einer Stuga im Wald mit Blick auf einen Fjord. Unser ganzes Inventar haben wir auf vier Kajütenbetten ausgebreitet. Bereit für eine Inspektion? Nein, wir heizen kräftig und trocknen unser ganzes Hab und Gut.  Wir sind uns jedoch bewusst, dass es schon bald wieder feucht sein wird.

Strecke:  Kristianopel - Kalmar   88 km
Wetter:    stark bewölkt; gegen Abend vereinzelte Aufhellungen mit etwas Sonne

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Schloss Kalmar

mi t Blick vom Schutzwall aufs Meer

Samstag, 19. Juni 2010

Ganz Schweden feiert heute die Hochzeit von Victoria und Daniel und erstmals zeigen sich bei uns gewisse Ermüdungserscheinungen, natürlich beim Radeln!! Dies obschon die Route sehr angenehm ist. Wir radeln durch endlos scheinende Wälder und abgelegene Gegenden. Wir wissen beide nicht, woran es liegt. Vielleicht ist es im Moment die gewisse Monotonie der Strecke. Barbara sagt: „Wald, immer nur Wald, nichts als Bäume“. Ich antworte: „Ja, aber jeder Baum sieht doch ein ganz klein wenig anders aus…“. Wir sind aber überzeugt, dass die Faszination zurückkommen wird. Jeder „Langstreckenradler“ verspürt gemäss Berichten zwischendurch eine gewisse Sättigung. Da sind wir wohl keine Ausnahme.  

Heute rechnen wir eigentlich nur mit Sonne. Doch am Nachmittag wird es immer drückender. Es beginnt zu regnen. Zuerst nur ganz leicht, dann immer stärker. Wir halten im Wald an, um die Regenkleider überzustülpen. Kaum vom Rad abgestiegen werden wir von unzähligen Mücken umlagert. Ohne Vorwarnung! Alle gehen zum Angriff über. Wild um sich schlagen nützt nichts. Die beste Abwehr ist, sich rasch einzupacken. Nun ist fast nur noch das Gesicht ungeschützt. Die Mücken versuchen, uns durch die Kleider zu attackieren. Keine Chance, an unser Blut kommt keine mehr.  So also haben wir die erste Bekanntschaft mit einer Mückenattacke überstanden.

Den Umständen entsprechend entscheiden wir uns wieder für eine Stuga. So sind wir vor Regen und Mücken geschützt.

Strecke:  Kalmar - Oskarshamn   96 km
Wetter:    Sonnig und warm, dann Gewitterregen

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Fischerdorf Pataholm

Wald und nichts als Wald;                  falsch, Wald und Barbara

Sonntag, 20. Juni 2010

Auch heute pedalen wir weiter auf der Fernradroute Cykelsparet. Der Versuchung, eine Abkürzung entlang der E22 zu wählen, können wir locker widerstehen. Natürlich sind wir wieder viel im Walde unterwegs. Zwischendurch geht’s auch entlang eines Fjordes oder eines Seeleins. Die Hälfte dieser Strecke radeln wir auf Naturstrassen. Der Weg schlängelt sich rauf und runter nordwärts. Die Steigungen sind nur kurz, aber teilweise so stark, dass wir in den kleinsten Gang zurückschalten müssen. Wenn dies auch nicht mehr reicht, dann schieben wir einfach.

Das Wetter ist äusserst wechselhaft. Mehrmals gibt es kurze Regengüsse. Nicht immer gelingt es uns, rechtzeitig einen trockenen Unterstand zu finden. Wenige Minuten später scheint jedoch bereits wieder die Sonne.

Nach anstrengenden 110 km sind wir in Västervik und beginnen, den Zeltplatz zu suchen. Endlich nach 114 km erreichen wir unsere Schlafstelle. Eigentlich wollten wir nicht eine so grosse Etappe zurücklegen. Doch unterwegs gibt es leider keine für uns passende Unterkunft.

Wir beschliessen, morgen einen Ruhetag einzuschalten.

Strecke:  Oskarshamn - Västervik  114 km
Wetter:    Sonne und Regen im Wechsel

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Auf der Suche nach Schutz vor dem Regen sind wir nicht wählerisch.

Standortbestimmung anhand der Karte

Montag, 21. Juni 2010

Heute bleiben wir etwas länger in unseren Schlafsäcken liegen. Den Tag beginnen wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Endlich wieder einmal Butter und Konfitüre und nicht die ewigen Yoggi-Müesli.

Danach werden die Räder einem 1‘000er Service unterzogen. Meine Übersetzung quitscht schon lange und die Kette überspringt zwischendurch einen Gang. Die gestrige Fahrt durch den sandigen und nassen Waldboden hat noch markantere Spuren an Ketten und Wechsler hinterlassen.

Mit den polierten Rädern und geölten Ketten fahren wir nun in die Altstadt. Västervik ist eine schmucke Hafenstadt mit vielen alten Holzhäusern. Besonders eindrücklich sind die Batsmansgatan. Das sind ganz kleine Seemannshäuser, welche die Stadt früher den Soldaten und Seeleuten der königlichen Marine gratis zur Verfügung stellen musste. 

Das Gebiet um Västervik zählt zu den schönsten Schären von Schweden. Mit dem Rad fahren wir zu einigen wunderschönen Aussichtspunkten. Insgesamt gibt es über 5‘000 Felsinselchen und Schären.

Strecke:  rund um Västervik   19 km
Wetter:   Bewölkt, dann sonnig, jedoch mit kaltem Wind

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Edi an den Servicearbeiten

Batsmansgatan

Dienstag, 22. Juni 2010

Heute geht es mit dem Radeln wieder lockerer. Wir geniessen die vielen langen Abfahrten. Bis gegen 45 km/h zeigt der Tachometer auf unseren Velocomputern bei den Schussfahrten an. Zugegeben, vorgängig müssen die Höhen abgestrampelt werden. Die Strecke führt uns weiter auf den Fernradwegen Cykelsparet und Kustlinjen. Natürlich fahren wir heute auch wieder viel durch den Wald. Bei gewissen Streckenpartien haben wir das Gefühl, als seien wir hier bereits vor einigen Tagen vorbeigeradelt.

Nun sind wir auf einem Zeltplatz in Valdemarsviks. Seit gestern ist in Schweden Hochsaison, das bedeutet, dass die Übernachtungen zum Teil das Doppelte kosten. Trotz Hochsaison sind wir auf der gesamten Zeltwiese die einzigen. Ganz alleine sind wir jedoch nicht. Heute haben wir zur Abwechslung mehrere Zecken im Vorzelt. Vor einigen Tagen hat sich einer in den zarten Oberschenkel von Barbara verbissen. Ich bekämpfe mehr die Ameisen, die immer hinter meine mobile Küche wollen. Nicht ärgern, wir befinden uns in der Natur.

Genau heute vor zwei Monaten fuhren wir in Köniz mit unseren Rädern los. In der Zwischenzeit sind wir um viele Eindrücke aber auch um Erfahrungen reicher. Auch wenn wir fast 4‘000 km zurückgelegt haben, sind wir noch nicht reisemüde. Ganz im Gegenteil, die Entdeckungslust ist unvermindert da.

Strecke:  Västervik - Valdemarsviks   92 km
Wetter:   Am Morgen etwas Regen, dann schön

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Barbara wollte mich überraschen und mir den Wald von einer ganz anderen Seite zeigen...
Die Waldbeerenjoghurt schmecken wirklich ausgezeichnet!

Mittwoch, 23. Juni 2010

Heute Morgen krabbeln auf der Aussenseite des Innenzeltes erneut Zecken über unseren Köpfen herum. Die sind auf dem dünnen gelben Zeltstoff gut erkennbar. Es gibt kein Erbarmen, sie werden zerdrückt. Doch nicht diese, die wir sehen, bereiten uns Sorgen. Nein, es sind jene, die im Vorzelt zwischen den Packtaschen und dem Zeltsack auf uns warten.

Im Tourist Office der Stadt erkundigen wir uns nach der aktuellen Zeckensituation. Man erklärt uns, dass es in Schweden dieses Jahr sehr viele Zecken habe, da der Winter für diese Biester günstig gewesen sei. An der Küste gebe es zudem mehr als im Landesinneren, wobei dies nach Regionen sehr unterschiedlich sei. Das hilft uns auch nicht gerade weiter. Dafür bekommen wir interessante Informationen über einen Veloweg, der auf einem Trassee einer stillgelegten Eisenbahn verläuft. Den Einstieg dieses Weges findet man wirklich nur mit Insiderinformationen. Da früher die Bahnen keine starken Steigungen überwinden konnten, gibt es auf der ganzen Strecke nie mehr als 2% Steigung. Das gefällt vor allem Barbara. 

In Söderköping sind wir auf einem Zeltplatz mitten in der Stadt. Hier kann es keine Zecken haben. Die Stadt ist ein historisches Handelszentrum mit sehr vielen alten Holzhäusern und Pflastersteinen, auf denen mit dem Velo schwierig zu fahren ist. Dafür sehr geeignet, durch die alten Gässchen und Einkaufsstrassen zu schlendern. Söderköping ist nicht zuletzt auch wegen des Göta-Kanals, der hier durchfliesst, ein beliebter Touristenort. 

Strecke:  Valdemarsviks - Söderköping   57 km
Wetter:    Schön; Kurzhosenwetter, sofern man die Mücken nicht scheut ….

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Valdemarswiks      

Auf den Spuren einer stillgelegten Eisenbahnlinie

Donnerstag, 24. Juni 2010

Eine kurze Strecke fahren wir dem Göta-Kanal entlang. Wir  beobachten das Schleusensystem und die vielen Boote, die auf dem Kanal zirkulieren. Anschliessend radeln wir wie gewohnt auf dem Cykelsparet. Eine jüngere Frau auf einem Renner mit Gepäck überholt uns, spricht und spricht schwedisch mit uns und fährt dann weiter. Bei der Fähre über den Bräviken holen wir sie ein. Nun findet eine ausgiebige Diskussion jedoch in Englisch statt, da die Fähre erst los legt, wenn genügend Autos zur Überfahrt anstehen. Sie ist seit Tagen allein unterwegs und sagt zu uns: „Ah, ihr Schweizer habt es gut, ihr habt die Berge! Da machen euch die vielen Auf und Ab hier keine Probleme“. Ein klein wenig doch, aber dies behalten wir für uns. Sie erklärt uns auch, dies sei der kälteste Frühling und Sommer seit sie sich erinnere.

Nach über 80 km erreichen wir den Naturcampingplatz in Horn. Die Reception ist nicht besetzt. Ein Schild fordert uns auf, das Zelt irgendwo aufzustellen, es werde sich jemand melden. Später suche ich den Campingwart, damit ich die Registration erledigen kann. Er will keinen Pass, keine Identitätskarte. Ich muss lediglich meinen Vornamen und Namen und die Nationalität in ein grosses Buch eintragen. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, da er nur sehr wenig Englisch versteht. Wir bezahlen umgerechnet zwölf Franken. Die Dusche ist ausserhalb des Zeltplatzes hinter der Schiffswerkstatt. Zu unserer alleinigen Verfügung steht eine halb verfallene Pergola, die wir benützen können. Die vielen grossen Spinnnetze und das hohe Gras drum herum lassen uns vermuten, dass wir die ersten Gäste in dieser Saison sind, welche diese Infrastruktur benutzen. Doch es hat auf diesem sehr einfachen Zeltplatz alles was wir brauchen. Ausser Strom für unseren Laptop.

Den Sonnenuntergang bestaunen wir am Hafen an einer windgeschützten Ecke. Um 22 Uhr geht die Sonne unter, es wird kalt und wir verkriechen uns rasch in unsere Schlafsäcke.

Strecke:  Söderköping – Horn  83 km
Wetter:    Ein toller Sommertag

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Hafen von Horn

Abendstimmung am Hafen

Freitag,  25. Juni 2010

Um 6 Uhr haben wir bereits 27 Grad im Zelt. Zeit zum Aufstehen. Um 8 Uhr sind wir bereits unterwegs. Wir wissen von gestern, dass die letzten tollen Abfahrten heute wieder erklommen werden müssen. Nachdem wir die Hauptstrasse 219 erreichen, kommen wir zügig voran.  Nach ungefähr 40 km gelangen wir  nachTrosa.

In einem Gartenrestaurant, am Eingang steht „open“, wollen wir ein Cappuccino trinken. Das Servierpersonal winkt ab und sagt „it‘s closed“.  Ich sage dies zu Barbara mit der Ergänzung, dass sie auf uns nicht angewiesen zu sein scheinen. Da kommt der Besitzer, den ich zum Servicepersonal zählte und spricht uns mit einem urchigen Berndeutsch an. Es folgt eine ausgiebige Plauderstunde. Er erzählt uns, wie er vor mehr als 20 Jahren losgezogen und nach vielen Stopps durch Schweden nun hier in Trosa gelandet sei. Diese Gaststätte habe er halb zerfallen gekauft und nun zu einem feinen Restaurant umgebaut. Er habe sich auf Spezialanlässe fokussiert.  Morgen habe er eine Hochzeit von über 100 Personen. Wir erhalten auch weitere für uns interessante Informationen über das Volk und das Land Schweden. Zufälle gibt es.

In Tumba können wir eines der für Schweden wichtigsten Feste miterleben. Es ist der Mittsommer, d.h. der längste Tag, bzw. die kürzeste Nacht. Dieses Fest wird hier in Schweden ganz besonders gefeiert. Die privilegierten Leute, die auf einer der Tausenden von Inseln ein kleines Häuschen besitzen, fahren mit dem Boot auf die Insel, die übrigen feiern in den Dörfern und den Städten.

Strecke:  Horn - Skärholmen   112 km
Wetter:   Wieder schön, am Nachmittag einige Wolken

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Mittsommerbaum

Samstag, 26. Juni 2010

Seit langem ist das Zelt am Morgen wieder einmal trocken und kann direkt zusammen mit dem Innenzelt aufgerollt werden. Zeitersparnis fast eine Stunde!

Gestern benötigten wir mehrere Anläufe, um zu diesem Zeltplatz zu gelangen. Da wir uns den Weg  genau eingeprägt haben, finden wir heute problemlos zum Cykelsparet zurück.

Fährt man mit dem Velo ins Zentrum einer Grossstadt, so kommt man unweigerlich durch Vororte, die man mit dem Auto selten zu Gesicht bekommt. Es sind nicht Slums, die wir mit dem Rad durchqueren, jedoch verwahrloste Quartiere. Autowrackteile, die Wände versprayt und überall Kehricht, der einfach auf den Plätzen und am Rande der Strassen entsorgt wird.

Von der grossen Brücke, die über den Arstaviken führt, erblicken wir die ersten prächtigen Bauten von Stockholm. Welch ein Gegensatz.

Strecke:  Skärholmen - Stockholm   24 km
Wetter:     Start bei Sonne, ab Mittag Regen und gegen Abend wieder Sonne pur

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Nach etwas mehr als insgesamt 4‘200 km erreichen wir unser drittes Etappenziel.

Sonntag, 27. Juni 2010

Unsere Räder bleiben nun für die nächsten Tage in den Boxen. Bevor wir zu unserer vierten Etappe aufbrechen, schalten wir unsere obligate Pause ein.

Zu Fuss und auf dem Boot entdecken wir heute Stockholm, eine Stadt, von der wir begeistert sind.

Im Reiseführer steht: „Den Zauber der Metropole in Worte fassen zu wollen ist müssig. Man muss sie sehen und sich von ihr gefangen nehmen lassen, dann lässt sie einen nicht mehr los, die schwimmende Stadt“. Da sind wir gleicher Meinung, hätten es jedoch nie so schön formulieren können ...

Wetter:   Schön, zwischendurch etwas bewölkt

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Nicht auf den Fahrrädern, sondern auf einem Boot entdecken wir Stockholm