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Streckenübersicht 5. Etappe  Kopenhagen - Stralsund   Total 837 km

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Samstag, 31 Juli 2010

Die Saggochen sind neu gepackt. Alles ist schön sauber und duftet frisch. Es ist eine wahre Freude.

Morgen verlassen wir Kopenhagen. Die 5. Etappe wird uns der dänischen Ostküste entlang südwärts über die Inseln Mon, Bogo und Lolland nach Deutschland führen. Weiter geht es an der Ostsee bis nach Stralsund. Die letzte 4. Etappe bestand aus vielen ruhigen Streckenabschnitten. An der Ostsee herrscht zur Zeit Hochsaison. Wir werden also eine sehr belebte Gegend antreffen und sind gespannt, wie wir diesen Wechsel empfinden.

Sonntag, 1. August 2010

Nach einer Woche „Velopause“ sind wir richtig happy, losradeln zu können.

Wir haben uns gesagt, nicht mehr über den Wind zu sprechen oder zu schreiben. Doch der hartnäckige Begleiter beschäftigt uns bereits am ersten Tag dieser Etappe. Einmal mehr ist er nicht in der gleichen Richtung wie wir unterwegs.

Der erste Streckenabschnitt ist uns bekannt. Vor genau 8 Wochen sind wir auf dem gleichen Radweg nordwärts gefahren. Anschliessend radeln wir auf dem Fernradweg 9 südwärts. Die Beschilderung ist einmal mehr sehr mangelhaft. In den Vororten verfahren wir uns mehrmals. Immer, wenn der Wind von hinten bläst, heisst es: „Achtung: Wegstrecke kontrollieren“.

Auffallend sind heute die vielen bepackten Radfahrer, denen wir begegnen. Die Radlersaison scheint eröffnet zu sein.

Nun befinden wir uns auf einem der Zeltplätze in Koge. Die Zeltwiese ist entgegen unseren Erwartungen fast leer. Unsere Nachbarn sind viele weidende Schafe. Ein Zaun trennt uns, so dass jeder dort bleibt, wo er hingehört.

Strecke:  Kopenhagen  -  Koge   77 km
Wetter:   bewölkt mit sonnigen Abschnitten, viel Wind

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Am Strand von Koge    

Zeltplatz mit unseren Nachbarn

Montag, 2. August 2010

Wir strecken unsere Köpfe aus dem Zelt. Alles scheint in Watte eingepackt zu sein. Ist der Morgennebel Vorbote des Herbstes hier im Norden?

Nach wenigen Kilometern hat Barbara wieder einen Plattfuss. Dies ist bereits ihr Achter. Es steht also 4 : 8. Die Ursache: Erneut ein kleiner Glassplitter.

Abwechslungsweise der Küste entlang und durchs Landesinnere radeln wir weiter südwärts. Wir besuchen den Leuchtturm Hojerup und bestaunen die Klippen von Rodvig. Sobald wir die Küste verlassen führt der Weg mitten durch riesige gelb leuchtende Kornfelder.

Das Nachtlager schlagen wir auf einem kleinen Zeltplatz in Praesto auf.

Strecke:  Koge  -  Praesto   84 km
Wetter:  Nachts viel Regen, am Morgen Nebel, dann sonniger Tag

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Der Leuchtturm von Hojerup

Die Klippen von Rodvig

Dienstag, 3. August 2010

Auf dem Fernradweg 9 pedalen wir südwärts. Über eine grosse Stahlbrücke erreichen wir die Insel Mon. Damit wir der Hauptstrasse ausweichen können, wechseln wir auf die Regionalroute 58. Alles ist vorbildlich ausgeschildert, bis sich nach fast zwei Stunden herausstellt, na, hier waren wir doch schon einmal. Der Radweg ist auf der Karte als Verbindung zur Insel Bogo eingezeichnet. Ausgeschildert jedoch als Rundradweg. Somit haben wir eine Tour rund um die Insel Mon eingeschaltet.

Nun entscheiden wir, doch auf der normalen Strasse zu radeln. Barbara meldet nach vorne: „Achtung, ein Radfahrer auf einem Rennvelo will überholen“. Im Rückspiegel sehe ich, wie dieser richtiggehend am Hinterrad von Barbara klebt. Ich kann beschleunigen, werde beim stärkeren Gegenwind langsamer, doch der Rennradfahrer scheint keine Absicht zu haben, uns zu überholen. Ein wohltuendes Gefühl, einem Rennradfahrer mit unseren Saggochen komfortablen Windschatten zu spenden. Der Ehrgeiz packt uns und wir beschleunigen. Doch nach einer Stunde müssen wir eine Pause einlegen. Locker fährt der Radler neben uns vorbei, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen.

Mit einer Fähre erreichen wir die Insel Falster und radeln entlang der wundervollen Ostküste. Teilweise ist der Radweg nur ein ganz schmaler Pfad. Kreuzen wäre unmöglich, doch niemand kommt uns entgegen.

Nun sind wir auf dem Zeltplatz Ulslev Strand in Idestrup. Der Strand soll zu den schönsten Stränden Dänemarks gehören. Doch vor wenigen Kilometern haben wir auf einer Warntafel gelesen, übrigens auch in Deutsch geschrieben:  „Algen im Badewasser es besteht Gesundheitsgefahr“. Ein traumhaft schöner Strandabschnitt, doch nur zum Ansehen.

Strecke:    Praesto  -  Idestrub   83 km
Wetter:     bewölkt und merklich kälter, erst gegen Abend Sonne




Entlang der Ostküste von Falster

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Vor den wunderschönen Häusern der Insel Falster

Mittwoch, 4. August 2010

Wir verlassen die ausgesprochen radfahrerfreundliche Insel Falster. Über eine grosse Brücke erreichen wir nun die Insel Lolland. Hier entscheiden wir, die Küstenstrasse zu verlassen und quer auf dem regionalen Radweg 35 durch die Insel zu radeln. Damit es nicht wieder eine Rundstrecke gibt, überprüfen wir bei den Kreuzungen jeweils die Beschilderung mit unserer Karte. Landschaftlich ausgesprochen schön. Einzig die vielen Schweinemästereien laden mit ihrem Gestank nicht zum Verweilen ein. Der letzte Streckenabschnitt verläuft auf einer ausser Betrieb genommenen Bahnstrecke. Eine holperige Angelegenheit, aber immer schön gerade aus.

In Rodbyhavn besteigen wir die Fähre. Für Lastwagen, Camper und PW‘s hat es 15 Fahrspuren. Es soll sich um den verkehrsreichsten Fährbetrieb der Welt handeln. Uns Radfahrern wird das untere Deck zugewiesen. Hier stehen wir nun inmitten eines ICE-Zuges, vielen grossen Lastwagen, Campern, Autos mit Wohnwagen.

Auf der sonnenreichsten deutschen Insel Fehmarn angelangt, radeln wir entlang der Küste westwärts. Nun befinden wir uns in Niobe, auf einem Campingplatz direkt am Meer. Das Zelt ist aufgestellt und wir sitzen in einem Strandbeizli. Ein kräftiger Gewitterregen zieht über die Insel, doch was soll’s, wir sind am Trockenen und warten, bis es aufhört zu regnen.

Strecke:    Idestrub  -  Niobe (auf Insel Fehmarn)   75 km
Wetter:     schön, jedoch nicht mehr so heiss

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Auf der Fähre nach Puttgarden          

Radweg auf der Insel Fehmarn

Donnerstag, 5. August 2010

Wir befinden uns auf der sonnenreichsten Insel Deutschlands und es regnete gestern Abend und in der Nacht. Am Morgen ist innen und aussen alles nass. Beim Abbau des Innenzeltes ist auf der Seite von Barbara erneut ein Frosch. Dem war es draussen auch zu nass. Vielleicht handelt es sich um den Froschkönig, doch Barbara weigert sich, ihn zu küssen (da sie ja bereits mit einem „König“ verheiratet ist!)

Die wundervolle Strecke führt uns direkt der Küste entlang. Der Dammweg ist zwar holperig und voller Schafskot. Petrus scheint es langweilig zu sein. Er lässt es so lange regnen, bis wir uns entschliessen, die Regenmontur anzuziehen. Dann hellt es wieder auf. Wir ziehen Regenjacken und Hosen wieder aus. Das Spiel beginnt von neuem.

Nun sind wir in Süssau. Die Rezeption des Zeltplatzes ist um 17 Uhr bereits nicht mehr besetzt und dies in der Hochsaison. Für die sanitären Anlagen braucht es einen Schlüssel und zum Duschen spezielle Jetons. Doch irgendwie schaffen wir es immer. Das Zelt steht einmal mehr auf einer Weide angrenzend an den Campingplatz. Wir sind jedoch nicht allein. Unsere Nachbarn sind junge Leute aus dem Ostblock. Eine Verständigung ist nicht möglich, wir haben es versucht.

Strecke:   Niobe – Süssau   79 km
Wetter:    bedeckt, ab und zu Regen

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Dammweg belegt....  

 Nachtessen direkt an der Ostsee

Freitag, 6. August 2010

Lieber Aetti: Wir wünschen dir noch auf diesem Wege zum heutigen Geburtstag alles Gute, beste Gesundheit und etwas bessere Standfestigkeit auf deinen Beinen. Anstossen auf dein Wiegenfest werden wir etwas später.

Heute fahren wir nicht nach den Beschilderungen „Ostseeroute“. Wir wählen den Weg möglichst direkt dem Meer entlang. So radeln wir auf schmalen Dammpfaden, erreichen über Treppen Holzstege und geraten immer wieder in Sackgassen. Auf den Promenaden gelangen wir durch die traditionellen Ostseebäder, wie Dahme, Grömitz, Neustadt, Timmendorfer Strand, um nur einige zu nennen. Es herrscht ein reger Betrieb. Fussgänger, Radfahrer jung und alt sind unterwegs.

Besonders beeindruckend ist der Streckenabschnitt über die Hermannshöhe. Das weiche Gestein der Klippen bricht immer wieder ab, reisst Bäume mit und auch Teile des Rad- und Wanderweges, so dass die Strasse einige Meter nach Innen versetzt werden muss.

Nun sind wir in Travemünde angekommen. Die Sonne, die sich den ganzen Tag zierte, kommt im richtigen Augenblick. Wir können unsere sieben Sachen noch rasch trocknen, bevor das Zelt erneut wieder ganz feucht sein wird.

Am Hafen geniessen wir je eine grosse Portion Spaghetti bzw. Penne Arrabiata. Dies gibt uns die nötige Kraft für die morgige Tagesetappe.

Strecke:   Süssau  - Travemünde   70 km
Wetter:   Nachts viel Regen, tagsüber bewölkt; gegen Abend endlich Sonne

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Radweg entlang der Ostsee

Samstag, 7. August 2010

Bevor wir Travemünde verlassen fahren wir an die „Grüne Grenze“. Hier verlief die innerdeutsche Zonengrenze. Die Mienen wurden alle entfernt und der ganze Streifen quer durch Deutschland ist heute Naturreservat. Barbara erinnert sich noch, als sie als junges Mädchen nahe der Grenze zur DDR einige Ferientage verbrachte. Die durch Wildtiere explodierenden Mienen schreckten sie mehrmals in den Nächten auf.

Nach nur 20 km erreichen wir Lübeck und parkieren unsere Räder im Hinterhof einer kleinen Pension. Eine erfrischende Dusche und schon sind wir für den Ausgang bereit und begeben uns auf einen Bummel durch die Hansestadt. Eine Bootsfahrt rundet die Besichtigung ab. Im 13. Jahrhundert war Lübeck zeitweise die wichtigste Handelsstadt im nördlichen Europa. Sie kann auf eine sehr bewegte Geschichte zurückblicken.

Strecke:  Travemünde – Lübeck   21 km
Wetter:    ein herrlich warmer Sommertag

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Heute das "Grüne Band" (ehemals Zonengrenze zur DDR-Zeit)

Das Holstentor in Lübeck

Sonntag, 8. August 2010

Wir verlassen Lübeck Richtung Schlutup. An einer Kreuzung konsultieren wir unsere Karte. Eine ältere Dame fragt uns: „Wo soll’s denn lang gehen?“ Wir erklären ihr unser Ziel. Sie antwortet: „Einfach alles gerade aus, dann kommt ihr an die Grenze zur DDR.“ Für diese Frau gibt es die frühere DDR immer noch. Wir erreichen das neue Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Bedrückend sind die vielen leeren, baufälligen Fabrikgebäude und die alten Gutsbetriebe. Die Strassen weisen starke Belagsschäden auf. Hier treffen wir auf ein anderes Deutschland.

Bevor wir an die Ostsee stossen, begegnen wir auf einem Feldweg einem älteren Ehepaar. Es folgt ein spannendes Gespräch über die Zeit der DDR und der Öffnung. Das Gebiet, in dem wir uns befinden, so wird uns erklärt, war ein Sperrgebiet, und zwar auch für die DDR-Bürger. Diese Strecke der Ostsee entlang wird als Panzerweg bezeichnet. Auf diesem Streckenabschnitt fuhren zur DDR-Zeit die Panzer zur Sicherung der Grenze gegen den Imperialismus.

Am Schluss des interessanten Gespräches werden wir gefragt, wohin die heutige Tagesreise noch führe. Wir erwidern: „Nach Wismar“. Er schaut unsere bepackten Räder an und mustert uns von oben bis unten, dann sagt er: „Das schafft ihr nie, auf keinen Fall. Es gibt viele kurze aber heftige Steigungen. Die Strecke weist zum Teil schlechte Fahrrad- und Wanderwege auf.“

Entweder hat er unser Gepäck überschätzt oder unsere Kondition unterschätzt. Wir erreichen Wismar. Wir finden auch die Zeit, die Steilküste Grossklützhöved zu besichtigen und im Ostseebad Boltenhagen etwas zu verweilen.

Kurz bevor wir in Wismar eintreffen, werden wir leider noch so richtig verregnet. Dies ist ein guter Grund, für heute in der Altstadt eine trockene Unterkunft aufzusuchen.

Strecke:  Lübeck – Wismar  91 km
Wetter:   bewölkt, am Abend kurzer Regen

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Verlassener Gutsbetrieb                        

Die Steilküste Grossklützhöved

Montag, 9. August 2010

Gestern Abend schlenderten wir noch durch die Altstadt und bestaunten am Hafen den Sonnenuntergang. Wismar gefällt uns. Im Gegensatz zu Lübeck ist die Altstadt voll intakt und ohne Bausünden der letzten Jahre. Es sind aber noch nicht alle Gebäude renoviert. Die Sanierung läuft immer noch.

Die Strecke führt nicht mehr direkt der Küste entlang. Die ländliche Landschaft ist abwechslungsreich und die Wegbeschaffenheit wesentlich besser als am Vortag.

Im Ostseebad Kühlungsborn beschliessen wir spontan, einen Stopp einzulegen und den Nachmittag am Strand zu verbringen. Auf dem Campingplatz muss man entscheiden, die Wertsachen entweder im Zelt zu lassen oder an den Strand mitzunehmen. Beide Varianten sind nicht optimal. Zumal die Kriminalität, wie man uns sagt, stark zugenommen habe. Also steigen wir in einem Hotel ab. Unbekümmert können wir gemeinsam das Bad im „Eismeer“, nein in der Ostsee geniessen. Es herrscht ein reger Betrieb, ist doch noch Hochsaison. Vor etwas mehr als zwanzig Jahren war dieses Ostseebad vor allem ein Erholungsgebiet für DDR-Funktionäre.

Strecke:  Wismar  -  Kühlungsborn   46 km
Wetter:     schön mit vereinzelten Schleierwolken

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Die Wasserkunst in Wismar (diente im Mittelalter zur Trinkwasserversorgung der Stadt)

St. Nikolai-Kirche in Wismar

Dienstag, 10. August 2010

Wir radeln heute wieder fast immer direkt dem Meer entlang. Wälder mit kahlen, knorrigen Bäumen lösen sich mit dichtem Unterholz ab. Immer wieder sieht man auf die brüchige Steilküste. Dieser Streckenabschnitt ist bei den Touristen hier sehr beliebt. Wir begegnen mehreren hundert Radlern, alt und jung. Zwischendurch, wenn auch nur vereinzelt, auch solchen mit Vollpackung.

Und wieder hat Barbara hinten einen Plattfuss von einer der vielen Glasscherben. Genug ist genug! Wir kaufen den "Marathon plus", den unplattbar-Reifen von Schwalbe. Nun wollen wir mal sehen, wie viele 1‘000 km dieser Mantel sein Versprechen hält.

Das für heute geplante Etappenziel ist Rostock. Auch diese Hansestadt wollen wir uns ansehen. Doch leider ist bei unserer Ankunft alles ausgebucht. Keine Hotelzimmer, keine Pensionen sind mehr frei. Auch die privaten Unterkünfte sind gemäss der Touristinformation alle belegt. Die umliegenden Orte verfügen ebenfalls über keine freien Betten mehr. Dies sei nicht normal, man wisse nicht, warum der Andrang so gross sei. Doch dies hilft uns wenig.

Also zurück an die Ostsee zum nächsten Zeltplatz. Dieser liegt zwei Stunden entfernt. Weil die Zeit drängt, fahren wir weiter, ohne Rostock richtig besichtigen zu können. In Warnemünde ist auf dem breiten Strandweg ein radeln nicht mehr möglich. Die Menschenmenge, die sich in beide Richtungen fortbewegt, ist beeindruckend. Es sieht fast so aus, als gäbe es irgend etwas gratis. Mit der Fähre überqueren wir die Warnow und finden einige Kilometer später in Marktgrafenheide ein Plätzchen für unser Zelt, und dies für stolze Fr. 50.--.

Strecke:  Kühlungsborn  -  Marktgrafenheide   76 km
Wetter:   schön

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Querfeldein mit Blick auf die Ostsee

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Steilküste der Ostsee

Mittwoch, 11. August 2010

Wir kennen das Spiel. Zuerst fallen nur wenige Regentropfen, wie eine versteckte Vorwarnung. Eine halbe Stunde später setzt der Sommerregen ein. Doch heute sind wir blitzschnell mit dem Zeltabbau. Den Regen beobachten wir beim Frühstück aus einem Beizli. Wir sitzen schön am Trockenen, nur die Räder lassen wir im Regen stehen.

Erst gegen Mittag radeln wir dann los. Zuerst führt uns die Strecke durch den Wald des Naturschutzgebietes „Rostocker Heide“. Die Küste erblicken wir nicht, doch Wasser sehen wir genug. Grosse Wasserlachen am Boden und feiner Regen von oben.

Am Nachmittag hellt sich der Himmel wieder auf. Nun geht’s der Küste entlang weiter. Wir fahren abwechslungsweise auf sandigen dann wieder holprigen Wegen. Vor dem Ostseebad Ahrenshoop besichtigen wir am „Hohen Ufer“ die brüchigen Klippen. Beeindruckend, wie das Meer unterstützt durch Wind und Regen sich immer weiter ins Landesinnere frisst. Im Durchschnitt sollen es pro Jahr dreissig Zentimeter sein.

In Born am Darss stellen wir das Zelt auf und fahren ins Dorf. Die wunderschönen Häuser mit ihren Strohdächern geben dem ehemaligen Fischer- und Seefahrerdorf einen ganz speziellen Charme. Das Abendessen geniessen wir in einem kleinen Hafenbeizli. Natürlich kommt Fisch auf unsere Teller und ins Glas ein grosses Seemannsbier.

Strecke:   Marktgrafenheide  -  Born am Darss  46 km
Wetter:     ein ausgedehnter Sommerregen; am Nachmittag wieder trocken

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Die Steilküste am "Hohen Ufer"    

Eines der für die Gegend typischen   Schilfhäuser

Donnerstag, 12. August 2010

Wir radeln weiter ostwärts, durchqueren die unberührte Natur des Darsser-Waldes mit seinen Mooren und den hohen Adlerfarnen. Das letzte Teilstück von Prerow nach Zingst führt direkt dem Damm entlang. Wir kommen uns wie Ameisen vor. In beiden Richtungen sind Hunderte von Radfahrern unterwegs. Die Geschwindigkeit wird durch die Masse bestimmt. Schön alle hintereinander, jung und alt. Für einmal ein gewöhnungsbedürftiges aber lustiges Erlebnis.

Für den Nachmittag sind heftige Gewitter vorhergesagt. Deshalb suchen wir bereits in Zingst eine Unterkunft und haben Glück. Wir können für eine Nacht eine Ferienwohnung mieten. Im Gegensatz zu unserem winzigen Zelt kommt uns diese natürlich etwas zu gross vor. Doch für einmal geniessen wir den Komfort. Der Vermieter erklärt uns, dass normalerweise bis Ende August in diesem Ferienort total alles ausgebucht sei. Nur bei kurzfristigen Abbuchungen wird hin und wieder etwas frei.

Und nun regnet es, immer wieder und zwar stark.

Strecke:  Born am Darss – Zingst  28 km
Wetter:    am Vormittag bewölkt, dann starker Regen

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Durch den Darsser-Wald mit den hohen Adlerfarnen

Die "Ameisenstrasse" von Prerow nach Zingst

Freitag, 13. August 2010

Auch für heute wurden heftige Regenfälle vorhergesagt. Doch die paar Wolken verziehen sich im Verlaufe des Vormittages und wir radeln die letzte Tagesetappe bei herrlichem Sonnenschein.

In Stralsund erreichen wir nach genau 837 km unser Ziel dieser Etappe. Die Fahrräder werden nun für eine Woche in einem Keller untergestellt.

Wir sind dankbar, unfallfrei und ohne Pannen (nebst den Plattfüssen) diese Etappe beenden zu können. Wir haben die Hansestädte, die Ostseebäder und die Natur sehr genossen. Für Barbara ist diese Gegend mit speziellen Emotionen verbunden. Ihre Mutter verbrachte als Auslandschweizerin ihre Jugend bis nach Kriegsende in Mecklenburg-Vorpommern. Der Grossvater erzählte uns viel über die Zeit als „Kuhschweizer“ vor und während des Krieges in diesem Gebiet.

Nun schlendern wir durch die Hansestadt Stralsund.
Der Norden mit der Ostsee gefällt uns sehr. Deshalb beschliessen wir, nach einem Abstecher nach Berlin die nächste Etappe hier weiter zu radeln und zwar nach unserem Motto „let’s go north", also nach Rügen. Erst danach geht’s auf den Heimweg Richtung Süden.

Strecke:  Zingst – Stralsund  61 km
Wetter:    zuerst leicht bewölkt, dann Sonnenschein

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Die mühsamen Betonplatten-Radwege aus der ehemaligen DDR-Zeit