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Dalton Highway

Der James W. Dalton Highway bezeichnet man mit 670 km als eine der längsten Sackgassen der Welt. Gebaut wurde die Strasse 1974 in wenigen Monaten für die Erschliessung der grössten Ölfelder der USA vor Prudhoe Bay. Lange Zeit war die Strecke für den Privatverkehr gesperrt. Seit 1991 ist der Dalton Highway bis Deadhorse freigegeben. Nur das kurze Teilstück von Deadhorse bis zu den Ölförderanlagen in Prudhoe Bay, d.h. bis zum Polarmeer, ist für den Privatverkehr weiterhin gesperrt. Die gesamte Strecke von Fairbanks bis nach Prudhoe Bay beträgt 800 km. Der grösste Teil der Strecke besteht aus einer Schotterstrasse. Bei trockener Witterung sehr staubig und bei starken Regenfällen eine Schlammpiste. Es gibt Steigungen bis zu 12 %.

Zwischen Coldfoot, einem alten Goldgräberdorf, und Deadhorse (Prudhoe Bay) gibt es auf einer Strecke von über 380 km keine Versorgungsmöglichkeiten. Dafür viel Natur, beeindruckende Weite.

Der Dalton kann auch mit dem Fahrrad abgestrampelt werden. Viele Tourenfahrer haben dies bereits gemacht und ihre Erlebnisse in Blogs oder Homepages festgehalten. Einer von ihnen ist Dani Grab. Er schrieb: "Es ist eine schwierige Strecke zum radeln aber eine wahres Vergnügen. Die Wildnis ist spektakulär. Etwas, das ich nie vergessen werde. Es war mit 828 km und 10'340 Höhenmetern, auf meist furchtbarer Strasse, der ultimative Kick." (übersetzt).

Wenn der Kühlschrank der wärmste Ort ist (Eintrag von Doris)

Die erste bitterkalte Nacht in Prudhoe Bay haben wir überstanden. Im Kühlschrank war es mit 3° wärmer als im Wohnbereich des Campers (1°)!

Prudhoe Bay ist der nördlichste Punkt in Amerika, den man auf der Strasse erreichen kann und ist Ausgangspunkt unseres Veloabenteuers südwärts durch Alaska, Kanada, die USA bis nach San Diego an der mexikanischen Grenze.

Deadhorse, so nennt sich das Industriecamp zur Bewirtschaftung der Ölfelder von Prudhoe Bay, diente uns zur Übernachtung. Um ans arktische Eismeer zu gelangen, müssen wir bei den hier tätigen Ölfirmen eine Tour buchen. Nach einer Sicherheitskontrolle geht es 13 km entlang von Bohrtürmen und Ölförderungsanlagen an den vereisten „Strand“ von Prudhoe Bay.

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Gebadet im Eismeer haben wir nicht. Nur Edi wollte es wissen. Er hat die dünne Eisschicht durchschlagen und ein Fussbad genommen!

Der lang ersehnte Start unserer Veloreise am Nachmittag erweist sich als viel schwieriger als gedacht. Eisige Winde bis 65 km/h fegen über Prudhoe Bay. Mal bläst er von vorne, mal seitwärts, nur nie von hinten. Auf dem Schotter zwingt er uns oft bis in den Stillstand. Ich brauche alle Kraft der Arme, um den Lenker gerade zu halten. Mehrmals drohe ich in den Strassengraben geweht zu werden. Die Kälte mit ca. 0° ist erträglich. Wir tragen mehrere Schichten warme Kleider und sehen aus wie Polarforscher. Die Truck Camper haben wir bereits weiter Richtung Süden geparkt, denn natürlich wollen wir alle Vier einen gemeinsamen Start ins Abenteuer „ let’s go south“ wagen.

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Unser Übernachtungsplatz ist eine Schotterstrasse, die zu einem noch teilweise zugefrorenen Fluss führt. Beim Gemüsecurry greife ich genüsslich zu, denn für einmal wünschte ich mir, bei diesen Windböen viele Kilos mehr zu wiegen.

Nach dem obligaten Whisky kuschle ich mich neben Xavi in den warmen Schlafsack. Der Wind rüttelt die ganze Nacht an unseren vier Wänden.

Werde ich es bei solchen Wetterverhältnissen bis nach Fairbanks schaffen?

Durch die Tundra (Eintrag von Edi)

Seit drei Tagen radeln wir nun durch die weite, unberührte Tundra. Ein grossartiges Gefühl. Nun bläst der eisige Wind meistens von hinten. Ohne diesen kleinen Support kämen wir auf den Schotterstrassen noch schleppender voran.

Der Tagesplan hat sich eingespielt. Da wir Berner am Morgen entgegen langläufiger Vorurteile jeweils flinker als die Zürcher sind, starten Barbara und ich mit dem ersten Teil der Tagesetappe. Gegen Mittag löst Doris dann Barbara ab. Den Tagesabschluss radeln jeweils Xaver und ich.

Die Damen sind für die Vorbereitung des Nachtessens zuständig und wir Männer für den TPD (Tagesparkdienst) an unseren Rädern.

Am Abend suchen wir uns wenn möglich eine Übernachtung am Wasser, wo wir unsere Räder gründlich von Staub und Schlamm reinigen können. Mehrmals droht die Schaltung bei einem der Velos zu streiken.

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Es ist nicht immer nur der Regen, der das Radeln auf den Schotterstrassen so mühsam macht. Damit die Löcher und Bodenwellen in der Naturstrasse beseitigt werden können, werden Strassenabschnitte nicht befeuchtet, sondern fast unter Wasser gesetzt. Einen Tag später, nachdem sich die Strassenoberfläche aufgeweicht hat, wird der „Pflotsch" durch grosse Strassenmaschinen geglättet und im gleichen Arbeitsgang gepresst. Es entsteht eine Naturstrasse, die fast so glatt ist wie eine Teerstrasse. So kann eine Strasse zum fahren sehr angenehm sein oder aber auch zur Qual werden.

Vom Schnee überrascht (Eintrag von Edi)

Am vierten Tag wird die Tundra immer hügeliger. Die Strasse führt auf und ab. Vor uns sehen wir die Bergkette der Brooks Ranch, das nördlichste Gebirge von Amerika. Es ist aber auch ein Zeichen, dass wir uns dem Atigun Pass nähern. Am späten Nachmittag drückt der Nebel ins Tal und es sieht nach einem Wetterumschwung aus. Wir schlagen unser Nachtlager am Atigun River 1 auf.

Am kommenden Morgen den obligaten Blick aus dem Fenster für die Wetterbeurteilung Wir staunen, es schneit. Auf den Autos und Velos liegen einige Zentimeter Neuschnee. Nun sitzen wir am Fusse des Passes und wissen nicht, ob wir den Atigun mit den Velos und vor allem mit den Campern überqueren können. Da wir uns etwas abseits der Strasse befinden, spähe ich immer auf die Passstrasse, ob doch nicht ein Auto vom Atigun herunter fährt. Es dauert einige Zeit, da sehe ich einen Truck Camper vom Pass her anrollen. Ich renne zur Strasse, fuchtle mit den Armen und nach kurzem Zögern hält der Wagen an. Ich erkundige mich nach den Strassenverhältnissen auf der Passhöhe. Kein Problem wird mir versichert. Der grobe Schotter sei bei solchen Verhältnissen viel besser als geteerte Strassen. Wir beeilen uns, denn wir wissen nicht, wie lange der Pass noch offen sein wird. Die Räder und Camper werden vom Schnee gesäubert und dann radeln Barbara und ich Richtung Pass. Es schneit und der kalte Wind bläst um die eingepackten Ohren. Xaver löst Barbara ab und wir beide erreichen die Passhöhe. Für Xaver ist es die erste Passfahrt mit dem Velo und dies erst noch im Schneegestöber.

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Auf der Passhöhe schnell ein, zwei Föteli und weiter geht’s. Oder eben doch nicht. Die Bremsen werden durch festgefrorene Klumpen aus Schlamm und Schnee blockiert. Es dauert einige Minuten, bis sich die Veloräder wieder drehen lassen, wenn auch nur widerwillig.

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Eine Unmöglichkeit, so weiter zu radeln

Ein treuer Begleiter (Eintrag von Edi)

Immer wieder erblicken wir die Trans Alaska Pipeline. Wegen des Permafrostes ist die Pipeline meistens auf Stelzen gebaut. Es soll sich um das grösste industrielle Bauwerk der USA handeln. Mehr als 80‘000 Liter Öl pro Minute fliessen durch die Stahlrohre (mehr siehe Hintergrundinfo Alaska Pipeline).

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Wolfsspuren bei einem Rastplatz (Eintrag von Edi)

Doris und ich kämpfen uns durch die matschige, klebrige Strasse. Die weiche Strassenoberfläche lässt uns nur langsam voran kommen. Es regnet und windet. Auch bei diesem Wetter ist die Landschaft wunderschön, die Weite, die Stille. Man spürt so richtig die Kraft der Natur.

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Bei einem Rastplatz treffen wir einen Radfahrer. Es heisst Greg. Wir bieten ihm eine Tasse warmen Tee aus unserer Thermosflasche an. Er scheint froh zu sein, uns getroffen zu haben. Er habe Wolfsspuren entdeckt, sehr grosse, wie er uns erklärt. Er fragt, ob er ein Stück mit uns radeln dürfe. Kein Problem, dies gibt Abwechslung. So kämpfen wir uns zu Dritt durch die Schlammpiste. Er hat natürlich viel mehr Gepäck bei sich. Mit seinem Rad will er in zwei bis drei Jahren bis nach Südamerika fahren. Er nehme jeden Tag wie er komme, auch diesen Schnee- und Regentag. Greg erzählt uns von einem Kollegen, der ebenfalls in dieser Gegend mit dem Rad unterwegs war und von einem Wolf verfolgt worden sei. Die Attacke habe sein Kollege nur dank einem Lastwagen, der gerade zur richtigen Zeit vorbei gefahren sei, unverletzt überstanden. Nun wissen wir auch, weshalb Greg unserer Nähe so sehr schätzt. Sein Zelt stellt er am Abend neben unsere Camper auf und die Lebensmittel kann er in unserem Auto „bärensicher“ verstauen.

Wir laden Greg zum Spaghettinachtesse mit einem Tropfen Roten zu uns ein. Einmal mehr haben wir einen gemütlichen, interessanten Abend.

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Happy birthday Xavi (Eintrag von Doris)

Kein SMS, kein klingelndes Telefon, keine Überraschungsbesuche und keine Glückwünsche per Post. Weit draussen in der Wildnis feierst du für dieses Mal deinen Geburtstag.

Sobald du mit Edi auf dem Fahrrad zur dritten und letzten Tagesetappe gestartet bist, versuche ich, mit meinem aus der Schweiz mitgebrachten Gasbackofen, dir einen Geburtstagskuchen zu backen.

Zwei Stunden später stellen wir unsere Camper an einem Fluss ab und errichten dir auf dem Boden des Moskitozeltes eine Festtafel. Von uns Allen hast du, um deine Jugendlichkeit unter Beweis zu stellen, die längste Etappe geschenkt bekommen. Ab heute trägst du einen indianischen Lederbeutel, gefüllt mit verschiedenen Glücksbringern um den Hals. Damit wünschen dir Edi und Barbara ein ganz tolles neues Lebensjahr.

Greg ist wieder zu uns gestossen und freut sich, Gast auf deiner Geburtstagsparty zu sein. Beim „Happy birthday“ singen bläst du die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen aus. Greg offeriert zum Whisky eine Tafel Schweizer Schokolade, die schon viele Meilen in seiner Fahrradtasche mitgeradelt ist. Noch während wir bei nächtlichem Sonnenschein lachen, trinken und Reiseerfahrungen austauschen, hüpft der Uhrzeiger auf Mitternacht. Xavi – your birthday ist over!

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Geburtstagsgedeck für Xavi

Wechselnde Winde, wechselndes Wetter (Eintrag von Edi)

Der Regen hat sich verabschiedet und dies trotz schlechter Wetterprognose. Doch nun bläst der Wind kräftig von vorne. Zwei Tage kämpfen wir gegen den Wind.

Es wird jedoch immer wärmer. Die Mücken begleiten uns. Bei jeder Rast sind diese Plaggeister rasch zur Stelle. Mit unserem Moskitonetz über dem Kopf, den langen Radlerhosen und einer Jacke sind wir aber recht gut geschützt.

Nun haben wir 600 km mit dem Velo von Prudhoe Bay zurückgelegt. Kaum zu glauben. Der Wind schiebt von hinten, das Thermometer zeigt bis zu 30 Grad. Trotz der lästigen Moskito Attacken sind wir nun mit kurzen Hosen und einem kurzärmligen Veloleibchen unterwegs. Der Sommer in Alaska ist angekommen. Wir wissen aber auch, dass dies rasch wieder ändern kann.

Begegnungen auf der Strasse (Eintrag von Barbara)

Wir haben Horrorgeschichten über die Lastwagenfahrer hier auf dem Dalton Highway gelesen. Ich habe mir vorgestellt, wie wir von den 60 Tonnen Trucks zur Seite gedrängt werden und herumfliegende Steine uns das Radfahren erschweren werden. Was treffen wir nun an? Der grösste Teil der Lastwagenfahrer ist sehr rücksichtsvoll. Viele verlangsamen die Fahrt, einige gehen ganz auf die andere Strassenseite. Sie winken uns sogar oft zu.

Auch die übrigen Begegnungen auf der Strasse sind positiv. Autos fahren im Schrittempo an uns vorbei, halten eine Flasche Mineralwasser aus dem Fenster. Zwei kurze Standardfragen: „Woher kommt ihr? Wohin soll‘s denn gehen?“ Oder: „You guys, are you crazy?“ Dann wünschen sie uns eine gute Weiterfahrt „take care“! Es gibt sogar Touristen, die halten an und knipsen ein Foto von uns. Machen wir am Strassenrand einen Halt, um die Schaltung zu justieren, stoppt bereits ein Auto und der Fahrer erkundigt sich. „Alles in Ordnung?“ Ein Fahrer hält an und sagt zu uns: „Super eure Warnwesten, die ihr trägt. Ich habe euch schon über Kilometer weit gesehen. Weiter gute Fahrt, seid vorsichtig!“ Doch keine Regel ohne Ausnahme. Natürlich gibt es auch Lastwagenfahrer, die brettern in hohem Tempo auf der staubigen Schotterstrasse an uns vorbei und nebeln uns für einige Minuten richtiggehend ein.

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Tiere bekommen wir leider, abgesehen von Karibu-Herden, wenige zu Gesicht. Eine Elchkuh mit ihrem Jungen, ein Fuchs, ein Hase und einige Squirrels.

Ruhiger Abend oder doch nicht? (Eintrag von Edi)

Kein „Dumpen“, keine Veloreinigung, keine Mücken. Wir befinden uns ganz allein auf einem Rastplatz auf einer der vielen Anhöhen. Strahlender Sonnenschein. Wir sitzen in unseren Stühlen, Blick Richtung Sonne, ein Bierchen in der Hand, staunen in die Weite und philosophieren. So wünscht man sich den Ausklang eines Radlertages.

Der Hunger meldet sich. Doris will in ihren Camper, um zu kochen. Die Türe ist abgeschlossen. Der Schlüssel wird gesucht und siehe da, der ganze Schlüsselbund liegt auf dem Tisch im verschlossenen Camper. Wir versuchen, irgendwie ins Innere zu gelangen, doch keine Chance. Keine Funkverbindung, keine Natelverbindung und dies etwa 175 km von Fairbanks entfernt.

Endlich kommt ein Auto vorbei. Wir stoppen dieses. Es ist ein Indianer mit einem Touristen. Auf die Frage, ob sie nicht unserer Vermieterstation funken könnten, erzählen sie uns von der Mitternachtssonne in Prudhoe Bay und, dass sie seit zwei Tagen nur zwei Stunden geschlafen hätten. Es ist klar, dies ist keine grosse Hilfe. Wir warten weiter. Dann rollt ein Geländewagen der staatlichen Strassenbaugesellschaft Alaskas heran. Wieder stoppen wir das Fahrzeug und erzählen unser Missgeschick. Sie zeigen sich hilfsbereit. Es dauert mehr als eine halbe Stunde. Wir haben die Hoffnung schon aufgegeben, doch die Türe kann geöffnet werden. Zugegeben mit dem richtigen Werkzeug und etwas Gewalt.

Die Aufregung verfliegt und wir geniessen draussen unser Abendessen. Diskutieren bis kurz vor Mitternacht, ob die Sonne überhaupt noch untergehen werde und legen uns irgendwann in die Schlafsäcke. Ob die Sonne nach Mitternacht für eine oder zwei Stunden doch noch verschwunden ist, wissen wir nicht. Kurz nach 2 Uhr in der Früh (erster WC-Besuch) ist die Sonne bereits wieder am Horizont zu sehen.

Unendliche Weite, dann wieder auf und ab (Eintrag von Edi)

In den letzten Tagen habe ich jeweils mehr als 1‘000 Höhenmeter täglich mit dem Velo „erklommen“. Zugegeben, mit wenig Gepäck auf dem Rad. Nicht jede Anhöhe ist gleich anstrengend. Wind, Strassenbelag und die Stärke der Steigung sind entscheidend. Belohnt werde ich durch eine beeindruckende Fernsicht. Kurz vor Fox zeigt der Höhenmesser plus 10‘000 h/m ab Prudhoe Bay an.   siehe Edi's Velostatistik

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In Fairbanks angekommen (Eintrag von Edi)

In wenigen Tagen treffen wir unseren Sohn Michael mit seiner Freundin Piera. Zu Sechst verbringen wir dann einige Tage im Denali Nationalpark. Anschliessend unternehmen wir gemeinsam einen Abstecher in den Katmai Nationalpark. Dort wechseln wir vom Camper- aufs Zeltleben.