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Streckenübersicht 4. Etappe
von Stockholm via Göteborg nach Kopenhagen   Total 1'411 km

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Freitag, 2. Juli 2010

We are ready for take off!

Über den Streckenverlauf unserer 4. Etappe waren wir uns nicht ganz einig. Barbara bevorzugt die südliche Route via Göta-Kanal und ich eher die nördliche Variante, wie ursprünglich geplant, über Oslo.

Wir beschliessen, eine Urabstimmung vorzunehmen. Das Ergebnis lautet 1 zu 1. In solchen Situationen hat ja bekanntlich der Chef den Stichentscheid, d.h., wir radeln dem Göta-Kanal entlang…

Spass beiseite. Verschiedene Reisende haben uns von der Nordvariante abgeraten. Die Strecke Stockholm - Oslo sei sehr eintönig. Viel Wald, viele Mücken und sehr monoton. Wald haben wir nun schon viel befahren. Etwas Abwechslung unterwegs ist immer gut.

Die 4. Etappe sieht nun folgendermassen aus: Als Traverse durch Schweden wählen wir die Wasserstrassen, welche die schwedische Ostküste mit Göteborg an der Westküste verbinden. Bis zum Vänernsee ist es der Göta-Kanal, anschliessend folgt der Trollhätte-Kanal bis nach Göteborg.

Der Göta-Kanal, eines der faszinierendsten Bauwerke des europäischen Nordens, feiert dieses Jahr seinen 200. Geburtstag. 58'000 Soldaten schufteten 22 Jahre lang. Insgesamt hat der Kanal 58 Schleusen und überwindet eine Höhe von fast 100 m.

Einmal mehr lassen wir uns einfach überraschen.

Samstag, 3. Juli 2010

Heute ist ein strahlender Sommertag. Wir verlassen Stockholm und sind uns einig. Dies ist eine wunderschöne Stadt und zählt für uns zu den schönsten, die wir bisher gesehen haben.

Je weiter wir uns vom Stadtzentrum entfernen, desto rarer werden die Velowegweiser. Finden wir einen solchen, dann sind meistens nur Quartiere oder kleine Orte angegeben, die wir auf unserer Karte gar nicht finden. Mehrmals erhalten wir Hilfe durch Radfahrer oder Fussgänger. Ein älterer Herr erkundigt sich, von wo wir kämen und wie die Reise nun weiter gehe. Nach unseren Erklärungen meint er: „Na ja, da seid ihr nun ja wieder auf dem Weg nach Hause“. Stimmt eigentlich. Stockholm ist der nördlichste Punkt unserer Reise. Dennoch gefällt uns seine Aussage nicht. In zwei Monaten ist es immer noch früh genug, vom nach Hause fahren zu sprechen.

Wählen wir den gefundenen Weg auf Nebenstrassen, kommen einige Zusatzschlaufen hinzu. Wählen wir für einmal die Hauptstrasse, so erscheint plötzlich ein Schild „für Velos verboten

Gegen Abend erreichen wir Mariefred. In der Abendsonne leuchtet das imposante Schloss Gripsholm. Bekannt wurde dieses Schloss durch das berühmteste Buch des Schriftstellers Kurt Tucholsky und dessen Verfilmung. Sicher wäre das Städtchen Mariefred ohne das Schloss ein unbekannter und verträumter Ort geblieben.

Nun befinden wir uns auf dem Zeltplatz an einem See. Auf der anderen Seite steht stolz das Schloss in seiner ganzen Pracht. Auch auf dem Campingplatz ist es Sommer geworden. Dies beweisen die vielen kreischenden und spielenden Kinder. Zudem sind wir nicht mehr die einzigen Zeltler.

Strecke:   Stockholm – Mariefred   99 km 
Wetter:    ein herrlich heisser Sommertag.

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Schloss Gripsholm

Alter Bahnhof von Mariefred

Sonntag, 4. Juli 2010

Die ersten 20 km bis nach Söderlänna radeln wir auf verträumten Nebenstrassen. Anschliessend gibt es leider kein Ausweichen mehr. Wir müssen auf die Fernverkehrsstrasse 55 wechseln. Diese ist nicht stark befahren, dennoch ist es unangenehm, wenn die Lastwagen, Camper und Personenwagen in hohem Tempo an uns vorbei fahren. Wegen des rauen Strassenbelages hier in Schweden ist das Rollgeräusch besonders laut. Das sind wir uns gar nicht gewohnt. Oder waren wir bisher einfach mit den Radwegen und Nebensträsschen verwöhnt? Im letzten Abschnitt weist die 55 einen schmalen Randstreifen auf. Dafür wird die Strasse 3-spurig mit getrennten Fahrbahnen und langsamer gefahren wird hier nicht.

Obschon es heute nicht wärmer ist als gestern, macht uns die Hitze besonders zu schaffen. Nach weniger als 60 km sind wir nudelfertig und stellen unser Zelt auf, essen und trinken etwas und legen uns hinter unserem Zelt auf unsere Mätteli an den schattigen Waldrand. Es ist angenehm. Ein leichter Wind weht, keine Mücken und keine Ameisen. Nur wir zwei liegen da wie tote Fliegen.

Ein kühlendes Bad im See bringt die Lebensenergie wieder zurück. Nun scheint die Abendsonne an unser Zelt und es wird sehr warm. Wir wollen nicht jammern. Wie oft haben wir uns am Abend vor dem Zelt nach etwas Wärme gesehnt. Nun ist er da, der schwedische Sommer, also geniessen wir ihn doch einfach!

Strecke:  Mariefred – Malmköping   58 km 
Wetter:   ein richtiger Hitzetag!

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Auf der Fernstrasse 55, für einmal mit einem schmalen Pannenstreifen für uns

Ein erfrischendes Bad

Montag, 5. Juli 2010

Heute Morgen früh regnet es. Kurzerhand beschliessen wir, etwas länger liegen zu bleiben. Das hat sich gelohnt, das Zelt können wir bald nach 9 Uhr trocken zusammenrollen.

Bis Flen bietet sich leider keine Alternative. Wir radeln auf der uns bekannten Fernstrasse 55. Danach wählen wir die Nebenstrasse über Floda und Strängstorp. Die Naturstrasse führt durch Wald mit vielen Felsen und steinigen Wiesen sowie entlang tiefblauen Seelein. Nur selten begegnet uns ein Auto oder sehen wir vereinzelt Häuser in dieser schönen aber wilden Gegend. Barbara muss zugeben: Es ist viel schöner, durch diese Wälder und die raue Gegend zu radeln, ja, dies macht wirklich mehr Spass, als auf den befahrenen Fernstrassen …

Am Ufer eines kleinen Sees schalten wir unsere wohlverdiente Mittagspause ein. Barbara hat in Flen gebratene Pouletschenkeli gekauft. Dazu serviert sie frische Brötchen und viel, viel Mineralwasser. Als Sitzgelegenheit dient uns ein kleines Personenfährschiff. Dies scheint in Pension gegangen zu sein. Ist somit verwaist. Es hat darauf aber einen Tisch sowie Stühle. Wir erinnern uns an das schwedische Jedermannsrecht. Das „Allemansrätt“ garantiert allen Menschen den freien Zugang zur Natur. Dieses ausser Betrieb genommene Fährschiff gehört nun der Natur.

Strecke:  Malmköping – Katrineholm   60 km
Wetter:     bereits ab 9 Uhr wieder ein herrlich heisser Sommertag

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 Mittagspause

Dienstag, 6. Juli 2010

Der Regen, der auf unser Zelt fällt, weckt uns. Wir beschliessen, solange es regnet, in den Schlafsäcken zu bleiben. So wird der heutige Tag zu einem Ruhetag.

Das Frühstück geniessen wir in einem Strandbeizli neben dem Zeltplatz. Für sieben Franken bekommen wir Brot, Käse, ein 3-Minuten Ei , Joghurt, Müesli und viele, viele Cappuccinos. Wer hat nun gesagt, das Schweden teuer sei?

Aber auch die Freundlichkeit überrascht uns immer wieder. Die Serviertochter erkundigt sich mehrmals was sie uns noch bringen könne und ob wirklich alles in Ordnung sei. Ich melde dem Campingwart, dass wir erst Morgen weiterfahren. Er bedankt sich, dass wir noch einen Tag länger auf seinem Campingplatz bleiben.

Und da ich nach dem Essen schon wieder müde bin, lege ich mich wieder ins Zelt. Barbara zieht es vor, auf einem Bänkli am Wasser zu verweilen.

Unsere Zeltnachbarn sind ebenfalls mit dem Rad unterwegs. Es ist ein Pärchen aus Neuseeland. Gestartet sind sie in London und wollen mit dem Rad in 18 Monaten bis nach Neuseeland. Da wir beide in entgegengesetzter Richtung fahren, können wir Informationen austauschen. Auch sie haben zwischendurch ihre Mühe, auf Anhieb mangels Beschilderung die richtigen Velowege oder Nebenstrassen zu finden.

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Unser idyllisches Plätzchen direkt am See

Mittwoch, 7. Juli 2010

Heute Morgen fragt mich Barbara, ob ich es auch bemerkt hätte, dass jemand über unsere Zeltschnüre gestolpert sei oder am Zelt gerüttelt hätte. Nein, ich habe wie ein Murmeltier geschlafen. Kurze Zeit später schildert einer unserer Nachbarn, dass ihm in der Nacht aus dem geschlossenen Vorzelt die Campingstühle und eine grosse Tasche abhanden gekommen seien. Die Tasche habe er in der Nähe wieder gefunden, es fehle jedoch sein IPhone. Vielleicht hatten wir letzte Nacht auch Besuch, wobei der Unbekannte unsere Reisverschlüsse nicht gut öffnen konnte, die klemmen nämlich. Zum Glück, können wir sagen!

Wir sitzen wieder locker im Sattel. Bereits am Vormittag erreichen wir die 4 x 4. Diesen Meilenstein halten wir natürlich wieder fest. Bis Simonstorp führt die Strecke auf Nebensträsschen durch Natur pur. Anschliessend geht’s weiter auf einem Radweg nach Norrköping. Einen ganz kurzen Abschnitt führt dieser Radweg wieder auf die Fernstrasse 55. Leitplanken an der Seite und in der Strassenmitte. So eng war es für uns noch nie. Die Lastwagen fahren jedoch anständig neben uns vorbei. Wir radeln so schnell wir können, um diesen unangenehmen Streckenabschnitt hinter uns zu bringen. Danach geht es wieder auf den angenehmen Nebenstrassen weiter. Wir glauben, die Schweden tun dies absichtlich, damit wir Radler die ruhigen Nebenstrassen und vor allem die vielen Wälder wieder zu schätzen wissen.

Strecke:    Katrineholm – Norrköping   88 km
Wetter:     ein wunderschöner Sommertag

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Hier und jetzt haben wir genau 4‘444 km. Und wie könnte es anders sein: Wir befinden uns auf einem Nebensträsschen, wie so oft in einem Wald.

  ... und mit diesen Tannzapfen halten wir die 4 x 4 fest

Donnerstag, 8. Juli 2010

Liebe Daniela: Happy Birthday zu deinem 30. Das ist auch für uns Eltern ein ganz spezieller Tag!

Bevor wir Norrköping verlassen, fahren wir nochmals entlang des Flusses Strömmen mitten durch die vielen alten Backsteinfabriken. Im vorigen Jahrhundert war Norrköping eine stolze Industriestadt, die von ihren zahlreichen Textilfabriken lebte. Das renovierte Industrieareal dient heute verschiedenen anderen Zwecken.

Auf Nebenstrassen erreichen wir um die Mittagszeit bei Snoveltrop den Göta-Kanal. Auf einem Waldweg umfahren wir den Asplangensee. Erst bei Hulta geht es für einige wenige Kilometer direkt dem Kanal entlang. Danach führt der Weg durch Wälder mit starken Steigungen. Diesmal ist es der Roxen-See, den wir auf der nördlichen Route umfahren.

In Sandviks schlagen wir unser Zelt auf. Der Campingplatz hat sogar ein kleines Restaurant. Doch wir sind die einzigen Gäste den ganzen Abend. Es ist Hochsaison und der Zeltplatz ist bloss zur Hälfte belegt. Auch auf dem offiziellen Göta-Kanal-Radweg sind uns kaum Velofahrer begegnet. Wo sind den die gemäss Reiseführer 2 Mio. Touristen, die jedes Jahr den Göta-Kanal besuchen?

Strecke:  Norrköping – Sandviks  60 km
Wetter:   vormittags sonnig; nachmittags immer stärker bewölkt

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Überquerung der Schleuse Hulta (erbaut 1827)

Endlich kann Barbara dem lang ersehnten Kanal entlang radeln (doch nur für wenige Kilometer)

Freitag, 9. Juli 2010

Heute treffen wir auf die berühmte Schleusentreppe von Berg, die aus sieben einzelnen Schleusen besteht. Sie wurde zwischen 1815 - 1818 erbaut. Ein interessantes Schauspiel, wie die kleineren und grösseren Schiffe mit jeder Schleuse einige Meter an Höhe gewinnen.

Bis Borensberg führt der Radweg direkt dem Kanal entlang. Wir geniessen diese willkommene Abwechslung mit dem Schiffsbetrieb. Ab Motala geht’s dann weiter durchs Hinterland, teils auf staubigen Nebenstrassen. Es hat wenig Verkehr, dennoch genügt dies, um uns, unsere Räder samt Packtaschen mit einer grauen Staubschicht zu überziehen.

Hier in Motala endet der Göta-Radweg und geht am andern Ufer des Vättersees in Karlsborg weiter. Im Touristenbüro erkundigen wir uns, wie man an das andere Ufer gelange. Diese Frage ist anscheinend noch nie gestellt worden. Ein Achselzucken ist vorerst die Antwort. Mit einem privaten Schnellboot für über 150 Franken oder den See auf der Hauptstrasse umfahren. Auch heute sind uns nur wenige Radler begegnet. Dem Gepäck nach handelt es sich um Tagesausflügler. Ein Beweis mehr, dass kein Bedürfnis für eine Verbindung von Motala nach Karlsborg besteht.

Auf einem „Naturcampingplatz“ stellen wir unser Zelt auf, stehen unter die Dusche und stürzen uns in die Ausgangskleider. Es ist Freitag und zudem ein warmer Sommerabend. Diesen wollen wir im Städtchen verbringen. Am Hafen spielt eine Musikgruppe Rock'n‘Roll. Einheimische fahren mit ihren Oldtimern, grosse Amerikanerwagen aus den 60ern, vor. Sehen und gesehen werden. Eine ausgelassene und fröhliche Stimmung herrscht. In Schweden ist der Sommer so kurz, da müssen die schönen Abende ausgiebig genossen werden. Im lokalen Reiseführer steht, dass die Infrastruktur teilweise bereits Mitte August wieder in den Winterschlaf fällt.

Strecke:   Sandviks – Motala   69 km
Wetter:   herrlicher Sommertag

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Die Schleusentreppe von Berg

Kanalhafen von Berg

Samstag, 10. Juli 2010

Bereits um 8 Uhr sind wir auf dem Sattel und verlassen die kleine Stadt Motala. Nun finden wir doch noch Nebenstrassen, auf denen wir bis nach Askersund radeln können. Dies hat allerdings zwei kleine Nachteile: die Strecke ist fast doppelt so lang und zum Teil müssen wir wieder auf den staubigen Naturstrassen radeln. Entschädigt werden wir jedoch durch eine tolle Landschaft. Ausser uns scheint heute niemand unterwegs zu sein. Heute ist auch der Wald herzlich willkommen, dient er doch als Schattenspender.

Das heisse Sommerwetter hat uns bewogen, bereits hier in Askersund zu bleiben. An einem schattigen Platz stellen wir unser Zelt auf und legen uns unter die Bäume auf unsere Mätteli. Eine ausgiebige Siesta haben wir wirklich verdient.

Gegen Abend besuchen wir das Städtchen. Erstmals ist es hier in Schweden richtig heiss, so heiss, dass wir überall nach Schatten Ausschau halten. Doch wir wollen nicht jammern, wir kennen hier in Schweden auch andere Zeiten.

Strecke:  Motala – Askersund   78 km
Wetter:   herrlich hochsommerlich, ja sogar heiss

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Wald einmal anders

Keine Kornkreise, nur Bremsspuren

Sonntag, 11. Juli 2010

„Morgenstund hat Gold im Mund“ und Barbara einen abgebrochenen Backenzahn. Ab sofort darf sie bei allfälligen Interviews nicht mehr lachen…

Heute starten wir noch früher. Es ist herrlich, am Morgen durch die einsamen Wälder zu radeln. Wir kommen zügig voran und erreichen den Campingplatz in Karlsborg bereits um 11 Uhr.

Wieder finden wir ein schattiges Plätzchen direkt am See. Wir packen das Zelt aus. Etwas unsicher macht mich ein starker Fischgestank. Barbara beruhigt. Dies sei halt so an einem kleinen See. Beim Ausrollen des Zeltes kommt, oh Schreck, ein plattgedrückter Frosch zum Vorschein. Also dieser stinkt so bestialisch! Er muss gestern Abend oder vielleicht auch heute Morgen unter den Boden des Innenzeltes gehüpft sein. Der arme Kerl wurde einfach im Zelt aufgerollt und natürlich beim Bepacken plattgedrückt. Es folgt eine mühselige, eklige Reinigung, all die klebrige Masse von den Zeltböden zu entfernen.

Nun lassen wir das Zelt so richtig auslüften und begeben uns in die Stadt.

Strecke: Askersund – Karlsborg  69 km
Wetter:   heisses Sommerwetter (Hitzetag!)

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An ruhiger Lage mit unverbaubarer Seesicht

Montag, 12. Juli 2010

Kurz nach 10 Uhr sind unsere Finger ganz blau. Nein, dies ist nicht durch die Kälte, wir befinden uns im Wald in den Heidelbeeren! Die vergangenen heissen Tage haben die Waldbeeren nun zum Reifen gebracht. Soweit das Auge reicht sehen wir blaue Beeren. Wir geniessen dieses besondere Znüni.

Nach 40 km auf Nebenstrassen erreichen wir wieder einmal den Göta-Kanal. Erst dem Kanal entlang begegnen uns vereinzelte Radler.

Kurz nach 14 Uhr treffen wir auf den direkt am Wasser liegenden Zeltplatz von Töreboda ein. Wer weiss, wie lange das schöne Wetter noch hält, deshalb ist Wäschetag angesagt. Barbara ist für das Waschen verantwortlich, ich für das Trocknen. Dies ist gar nicht so einfach: Von meinem Schattenplatz aus mit einem kühlen Lättöl (schwaches Bier) beobachte ich den Trocknungsprozess, wende zwischendurch mal die Kleider und wenn diese à point sind lege ich sie fein säuberlich zusammen und liefere sie Barbara wieder ab.

Nach getaner Arbeit geht’s nun auch für uns ab ins kühle Nass!

Strecke: Karlsborg - Töreboda  63 km
Wetter:   wieder ein heisser Sommertag

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Heidelbeeren soweit das Auge reicht   und  zwischendurch Walderdbeeren

Dienstag, 13. Juli 2010

Die heutigen Schlagzeilen der Zeitungen warnen vor den Stürmen, die über Westschweden herziehen werden. Nun sind sie da, die heftigen Gewitter. Die Schweden sprechen vom heissesten Sommer seit 16 Jahren. Noch vor wenigen Wochen wurde uns gesagt, es sei seit langem der kälteste Frühling und Sommeranfang. Insgesamt somit also ein ganz normaler Schwedensommer.

Bis Sjötorp radeln wir die restlichen 20 km direkt dem Kanal entlang und gelangen an dessen Ende. Mit einem Besuch im Museum über die Entstehung des Kanals schliessen wir diesen Etappenteil ab. Die Schweden haben den Göta-Kanal zum herausragendsten Wunderwerk ihres Landes gewählt.

Insgesamt führte der Radweg nur gerade 60 km direkt dem Göta-Kanal entlang. Gemäss unserer Planung hätten es wesentlich mehr sein sollen. Auf dem uns zur Verfügung stehenden Kartenmaterial konnten wir dies wieder einmal nicht genau abschätzen.

Strecke:  Töreboda – Mariestad   52km
Wetter:   schwül, dann heftige Gewitter

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Barbara beobachtet den regen Schleusenbetrieb

Nicht alle Bootsführer können es gleich gelassen nehmen

Mittwoch, 14. Juli 2010

Heute führt uns die Strecke entlang des Vänern-Sees. Das andere Ufer ist zeitweise nicht mehr sichtbar. Kein Wunder, denn dieser See ist 10 Mal so gross wie unser Bodensee.

Im Dorf Hällekis verbinden wir unsere Mittagspause mit einer Besichtigung. Im Jahre 1892 wurde hier eine Zementfabrik in Betrieb genommen. Die Fabrik besass alle öffentlichen Gebäude, wie Schule, Einkaufsläden, etc. Aber auch die Wasserversorgung und das Gesundheitswesen lagen fest in der Hand der Zementunternehmung. Eine Fabrik, die ein Dorf mit umfassender Infrastruktur besass. Heute lebt Hällekis vom Tourismus.

Als Koordinaten für die Bestimmung des Weges dienen uns oft die Kirchen. Diese sind in der Strassenkarte eingezeichnet und man erblickt sie bereits von weitem. Erst heute fällt uns so richtig auf, dass hier in Schweden die Kirchen selten in der Dorfmitte stehen. Meistens befinden sie sich am Rand oder sogar einige Kilometer vom Dorf entfernt. Warum dies so ist, das wissen wir nicht. Für uns jedoch ideal für die Standortbestimmung.

Strecke:   Mariestad – Lidköping   70 km
Wetter:   schön aber windig

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Für einmal nicht durch den Wald

Blick auf den grossen Vänern-See

Donnerstag, 15. Juli 2010

Happy Birthday mein liebes Schätzeli! Es ist toll, dass wir Zwei diese Langzeit-Radtour zusammen unternehmen und voll geniessen können. Da du mit dem Lesen und Beantworten der per SMS und eMail eingegangenen Glückwünsche voll beschäftigt bist, übernehme ich heute den Tagebucheintrag!

Wir fahren durch die „Kornkammer“ von Schweden. Zumindest scheint es uns so. Grosse Felder mit Weizen, Hafer etc. leuchten in der mystischen Stimmung. Bald wird es regnen und so wie es aussieht, nicht nur ein paar Topfen.

Meistens kommt ein Platten im ungünstigsten Moment. Tatsächlich! In strömendem Regen hat mein Hinterrad plötzlich keine Luft mehr. Am Strassenrand bei diesem Regen können wir die Reparaturarbeiten nicht vornehmen. Ein einzelnes Haus mit Scheune steht unweit der Strasse. Edi geht hin und fragt, ob wir den Platten nicht im Schopf reparieren dürften. Nein, sagt die Frau, sie wolle keine Fremden auf ihrem Grundstück Der grosse Hund neben ihr flösst Edi den nötigen Respekt ein. Dennoch insistiert er. Wir benötigen nur eine halbe Stunde und am Strassenrand sei dies wirklich nicht möglich. Widerwillig sagt sie ja, willkommen sind wir aber nicht. Wir sind der Frau nicht böse, sicher hat sie schlechte Erfahrungen gemacht.

Klatschnass kommen wir in Trollhättan an. Heute haben wir wirklich keine Lust, das Zelt aufzustellen. Auch hat der Campingplatz keine Hütte mehr zu vergeben. Also suchen wir ein Zimmer in der Stadt. Dies ist schwierig, findet doch gerade das „Wasserfest“ hier in Trollhättan statt. Doch einmal mehr haben wir Glück!

Und ganz zum Schluss darf Edi noch einmal einen Plattfuss bei mir beheben. In der Plattfuss-Statistik steht es nun 4 : 4!

Strecke: Lidköping – Trollhättan  73 km
Wetter:   kurz sonnig, dann heftiger Gewitterregen

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Unendlich scheinende Kornfelder

Reparaturarbeiten unter widrigen Umständen, an einem Ort, an dem wir nicht erwünscht sind

Freitag, 16. Juli 2010

Bevor wir die Stadt verlassen, besichtigen wir die imposanten Schleusen von Trollhättan. Das Wasserfest ist noch in vollem Gang. Irgendwann werden heute die Schleusen geöffnet und dann donnern ungefähr 300‘000 Liter Wasser über die 32 m hohen Fälle.

Heute passieren jährlich über 20‘000 Schiffe den Kanal und 3,5 Millionen Tonnen an Gütern werden auf ihm transportiert. Dies erklärt auch den Standort verschiedener Firmen wie z.B. Volvo und Saab.

Uns zieht es jedoch weiter. Wir wollen dem Göta alv Kanal entlang radeln. Die Dame im Touristoffice ist unsicher. Den Weg zu finden sei schwierig, deshalb sollen wir doch der E 45 entlang folgen..

Viele Wege führen nach „Rom“ und auch nach Göteborg. Auf Nebenstrassen suchen wir denjenigen Richtung Süden. Irgendwann bekommen wir die Bestätigung, dass dem Kanal entlang über grosse Strecken gar kein Weg führt. Und so landen wir für einen kurzen Abschnitt doch noch auf der E 45. Die Strasse hat vier Spuren, zwei davon Kriechspuren. Diese Kriechspur teilen wir Zwei mit den langsamen Lastwagen und den Traktoren. Es ist eng. Da kommt uns doch tatsächlich auf der Kriechspur ein Radfahrer entgegen. Seelenruhig fährt er auf der falschen Seite. Er hebt die Hand zum Gruss und pedalt an uns vorbei. Bei uns hätte dies im Radio sicher eine Warnmeldung ausgelöst.

Sobald wie möglich weichen wir wieder auf Nebenstrassen aus. Doch auch hier herrscht starker Verkehr, die Strasse ist eng. Einige Fahrer scheinen für das nächste Rennen zu üben. Dazu weht ein heftiger Gegenwind. Wir kommen fast nicht vom Fleck. Der Barometer von Barbara fällt und fällt und erreicht den Nullpunkt. Die heutige Etappe ist wirklich nichts Besonderes. Wir freuen uns, nun schon bald den Kattegatt zu erreichen und dann dem Meer entlang südwärts radeln zu können. Doch vorher wollen wir Göteborg anschauen.

Strecke:  Trollhättan – Kungälv   76 km
Wetter:   schön mit vereinzelten Gewitterwolken

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Das gestaute Wasser wird nun durch die Schleusen und Wasserfälle herunter gelassen

Samstag, 17. Juli 2010

Ein ganz gewöhnlicher Morgen. Wir kraxeln aus dem Zelt und strecken uns. Es ist stark bewölkt. Die Saggochen werden auf den neben dem Zelt stehenden Tisch gestapelt. Einige Tropfen künden an, dass es klug wäre, sich zu beeilen. Die Heringe werden herausgezogen. Als das Zelt am Boden liegt kommt eine Regenwand. Ich höre Petrus sagen: „Überraschung gelungen“! Wir kriechen unter das Zelt und versuchen, dies von Innen wieder notdürftig aufzustellen. Aus der Zeltöffnung sehe ich, wie sich meine Turnschuhe langsam mit Wasser füllen und all die Sachen, die noch nicht regensicher verpackt sich, sich langsam vollsaugen.

Nach einer halben Stunde lässt der Regen nach. Ich hole die Räder und stelle fest, Barbaras Velo hat wieder einen „Platten“. Das Hinterrad ist noch nicht eingesetzt und wir müssen schon wieder unter das Zelt flüchten. Es regnet und regnet.

Nass wird das Zelt eingepackt und meine Füsse „schwimmen“ in den klatschnassen Turnschuhen. Das ganze mit Wasser durchtränkte Gepäck wiegt nun einige Kilo mehr.

Gegen Mittag lässt der Regen nach. Eine Stunde später kommt die Sonne zum Vorschein. Wir befinden uns in einem Industriegebiet im Grossraum Göteborg. Der Veloweg neben der Eisenbahn ist mit einem Geländer abgegrenzt. Eine gemähte Böschung bietet sich als optimale Trocknungsmöglichkeit. Wir nutzen diese einmalige Gelegenheit und packen all unsere sieben nassen Sachen aus. Zeltboden sowie Innen- und Aussenzelt werden am Geländer aufgehängt und der Rest an der Böschung ausgebreitet. Eine Stunde Sonne und Wind und wir können das Zelt wieder trocken einpacken.

Regenhosen und Schuhstülpen sind super, doch die Regenjacken haben uns wieder im Stich gelassen. Sie werden heute ausgemustert und durch neue ersetzt.

Nun sitzen wir in einer trockenen Unterkunft in der Altstadt von Göteborg. Heute gehen wir in den Ausgang. Ohne Schirm, denn das Wetter ist wieder sommerlich. Wozu eigentlich die ganze Aufregung am Vormittag?

Strecke:  Kungälv – Göteborg   24 km
Wetter:    am Vormittag strömender Regen, dann wieder Sonne

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Barometer bei Barbara weiter gefallen doch nun ist das Zelt schon wieder trocken

Zwischenstand 1. Teil der 4. Etappe

Nach etwas mehr als 900 km ab Stockholm erreichen wir die Westküste in Göteborg. Als grosse Leitlinie diente uns der Göta-Kanal bzw. Göta alv. Die Strecke war weniger berauschend als die Südostküste von Schweden. Wir wären lieber näher am Kanal entlang gefahren und weniger auf den Fernstrassen. Doch hatten wir auch ganz tolle Abschnitte entlang der Schleusentreppen oder auf Nebenstrassen durch das verträumte Hinterland.

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Sonntag, 18. Juli 2010

Auch unsere Fahrräder haben heute Sonntag!

Nach einem ausgiebigen Frühstück besichtigen wir zu Fuss und per Boot die Stadt Göteborg, Gothenburg, Gotemburgo, Gothembourg, Gautaborg, Gotenburg. Die vielen Namen, mit denen Göteborg in den vergangenen Jahrhunderten bedacht wurde, sind ein Zeichen bewegter Vergangenheit. Göteborg als zweitgrösste Stadt Schwedens steht stark in Konkurrenz zu Stockholm.

Die Altstadt kann mit Stockholm nicht mithalten. Dafür ist der Hafen beeindruckend. Die Stadt besitzt das weltweit grösste Schiffsmuseum. Fasziniert sind wir besonders von einem der weltweit grössten Holzsegelschiffe, der „Ostindienfahrer Götheborg“. Dieses Schiff sank auf der Rückkehr von China im Jahre 1745 direkt vor der Küste Göteborgs und wurde originalgetreu nachgebaut.

Wir bekommen einen Eindruck, welche Bedeutung die erfolgreichste Unternehmung Schwedens, die „Schwedische Ostindische Kompanie“ im 18. Jahrhundert für das Land hatte.

Nebenbei erwähnt: Wir haben nun regenfeste Jacken und eine neue Rucksackhülle. Jetzt sind wir noch regenresistenter.

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  Das Segelschiff "Ostindienfahrer Götheborg"

Montag, 19. Juli 2010

Unsere neuen Regenjacken können am Vormittag bereits getestet werden. Sie halten, was die Werbung verspricht.

Nach zwei Stunden Fahrt befinden wir uns immer noch im Grossraum Göteborg. Erst am Nachmittag wird die Strecke ruhiger. Endlich können wir wieder direkt dem Meer entlang radeln. Auch wenn sich die Sonne nicht so recht erblicken lässt, gefällt uns die Gegend.

Irgendwo unterwegs hat Barbara wieder feine Glassplitter eingefahren Zweimal muss ich an ihrem Hinterrad einen Plattfuss beheben. Wir sind gespannt, wann der nächste kommen wird.

Nun befinden wir uns in Äsa auf dem 4-Sterne-Zeltplatz. Wie Sardinen sind Wohnwagen, Camper und Zelte ineinander gepfercht. Wir haben noch ein kleines Plätzchen gefunden, eingeklemmt zwischen Kehrichtkübeln und dem Servicehaus. Doch was soll‘s, bald legen wir uns schlafen und morgen früh geht‘s eh wieder weiter.

Strecke:  Göteborg – Äsa  76 km
Wetter:   Regen und Nieselregen, Nachmittag bewölkt

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Endlich können wir wieder einmal dem Meer entlang radeln

Barbara vor dem "König Frodes Stein" (Gräberfeld aus der Eisenzeit)

Dienstag, 20. Juli 2010

Der Ginstleden-Fernradweg ist ausgezeichnet ausgeschildert. So finden wir ohne Mühe den Weg entlang dem Meer und durch landwirtschaftliche Gebiete. Der starke Gegenwind sorgt dafür, dass wir nur langsam vorankommen und viel Zeit haben, die Gegend zu bestaunen.

Die Südwestküste verfügt, gemäss Reiseführer, über ein mediterranes Klima. Ja hier finden wir ein anderes Schweden. Die Strände, teilweise mit ganz feinem weissen Sand, sind bevölkert. Ein Gedränge fast wie in Rimini. Die Sonne brennt und am Strand gibt es keine schattenspendenden Bäume. Dennoch, wird nur selten ein Sonnenschirm aufgespannt. Vielmehr scheinen alle sonnenhungrig zu sein. Verständlich, denn der Sommer in Schweden ist sehr kurz!

Am frühen Nachmittag erreichen wir Olofsbo. Wir beschliessen, falls es für unser kleines Zelt noch eine Ecke hat, hier zu übernachten. Der gesamte Zeltplatz ist ausgebucht und platzt aus allen Nähten, doch wir können mit einigen anderen ausserhalb des offiziellen Platzes campieren. Heute haben wir Schweden ganz anders kennengelernt.

Strecke:  Äsa – Olofsbo  70 km
Wetter:   sonnig mit starkem Gegenwind

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Blick von der Festung Varberg, mit dem Radweg im Hintergrund, der dem Meer entlang führt

Für einmal keine menschenleere Strände

Mittwoch, 21. Juli 2010

Der Ginstleden führt uns heute wieder dem Meer entlang und durch eine raue Weidelandschaft. Es gefällt uns, durch die abwechslungsreiche und ruhige Gegend radeln zu können.

Im Dörfchen Ugglarp sehen wir ein Schild „Good Wheel“. Hier wollen wir die Reifen von Barbaras Velo stärker pumpen. Mit meiner Handpumpe schaff ich dies einfach nicht. Es ist eine Werkstatt für Flyer. Diese sind auch in Schweden ein grosser Renner. Wir kommen ins Gespräch. Die Besitzerin erkundigt sich, ob wir von Deutschland kämen. Nein, aus der Schweiz, antworten wir. Sie strahlt und erwidert: „Ich bin auch Schweizerin, ich komme aus Bellinzona“. Nun folgt die Konversation auf Deutsch. Der Chef scheint es mit dem Pumpen der Räder nicht eilig zu haben. Vielmehr gibt es eine angeregte Diskussion über Politik, Radweg, Reisen und eben die Entwicklung der Flyer in der Schweiz und in Schweden. Eine schöne Abwechslung. Nachdem wir wieder losradeln meint Barbara: „Nun rollt mein Göpel doch etwas ringer“.

Zu Beginn unserer Tour hat uns jemand geschrieben, dass er zwei Schutzengel mit uns auf die Reise geschickt hätte. Diese würden uns dauernd begleiten. Heute kommen sie zum Einsatz. Barbara fährt unbekümmert auf dem Radweg. Da kommt ein Auto von hinten, stoppt halbwegs auf dem Radweg und schon öffnet sich die Beifahrertüre. Barbara hat keine Chance, auszuweichen. Die Türe reisst die linke Saggoche weg, Barbara kommt ins Straucheln, stürzt jedoch glücklicherweise nicht. Einmal mehr Glück gehabt.

Nun sind wir auf dem Zeltplatz Hagöns, südlich von Halmstad. Der Campingplatz ist natürlich ausgebucht. Doch mit etwa 30 anderen Campern finden wir einmal mehr ausserhalb des eigentlichen Platzes auf einer grossen Wiese noch eine Ecke für unser Zelt.

Ganz in der Nähe unseres Zeltes führt die Autobahn vorbei. Was soll’s, wir werden wieder wie letzte Nacht herrlich und tief schlafen. Der Gegenwind hat auch heute an unseren Reserven gezehrt.

Strecke:  Olofsbo - Hagöns  80 km
Wetter:   sonnig, heiss, aber windig 

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  Auf dem Ginstleden südwärts

Donnerstag, 22. Juli 2010

Genau heute vor drei Monaten sind wir in Köniz mit dem Rad losgefahren. Im Rucksack eine gute Mischung von Planung und Spontanität. Aber auch viel Neugierde. Nun, drei Monate später, sind wir um etliche Eindrücke, sehr viele positive Erlebnisse und nur vereinzelte Enttäuschungen reicher. Auf alle Fälle ist es uns noch nicht verleidet. Barbara hat heute zwar zu Protokoll gegeben, sie wolle nicht den Rest ihres Lebens nur noch auf dem „Göpel“ sitzen, so um die sechs Monate pro Jahr sei dann wirklich genug. Das stimmt auch für mich. Somit verbleiben uns im 2010 noch ungefähr drei weitere Monate.

Der Zeltabbau erfolgt wieder in Etappen. Dreimal flüchten wir vor einem Platzregen erneut ins halb abgebaute Zelt. Dreimal trocknen wir das Zelt wieder ab. Beim vierten Mal falten wir es im Regen zusammen und verpacken es in den Zeltsack. Diesmal lassen wir nur die regensicheren Saggochen im Regen stehen. Die Turnschuhe werden im trockenen Zelt in Sicherheit gebracht. Wir sind auch im „hohen“ Alter immer noch lernfähig.

Wir trauen dem Wetter nicht. Trotzdem beschliessen wir, den Umweg via Torekov zu radeln. Die Strecke führt auf schmalen Wegen dem Meer entlang, durch dichte Lerchenwälder und dann wieder durch das hügelige Hinterland. Nach genau 100 km erreichen wir den Zeltplatz.

Im Städtchen Bastad haben wir ein holländisches Pärchen mit ihren voll beladenen Rädern getroffen. Gegenseitig erkundigten wir uns nach dem Radweg. Zwei, drei Sätze und dann fuhren wir in entgegengesetzter Richtung weiter. Heute Abend, was für ein Zufall, sind es unsere Zeltnachbarn. Wie sich herausstellt, sind sie ebenfalls viel mit dem Rad unterwegs. So ergeben sich interessante Gespräche. Die Beiden sind richtige Geniesser. Sie verfügen über zwei Campingstühle, ein separates Zeltvordach als Sonnenschutz. Auch die Küche ist luxuriöser ausgestattet. Zwischendurch hätten wir auch gerne Klappstühle, um nicht auf dem Boden zu sitzen, auch ein etwas grösseres Zelt wäre nicht zu verachten. Doch wenn wir an die heutigen Steigungen mit total über 600 Höhenmetern denken, dann sind wir um jedes Kilo, das wir weniger mitschleppen müssen, froh.

Strecke:  Hagöns – Ängelholm   100 km
Wetter:   Am Morgen Regen, dann recht sonnig, abends Gewitter

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Vonn Innen beobachten wir, wie  die Regentropfen vom Zeltdach abperlen

Unsere Zeltnachbarn aus Holland

Freitag, 23. Juli 2010

Wir sind uns einig, der heutige Tag zählt zu den schönsten Tagesetappen unserer gesamten Tour. Gemäss Wettervorhersage anfangs Woche müsste es heute einen Dauerregen geben. Es scheint aber die Sonne. Vielleicht ist es der Wind, der hat nämlich gedreht. Wir sind nicht unglücklich, endlich wieder einmal mit Rückenwind zu radeln. Doch der wichtigste Punkt ist der Veloweg, der heute zu einem grossen Teil dem Meer entlang führt und sehr abwechslungsreich ist. Zu Beginn fahren wir durch einen dichten Wald und hören das Meer rauschen ohne dies jedoch zu sehen. Danach folgen einsame Sandstrände und solche mit hochsommerlichem Betrieb.

In Helsingborg treffen wir zufälligerweise nochmals das holländische Pärchen. Nun trennen sich aber unsere Wege endgültig. Sie nehmen die Fähre nach Helsingör und radeln entlang der dänischen Küste nach Kopenhagen. Wir bleiben auf der schwedischen Seite.

Wenige Kilometer vor dem Zeltplatz zeigt unser Kilometerzähler genau 5‘555 an.

Unsere Schnapszahl feiern wir mit einem gediegenen Nachtessen in einem der schönen Hafenbeizli in Borstahusen. Wir geniessen die letzten Sonnenstrahlen und werden uns bewusst, in zwei Tagen wird bereits die 4. Etappe Geschichte sein.

Strecke:  Ängelholm – Landskrona  87 km
Wetter:   ganzer Tag Sonnenschein

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Hier und jetzt haben wir genau 5'555 km zurückgelegt (der Einfachheit halber haben wir als Rohmaterial nicht Muscheln verwendet, sondern Sand)

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Dem Meer entlang

Kurz vor Landskrona

Samstag, 24. Juli 2010

Bevor wir Landskrona verlassen, besuchen wir die Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete Zitadelle. Es ist eine von vielen Festungsanlagen an der Westküste Schwedens. Es findet gerade ein Oldtimer-Treffen statt. Nach Marken sind die alten Autos rund um den Wassergraben aufgestellt. Wohnwagen und Camper aus den 70er Jahren, alte Traktoren, Feuerwehrautos, Polizeiwagen, etc. Einige Besitzer sind natürlich zeitgerecht gekleidet. Sehen und gesehen werden. Wir mit unseren Velohelmen fallen auch ein bisschen auf …

Es ist nicht das erste Oldtimer-Treffen, auf das wir ganz zufällig stossen. Die Schweden scheinen eine grosse Vorliebe für nostalgische Fahrzeuge zu haben und dies entsprechend zu zelebrieren. Immer wieder ist uns aufgefallen, wie viele alte, grosse „Amerikanerschlitten“ aus den 50er und 60er Jahren unterwegs sind. An schönen Tagen wird mit diesen „Strassenkreuzern“ ausgefahren. Auch hier, sehen und gesehen werden.

Bereits gestern, einige Kilometer vor Landskrona, haben wir die mächtige Öresund-Brücke am Horizont gesehen, obschon diese noch mehr als 40 km Luftlinie entfernt war. Auch heute auf der Strecke entlang dem Meer sehen wir die Brücke immer wieder. Aber auch die Silhouette vom gegenüber liegenden Kopenhagen können wir gut erkennen. Ein untrügliches Zeichen, dass wir uns Malmö nähern.

Strecke:  Borstahusen Nähe Landskrona - Malmö  59 km
Wetter:   leicht bewölkt und merklich kälter

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  Oldtimer-Treffen bei der Zitadelle in Landskrona

Sonntag, 25. Juli 2010

Wir verlassen das Hotel und der Wind bläst uns fast um. Nun wissen wir, warum es verboten ist, mit dem Velo über die Öresund-Brücke zu radeln.

Die Überfahrt mit dem Zug verläuft nach bekanntem Muster. Der Zug ist überfüllt und unsere reservierten Plätze für die Fahrräder bereits belegt. Doch das bringt uns nicht aus der Ruhe.

Nun schliessen wir die 4. Etappe nach genau 1‘411 km ab.

Wir sind über 2‘500 km durch Schweden geradelt und haben dabei nur den Süden des Landes kennengelernt. Dafür diesen Teil intensiv erlebt. Schweden fasziniert uns. Die endlos scheinenden Wälder, über die wir uns ganz leise beklagt haben, die fehlen uns schon wieder.

Wetter:   böenartiger Wind, jedoch meist sonnig

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Die Öresund-Brücke von Malmö nach Kopenhagen


Unser ganzes Gepäck und wir wissen immer noch nicht, wie schwer es ist! Doch Barbara will es auch gar nicht wissen...