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Streckenübersicht 7. Etappe  Schweinfurt  - nach Hause  Total 1'148 km

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Samstag, 18. September 2010

In Fulda haben wir die letzte Etappe beendet. Nun starten wir ab Schweinfurt. Die 120 km dazwischen über die Hohe Röhn haben wir mit dem Zug zurückgelegt. Nach fast 8‘000 km wechselten wir zum ersten Mal für einen Abschnitt vom Radweg auf den „Bahnweg“.

Die Etappenplanung und der Streckenverlauf bis nach Hause sind abhängig vom Wetter. Wir sind zuversichtlich, denn wir erwarten immer noch den goldenen Herbst!

Sonntag, 19. September 2010

Letzte Woche hat uns etwas gefehlt. Nun wissen wir genau, was. Es sind unsere Räder.

Wir freuen uns einmal mehr, eine neue Etappe in Angriff nehmen zu können. Es wird ja unsere letzte sein (im Jahr 2010), deshalb heisst es, jeden Kilometer noch etwas mehr zu geniessen

Während der ersten Woche begleiten uns Doris und Xaver. Sie haben Ferien und spontan entschieden, für einige Tage mit von der Partie zu sein.

Es ist eine gemeinsame Vorprobe für unser Vorhaben im nächsten Jahr. Dann werden wir zu Viert unterwegs sein nach dem Motto „let’s go south“. Doch später mehr zu diesem Projekt. Zuerst wollen wir „let’s go north“ abschliessen.

Es ist eine gemeinsame Vorprobe für unser Vorhaben im nächsten Jahr. Dann werden wir zu Viert unterwegs sein nach dem Motto „let’s go south“. Doch später mehr zu diesem Projekt. Zuerst wollen wir „let’s go north“ abschliessen.

Strecke:   Schweinfurt – Hassfurt 27 km
Wetter:    sonnig aber kühl

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Doris und Xaver am Main

Der goldene Herbst ist nicht mehr weit

Montag, 20. September 2010

Sonn- und Schattenseite: Die Strecke führt immer schön dem Main entlang. Wir beobachten, wie grosse Transportkähne den Fluss hinauf und hinunter tuckern. Die Schattenseite ist die Bundesstrasse, die leider oft nahe unseres Radweges verläuft.

Bei herrlichem Herbstwetter erreichen wir Bamberg. Es stellt sich die Frage, weiterradeln oder den Nachmittag mit einem Altstadtbummel zu verbringen. Der Entscheid ist rasch gefällt. So flanieren wir über die alten Brücken, welche die Regnitz und den Main-Donau-Kanal überqueren, durch die Fussgängerzone und die engen Altstadtgässchen. Die Stadt, welche UNESCO-Weltkulturerbe ist, ist wirklich beeindruckend.

Zum Nachtessen kommen echt fränkische Menus auf den Tisch: Rot- und Leberwurst, Schweinshaxen, Krustenbraten dazu Sauerkraut und Kloss. Danach brauchen wir aber unbedingt einen Verdauungswhisky.

Strecke:   Hassfurt – Bamberg 40 km
Wetter:     recht sonnig

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Klein Venedig von Bamberg

Das alte Rathaus von Bamberg

Dienstag, 21. September 2010

Ein perfekter Herbsttag. Wir starten bei leichtem Nebel. Schon bald verziehen sich die Nebelschwaden und die herbstliche Sonne wärmt. Es wird immer sommerlicher, so dass wir wieder einmal in kurzen Hosen und nur im T-Shirt dem Main-Donau-Kanal entlang radeln können.

Bei der Schleuse von Hausen verweilen wir. Wir haben schon viele Schleusensysteme bewundern können. Doch dieses mit dem grossen Sparbecken und ihrem 12 m Höhenunterschied ist besonders eindrucksvoll. Eine geniale Idee.

In Erlangen haben wir sichtlich Mühe, eine Unterkunft zu finden. Die ganze Stadt ist ausgebucht. Wir müssen auf einen Vorort ausweichen. In Büchenbach, im Gasthof „Zur Einkehr“ finden wir endlich eine Unterkunft.

Der Mensch lebt nicht allein vom Radfahren. Deshalb geniessen wir die Küche. Die Chefin bereitet speziell für uns Nudeln mit Hackfleischkugeln und einem gemischten Salat zu. Einmal mehr sind wir ausgezeichnet verpflegt worden.

Doris und Xaver haben heute ihre Ausrüstung mit neuen Saggochen weiter optimiert.

Strecke:   Bamberg – Erlangen   55 km
Wetter:     warmer, sonniger Herbsttag

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Start im Nebel                                     

Doris und Xaver auf dem Damm des      Main-Donau-Kanals

Mittwoch, 22. September 2010

Der goldene Herbst steigert sich. Es wird ein richtiger Sommertag.

Wir radeln weiter dem Main-Donau-Kanal entlang. Wieder passieren wir grosse Schleusen. Auf dem Dammweg überholen wir die langen Kähne, die uns nach den ausgiebigen Pausen jedoch wieder einholen.

Bei den Schleusen finden wir interessante Informationen über die Schifffahrt. Auf einem Kahn hat die beeindruckende Ladung von 164 Lastwagen oder 75 Eisenbahntankwaggons Platz. Aber auch von der Ökobilanz her schwingt die Schifffahrt weit über Bahn- und Strassentransporte hinaus.

Besondere Aufmerksamkeit schenken wir den kleineren und grösseren Kanalbrücken. Der Kanal führt als Wasserbrücke über Strassen und Talabschnitte. Über diese tuckern die Kähne mit ihren Hunderten von Tonnen Nutzlast.

Die Nacht verbringen wir im verschlafenen Dörfchen Rednitzhembach. Nicht nur eine Übernachtung ist schwierig zu finden, nein, auch einen Biergarten um den Durst zu löschen.

Strecke:   Erlangen  -  Rednitzhembach   47 km
Wetter:     ein warmer und wunderschöner Herbsttag

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Ein typischer Kahn auf dem Kanal

Wasserbrücke des Main-Donau-Kanals

Donnerstag, 23. September 2010

Wir geniessen einen weiteren goldenen Herbsttag. Zu Beginn radeln wir erneut dem breiten Main-Donau-Kanal entlang. Eine willkommene Abwechslung bringt eine Ringelnatter, welche sich auf dem Fahrradweg sonnt.

Kurz nach Thalmässing ist der Radweg wegen Bauarbeiten gesperrt. Aus der kleinen Umleitung wird eine Passfahrt, genauer gesagt eine Pass-Schiebestrecke. Auch die Einheimischen können uns nicht immer den richtigen Weg erklären. Eine schweisstreibende und zeitraubende Angelegenheit. Die tolle Aussicht können wir gar nicht mehr so richtig geniessen.

Am Abend erreichen wir dann doch noch den Ort Kinding. Eines der schönsten Häuser ist der Gasthof zum Krebs. Hier steigen wir ab. Im Biergarten löschen wir den Durst und stillen unseren Hunger. Doris möchte ihr Bier am liebsten per Infusion, da das Glas zu schwer zum heben sei.

Trotz Mondschein werden wir mit Sicherheit in einen tiefen und gesunden Schlaf fallen …

Strecke:   Rednitzhembach  -  Kinding   64 km
Wetter:     ein weiterer herrlicher Herbsttag

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Eine Ringelnatter zeigt Interesse an       unserem "Unplattbaren"

Wir schätzen nun die Strecke in der Ebene

Freitag, 24. September 2010

Wir pedalen durch das Altmühltal. Es sieht aus, als hätte der Nebel das ganze Tal in Watte verpackt. Nach einer Stunde verziehen sich die letzten Nebelschwaden und es gibt erneut einen herrlichen Herbsttag. Das ganze Tal ist zu einem Naturpark ernannt worden. Auf den Felsen erblickt man die mächtigen Burgen. Besonders eindrücklich ist die Burg von Prunn.

Am späteren Nachmittag erreichen wir Kelheim. Die Räder können wir in Radabstellboxen deponieren. Dies sind kleine „Garagen“, in welche die Räder eingeschlossen werden können. Eine geniale Einrichtung. Mit einem Schiff fahren wir durch den Donaudurchbruch. Beeindruckend, wie sich die Donau durch die fast 100 Meter hohen Felsen zwängt.

Beim Kloster Weltenburg, dem ältesten Kloster von ganz Bayern, steigen wir aus. Sehr schön ist die im 18. Jahrhundert erstellte Klosterkirche. Es ist ein Meisterwerk des Barocks. Aber auch die älteste Klosterbrauerei der Welt vermag uns zu überzeugen. Wir  haben den edlen, dunklen  Gerstensaft getestet und ihm die Bestnote ausstellen können.

Nun hat uns auch die Schlechtwetterfront von Westen her erreicht. Wir sitzen jedoch am Trockenen und sehen ja morgen, was uns der Wettergott zu bieten hat.

Strecke:   Kinding – Kelheim  63 km
Wetter:     noch einmal ein goldener Herbsttag

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Radweg unter der Burg Prunn

Die Radabstellboxen

Samstag, 25. September 2010

Es bestehen drei Möglichkeiten, den Donaudurchbruch zu überwinden. Ein steiler Pfad mit Stufen über die schroffen Felsen oder aber via eine stark befahrene Strasse. Die dritte Variante ist der Wasserweg, natürlich nicht per Rad. Genau für diese entscheiden wir uns. Die Fahrt für die ca. 6 km dauert weniger als eine Stunde. Beim Kloster Weltenburg verlassen wir regensicher verpackt das Schiff.

Nach einer Woche herrlichem Herbstwetter also nun ein Regentag. Doris und Xaver können erstmals ihre neue Regenmontur einem intensiven „Feldtest“ unterziehen. Die Strecke führt teilweise direkt entlang der Donau auf einem Naturpfad oder auf dem Damm. Der Weg wurde vom Regen während der Nacht aufgeweicht und weist grosse Pfützen auf. Die lehmartige Erde klebt überall. Am Rad, an den Saggochen, den Regenhosen und natürlich auch den Schuhstülpen.

Kein Problem bietet die Reinigung: Saggochen und Schuhüberzüge werden mit unter die Dusche genommen.

Strecke: Kelheim  -  Ingolstadt   55 km
Wetter:   Dauerregen mit kurzen Unterbrüchen

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Start im Regen beim Kloster Weltenburg

Die lehmige Erde klebt überall

Sonntag, 26. September 2010

Der letzte gemeinsame Tag, den wir mit Doris und Xaver geniessen können. Für die Beiden beginnt morgen wieder das Leben B wie „Büroleben“. Für uns geht das Leben V wie „Vergnügen“, „Velo fahren“ weiter.

Den Nachmittag verbringen wir Zwei mit einem Bummel durch die Altstadt, besuchen das Neue Schloss und den Klenzepark mit den Festungsbauten.

Wetter:   Sonne, Wolken mit einem kalten Wind

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Das Neue Schloss von Ingolstadt

In der Altstadt von Ingolstadt

Montag, 27. September 2010

Ein kalter schöner Herbsttag. Wir radeln durch die unberührte Auenlandschaft bis zu einem Bahnübergang. Die Schranke ist geschlossen. Wir plaudern und warten, bis der Zug kommt. Doch es dauert. Weit und breit ist kein Zug zu sehen oder zu hören. Da bemerken wir eine Hinweistafel mit einem Schalter. Auf der Tafel steht: „Schranke wird auf Anruf geöffnet. Bitte Hebel drücken“. Genau das machen wir und die Bahnschranken öffnen sich. Schon wieder etwas gelernt.

Unser Velogetriebe quietscht immer mehr. Deshalb steuern wir eine Autowaschstrasse an. Wir erkundigen uns nach einer velogerechten Reinigung. Ein schwarzer Hilfsarbeiter übernimmt diese. Er fragt uns, woher wir kommen, wohin die Reise noch gehen soll und wie lange wir unterwegs seien. Er will sogar wissen, was unsere Räder gekostet haben und noch vieles mehr. Wir geben artig Auskunft. Auch, dass wir über 8‘000 km mit diesen Rädern seit Frühling unterwegs sind. Er staunt, überlegt und antwortet: „Das entspricht ja der Strecke, von wo ich herkomme.“ Wir fragen, wo dies denn sei. Er antwortet: „Äthiopien“! Die Ketten und Lager werden geölt und geschmiert. Die Göppel, wie Barbara unsere Räder liebevoll nennt, laufen wieder wie ein Örgeli …

Der starke Gegenwind ist schuld, dass wir bereits in Donauwörth unsere Tagesetappe abschliessen. Früher führte die Verbindungsstrasse zwischen Augsburg und Nürnberg über die Brücken von Donauwörth. Diesen Brücken, die an die dreissig Mal zerstört und ebenso oft wieder aufgebaut wurden, verdankt die Stadt ihren früheren Wohlstand. Die Reichsstrasse zeugt noch heute davon. Es soll eine der schönsten Strassenzüge Süddeutschlands sein.

Strecke:   Ingolstadt  -  Donauwörth   64 km
Wetter:     Ein schöner Herbsttag mit kaltem Gegenwind

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Neue Erfahrungen, wenn Bahnübergang geschlossen und kein Zug in Sicht....

Dienstag, 28. September 2010

Heute Morgen lernen wir zwei Finnen kennen. Vater und Sohn radeln ebenfalls der Donau entlang und danach weiter an den Bodensee. Die Diskussionen sind jeweils kurz aber höchst interessant. So bekommen wir wertvolle Tipps für die Strecke durch Südfinnland nach St. Petersburg. Diese Tour steht zwar noch nicht zuoberst auf der „Warteliste unserer Velotouren“.

Auch ein trüber, regnerischer Tag hat seine Reize. Die Auen entlang der Donau wirken so noch urchiger. Nur unsere sauberen Räder werden vom Dreck der Naturwege wieder gezeichnet.

Obschon die Donau ab Kelheim für die Frachtschiffe flussaufwärts nicht mehr befahrbar ist, stehen alle 200 m Distanzmarkierungen. Normalerweise beginnt die Messung bei der Quelle. Anders ist es an der Donau. Da ist der Kilometer 0 bei der Mündung am Schwarzen Meer.

Strecke:   Donauwörth  -  Günzburg   69 km
Wetter:      regnerischer Herbsttag mit kurzen Unterbrüchen; starker Gegenwind

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Von hier sind es noch 2‘555 km bis zur Mündung am Schwarzen Meer. Für uns jedoch irrelevant, da wir aufwärts Richtung Quelle radeln.

Mittwoch, 29. September 2010

Auch wenn das Thermometer bloss kühle 8 Grad anzeigt, ist das Radeln wesentlich angenehmer als gestern. Wir haben keinen eisigen Gegenwind und kommen zügig voran. Um die Mittagszeit erreichen wir die Altstadt von Ulm.

Die Räder werden im Hotelkeller sicher deponiert. Anschliessend begeben wir uns auf einen Entdeckungsbummel durch die Altstadt, zum Münster und zum Fischerviertel. Auch das Lädelen kommt nicht zu kurz. Barbara meint jedoch, das mache nicht Spass, da in den Saggochen eh kein Platz für Einkäufe vorhanden sei.

Strecke:   Günzburg  -  Ulm   32 km
Wetter:     Grauer Herbsttag, jedoch ohne Regen

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Das Ulmer-Münster ist der grösste Kirchenbau Süddeutschlands. Mit 161,6 m zudem der höchste Kirchturm der Welt. Nach 768 Stufen erreicht man die oberste Plattform des Kirchturms mit einem wundervollen Rundblick.

Donnerstag, 30. September 2010

Die heutige Strecke ist geprägt von vielen kleineren und grösseren „Auf und Ab“. Dies liebt Barbara nicht. Genauer gesagt, die Abfahrten schon, nur die Steigungen liegen ihr nicht sonderlich.

Den Mittagslunch kaufen wir in einem Lidl ein. Besser gesagt, Barbara ist jeweils für die Einkäufe zuständig. Ich übernehme die verantwortungsvolle Aufgabe der Bewachung unserer Räder, verbunden mit einer kritischen Beobachtung der Personen, welche die Geschäfte betreten oder herauskommen. Barbara kommt erstaunt aus dem Lidl. In den Regalen sind bereits „Schoggi-Samichlöuse“ aufgestapelt. Nun wird es wirklich Zeit, dass wir langsam nach Hause radeln.

Strecke:   Ulm – Mengen  93 km
Wetter:    ganzer Tag trüb und neblig mit Nieselregen

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Nicht immer geht's neben den Felsen geradeaus. Werden die Steigungen jedoch zu stark, dann ist schieben angesagt...

Freitag, 1. Oktober 2010

Wir brechen bei Nebel und leichtem Nieselregen auf. Der Wettebericht hat jedoch Besserung versprochen und wir sind zuversichtlich.

In Sigmaringen fotografieren wir das prachtvolle Schloss. Als wir weiterradeln wollen, ruft jemand: „Barbara?“„Barbara!“ „Bist du nicht Barbara?“ Die Stimme kommt aus einer Gruppe Wanderer. Barbara sieht sich um. Keine weitere Person ist im Umkreis zu sehen, also muss es ihr gelten. Dem ist auch so. Was für eine Überraschung! Wir treffen die Eltern von Tilla. Gesehen haben wir sie noch nie, sie jedoch kennen uns von unserer Homepage her. Im letzten Frühling haben wir in Thailand Tilla und Philipp kennen gelernt. An den Abenden diskutierten wir über Gott und die Welt und haben auch von unseren geplanten grossen Touren erzählt und ihnen unsere Homepage gegeben. Tilla hat ihren Eltern von unserem Vorhaben erzählt, und so gelangte unsere Homepage-Adresse zu Hiltrud und Wolfgang. Wir haben also „Fans“, die unsere Reise verfolgen, wir bis heute aber gar nicht persönlich kannten. Wir sind alle mehr als nur überrascht. Für uns ist es ein Zufall XXL und die Freude ist überwältigend!

Kurz nach Sigmaringen verlassen wir den Donauradweg. Über Anhöhen führt der Schwäbisch-Alb-Radweg Richtung Bodensee. Der graue Herbsttag verwandelt sich in einen herrlichen Spätsommertag. Wir erreichen den Bodensee bei Sonnenschein. In Überlingen erinnert uns die Seepromenade mit ihrer Blumenpracht an den Luganersee.

Strecke:   Mengen  -Überlingen   76 km
Wetter:    Vormittag Nebel, kalt; am Nachmittag übernimmt die Sonne das Zepter

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Welch eine Überraschung: Wir treffen zufälligerweise Hiltrud und Wolfgang!

Erster Blick auf den Bodensee

Samstag, 2. Oktober 2010

Das herbstliche Wetter ist so einladend, dass wir kurzerhand beschliessen, noch um den Bodensee zu radeln, bevor es endgültig nach Hause geht. Am Morgen ziert sich die Sonne noch. Je später der Nachmittag, je schöner wird das Wetter.

Wir radeln durch Naturreservate und entlang von Weinbergen. In Lindau beschliessen wir, den Nachmittag nicht auf dem Velo zu verbringen, sondern den Altweibersommertag im südlich anmutenden Städtchen zu geniessen. Am Abend probieren wir einen Blauburgunder Spätlese von Hagnau. Wir wollen nicht nur die Rebstöcke bewundern, sondern auch einmal das Endprodukt testen. Es hat sich gelohnt.

Morgen Vormittag startet der Lindauer Marathon. Also müssen wir dafür sorgen, dass wir einen entsprechenden Vorsprung vor dem Start haben, sonst werden wir von hinten noch eingeholt.

Strecke:   Überlingen – Lindau  60 km
Wetter:     Je später der Tag, je sonniger

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Radeln durch den goldigen Herbst

Hafen von Lindau

Sonntag, 3. Oktober 2010

Das Wetter zeigt sich noch einmal von seiner besten Seite. Die ersten 20 km pedalen wir auf der Marathonstrecke. Die Verpflegungsstände sind schon aufgestellt. Lautsprecher entlang der Strecke spielen popige Musik. Die Vorbereitungen für diesen Grossanlass sind bereits abgeschlossen. Auf der Piste sind wir jedoch die Einzigen. Unser Vorsprung hat sich nach der halben Marathonstrecke auf 3 Stunden vergrössert.

Bei Hard überqueren wir den Rheinkanal. Ich stelle Barbara nochmals die in den vergangenen Tagen bereits oft gestellte Frage: „Warum wollen wir nicht das Rheintal hoch radeln? Über den Oberalppass nach Andermatt und danach via Luzern nach Hause?“. Als schlagendes Argument kann ich den starken Wind anfügen, der uns das Rheintal hoch blasen würde. Keine Chance. Barbara meint, jeden Schmarren müsse sie nicht mitmachen So führt der Weg weiter dem Bodensee entlang.

So viele Radler haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Wer nicht am Marathon teilnimmt, der scheint sich aufs Rad zu schwingen. Begreiflich. Eine tolle Strecke entlang des Bodensees mit dem entsprechend radlerfreundlichen Wetter.

Strecke:   Lindau – Berlingen  96 km
Wetter:    wunderschön sonnig

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Wir geniessen nochmals einen herrlichen Herbsttag direkt am See

Montag, 4. Oktober 2010

Unsere erste Amtshandlung am Morgen ist jeweils die Wetterinspektion. Das heisst, die Nase zum Fenster hinaus strecken und eine Gesamtbeurteilung vornehmen. Heute früh ist der Bodensee komplett im Nebel verhüllt. Bis wir jedoch unsere Räder bepackt haben, scheint die Sonne.

Wir kommen heute nur langsam voran, da wir immer wieder Pausen einlegen, um die wunderschönen Städtchen entlang des Rheins zu bestaunen. So schlendern wir durch Stein am Rhein, Schaffhausen und bei den Rheinfällen steigen wir sogar die Treppen bis zum Wasser hinunter.

Gegen Abend gibt es zur Abwechslung wieder einmal Reparaturarbeiten. Diesmal habe ich eine 3mm grosse Scherbe beim Hinterrad eingefahren. Nun haben wir das Dutzend voll. 12 Plattfüsse auf unseren fast 9‘000 km. Es zeigt sich aber auch, dass der „unplattbar-Reifen“ nicht gegen alle Glasscherben gefeilt ist. Und Scherben hat es entlang der Strassen und auf den Velowegen leider sehr viele.

Seit zwei Tagen sind wir nun wieder in der Schweiz. Die hohen Preise erstaunen uns immer wieder von neuem. Sei es bei den Einkäufen für Brot, bei einem Abendessen oder für Übernachtung. Die Erkenntnis grenzüberschreitend betrachtet: Eine 50 Euronote reicht in Deutschland viel weiter als eine 100 Frankennote hier in der Heimat.

Strecke:   Berlingen  -  Bad Zurzach   88 km
Wetter:     ein herrlicher Altweibersommertag, noch wärmer als gestern

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Schaffhausen mit dem Munot

Rheinfall

Dienstag, 5. Oktober 2010

Wie angekündigt ein regnerischer Tag. Genau richtig, um hier in Zurzach im Thermalbad zu verweilen. Nach fast 9‘000 km gönnen wir uns einen „Mini Wellness-Tag“.

Auf der ganzen Tour haben wir je ein Buch mitgeschleppt, um an den Abenden vor dem Einschlafen jeweils noch etwas lesen zu können. Doch erst heute werden die Bücher ganz unten aus den Saggochen hervor geholt. Neben dem Baden ist dies heute unsere zweite Beschäftigung.

Wetter:   regnerisch

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Beim Start sind wir noch im Nebel eingehüllt. Wir montieren unsere Lichter und stülpen die Reflektorenjacken über.

Ab der Mittagszeit können wir wieder in unserem Sommer-Tenu Richtung Solothurn pedalen.

Am 22. April radelten wir hier der Aare entlang, jedoch in entgegengesetzter Richtung. Die Bäume bekamen ihr grünes Kleid. Der Frühling war allgegenwärtig. Nun tragen diese Bäume braune und goldene Blätter. Der Herbst ist da.

In der Altstadt Solothurn beenden wir den letzten Abend unserer langen Reise. Draussen geniessen wir Apéro und Nachtessen. Erstaunlich, im August trugen wir oft lange Hosen und Jacken und waren froh, am Abend in einem trockenen und warmen Raum sitzen zu können. Nun im Oktober radeln wir im T-Shirt und können sogar draussen den Abend geniessen.

Strecke:   Bad-Zurzach  -  Solothurn   110 km
Wetter:    Vormittag Nebel, Nachmittag ein herrlicher Herbsttag mit 24 Grad

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Am Vormittag radeln bei Nebel und am Nachmittag bei herrlichem Sonnenschein

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Kurz vor Biel erreichen wir die neue Schnapszahl. Heute dienen uns farbige Ahornblätter zum Festhalten dieses Meilensteins.

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Am Nachmittag setzt sich die Sonne endlich durch. Wir radeln noch um den Bielersee bis Le Landeron und anschliessend zum Hagneck-Kanal. Über Golaten gelangen wir an den Wohlensee.

Von Hinterkappelen via Bethlehem geht's weiter nach Köniz. Wir sind uns einig, dies war der gefährlichste Streckenabschnitt der ganzen 7. Etappe.

Vor Sonnenuntergang erreichen wir das Blinzernplateau. Wir sind wieder zu Hause.

Strecke:  Solothurn  -  Adlerweg 14 in Köniz   106 km
Wetter:    Am Vormittag Nebel, am Nachmittag ein sonniger Herbsttag

 

Das Gepäck wird ein letztes Mal abgeschnallt und für das Schlussfoto aufgestapelt. Für die Interessierten wiegen wir unseren mobilen Haushalt:

 9.9 kg  2  Rucksäcke mit Laptop, Akkus, Kartenmaterial, etc.                              
 6.6 kg  2  Zeltsäcke mit Zelt, Zeltboden, Mätteli, Luftkissen                               
 8.3 kg  2  Saggochen Front mit Küche, Gaskocher mit -flasche und Lebensmitteln
 7.5 kg  2  Saggochen Front mit Regenkleidern, Medikamenten, Velorep-Set  
21.4 kg  4  Saggochen hinten mit Kleidern, Schuhen, Schlafsäcken, etc.                 
4 bis 6 kg  2 bis 4 Wasserflaschen à 1,5 l und Früchten/Lebensmitteln      
Das Gepäck pro Fahrrad beträgt somit zwischen 27 und 30 kg 

Die Räder mit Sicherheitsschloss wiegen je 16.2 kg

An dieser Stelle noch ein ganz grosses Kompliment und Merci an meine Frau Barbara. Sie war nicht nur mit von der Partie, nein, sie trug auch die Verantwortung für die Feinplanung. Immer wenn ich einen der versteckten Wegweiser übersehen habe, intervenierte sie sofort.
Sie war bei allem mit dabei. Bei Wind und Wetter, bei Schiebepartien, assistierte bei den Veloreparaturarbeiten, und vielem mehr. Nur wenn meine Ideen allzu ausgefallen wurden, da opponierte sie mit dem Spruch: "Diesen Schmarren mach ich nicht mit!"

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8'967 km ohne nennenswerte Pannen und Unfälle. Dies ist nicht ganz selbstverständlich. Wir sind dankbar dafür.

Nun ist "let's go north" Geschichte. Wir planen jedoch bereits unsere nächste Reise. Sie wird den Namen "let's go south" tragen und startet voraussichtlich im Mai 2011.
In der Zwischenzeit kann Barbaras Göpel und mein Velo etwas ausruhen.