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4. Veloetappe als pdf herunterladen:

Die Entstehung der Eisenbahnstrecke durch den Südwesten von British Columbia

Im Jahre 1885 war die kanadische Eisenbahnverbindung vom Pazifik zum Atlantik durchgehend fertig gestellt. Abgeschnitten vom neuen Transportmittel war jedoch der Südwesten von British Columbia. Es war den Pionieren J.J. Warren und T. Shaughnessy zu verdanken, dass die Vision, Midway und Hope mit einer Eisenbahn zu verbinden, realisiert wurde. Über 500 km durch Gebirge, Schluchten und Täler. Am 31. Mai 1915 wurde die Strecke, welche über viele Holz- und Stahlbrücken und durch Tunnels führt, eröffnet. Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Region.

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Früchte, Eisenerz und Holz wurden mit der Eisenbahn transportiert. Der Unterhalt der Strecke war sehr aufwendig. Lawinen rissen immer wieder Brücken und Teilstrecken weg. Zudem wurde das Strassennetz mit Autobahnen ausgebaut. Am 1. Juli 1962 musste der Bahnbetrieb eingestellt werden.
Die Eisenbahnstrecke wurde zugeschüttet und zu einem Weg umgebaut.

Heute ist sie ein Bestandteil des Trans Canada Trails. (Der gesamte Trans Canada Trail ist mit 21‘500 km der längste Trail der Welt.)

Vorbereitung

Mehrmals erkundigen wir uns bei den Touristenbüros nach Unterlagen zum Kettle Valley Railway Trail. Immer mit mässigem Erfolg. Wir sollen uns doch bei einem Touristenbüro erkundigen, welches näher am Trail liege. Warum weiss man in dieser Gegend so wenig über diese Strecke, die zu der schönsten von Kanada gehören soll?

Als Grundlage für die Planung dienen uns die Bücher „Trans Canada Trail British Columbia“ von Bruce Obee und „Cycling the Kettle Valley Railway“ von Dan und Sandra Langford, als Kartenmaterial die Outdoor Recreation Map von BC.

Übersicht über die gefahrene Strecke

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Dienstag, 6. September 2011
Aller Anfang ist schwer …   (Text von Edi)

vor allem, wenn man so viel Gepäck mit sich schleppen muss.

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In der Tourist Information von Princeton, die direkt am Trail liegt, erkundigen wir uns, ob der Weg offen sei. Es bestehen keine Einschränkungen. Die Dame zeichnet noch den Weg auf einer Karte ein, jedoch in die falsche Richtung. Aus Höflichkeit sagen wir nichts, wir haben ja unser Kartenmaterial.

Bereits nach wenigen Kilometern auf dem Trail kommen Zweifel auf, ob wir es überhaupt schaffen werden. Ein sandiger Pfad mit vielen grossen und kleinen Steinen, mit Sandpartien, die uns immer wieder zum Absteigen zwingen. Henry Ford hat einmal gesagt: „Es gibt mehr Menschen, die zu früh aufgeben als solche, die scheitern“. Dieses Zitat nehmen wir uns zu Herzen und schieben und pedalen weiter. Die dürre, hügelige Gegend mit dem braunen Gras beeindruckt uns dennoch. Die Damen erwidern jedoch, sie könnten es während der Fahrt nicht geniessen, da der Weg die volle Aufmerksamkeit beanspruche. Den ganzen Tag sind wir niemandem begegnet, keinem Velofahrer und keinem Wanderer. Einfach Natur pur.

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Bei Dämmerung erreichen wir nach 47 km den Chain Lake Forest Campground. Ein alter Mann sitzt vor einem halb zerfallenen Wohnwagen. Wir erkundigen uns, ob es hier irgendwo Wasser gebe. Nein, erwidert er und sagt, wir sollen von seinem Wasservorrat unsere Flaschen füllen. Er hat eine ganze Reihe von Kanistern vor seinem Wohnwagen gestapelt. Auf die Frage, ob es hier Bären habe, meint er: „Nein, normalerweise nicht“.

Sicherheitshalber kochen wir dennoch etwa 30 m von unserem Zelt entfernt. Es ist bereits Nacht. Mit Stirnlampe essen wir und lauschen in die Nacht hinein. Die Saggochen mit den Lebensmitteln lassen wir an unseren Rädern hängen, ebenfalls 30 m von unserem Zelt entfernt.

Dann verziehen wir uns in unsere Zelte.

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Da wir etwas wenig Heringe bei uns haben, sammelten wir auf dem Trail die alten Eisenbahnnägel, mit welchen die Geleise befestigt worden sind. Diese sind zwar nicht leicht, aber sehr robust!

Aus dem Log-Buch:
Von Princeton nach Chain Lake; Total 47 km: 8,3 km/h Durchschnitt; 420 Höhenmeter; ganzer Tag sonnig und heiss von 9 o bis 35 o Celsius.

Mittwoch, 7. September 2011
Es kommt anders als man denkt  (Text von Xavi)

Wie ein Schleier liegt noch Nebel über dem Wasser des Chain Lake, als wir aus dem Zelt steigen. Doris hat nicht allzuviel geschlafen und sich von den Strapazen des ersten Tages kaum erholt. Vor allem der Ellbogen schmerzt. Die ständigen Steuerkapriolen beanspruchen ihn stark. Edi hat inzwischen bereits heissen Tee gekocht. Dazu gibt’s noch ein Knusperriegel, das Minimum für mich, damit ich nicht ab dem Fahrrad falle. Mehr Frühstück erhoffe ich mir 10 km weiter im General Store in Bankeir.

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Wegen des schlechten Zustandes des Trails weichen wir auf die Naturwaldstrasse aus. Heute wollen wir die Zelte noch bei Tageslicht aufstellen und planen vor Summerland noch einmal zu zelten.

Bis gegen Mittag frühstücken wir auf der Veranda im General Store. Nun sind wir „Bärenstark“. Mit 20 Liter Wasser im Gepäck (auf den Campgrounds in dieser Gegend gibt es kein Wasser) und bei 30 Grad Hitze treten wir wieder in die Pedale.

Den 1. Campingplatz finden wir nicht. Wir radeln weiter. Die Strasse fordert uns alles ab. Ständig geht es bergauf und bergab. Wellblechpisten machen das Radfahren nicht angenehmer. Öfters müssen wir absteigen und das Velo stossen, 8% Steigung sind kein Pappenstiel. Der Zeltplatz in Faulder existiert nicht mehr. Wir werden wohl wieder die Zelte bei Dunkelheit aufstellen. Doris wird es schlecht, sie verschwindet im Gebüsch.

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Mit den letzten Strahlen der Abendsonne erreichen wir Summerland. Wir fragen einen Jogger nach dem Zeltplatz. Er stellt sich als „Pilotjogger“ zur Verfügung und wir radeln auf Schleichwegen hinter ihm her auf die richtige Strasse. Noch 2 km steil bergab und wir sind am Ziel. Wir stehen vor verschlossenem Gitter. Der Campground ist ab Labour Day geschlossen. Im letzten Tageslicht fahren wir  im 4 Sterne Summerland Waterfront Beach Resort vor. Gerade noch 2 Zimmer sind frei. Da das Restaurant bald schliesst stürzen wir uns ungeduscht in saubere Kleider. Auf der Veranda mit Seesicht geniessen wir die Abendstunden bei bestem Wildlachs.

Aus dem Log-Buch:
Von Chain Lake nach Summerland; Total 62 km:12,5 km/h Durchschnitt; 670 Höhenmeter; ganzer Tag sonnig und heiss von 6 o beim Aufstehen dann bis 35 o Celsius.

Donnerstag, 8. September 2011
In den Rebbergen   (Text von Edi)

Nein, es ist kein Unglück, dass wir gestern keinen Campingplatz gefunden haben. Zwischendurch einmal ein Hotelbett ist auch nicht zu verachten (wir gönnen uns ja sonst nichts….)

In mehreren Ortschaften gab es früher Velohändler mit einer Reparaturwerkstatt. Diese sind in den Prospekten zum Teil noch aufgeführt, existieren jedoch nicht mehr. Es ist gar nicht so einfach, eine Velopanne beheben zu lassen. Penticton ist eine grössere Stadt. Deshalb nutze ich hier die Gelegenheit und suche einen Velohändler auf. Nach zwei Stunden habe ich ein neues Hinterrad, eine neue Kassette und eine neue Kette. Anders gesagt: Mein Velo hat ein neues Hinterteil bekommen.

Da es auf dem Weg von Penticton bis Chute Lake keine Campingplätze mehr gibt, beschliessen wir, in einem Weingut zu übernachten. Bevor wir unser Châlet Merlot inmitten der Reben beziehen, gibt es durch Stefanie noch eine Weindegustation. Sie erklärt uns die Besonderheiten des Anbaues und der Weinproduktion. Dieses Jahr werde voraussichtlich das schlechteste seit 25 Jahren. Wir bekommen noch keinen Heurigen, die Ernte beginnt erst im Oktober. Zum Glück war der heutige Tag nicht so anstrengend, so dass wir die Degustation von A bis Z souverän durchhalten. Vom besten Wein kaufen wir eine Flasche für unser Nachtessen. Auf der Holzveranda mit Blick über die Rebberge und auf den Okanagan See geniessen wir den lauen Sommerabend. Am anderen Seeufer sehen wir die Lichter der Autos, die sich im Wasser spiegeln. Aus der Ferne sieht es aus wie Glühwürmchen.

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Aus dem Log-Buch:
Von Summerland nach D’Angelo Estate Winery, nördlich Penticton; Total 27 km; 13,2 km/h Durchschnitt; 140 Höhenmeter; ganzer Tag sonnig und heiss von 21 o bis 37 o Celsius.

Freitag, 9. September 2011  
Hoch über dem Okanagan Lake (Text von Barbara)

Ausgeruht und gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Die Strecke durch die Rebberge bietet einen wunderschönen Weitblick auf den Okanagan Lake. Penticton liegt auf einer Höhe von ca. 350 m und Chute Lake, unser heutiges Ziel, auf 1184 m. Das heisst für uns ungefähr 700 Höhenmeter (da wir ja bereits gestern am Schluss noch eine kleine Bergetappe hinter uns gebracht haben). Das Schöne an der ehemaligen Bahnstrecke ist die geringe Steigung von nicht mehr als 2 %. So lässt sich diese verteilt auf die 38 km relativ gut bewältigen.

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Doch auch dieser Abschnitt verlangt von uns einiges ab. Sand sowie Geröll zwingen uns immer wieder, die Räder zu schieben.

Kurz vor 18 Uhr erreichen wir das Chute Lake Resort. Zu müde zum kochen geniessen wir Hamburger mit Pommes und natürlich einige Flaschen Bier. Die Zelte stellen wir bereits in der Dunkelheit neben dem Trail am See auf.

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Dies war ein anstrengender aber toller Tag. Die Radfahrer, die uns begegneten, lassen sich mit einem Bus hochfahren und radeln die Strecke mit einem Tagesrucksack runter. Das wäre auch für uns möglich gewesen, doch dies wollten wir nicht!

Aus dem Log-Buch:
Vom Châlet Merlot bis Chute Lake; Total 38 km;6,6 km/h Durchschnitt; 730 Höhenmeter; ganzer Tag sonnig und heiss von 22 o bis 36 o Celsius.

Samstag, 10. September 2011
Schwarzbär und andere Überraschungen
(Text von Doris)

Nach einer kalten Mondscheinnacht bauen wir mit eiskalten Händen unsere Zelte ab. Beim Aufsteigen auf unsere Räder wünschen wir, dass das Frühstück mit Eiern, Speck und Rösti uns für die kommende Etappe so richtig stark gemacht hat. Der erste Teil des Weges erweist sich wiederum als sehr anspruchsvoll. Immer wieder müssen wir unsere Räder durch tiefen Sand und über rauen Kies schieben. Der fantastische Blick auf den tiefblauen Okanagan Lake belohnt uns jedoch für unsere Anstrengung.

Der heutige Höhepunkt ist der Myra Canyon. Mit 18 ehemaligen Eisenbahnbrücken, meistens aus Holz gebaut, ist er eine Touristenattraktion. Laut unserem Reiseführer sollten die Brücken keine Geländer haben! Dass sich das als überholt erweist erfreut vor allem Xavi. Wir haben uns schon vorgängig ausgemalt, wie wir ihn jeweils über diese Hindernisse lotsen wollen. Bei einem grossen Waldbrand im Jahre 2003 sind 14 Brücken, 12 davon aus Holz, vollständig zerstört worden. Mit dem Einsatz vieler freiwilliger Helfer sind sie mittlerweile wieder aufgebaut. Zeugen des verheerenden Brandes sind die Überreste verbrannter Bäume und kahle Hänge geblieben. Die Strecke vom Myra Canyon nach McCulloch zwingt uns wieder über unzählige grössere und kleinere Steine zu hüpfen, durch tiefen Sand zu schieben – und – einen Schwarzbären mit lautem Hupen und Klingeln vom Weg zu vertreiben. Endlich, endlich hat Xavi seinen ersten Bären auf dem Velo erlebt!

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Unser Ziel, das Ravens B&B, ist in keinem Reiseführer vermerkt. Glücklicherweise sind aber an verschiedenen Bäumen entlang des Trails Wegweiser mit dem Aufdruck „EDWARD“ angebracht. Nach dem Telefon mit Edi hat sich die Inhaberin gedacht, ohne die Wegmarkierungen findet dieser Schweizer den Weg zu Louises B&B nie.

Hungrig lassen wir uns ein feines Nachtessen schmecken, bekommen aber einen Platz zum Zelten zugewiesen, der eher einer Baustelle im Wald gleicht. Irgendwie finden wir aber im Schein der Taschenlampen für unsere zwei Zelte eine mehr oder weniger ebene Stelle um das Nachtlager aufzuschlagen.

Aus dem Log-Buch:
Von Chute Lake nach Idabel Lake; Total 58 km; 10,3 km/h Durchschnitt; 80 Höhenmeter; ganzer Tag sonnig und heiss von 9 o bis 35 o Celsius (in der Nacht im Zelt 4 o Celsius).

Sonntag, 11. September 2011
Ein kalter Morgen  (Text von Barbara)

Diese Nacht im Zelt war mit 4 Grad recht kalt. Der „Parkettboden“ unter unserem Zelt fühlte sich an wie Beton. Ich bevorzuge eindeutig Waldboden oder Gras. Beim Frühstück auf der Veranda erfahren wir von der hektischen Louise, der Inhaberin des B & B, dass sie ein solches eigentlich nie geplant habe. Da es aber weit und breit weder Verpflegung noch Unterkunft für Radler gebe, sei sie so „reingerutscht“. Hilfe von den Nachbarn bekomme sie leider keine. Diese seien zu bequem und auch nicht auf einen Nebenverdienst angewiesen.

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Nach einer kalten Nacht.....                                  

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..... wer steigt zuerst aus dem Zelt?

Die Strecke von Idabel Lake nach Beaverdell soll weiterhin auf schmalem Pfad durch den Wald (Vorsicht: Bären!) und später bis Midway durch Farmerland führen. Teile davon sind durch die Farmer geschlossen. Das bedingt Umwege und Ungewissheit. Dies und der schmerzende Ellbogen von Doris bewegen uns, den letzten Teil der Strecke zu streichen und nach Kelowna zu radeln.

Heute geht’s zuerst bergauf, dann bergab, bis wir auf die BC 33 gelangen. Welch ein Unterschied! Wie die Räder auf dem feinen Belag rollen. Wir sausen auf dem Pannenstreifen mehrheitlich bergab und geniessen es. Die vorbeifahrenden, zum Teil rasenden Autos stören uns nicht. Doch dies wird wieder anders, dann sehnen wir uns nach der holprigen, sandigen Strecke ohne Verkehr.

In Kelowna mieten wir ein Auto, lassen die Velos bei der Vermietstation, und fahren zurück nach Princeton, um dort unseren Camper zu holen. Der Kettle Valley Railway ist aber noch nicht abgeschlossen. Wir gönnen uns in Kelowna nur ein paar Tage Pause.

Aus dem Log-Buch:
Von Idabel Lake nach Kelowna; Total 48 km;16,2 km/h Durchschnitt; 240 Höhenmeter; ganzer Tag sonnig und heiss von 10 o  bis 34 o Celsius (im Zelt in der Nacht 4 o Celsius).

Für einmal drehen die Räder nicht …(Text von Edi)

…doch nur für drei Tage. Spontan beschliessen wir, hier in Kelowna zu verweilen. Wir geniessen das südlich anmutende Flair am Okanagan See. Ein Bummel dem Strand entlang, zum Hafen und in die Altstadt vermittelt uns einen Eindruck der grössten Stadt am Okanagan See. Sandstrand, Wärme und Strassencafés, all dies verbinden wir mit südlichen Ländern. Kaum zu glauben, wir sind hier in Kanada. Am Abend gönnen wir uns in einem Seerestaurant nochmals Wildlachs und lassen die Stimmung der lauwarmen Nacht auf uns einwirken.

Das Okanagan Valley mit den umliegenden Hügeln und Berge wirkt kahl und dürr. Doch überall, wo die Felder bewässert werden, gedeiht ein Früchte- und Gemüsegarten. Über die Hälfte der Früchte von ganz Kanada werden in dieser Gegend geerntet. Weinhänge säumen das Seeufer.

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Mehrere Personen, mit denen wir ins Gespräch kommen, erzählen uns, dass dieses Jahr der schlechteste und nasseste Sommer seit Menschengedenken sei. Erst seit wenigen Wochen sei endlich so herrliches Wetter. Seit wir nun in dieser Gegend sind geniessen wir hochsommerliches Wetter. Wir haben einfach Glück.

Zum Abschluss wandern wir durch den Park dem Mission Creek entlang. In den kommenden Tagen werden hier Tausende Lachse den Fluss hinauf schwimmen, um zu laichen. Wir sind wieder etwas zu früh. Dennoch sind bereits Dutzende von Kokanee Lachse unterwegs.

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Auf der Fahrt nach Princeton schalten wir einen Stopp beim Hardy Falls Regional Park ein. Hier schwimmen bereits mehr Lachse den Fluss hinauf. Der Wanderweg führt immer wieder über den Fluss.

Von den Holzbrücken aus können wir die Lachse sehr gut beobachten. Sobald sich die Fische für kurze Zeit ausruhen, schwemmt es sie wieder zurück über die Stromschnellen den Fluss hinunter. Von neuem müssen diese überwunden werden. Erstaunlich, welche Energie diese Fische aufbringen, um an die Laichplätze zu gelangen.

Wie könnte es auch anders sein. Wir erreichen unser Tagesziel Princeton einmal mehr erst beim Eindunkeln.

Ab Morgen geht es auf dem Kettle Valley Railway Trail weiter. Für zwei Tage nordwärts, bis wir wieder nach unserem Motto „let’s go south“ in der richtigen Richtung unterwegs sein werden.

Freitag, 16. September 2011
Weiter geht’s über Stock und Stein (Text Barbara)

Zu viert starten wir von Princeton auf dem Kettle Railway Trail Richtung Merritt. Der Weg ist geteert. Alle 20 Meter steht eine Strassenlaterne. Man kann es auch übertreiben. Doch kurz nach Princeton nimmt der Trail die für uns so bekannte Form an. Sand, Steine und ausgewaschene Partien.

Wir „fahren“ entlang des glasklaren Tulameen River. In der Sonne leuchten die roten, schroffen Felsen. So schön es landschaftlich ist, so mühsam ist es auf dem Trail mit dem Velo zu radeln.

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Beim Parr Tunnel gibt es Foto- und Filmaufnahmen, dann fahren Doris und Xaver zurück nach Princeton und Edi und ich weiter nordwärts. Auf einem Schild lesen wir: „Trail wird nicht unterhalten, befahren auf eigenes Risiko“. Das haben wir schon lange festgestellt, dass der Trail nicht mehr unterhalten wird. Im Gegenteil, die Offroad-Vehikel, die hier auf dem Kettle fahren dürfen, setzen der Strasse immer mehr zu. Wir begegnen auch heute keinen Velofahrern, dafür mehreren der „vierrädigen Motorrrädern“, die über die Piste brettern und uns mit Staub eindecken. Ein Streckenabschnitt mehr, der eben nur von einigen wenigen abgestrampelt wird.

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Zum Teil halten auch Fahrzeuge an. Es folgt dann jeweils die Standardfrage: Woher kommt ihr? Wohin fährt ihr?

Wir sind froh, die letzten Kilometer bis zum Otter Lake Provincial Park auf einer geteerten Strasse zurücklegen zu können. Welch eine Wohltat.

Es ist kalt geworden, nur noch 10 Grad. Genau richtig, wieder einmal ein Schweizer Fondue zu geniessen. Wir sitzen bis es dunkel wird draussen im Wald mit Blick auf den Otter Lake und rühren im Fondue, damit der Käse nicht anbrennt. Wir diskutieren, ob für 4 Personen 1,6 kg Fonduemischung zu viel sei oder nicht und irgendwann ist das Pfännli leer.

Aus dem Log-Buch:
Von Princeton zum Otter Lake Provincial Park; Total 38 km;10,2 km/h Durchschnitt; 170 Höhenmeter; leicht bewölkt 10 o bis 24 o Celsius.

Samstag, 17. September 2011
Der letzte Tag auf dem Kettle   (Text von Edi)

Zaghaft scheint die Sonne durch den Wald. Es ist 9 Grad. Barbara und ich schwingen uns auf die Räder. Wenn es noch kühler wird, dann ist es vorbei mit den kurzen Velohosen.

Drei Kilometer können wir auf der geteerten Strasse rollen, bis wir wieder auf den Kettle Trail abbiegen. Die Beschaffenheit der Strecke ist genau wie am Vortag. So holpern wir über Steine, durch Sand und durch grosse Löcher umgeben von wilder Natur.

Ausser uns scheint niemand auf dem Trail unterwegs zu sein. Doch die vielen teils ganz frischen Bärenkothaufen sagen uns ganz klar: Es gibt doch noch Andere, die den Trail benutzen. Vielleicht auch nur für einen Verdauungsspaziergang.

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Interessant finde ich, dass auch auf den Abschnitten, die beidseits des Trails mit Stacheldraht eingezäunt sind, die frischen Bärenkothaufen auf dem Weg zu sehen sind. Barbara findet dies nicht interessant sondern eher beängstigend, auf dem Trail ohne seitliche Flucht-möglichkeit einem Bären zu begegnen.

Wir treffen nur Kühe und Kälber, die uns anglotzen, bevor sie uns den Weg frei geben.

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Durchquert der Weg Farmerland, dann heisst es immer, Stacheldrahtzäune aushängen und beiseite schieben, Räder durchstossen und wieder einhängen. Uns ist nicht klar, ob dies Land überhaupt noch bewirtschaftet wird. Verfallene Scheunen und Häuser und Zufahrtsstrassen, die mit Gras und Büschen überwachsen sind.

Wir erreichen Brookemere und werden von Doris und Xaver empfangen. Hier ist der Kettle Valley Railway Trail für uns abgeschlossen.

Aus dem Log-Buch:
Vom Otter Lake Provincial Park nach Brookmere; Total 34 km; 9,1 km/h Durchschnitt; 180 Höhenmeter; bewölkt, wenig Sonne, 8 o  bis 22 o Celsius.

Und wie lautet das Gesamturteil? Es gab tolle Streckenabschnitte. Durch die Weinberge, über die vielen Holzbrücken über die Schluchten des Myra Canyon. Doch ganz unter uns gesagt. Wir haben die Erwartungen zu hoch gesteckt. Vielleicht hat uns der Trail, der teils mit dem vollbepackten Fahrrad fast nicht befahren werden kann, zu sehr zugesetzt.

Sonnata,18. September 2011
Nachlese

Der Kettle Valley Railway Trail ist doch noch nicht ganz abgeschlossen. Sozusagen als Pünktchen auf dem „i“ besuchen wir in der Nähe von Hope die 5 Othello Tunnels. Dieser Streckenabschnitt durch den Coquihalle galt als unbezwingbar. Doch der Chefingenieur  Mc Culloch realisierte diese Strecke durch Schluchten, über Brücken und eben durch die 5 Tunnels. Leider ist nach den Tunnels der Trail geschlossen. Ein Felssturz hat den Weg zugeschüttet. Eine grosse Gitterabsperrung zeigt einmal mehr, dass nicht mehr der ganze Trail befahrbar ist. Schade, wird nicht mehr für den Unterhalt unternommen.

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Xavi filmend über Brücken und durch Tunnels

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Nun ist der Kettle Valley Railway Trail wirklich zu Ende