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2. Veloetappe als pdf herunterladen:

Entstehung des Alaska Highways

Die Geburtsstunde des Alaska Highways ist der 9. März 1942. Amerika befürchtete in Alaska eine Invasion der Japaner. Alaska liegt erheblich näher bei Japan als der Rest von Nordamerika. Als Transportweg für die US-Truppen und für Kriegsmaterial in das abgelegene Alaska war eine direkte Landverbindung militärisch unabdingbar.
Im Juni 1942 drangen Japaner bis nach Attu und Kiska auf den Aleuteninseln vor. Der Alaska Highway bekam eine noch zentralere Bedeutung. Über 10'000 Soldaten erbauten die Strasse in nur 8 Monaten und 12 Tagen. Noch heute wird dies als eine Meisterleistung betrachtet. Die Bedingungen für den Bau der Schotterpiste waren äusserst schlecht. Permafrost, Wasser, Urwald, Sumpf und hohe Gebirgsketten mussten überwunden werden und dies in einer Rekordzeit.

Der Alaska Highway startet in Dawson Creek, Kanada, und endet nach 1‘422 Meilen (2‘300 km) in Delta Junction, Alaska (ca. 160 km vor Fairbanks). Durch Begradigungen gewisser Streckenabschnitte ist der Alaska Hwy heute 40 Meilen (64 km) kürzer. Die Strasse ist nicht mehr die Schotterpiste aus dem Jahre 1942, der grösste Teil der Strecke ist asphaltiert. Geblieben ist die raue, weite Natur.

mehr Infos siehe unter   Hintergrundinformationen zu Alaska Highway

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Für viele ist der Alaska Highway ein grosses Abenteuer. Für andere einfach eine lange, sehr lange Strasse. Ich will zuerst diese 2‘300 km selber abstrampeln, bevor ich mein Urteil fälle.

Dienstag, 12. Juli bis Donnerstag, 14. Juli 2011
Start zur neuen Etappe (Text von Edi)

Bei leichtem Regen steigen Bäb und ich auf das Rad und verlassen Fairbanks. Die zweite Veloetappe ist gestartet. Bis an die Stadtgrenze können wir auf extra markierten Velowegen fahren. Erstaunlich, wie gut in den Städten und grösseren Ortschaften Alaskas die Velonetze ausgebaut sind.

Auf dem Richardson Highway müssen wir uns wieder daran gewöhnen, auf dem Pannenstreifen zu radeln und dies bei starkem Verkehr. Doch je mehr wir uns von der Grossregion Fairbanks entfernen, je ruhiger wird es auf der Strasse.

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Xaver bei Meile 1'422 am Ende des Alaska Highways. Dabei hat er noch keine einzige Meile abgeradelt ...
Das kommt aber gleich ...

Nach dem dritten Tag wird es hügelig. Auf und ab mit einem wundervollen Blick über die Kuppeln. Links und rechts Wald, nichts als Wald.

Freitag, 15. Juli 2011
Happy Birthday mein liebes Schätzeli (von Barbara)

Wie rasend schnell doch die Zeit vergeht. Waren wir doch erst gerade zusammen auf unserer Velotour „let’s go north“ und feierten dort bei strömendem Regen deinen Geburtstag. Nun ist schon wieder ein Jahr vorbei. Ich gratuliere dir von Herzen zu deinem runden Geburi, wünsche dir vor allem allerbeste Gesundheit und weiterhin viel Kraft in den „Wadli“. Behalte deine Unternehmungslust und Begeisterungsfähigkeit für unsere Reisen, sei es mit dem Velo oder auch mit dem Rucksack. Aber vergiss dabei nicht das gewisse Quentchen Vernunft! Du bist nicht mehr 20, sondern 3 mal 20…! Herzlichst, deine Bäb

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Gletschermarkierung: Im Jahre 1951 kam die Zunge des Exit Gletschers bis zu diesem Punkt

Apéro mit Lachs und Wein, mehr braucht es gar nicht für den 60. zu feiern.

Regen und nochmals Regen  (Text von Edi)

In den vergangenen Tagen haben wir die Regenhosen mehrmals an- und wieder ausgezogen. Heute regnet es mit kurzen Unterbrüchen sogar den ganzen Tag. Da nur sehr wenig Verkehr herrscht, brauchen wir nicht mehr auf dem Pannenstreifen zu fahren. Der Rollwiderstand auf der Strasse ist wesentlich geringer. Am Abend erreichen wir den wunderschönen Yarger Lake. Ein Naturreservat, in welchem wir unser Lager direkt am See aufschlagen. Um 20 Uhr regnet es und gleichzeitig scheint die Sonne. Der Regenbogen lässt nicht lange auf sich warten.

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Der Ruf des Eistauchers (Text von Xavi)

Der See liegt spiegelglatt vor uns. Kein Lüftchen regt sich. Zum ersten Mal packen wir unser, vonDoris Eltern gesponsertes aufblasbares Kayak aus. Gemächlich paddeln wir auf  dem Yager-Lake im Tetlin National Wildlife Refuge dem Seeufer entlang. Tetlin hat eine hohe Populationsdichte an Vögeln, besonders Wasservögel. Insgesamt nisten 143 Arten in diesem Schutzgebiet, 47 sind Zugvögel. Hier befindet sich eines der grössten Nestgebiete der Trompeterschwäne in Alaska.

Wir entdecken ein Paar dieser wunderbaren Tiere. Gefolgt von ihren Jungen ziehen sie sich sofort ins hohe Sumpfgras zurück. Sie sind sehr scheu und dulden keine Störung.
Ein Laut durchdringt die Stille. Mit dem Feldstecher erspähen wir zwei Eistaucher. Fasziniert hören wir diesem unverkennbaren Ruf zu. Lautlos lassen wir uns ins Sumpfgras treiben. Tausende von türkisfarbenen Libellen schwirren um uns herum und setzen sich auf frisch aus dem Wasser ragenden Pflanzenstengel. Sie halten Ausschau nach einem geeigneten Partner. Bei der Paarung vereinigen sie ihre  Hinterleiber zur Herzform. Immer wieder werden sie aber von ihren Feinden, den Strandläufern, überrascht. In Sekundenschnelle verschwinden sie in deren Schnäbeln.

Über 4 Stunden sind wir nun schon auf dem See. Es kommt leichter Wind auf und wir entschliessen uns an unseren Ausgangspunkt zurück zu kehren. Unser letzter Tag in Alaska! In den vergangenen Jahren haben wir hier Frühling, Sommer Herbst und Winter verbracht und dabei unser Herz an die Bären verloren. Mit etwas Wehmut werden wir morgen die Grenze nach Kanada überqueren.

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Grenzübertritt (Text von Barbara)

Bei der Meile 1‘221 überqueren wir die Grenze zu Kanada. Die Grenzhäuser der beiden Länder liegen jedoch etwa 30 km auseinander. Auf diesem Streckenabschnitt wird uns so richtig bewusst, wie sehr uns Alaska in den vergangenen Wochen ans Herz gewachsen ist. Die hilfsbereiten Alaskaner, die faszinierende Tierwelt, von den grossen Grizzlys bis zu den kleinen vorwitzigen Squirrels. Die vielen Gletscher, die teils zugefrorenen Seen, Flüsse und Bäche. Die dunklen Tannen, die im Permafrost wachsen und wie abgestorben aussehen. Deshalb werden diese Bäume auch „betrunkene Tannen“ genannt. Aber auch die kurzen oder sogar fehlenden Nächte. All diese Eindrücke verbinden wir mit Alaska. Diese Erinnerungen nehmen wir mit.

Montag, 18. Juli bis Montag, 25. Juli 2011
Wenn Einkaufen zur logistische Herausforderung wird (Text von Barbara)

Aus Alaska darf weder Fleisch noch Gemüse und Früchte nach Kanada eingeführt werden. Deshalb lassen wir unsere Vorräte zu Ende gehen.
Nach der kanadischen Grenzkontrolle erreichen wir Beaver Creek, ein Ort mit ungefähr 150 Einwohnern. Die zwei Geldausgabeautomaten sind ausser Betrieb. Doch wir brauchen eigentlich gar keine kanadischen Dollars. Es gibt nichts zu kaufen. Wir erkundigen uns in einem kleinen Laden und zusätzlich noch im Visitor Center, wo die Einheimischen Früchte, Gemüse und Fleisch einkaufen würden. Als Antwort erhalten wir: „In Whitehorse“. Zuerst glauben wir, etwas falsch verstanden zu haben und fragen nochmals nach. Die Antwort ist die gleiche: „In Whitehorse“. Auf unsere Bemerkung, dass diese Stadt ja über 450 km von Beaver Creek entfernt sei, antwortet der Ranger des Visitor Centers: „Ja, aber wir gehen nur alle zwei Monate einmal einkaufen“. Beeindruckend! Für einen Einkauf einen Weg hin und zurück von über 900 km unter die Räder zu nehmen, und dies nicht etwa auf einer Autobahn. Das ist eben auch der Yukon. Ein Gliedstaat Kanadas, der flächenmässig grösser ist als Deutschland, in welchem weniger als 40‘000 Menschen leben.

Der längste Golfplatz der Welt … (Text von Edi)

Die Strasse hier in Kanada ist in wesentlich schlechterem Zustand als in Alaska. Der Permafrost hat zum Teil Risse in den Teer gegraben. Auch hat es Vertiefungen und viele, viele runde Löcher in verschiedener Grösse.

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So nennen wir diesen Strecken-abschnitt des Alaska Highways „den längsten Golfplatz der Welt“.Zudem gibt es auch staubige Abschnitte. Auf den Warnschildern steht jeweils „Vorsicht, staubige Strasse“. Dennoch, der Weg auf dem Alaska Highway südwärts ist fantastisch.

Doris und ich gelangen zu einer Baustelle. Wir als Radfahrer überholen rechts die Autos, damit der Arbeiter, der den Verkehr regelt, uns sieht. Sofort wird uns mit Handzeichen gedeutet, dass wir zu ihm fahren sollen. Er erklärt uns, dass wir diese Baustelle von wenigen Kilometern mit dem Rad nicht befahren dürfen. Wir sollen die Räder auf den „Pilot car“ aufladen. Der „Pilot car“ ist das Fahrzeug, das langsam mit Warnblinkern durch die Baustelle fährt, gefolgt von sämtlichen Fahrzeugen. So sitzen wir wenige Minuten später in dem „Pilot car“ und fahren durch die Baustelle. Am Ende der Baustelle wird der Verkehr noch auf beiden Seiten so lange angehalten, bis wir uns mit den Rädern aus dem Staub gemacht haben.

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Blick in meine Camperküche (Text von Doris)

Eigentlich sieht sie wie eine ganz normale Küchenkombination aus. Ein Gasherd mit 3 Flammen, eine Rüstfläche und zwei kleine Spülbecken sowie ein Kühlschrank. Dieser Komfort ermöglicht mir, fast wie zu Hause zu kochen. Nur fast - weil ich oft sehr sparsam mit dem Wasser umgehen muss. Nicht überall haben wir die Gelegenheit, den Wassertank aufzufüllen oder sogar direkt ab dem Wasseranschluss zu beziehen. Zum Kochen entnehme ich aus hygienischen Gründen das Wasser aus einem Wasserbidon. Beim Abwasch muss ich an die begrenzte Füllmenge des Abwassertanks denken. Einige für mich wichtige Küchenutensilien wie Knoblauchpresse, Rüstmesser oder Spaghettizange habe ich in Kanada dazu gekauft. Drei Küchengeräte sind sogar in der Verpackung meines Velos aus der Schweiz mitgereist. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich von meinem Team ausgelacht wurde, als ich den Gasflammenbackofen, die Handkurbel-Küchenmaschine und die Messbecher-Waage ausgepackt habe. Und nun? Fast täglich sind sie im Gebrauch und genau diejenigen, die mich so „hochgenommen“ haben, sitzen nun schmatzend am Esstisch.

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Damit auch euch das Wasser ein wenig im Munde zusammen läuft, stelle ich euch eine kleine Auswahl der Menus aus meinem selbstgemachten Rezeptbuch vor:

Aus dem Rezeptbuch von Doris:

Frühstück:
Pancake mit Ahornsirup                               
 Reiswaffeln mit Quark/Honig/Zitronen-Aufstrich, mit Birnen dekorier t
 Haferbrei mit Weinbeereli
 Frisch gebackener Bannock (Outdoorbrot) mit Butter und Konfitüre
  
Zwischenmahlzeit: Linsensuppe
 Frischkäse-Rüebli Suppe mit einem Schuss Orangensaft
 Indische Reissuppe mit Curry und Kokosmilch                  
 Reissalat mit Peperoni und Feta
 Dattel-Käse Salat mit Toastbrot
  
Nachtessen:Kräuterspaghetti mit gerösteten Pinienkernen  
 Pasta mit Zucchini-Zitronen-Sauce
 Gemüse Curry mit Blumenkohl, Erbsli, Peperoni und Kokosmilch
 Exotischer Reistopf mit Peperoni und Bananen
 Kartoffelgulasch mit Speck oder Würstli und grünen Bohnen
  
vom Grill:Knoblauchbrot
 Gegrillte Melonenschnitze mit Speck umwickelt
 Rindsteaks mit Pellkartoffeln und Sauercreme
 Würzige Pouletschenkel
  
dazu Salate:Tomaten, Maiskörner, Gurken oder grüner Salat.
  
Dessert: Apfelkuchen aus der Bratpfanne
 Guetsli
 zum Tagesausklang einen oder zwei Schluck Whisky mit schwarzer Schokolade.

Nochmals Geburtstag   (Text von Edi)

Welch eine Überraschung! Auf dem Campground Cottonwood am Kluane Lake sitzen wir Vier draussen beisammen und wer kommt da angeschlichen? Es ist Piera und unser Sohn Michael. Diesmal sind sie nicht mehr mit ihrer 35-jährigen VW-Tante unterwegs. Nach einem Kabelbrand und anderen Problemen haben sie sich entschieden, den VW-Bus zu verkaufen. Nun sind sie stolze Besitzer eines Pickup Ford. Zum Geburi schenken mir die Beiden noch eine Flasche ganz speziellen Whisky . Wir geniessen gemeinsam den gemütlichen Abend am Lagerfeuer.

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Nein, dies ist nicht Piera und Michaels neuer Ford Pickup...

Einen Tag später eine weitere Überraschung: Doris und Xavi haben mir einen Flug über das grösste nicht polare Eisfeld der Welt geschenkt. Die Kluane Range mit den mächtigen St. Elias Mountains erstreckt sich über 400 km vom Südosten Alaskas über Yukon bis in den äusseren Nordwesten von British Columbien, insgesamt mehrere 1'000 km2. Dieses einmalige Naturspektakel können wir vom Flugzeug aus bewundern. Bereits um 8 Uhr sitzen wir Vier in der einmotorigen Propellermaschine und überfliegen die höchsten Berge Kanadas. Gletscher um Gletscher. Der längste ist 120 km lang und 3,5 km breit. Das Eis ist bis zu 1‘000 m dick. Wir fliegen zum Mount Logan, mit 5‘950 Metern der höchste Berg Kanadas. Einfach gewaltig. Über eine Stunde dauert der Flug über die massiven Schneeberge und Gletscher. Wunderbare Sicht, keine Turbulenzen, was könnte da noch besser sein. Es ist schwierig, all diese Eindrücke in Worte zu fassen, vielleicht kann man dies auch gar nicht. Man muss es einfach selber gesehen haben. An dieser Stelle noch einmal ein ganz grosses Merci an Doris und Xavi für die tolle Überraschung zu meinem 60.

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Barbaras erste Bärenbegegnung auf dem Velo  (Text von Edi)

Alle Radler, die wir treffen, wissen von Bärenbegegnungen zu erzählen. Nur wir können keine Geschichten zum Besten geben. Ich bin überzeugt, dass dies an unseren Warnwesten liegt. Mehrmals haben wir Komplimente von Autofahrern erhalten, man sehe uns schon mehrere Kilometer weit. Aber eben, anscheinend auch die Bären.

Auf einer geraden Strecke hält ein entgegenkommendes Auto an und eine Frau ruft aus dem Fenster „Achtung, ein Bär am Strassenrand“. In der Sicherheitsbroschüre über Bärenbegegnungen auf Strassen steht: „ Gehen sie sofort in den Wagen und verschliessen sie Fenster und Türen“. Wie macht man dies auf dem Velo? Schwierig! Nun sehen wir das Pelztier, es ist ein Schwarzbär. Wir halten aus Sicherheitsgründen sofort an und beobachten den Bären. Dieser entfernt sich von der Strasse, verschwindet und erscheint dann plötzlich wieder aus dem Gebüsch. Er begibt sich erneut auf die Strasse, bleibt stehen, schaut sich um und verschwindet im Wald. Wir warten noch einige Minuten, dann erst radeln wir los. So schön diese Pelztiere auch sind, wir wollen kein Risiko eingehen.

Wir verlassen kurz den neuen Alaska Highway und radeln einige Kilometer auf dem ursprünglichen Highway. Dieser ist viel schmaler, Büsche und Wald grenzen sehr nahe an den Strassenrand. Barbara betätigt immer wieder ihre Lufthupe am Fahrrad, warum wohl?

Die Schlacht am Mendenhall River  (Text Barbara)

Zwischen Delta Junction und Whitehorse gibt es entlang des Alaska Highways fast keine Campingplätze. Mit dem Velo ist die Strecke von 160 km doch etwas zu weit. Auf Rest Areas und Overlooks ist das Übernachten verboten. Oft ist es gar nicht so einfach, einen Platz abseits der Strasse zum Campieren zu finden.

Neben der Brücke des Mendenhall Rivers finden wir eine geeignete Stelle. Wir sind jedoch nicht ganz allein. Viele Moskitos schwirren um uns herum. Da wir aber schon fast immun gegen Stiche sind, erschreckt uns dies nicht sonderlich. Die Nacht wird aber zur Qual. Vor dem Schlafen gehen beginnt die grosse Schlacht. Wir sind überzeugt, diese gewonnen zu haben und verziehen uns unter die Decken. Doch während der ganzen Nacht gibt es erneute Angriffe. Irgendwie müssen diese lästigen kleinen Brummer einen Eingang in den Camper gefunden haben. Die Erkenntnis dieser schlaflosen Nacht: Wir sind doch noch nicht ganz „moskitosresistent“.

Whitehorse in Sicht  (Text von Edi)

Auf den letzten 40 km vor Whitehorse kommt stürmischer Gegenwind auf. Diesen Abschnitt nehmen Doris und ich unter die Räder. Der Verkehr nimmt markant zu. Viele grosse Lastwagen und Camper überholen uns. Der Pannenstreifen ist teilweise in so schlechtem Zustand, dass wir immer wieder auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Zudem hat es Scherben entlang des Strassenrandes. Der Kilometerzähler bewegt sich immer langsamer. Gelegentlich zwingen uns Windböen zum Absteigen. Kurz vor unserem Etappenziel überrascht uns ein kurzes Gewitter. Dann, endlich geschafft. In der Beurteilung dieser Strecke sind wir uns einig: Das ist ein Abschnitt zum Vergessen. Welch ein Gegensatz. Vor Tagen fuhren wir noch mehrere 100 km entlang des Kluane Nationalparks. Auf der rechten Seite die Bergkette der Saint Elias Mountains. Fast kein Verkehr, viel Sonne und zugegeben auch Rückenwind. Insgesamt bin ich positiv vom Alaska Highway überrascht. Doch warten wir‘s ab. Noch geht es 1‘430 km, bis wir in Dawson Creek bei Meile Null des Alaska Highways ankommen sind und diese Etappe abgeschlossen ist. Wie heisst doch das Sprichwort: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

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Blumenpracht entlang des Alaska Highways

Viermal schneiden, bitte!  (Text von Barbara)

Nach dreimonatiger Reisen finden wir Vier, ein Haarschnitt sei nun doch mal nötig. Hier in Whitehorse  gibt es einen „Kustom Kuts for Men & Women“. Das tönt ja schon mal vielversprechend. Wir treten in diesen Coiffeursalon ein und bekommen gestaffelt unsere Termine. Mit einem Wasserzerstäuber netzt sie meine Haare und schneidet diese dann irgendwie ohne System kürzer. Im Spiegel kann ich die nassen, geschnittenen Haare begutachten. Auf meine Frage, ob sie diese noch trocknen werde, erklärt sie, ja, wenn sie wollen, dann kann ich dies. Genau 20 Minuten, unterbrochen durch zwei Telefonanrufe, dauert dieser Haarschnitt. Bei den Männern benötigt sie noch weniger lang: Bei Xavi ganze 7 Minuten, bei Edi nur gerade 6 Minuten. Über die Qualität kann man sich streiten, doch was soll’s. In zwei Tagen tragen wir ja sowieso wieder unsere Velohelme.

Mittwoch, 27. Juli bis Dienstag, 2. August 2011
3200 km flussaufwärts um zu sterben  (Text Xavi)

Alaska 1982. Wir wandern einem Fluss entlang. Das Wasser ist ganz rot gefärbt. Hunderte von roten Lachsen kämpfen gegen die Strömung. Unglaublich was wir hier sehen!
Wir möchten dieses eindrückliche Schauspiel nochmals mit Edi und Barbara erleben. Immer wieder halten wir an Flüssen inne und hoffen, auf einen Lachszug zu treffen.

Über Jahrtausende ziehen Königslachse den Yukon Fluss herauf, um in seinen vielen Nebenflüssen zu laichen. Wenn das Weibchen ihre 4000-6000 Eier in einem Kiesbett ablegt und das Männchen diese befruchtet, reifen die Eier im kalten Wasser heran. Aus den Eiern schlüpfen am Ende des Winters Brütlinge, die unter dem Kiesbett bleiben und sich ausschliesslich von ihrem Dottersack ernähren. Wenn sie den Dottersack aufgebraucht haben, kommen die winzigen Fische aus dem Kies hervor und beginnen in dem umgebenden Süsswasser Nahrung aufzunehmen und heranzuwachsen.

Die jungen Lachse verbringen 1-2 Jahre im Fluss, wandern flussabwärts und erreichen das Beringmeer an der Westküste Alaskas. Sie verweilen einige Zeit im Yukon Delta. Ihr Organismus stellt sich auf Salzwasser um. Sie durchwandern die nächsten 2-6 Jahre den nördlichen Teil des Pazifischen Ozeans. Die ausgewachsenen Lachse reagieren auf genetische und ökologische Impulse und schwimmen am Sommeranfang zur Mündung des Yukon Flusses zurück, um eine 3200 km lange Reise stromaufwärts zu ihren ursprünglichen Laichgewässern anzutreten. Sie nehmen auf der zwei Monate langen Reise keine Nahrung zu sich und zehren von den Fettreserven im Körper. Es bleibt ihnen keine Zeit, sich auf Süsswasser umzustellen. Gestresst färbt sich ihr Körper rot. Sie legen täglich zwischen 30-40 km zurück. Die Reise der Lachse ist voller Gefahren. Viele fallen Raubtieren und dem Fischfang zum Opfer. Nur ca. 5-6 der ursprünglichen Zahl überlebt und schafft es zum Geburtsort zurück, wo sie, wie ihre Eltern laichen, dann sterben und somit den Lebenskreis vollenden.

In Whitehorse wurde 1956 ein Wasserkraftwerk erbaut. Der Damm staut den Yukon Fluss und verunmöglicht den Lachsen weiterzuziehen. Zum Zeitpunkt des Dammbaus wurden
etliche Strukturen konstruiert um sicher zu stellen, dass die Lachse den Damm umgehen und die Laichgründe erreichen können. Eine Fischleiter wurde errichtet. Sie besteht aus einer Reihe von Stufen, die sich über 15 m vom Yukon Fluss hoch zum gestauten Schwatka See erstreckt. Bei einer Länge von 366m gilt sie als die längste hölzerne Fischleiter der Welt. Hier können die Lachse gut beobachtet werden wie sie durch die Leiter ziehen.

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Königslachse

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Fischleiter

Wechselndes Wetter, wechselnde Winde, wechselnde Landschaft  (Text Edi)

Wir verlassen Whitehorse über das Miles Canyon, bevor wir wieder auf den Alaska Highway schwenken. Wetter, Wind und Landschaft sind nach wie vor abwechslungsreich. So radeln wir in der Regenmontur und eine Stunde später wieder bei Sonnenschein im sommerlichen Tenue. Auch die Winde sind nicht konstant. Von links, von rechts, von vorne und zum Glück auch immer wieder von hinten, und zwar kräftig.

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Bergpreis haben Doris und Xavi noch keinen gewonnen ...

Der Alaska Highway wird, je weiter wir südwärts kommen, immer besser. Vor Jahren noch waren grössere Streckenabschnitte eine staubige Schotterpiste. Nun ist der Alaska Highway durchgehend geteert und meistens mit einem für Velos befahrbaren Pannenstreifen versehen. Dafür sind entlang der Strecke viele Raststätten geschlossen. Die Hinweisschilder „Nächste Raststätte mit Benzin und Kaffee“ wurden jedoch nicht entfernt. Sogar in der AAA-Autokarte der Ausgabe Februar 2011 (AAA ist der amerikanische Autoclub und mit dem ACS zu vergleichen) sind die Tankstellen, Gaststätten mit Übernachtungsmöglichkeiten noch eingezeichnet. Die Einfahrt ist jeweils mit Fässern oder Steinen versperrt und mit Schildern versehen: „Geschlossen, bitte nicht betreten“. Die vielen Touristen mit ihren Wohnmobilen fahren auf der nun gut ausgebauten Strasse pro Tag mehrere hundert Kilometer. Somit haben viele der kleinen privat geführten Raststätten ihre Existenz verloren. Eigentlich schade.

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Über eine der 8‘000 Brücken  (Text von Edi)

Beim Bau des Alaska Highways mussten mehr als 8‘000 Flüsse und Bäche überquert werden. Die Nisutlin Bay Bridge mit einer Länge von 584 Metern ist die längste der vielen Brücken. Die Stahlträger wurden per Schiff und mit Lastwagen über viele Hunderte von Kilometern herangeschafft. Wir sind immer mehr beeindruckt über das Bauwerk und die kurze Realisierungszeit des Highways. (Beschrieb siehe am Anfang)

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Obschon nicht auf meinem Mist gewachsen…
(Text von Barbara)

Bisher bevorzugte ich Radwege durch Europa, vor allem abseits jeglichen Verkehrs. Deshalb war ich sehr skeptisch, auf der staubigen Schotterpiste des Dalton Highways und auf dem Pannenstreifen des Alaska Highways fahren zu müssen. Nun bin ich mehr als 1‘000 km geradelt und habe fast 10‘000 Höhenmeter bezwungen und muss mein Urteil über Strasse und Strecke grundlegend revidieren. Wie bereits erwähnt, überraschten uns die LKW Fahrer und auch andere Verkehrsteilnehmer schon auf dem Dalton Highway durch ihre Rücksichtnahme. Auch hier auf dem Alaska Highway verhalten sich 90 % der Autofahrer sehr tolerant uns gegenüber. Viele winken uns, einige halten an oder heben den Daumen hoch. Eine Fahrerin fotografierte uns sogar beim Vorbeifahren, stoppte dann und knipste weitere Fotos. Hoffentlich hielt sie uns nicht für Rad fahrende Bären oder den gelben Vogel „Yellow Warbler“…

Auch landschaftlich bin ich positiv überrascht. Die Strecke des Alaska Highways ist abwechslungsreich. Mal erblicken wir Bergketten, dann wieder Seen und Flüsse, mal geht’s bergauf, dann wieder in ein Tal. Noch einige tausend Kilometer liegen vor uns. Ich bin gespannt, was uns die weitere Strecke bieten wird.

Watson Lake  (Text von Edi)

Wir radeln wieder durch die unendliche Weite, motiviert durch einen flotten Rückenwind. Entlang der Strasse hat es viele Büsche. Genau hinter so einem Strauch steht ein Schwarzbär. Wir bemerken ihn erst, als wir auf gleicher Höhe sind. Nur wenige Meter trennen uns. Er schaut uns genauso überrascht an wie wir ihn. Zum Stoppen ist es zu spät, deshalb einfach ruhig weiter radeln. Zugegeben, ein wenig Herzklopfen haben Barbara und ich schon bekommen.

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Noch weitere 1'000 km auf dem Alaska Highway bis nach Dawson Creek

Viele Reklameschilder kündigen Watson Lake an. Der drittgrösste Ort des Yukon mit gerade einmal 1‘569 Einwohnern. Die meisten Bewohner leben nicht im Ort selber, sondern weit verstreut in der Umgebung. Bekannt ist Watson Lake vor allem wegen dem „Sign Post Forest“ (Schilderwald). Seine Entstehung geht auf den Bau des Alaska Highways zurück. Ein Soldat, der Heimweh hatte, hat ein Schild seiner Heimatstadt mit Distanzangabe an einen Pfosten genagelt. Viele Arbeiter folgten dem Beispiel und nun sind es Tausende von Touristen, die das gleiche tun. Bereits über 70‘000 Schilder (Stand 2010) gibt es nun. Auch etliche Schweizer haben Strassenschilder, Ortstafeln oder selbstgemachte Schilder angenagelt. Wir können der Versuchung jedoch widerstehen und lassen es sein.

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Mittwoch, 3. bis Mittwoch, 10. August 2011
Die Strasse fast für uns allein (Text von Edi)

Je mehr wir uns südlich auf dem Alaska Highway bewegen, desto mehr Verkehr wird es geben. Dies dachten wir. Doch dem ist nicht so. Nach Watson Lake befinden sich viel weniger Autos auf der Strasse. Es gibt Tage, auf denen wir den Alaska Highway fast für uns alleine haben. Die Beschaffenheit der Strasse ist unterschiedlich. Von gut ausgebauten Streckenabschnitten mit einem breiten Pannenstreifen bis zu engen Abschnitten mit rauhem Belag ohne Pannenstreifen.

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Xavi sagt, wir fahren durch und nehmen die nächste Raststätte....

... sind ja bloss 506 km

Seit es wieder so ruhig auf der Strasse ist, erblicken wir auch mehr Tiere. An einem Tag begegnen Barbara und mir am Strassenrand drei Bären. Ein Schwarzbär frisst Gras. Da wir nicht wissen, ob er uns bemerkt hat, hupen wir mit unserem Lufthorn. Wir sind überzeugt, dass er nun in den Wald rennen wird. Nein, er schaut zu uns auf und frisst gemütlich weiter. Da er sehr nahe am Strassenrand ist, nehme ich sicherheitshalber den Bärenspray in die Hand. Als langsamer Berner will ich zumindest die Vorbereitung optimieren. Doch der Bär scheint an uns wirklich kein Interesse zu finden. Er bestaunt uns auf den Rädern und kaum sind wir vorbei, frisst er weiter.

Achtung ! Bisons auf den nächsten 100 km! 
(Text von Doris)

Bald schon erspähen wir in der Ferne mehrere braune Punkte im grünen Gras. Eine Herde von über 60 Waldbisons mit vielen Jungtieren grast beidseits der Strasse. Immer wieder hören wir das Geräusch von abbrechenden Zweigen im angrenzenden Wald. Ein massiger Bulle durchbricht das Dickicht. Edi und ich überlegen uns, wie wir wohl am sichersten an der Herde vorbeikommen. Als neben uns ein Kälbchen nach seiner Mutter ruft und es seine Familie mit lautem Muhen aufmuntert, endlich die Strasse zu überqueren, um ihnen zu folgen, setzten wir unsere Fahrräder zurück, um ihm genügend Raum zu lassen. Trotzdem nähert sich uns ein riesiger Bulle und wir wenden vorsichtshalber unsere Räder. Hier wäre wohl Flucht die beste Verteidigung, denn ein männlicher Bison kann bis zu 900kg wiegen und 3 Meter Körperlänge haben. Im August und September leben sie zur Fortpflanzung mit den Weibchen und ihren im Frühjahr geborenen Jungtieren zusammen. In dieser Zeit gibt es heftige Kämpfe um paarungsbereite Kühe. Nachdem der Bulle kehrt gemacht hat, wagen wir es doch noch, durch die Herde zu fahren. Immer wieder stoppt der ganze Verkehr, weil eine Gruppe Bison gemächlich die Strassenseite wechselt. An einem kleinen Bach kommt es beim Trinken unter den Bisons zu einem Gedränge und plötzlich rennt die ganze Herde stiebend davon. Die Erde zittert unter den donnernden Hufen. Doch kurze Zeit nachher weiden die Bisons wieder ruhig, die Kälbchen trinken bei ihren Müttern und die Bullen nehmen ein Staubbad.

Ehrlich gesagt, so ganz wohl war es uns inmitten der Bisons nicht und wir fragten uns im Nachhinein, ob wir wohl besser unsere Leuchtwesten ausgezogen hätten.
Unfassbar, wenn man bedenkt, dass einst 70 Millionen dieser mächtigen Tiere über die Weiten Nordamerikas gezogen sind! Durch rücksichtsloses Abschiessen blieben im Jahre 1900 nur noch etwa 1000 Tiere übrig. Heute leben dank Schutzmassnahmen und Umsiedlungsprojekten wieder 65000 Bisons in Graslandschaften und Flussniederungen Nordamerikas.

Am Folgetag treffen wir die gleiche Herde wieder am Strassenrand an. Anscheinend sind die Tiere in der Nacht auf der Suche nach neuem Weideland an uns vorbei gezogen. Das gleiche Schauspiel von Neuem und wiederum stellt sich die Frage: Wie kommen wir als Velofahrer durch diese Herde? Links und rechts von der Strasse weiden die Bisons. Aber etliche stehen mitten auf der Strasse und schauen uns fragend an.

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… bei über 42 Grad Celsius  (Text von Barbara)

Statt auf dem Rad zu sitzen, liegen wir genüsslich im über 42 Grad warmen Thermalbad der Liard Hot Springs, der zweitgrössten heissen Quelle Kanadas. Dieses Bad befindet sich im Wald. Über einen schmalen Holzsteg spazieren wir zu den Pools. Sumpf, Farne und viele Beerensträucher säumen den Weg. Eine Tafel warnt vor Bären. Der Zugang zum oberen Weiher ist sogar vorübergehend gesperrt worden. Vor Jahren gab es hier auch Bärenattacken, bei denen zwei Touristen getötet wurden. Danach erschoss man leider aus Sicherheitsgründen in der Umgebung 50 Bären. Deshalb stets vorsichtig sein und dies nicht nur bei den Quellen, sondern auch auf dem Naturcampingplatz.

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Welch ein Genuss im 42 Grad warmen Wasser!

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Gesperrter Zugang zum zweiten Pool

Auf dem höchsten Punkt des Alaska Highways   (Text von Edi)

Die Nächte werden kälter. Am Morgen verzieht sich erst nach dem Frühstück der Nebel. Doch heute am Muncho Lake ist stahlblauer Himmel. Ein richtiger Motivationsschub, um zusammen mit Barbara über den Muncho Pass zu radeln. Dies bei starkem Gegenwind, wie sie gerne präzisiert haben möchte. Den zweiten Teil, den Summit Lake Pass, nehme ich mit Doris in Angriff. Mehrmals glauben wir, die Passhöhe in wenigen Augenblicken zu erreichen. Doch dann geht’s wieder bergab um von neuem einen Anstieg zu nehmen. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen verschwunden, als wir die Passhöhe von 1‘298 m ü. M erreichen. Der heutige Tag war vom Wetter und von der Landschaft her einfach fantastisch. Durch Schluchten, entlang mächtiger Felswände und auf Anhöhen mit einem unglaublichen Weitblick.

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Wir beschliessen, einen Tag beim Summit Lake auf der Passhöhe zu verweilen. Doris und Xavi paddeln mit ihrem Kajak auf dem See herum und Barbara und ich bereiten die Veloetappe auf dem Kettler Railway vor.

Das Abendessen steht auf dem Tisch, gegrillte Würste, keine Steaks, und Hörnli mit Salat. Da kommt ein Biber entlang geschwommen. Wenige Meter vor uns staut er den Fluss. Sein Bau, der sich etwa 50 Meter von uns entfernt am Seeufer befindet, scheint zu wenig tief im Wasser zu stehen. Deshalb wird der Abfluss gestaut. Kaum zu glauben. Wir beobachten den Biber, wie er eine kleine Tanne fällt. In wenigen Minuten liegt das Tännchen am Boden und wird ins Wasser gezerrt. Dann schwimmt der Biber mit der Tanne zum Seeausgang. Er zerrt und zieht, bis das Tännchen ein weiteres Element des Dammes wird. Wie kann ein so kleines Tier so grosse Dämme bauen und den Fluss stauen. Nun wissen wir es. Mit viel Kraft und Ausdauer. Das aufgewärmte Essen schmeckt immer noch herrlich. Das Bibererlebnis steht jedoch den ganzen Abend im Mittelpunkt.

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Donnerstag, 11. bis Mittwoch, 17. August 2011
Königsetappe  (Text von Edi)

Ein kleines Missverständnis und der Wecker bleibt heute Morgen stumm. So starten Xaver und ich mit Verspätung zu unserer Königsetappe. Xaver will einmal über 100 km mit mehr als 1‘000 Höhenmetern radeln.

Das Wetter ist angenehm. Der Wind, damit wir Beide nicht zu übermütig werden, weht natürlich von vorne. Zudem geht es immer bergauf und –ab. Wenn wir nicht rascher vorankommen, so wird dies ein langer Tag. Wenige Kilometer vor dem Sikanne River treffen wir auf eine Baustelle. Die Dame, die den Verkehr regelt, mustert uns und erkundigt sich per Funk, was sie mit den beiden Velofahrern machen soll. Das scheint nicht so einfach zu sein, denn die Konversation per Funk dauert einige Minuten. Dann kommt der Entscheid. Wir können unsere Räder entweder auf einen Pick up verladen und uns mit dem Pilot Car durch die Baustelle fahren lassen oder am Rand langsam und vorsichtig selber durchfahren. Da es steil bergab geht, entscheiden wir uns fürs selber fahren. Am Fluss unten angekommen, geht es über 6 km steil bergauf. Das haben wir nicht erwartet. Es ist der steilste Aufstieg des gesamten Alaska Highways. Nach mehr als einer Stunde haben wir die 10 km lange Baustelle hinter uns.

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Mit unseren Frauen haben wir abgemacht, dass wir die Nacht auf dem Sasquatch Crossing Lodge and RV Park verbringen. Sie werden dort auf uns warten. Es ist bereits 21 Uhr, die Dämmerung ist weit fortgeschritten. Müde erreichen wir endlich unseren Treffpunkt. Wir suchen den RV Park, halten Ausschau nach unserem Camper. Erfolglos. Im Laden der Lodge kommt der Besitzer auf uns zu und meint, ihr Velofahrer wollt hier zelten, oder? Nein, wir möchten nur wissen, ob nicht zwei hübsche Damen auf dem RV Park hier eingecheckt hätten, erwidern wir. Der Besitzer der Lodge erklärt, dass der RV Park seit längerer Zeit geschlossen sei und er die Damen zum Pink Mountain RV Park weitergeschickt habe. Er sieht uns an und sagt weiter: „Schmeisst die Räder auf meinen Pick up, ich fahre euch dorthin“. Wir lehnen dankend ab. Wir wollen die ganze Strecke selber fahren. Draussen installieren wir Rücklichter und Stirnlampen. In der Zwischenzeit ist es Nacht geworden. Der Besitzer kommt vor die Tür und wiederholt sein Angebot. Es sei finster, es beginne zu regnen und es gehe steil bergauf bis zum Pink Mountain. Sehr höflich lehnen wir das zweite Angebot ab und machen uns auf den Weg. Wir wollten eigentlich einmal auf dem Dalton Highway bei Sonnenschein eine Mitternachtsfahrt unternehmen. Leider ist es hier bereits nach 21 Uhr dunkel.

Ein Wagen kommt entgegen, hält an und meint: „He Männer, eure Frauen warten oben und machen sich Sorgen“. Wir radeln weiter den Berg hinauf und freuen uns auf den Empfang. Es regnet leicht. Am Strassenrand zum Campground-Eingang stehen unsere Frauen, gottlob ohne Wallholz. Die Begrüssung ist wie das Wetter … Wir sind froh, dass Doris und Barbara uns einweisen, denn wir hätten in der finsteren Nacht inmitten der Containerhütten unseren Camper nicht gefunden.

Zugegeben, die heutige Tagesplanung ist eine Mischung zwischen Schicksal und Fehlplanung. 127 km mit 1‘400 Höhenmetern bei teils starkem Gegenwind und nicht optimalem Strassenbelag. Über 10 Stunden sind wir im Sattel gesessen. Da sollte man eben am Morgen wirklich den Wecker stellen. Doch wir sind ja gewohnt, zwischendurch das Nachtessen erst kurz vor Mitternacht einzunehmen.

Wo bleibt der ruhige Alaska Highway?
(Text von  Barbara)

Wir erblicken leider keine Tiere mehr entlang des Alaska Highways. Dafür sind uns auf den letzten 200 km mehr Lastwagen begegnet, als auf den ersten 2‘000 km. Viele Schwertransporter mit überbreiter Ladung. Davor jeweils ein Pilot Car mit Warnblinklichter. Erstaunlich, mit welch hohem Tempo diese Schwertransporter an uns vorbeifahren. Das bedeutet für uns, am äussersten Rand des Pannenstreifens zu radeln oder gar in die Strassenböschung auszuweichen. Auch andere Lastwagen, die Flüssiggas, Oel, Holz, Baumaschinen und Containerhäuser transportieren, donnern an uns vorbei. Unglaublich, was da alles auf dem Highway unterwegs ist. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es auch wieder ruhiger wird. Es muss ruhiger werden! Wenn nicht binde ich meinen Göppel auf unseren Camper und fahre nur noch mit diesem weiter…

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Dawson Creek, Meile 0   (Text von Edi)

Kurz vor Dawson Creek zweigen wir auf den alten Alaska Highway ab. Keine Lastwagen, nur wir allein. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Kiskatinaw Brücke. Dies ist noch die einzige Holzbrücke aus der Bauzeit des Alaska Highways. Ein imposantes Bauwerk. Für die Filmaufnahmen von Xaver dürfen wir mehrere Male über die Brücke radeln. Kein Problem, ausser uns scheint sich niemand für dieses Bauwerk zu interessieren. Nach wenigen Kilometern führt die Strasse wieder auf den neuen Alaska Highway und der Verkehr ist zurück. Am mühsamsten ist jedoch der starke Wind. Gemäss Wetterprognosen sind es Windböen von über 60 km/h. Weht er von vorne, so kommen wir fast zum Stehen, von der Seite müssen wir aufpassen, dass es uns nicht vom Pannenstreifen auf die Strasse stösst. Ein paar Kilogramm mehr auf dem Velo kämen uns in diesem Augenblick entgegen.

Zu Viert fahren wir in die Stadt zur Mile 0. Auch hier gibt es Fotos und Filmaufnahmen. Dieser Augenblick muss gebührend festgehalten werden, denn hiermit ist die zweite Veloetappe abgeschlossen. Wir haben es geschafft. Über 2‘400 km bin ich auf dem Richardson und vor allem auf dem Alaska Highway geradelt. Die Gesamtbeurteilung lautet ohne mich zu wiederholen: „Erwartungen bei weitem übertroffen“! Auch wenn die letzten Kilometer etwas stressiger waren.

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All denjenigen, die viel Zeit haben, kann ich nur empfehlen, den Alaska Highway mit dem Fahrrad abzustrampeln. Wer wenig Zeit hat, der kann die Strecke mit dem Motorrad zurücklegen. Eine weitere Möglichkeit wäre, dies mit einem Auto oder einem Camper zu tun. Diese Variante ist jedoch viel weniger spektakulär. Zu wenig bekommt man Wind und Wetter zu spüren.

mehr siehe Hintergrundinformationen zum Alaska Highway

Fonduezeit? (Text von Barbara)

Nein, es ist noch nicht Winter, doch der Herbst ist da. Die ersten Blätter verfärben sich und die Temperaturen in der Nacht fallen teilweise bereits unter den Gefrierpunkt.
Bei einem Laden sehen wir ein Reklameschild „Swiss Fondue“.  Zusammen mit den beiden Schweizern Fabienne und Daniel geniessen wir dieses bei (sau)mässigem Wind draussen unter den Bäumen. Fabienne und Daniel haben wir vor Tagen getroffen und einige Reiseinformationen ausgetauscht. Nun sind wir zufällig wieder auf dem gleichen Campingplatz, so dass wir unsere Diskussionen bei Fondue und Wein fortsetzen können. Zur Verdauung darf der Whisky natürlich nicht fehlen. Trotz der Kälte wurde es fast Mitternacht.

Morgen schwingen wir unsere Hintern wieder in den Sattel und brechen zur nächsten Etappe auf.

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