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Freitag, 24. Juni bis Mittwoch, 29. Juni 2011
Start mit Überraschungen (Text von Edi)

Der Parks Highway, auf dem wir Richtung Denali Nationalpark mit unserem neuen Wohnmobil fahren, weist grosse Frostschäden auf. Es holpert und rattert im Innern des Campers. Plötzlich ein lautes, schleifendes Geräusch, das nichts Gutes erahnen lässt. Wir halten sofort an. Der Veloträger ist abgebrochen. Die ganze Aufhängung und mein Fahrrad schleifen am Boden. Das hätte noch schlimmer ausgehen können, wäre der Träger auf die Gegenfahrbahn geraten. Glück im Unglück. Nun sitzen wir fest. Wir warten und warten auf den Pannendienst. Verschiedene Fahrzeuge halten an und erkundigen sich, ob wir Hilfe benötigen. Andere fahren langsam an uns vorbei und geben ein Zeichen mit dem Daumen. Erst wenn wir den Daumen hoch halten, treten sie wieder aufs Gas und fahren weiter. Dies ist eben auch Alaska, die grosse Hilfsbereitschaft, die wir immer wieder erfahren dürfen. Ein Trooper (so wird ein Polizist hier in Alaska bezeichnet) hält an und erkundigt sich nach der Art der Panne. Er beurteilt die Sicherung der Pannenstelle und meint, nur ein einziges Pannendreieck sei etwas wenig. Dafür seien unsere Leuchtwesten vorbildlich. Er wünscht uns „good luck“ und fährt weiter.

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Endlich um 22 Uhr trifft das Pannenfahrzeug ein. Der Veloträger und unsere Fahrräder werden auf einen Pickup geladen und gehen nach Fairbanks zurück. Somit werden wir die nächsten Wochen ohne unsere Velos unterwegs sein.

Wir fahren weiter Richtung Denali Nationalpark. Am Parkeingang treffen wir Piera und Michael. Für einmal ist nicht ihr VW-Bus für die Verspätung verantwortlich. Gemeinsam fahren wir in den Park. Es ist Mitternacht, doch die Sonne erleuchtet immer noch die Berge. Wir bekommen erstmals den Mount McKinley zu Gesicht. Der höchste Berg von ganz Nordamerika (6'193 m) erstrahlt in seiner weissen Pracht in der schwachen Mitternachtssonne.

Den Teklanika Campground erreichen wir um 1 Uhr nachts. Der Gaskocher wird angeworfen und es gibt ein warmes „Nachmitternachtsessen“.

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Unterwegs im Denali Nationalpark (Text Barbara)

Nach nur drei Stunden Schlaf klingelt bereits wieder der Natelwecker. Kurz nach 6 Uhr stehen wir mit unseren Rucksäcken an der Bushaltestelle. Der grösste Teil der Parkstrasse ist für den Privatverkehr gesperrt. Mit einer Bewilligung durften wir bis zum Campingplatz fahren. Von nun an geht es in einem alten, klapprigen Schulbus weiter zum Wonder Lake. Für die 90 km benötigen wir mehrere Stunden. Bei jedem Tier, sei es ein Bär, ein Fuchs oder ein Mohrhuhn, hält der Bus an und alle Touristen stürmen zu den Fenstern und versuchen, möglichst viele Aufnahmen zu „schiessen“. Niemand von uns Sechsen bekommt die ganze Strecke mit. Immer wieder fallen die Augen für einige Minuten zu.

Das Wetter ist einmal mehr besser als die Vorhersage. Wir unternehmen Wanderungen entlang des Teklanika-Flusses, versuchen, die vielen Spuren im Sand zu bestimmen und halten nach Tieren Ausschau. Wir geniessen die Ruhe in der unberührten Natur.

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Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer. Michi ist für die fachgerechte Zubereitung der Steaks auf dem Feuer verantwortlich. Wir lassen es uns schmecken und merken gar nicht, dass bereits wieder Mitternacht ist.

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Immer will die alte VW-Dame im Mittelpunkt stehen  (Text von Edi)

Am vierten Tag verlassen wir den Nationalpark. Es regnet und ist kalt geworden. Der alte VW-Bus von Piera und Michael benötigt jede Stunde eine kurze Pause, damit der Motor abkühlen kann. Wie könnte es anders sein, einmal mehr springt der Motor nicht mehr an. Einige hilfsbereite Arbeiter krempeln die Ärmel ihrer Alaskahemden zurück und nehmen den Motor fast ganz auseinander (ist etwas übertrieben). Eine Stunde später läuft er leider immer noch nicht. Ihre Diagnose, die Benzinpumpe sei defekt. Der Pannendienst will nicht verstehen, wo wir uns befinden. Die Person, welche Michael am Telefon hat, scheint irgendwo in der Welt in einem Call-Center zu sitzen und nicht zu wissen, wo die Hauptverbindung zwischen den beiden grössten Städten von Alaska verläuft. - Nach Stunden versucht es Xavi noch einmal und, wie durch ein Wunder, springt der Motor diesmal an. Weiter geht’s. Anchorage erreichen wir jedoch nicht mehr.

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Piera und Michael mit ihrer alten VW-Lady (Jahrgang 1976).

Am Folgetag meckert die alte VW-Lady erneut. Trotzdem kommen wir am Abend in Homer, unserem neuen Ziel, an. Auf dem RV Campground Oceanview können wir die herrliche Aussicht geniessen. Eine lange Bergkette mit teilweise schneebedeckten Bergen und Gletschern, die fast bis zum Meer hinab reichen.

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Donnerstag, 30. Juni bis Sonntag, 3. Juli 2011
Zelten in der Hallo Bay ( Text von Edi)

Es ist 15.30 Uhr. Mit zwei Cessna-Flugzeugen heben wir vom Homer Airport ab. 4 bis 6 Personen haben im Flugzeug Platz. Mit unserem ganzen Gepäck und der Verpflegung benötigen wir zwei Flugzeuge. Der Flug über den Meerbusen, die Schneeberge und Gletscher sind eindrücklich. Auch die Landung am Sandstrand der Hallo Bay ist ganz speziell. Nun sind wir im Katmai Nationalpark angekommen.

Für die nächsten Tage werden Zack und Byorn, unsere beiden Führer, für unsere Sicherheit besorgt sein und uns, so hoffen wir, mit den Bären bekannt machen.
Auf einem schmalen Pfad durchs hohe Gras tragen wir das gesamte Gepäck zum Zeltlager. Immer wieder hat es Bärenkot, somit werden wir unsere pelzigen Nachbarn sicher zu Gesicht bekommen. Das Zeltlager ist ganz einfach. Kleine Zelte, dünne Mätteli und einen unebenen Boden. Dafür eine herrliche unverbaubare Lage. Im Hintergrund sehen wir den Hallo Gletscher, vor uns ein grosses Feld mit Sumpf und Gras. Um das Zeltcamp wird ein Bärenzaun eingerichtet (ist wie ein Viehhüterzaun). Anschliessend erfolgen Sicherheitsinstruktionen. Keine Lebensmittel in den Zelten. Alles wird in bärensichere Fässer eingepackt. Deo und Seife haben wir bewusst nicht mitgenommen. Für die kleinen Geschäfte (pinkeln) sowie das Zähneputzen ist immer zu Zweit hinter die Büsche zu gehen. Für die grossen Geschäfte begibt man sich an den Strand. Auch immer zu zweit, „bewaffnet“ mit einer Leuchtfackel sowie einem Funkgerät. Immer die Augen offen halten, singen oder laut sprechen, damit allfällige Bären uns hören und nicht überrascht werden. Am Strand ist ein Loch zu graben, das nach erfolgreichem „Geschäft“ mit Sand zugedeckt wird. Durch die Flut wird dann der Strand wieder gereinigt. So einfach geht das.

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Auf gleicher Augenhöhe mit den Grizzlys  (Text Edi)

Wir unternehmen verschiedene Wanderung durch das Gras, die Feuchtgebiete zum Hallo River und begegnen immer wieder Bären. Wir bleiben jeweils in einem Abstand von 50 Metern stehen, damit sich die Pelztiere an uns gewöhnen können. Dann nähern wir uns langsam, immer schön dicht beisammen, damit wir als eine grosse Einheit wahrgenommen werden. Setzen uns ins Gras und beobachten die Bären.

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Jedesmal ist es ein ergreifendes Erlebnis. Wir beobachten Bären beim Paarungsakt. Das Weibchen ziert sich, das Männchen lässt nicht locker und ein zweites Männchen stört die beiden immer wieder. Eine Bärenmutter, die Frieda genannt wird, streift mit ihren beiden Jungen (Heidi und Max) herum. Die Jungen sind etwas vorwitzig, so dass die Führer acht geben müssen, dass sich diese uns nicht allzu sehr nähern. Die Bärenmutter ist über unsere Nähe jedoch erfreut. So kann sie die aufdringlichen Männchen fernhalten. Immer wieder werden junge Bären von den Männchen getötet, damit die Bärenmutter wieder paarungsbereit ist.

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  Frieda, die Bärenmutter mit ihren Jungen, Heidi und Max

Ein Erlebnis ganz besonderer Art bietet ein dreijähriger Bär. Wieder sitzen wir im Gras. Der Bär hat uns bemerkt, frisst ruhig weiter und kommt dabei immer einige Schritte näher auf uns zu. In etwa 10 Metern sitzt er ab und schaut zu uns. Danach legt er sich auf den Rücken, macht eine Rolle und steht wieder auf. Er schüttelt sich und watschelt nur etwa 4 Meter neben Barbara vorbei. Wau, für uns fast etwas zu nahe!

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Am Strand können wir Bären beobachten, die mit ihren langen Krallen nach Muscheln graben. Diese werden verbissen und die Schale wieder ausgespuckt. Auch beim Fischen beobachten wir einen Bären. Er benimmt sich etwas tolpatschig, doch siehe da, es dauert nicht lange und er hat einen grossen Fisch zwischen den Zähnen.

Am Abend ein Lagerfeuer am Strand (Text Barbara)

Am Strand hat es sehr viel Schwemmholz, teilweise mächtige Stämme. Uns wird erklärt, dass dieses Holz vom Staate Washington aber auch von Japan während der Winterstürme anschwemmt werde. Es hat aber auch viele kleine Holzstücke, die ideal für ein Lagerfeuer sind. Hinter einer Felsklippe zwischen grossen Baumstämmen errichten wir eine Feuerstelle.
So sitzen wir jeweils am Strand um das wärmende Feuer und verarbeiten die Eindrücke des Tages. Am ersten Abend kommt plötzlich ein Fuchs um die Klippe. Er schaut uns an, schleicht langsam um uns herum, beobachtet, sitzt ab und geht wieder einige Schritte weiter. Er hofft sicher, etwas von unserem Abendessen zu ergattern. Leider gibt es immer wieder Touristen, die die wilden Tiere füttern. Tiere, besonders Bären und Wölfe, die einmal von Menschen gefüttert worden sind, können sehr gefährlich werden. Deshalb bekommt der Fuchs, auch wenn er noch so ausgehungert aussieht, keinen Bissen von unserem Abendessen.

Am zweiten Abend wirft Piera in die Runde: „Als Steigerung wäre es jetzt super, noch einen Besuch von einem Wolf zu bekommen.“ Und siehe da. Es dauert tatsächlich nicht lange, da erscheint plötzlich ein Wolf. Auch er ist nicht scheu. Er mustert uns, geht einige Schritte auf uns zu, hält an, dreht sich ab und geht gemütlich dem Strand entlang weiter und verschwindet in der Dämmerung.

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Regen und Nässe  (Text von Edi)

Wir lernen Katmai auch im Regen kennen. Die Führer wollen uns auf der anderen Seite der Bucht Wölfe zeigen. Doch wir bekommen keine zu Gesicht. Auf dem Rückweg überrascht uns die Flut, so dass wir einige Stunden warten müssen, bis wir um die Klippe zum Lager zurückmarschieren können. Aus allem, was das Meer angeschwemmt hat, bauen wir mit Holzstämmen ein „Swiss Chalet“ mit einem Garten, einer Bewohnerin, einem Schaf und einem Pferd. Es entsteht ein richtiges Kunstwerk, nicht für die Ewigkeit, sondern nur bis zum nächsten Sturm, der alles wieder wegspülen wird.

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Im Regen marschieren wir durch das hohe Gras. Barbara und ich machen nur einen kleinen Fehler. Die Regenhosen sind in den Stiefeln, anstatt über die Stiefel gestülpt. So sammelt sich immer mehr Wasser an. Am Abend für einmal kein Lagerfeuer, sondern durchnässt im Zelt.

Rückflug ungewiss  (Text von Edi)

Morgennebel hüllt den Strand ein. Es ist nicht klar, ob die Flugzeuge so landen können. Unser Führer funkt immer wieder mit dem Airport in Homer. Dann fällt der Entscheid. Die Zelte werden abgebaut und das gesamte Gepäck an den Strand geschleppt und aufgestapelt.

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Der Rückflug über die Berge und Gletscher ist der krönende Abschluss unserer unvergesslichen Tage im Katmai Nationalpark. Viele Erinnerungen bleiben. Den unfreundlichen Empfang, den uns die „Bugs“ (schwarze kleine Fliegen) am Anfang bereiteten, habe wir bereits vergessen. Diese Plaggeister haben uns zu Hunderten umschwirrt. Einige verirrten sich immer wieder in unsere Ohren oder in die Nasenlöcher. Im Fliegenschwarm getarnt gab es zudem Mücken, die sich an unserem Blut gemütlich taten. Doch was soll’s, dies hat uns nur zu Beginn genervt.

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Montag, 4. Juli bis Montag, 11. Juli 2011
Happy Birthday America (Text von Edi)

Eigentlich sind wir zum Heilbutt-Geburtstagsessen auf dem Campground eingeladen. Wir wollen keinen Fisch essen, keine Bären, keinen Wolf oder Fuchs beobachten. Was wir brauchen ist einfach Ruhe. Zeit für uns, um all die Eindrücke zu verarbeiten. So findet die Geburtstagsfeier ohne uns statt und wir nutzen die Zeit für einen Bummel durch das Touristenörtchen Homer und bereiten die Weiterfahrt vor.

Harding Icefield (Text von Edi)

Das Harding Icefield ist mit einer Fläche von 483 km2 die grösste Eiskappe der gesamten Vereinigten Staaten. Viele Gletscherzungen ragen bis ins Meer. Das Harding Icefield mit den angrenzenden Gebieten ist heute ein Nationalpark. Dieser Kenai Nationalpark ist unser nächstes Ziel. Auf dem Wasser und zu Fuss wollen wir die Eisfelder bestaunen. Im Bewusstsein, dass wir nur einen ganz kleinen Teil zu Gesicht bekommen werden.

Am 6. Juli verlassen wir Homer und fahren Richtung Seward. Beim Russian River unternehmen wir eine Wanderung zum Wasserfall. Für die zwei Jüngsten (Michael und Piera) eine lockere Tour, für die vier Älteren doch etwas anstrengend. Beim Wasserfall beobachten wir Lachse, welche über die Stromschnellen springen und sich den Fluss hochkämpfen.

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Plötzlich entdecken wir eine Bärenmutter mit ihren zwei Jungen. Die Kleinen sind diesen Frühling auf die Welt gekommen und wirken noch etwas zerbrechlich. Die Bärenmutter schwimmt mit ihren Jungen über den Fluss, kraxelt über einen grossen Felsvorsprung und erscheint am anderen Flussufer vor den Stromschnellen. Sie springt ins Wasser und schnappt nach den Lachsen. Sie lässt nicht locker, bis sie einen Fisch zwischen den Zähnen hat. Kaum ist dieser verzehrt, springt die Mutter erneut ins Wasser und das Schauspiel wiederholt sich. Auch wenn die Fangtechnik der Bärenmutter etwas unbeholfen wirkt, dauert es nicht lange, bis wieder ein grosses Exemplar zwischen ihren Zähnen zappelt. Mit dieser Beute steigt die Bärenmutter mit ihren Jungen den steilen Hang hinauf und verschwindet im Wald. Eine spannende Beobachtung. Wir hätten nie gedacht, dass wir auf unserer Reise so viele Bären beim Fressen, Jagen, Spielen und Schlafen beobachten können.

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Am Abend erreichen wir Seward. Kein schöner Ort, alle Zeltplätze sind überfüllt, einige laden gar nicht erst zum Übernachten ein. Auf einem Stellplatz finden wir nach langem Suchen eine Übernachtungsmöglichkeit für den Camper und den VW-Bus.

Auf See bei hohem Wellengang (Text von Barbara)

Um 8 Uhr verlässt unser Schiff den Hafen von Seward. Für einmal haben wir kein Wetterglück. Die Spitzen der Schneeberge sind in den Wolken versteckt. Dafür werden wir nach einer Stunde durch das Auftauchen verschiedener Wale belohnt. Buckelwale, Orcas sowie Finnwale können wir vom schaukelnden Boot aus beobachten. Auf den Felsen am Strand bekommen wir auch Robben und die vom Aussterben bedrohten Stellers Seelöwen zu Gesicht. Auch Weisskopfadler zeigen sich mehrmals. Über 80 % der ganzen Weisskopfadler Population der gesamten Staaten befindet sich in Alaska.

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Die vom Aussterben bedrohten Stellers Seelöwen

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                                                               Orcas

Ein erneuter Höhepunkt ist die Weiterfahrt zum Holgate Gletscher. Durch Eisschollen nähern wir uns diesem Gletscher bis auf etwa 200 Metern. Da nur 10 % des Eises an der Oberfläche sichtbar ist, stösst der Schiffsbug öfters an diese Schollen. Es windet sehr stark und die eisige Kälte durchdringt unsere Kleider. Dies ist verständlich bei einem Gletscher, der direkt ans Meer reicht. Kleinere Gletscherabbrüche versetzen uns immer wieder ins Staunen. Auf dem Rückweg nach Seward begleiten uns Delphine, die ganz nahe dem Bug entlang mit uns schwimmen.

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                                       Holgate Gletscher im Kenai Fjord

Am späteren Nachmittag verlassen wir Seward. Wir suchen einen Campingplatz, der weniger dem kalten Wind ausgesetzt ist. Der Stoney Creek RV Park liegt am Fluss, eingebettet in Wald und Hügeln. Dennoch findet der kalte Wind den Weg zu uns. In unseren Fliessjacken und Mützen geniessen wir am wärmenden Feuer die herrlichen Steaks. Handschuhe benötigen wir nicht. Der kalte Wind bietet aber auch Vorteile. Es hat weder Fliegen noch Moskitos.

Am Freitag fahren wir weiter zum Exit Gletscher. Entlang der Strasse ist der Gletscherrückgang mit Jahresmarkierungen gekennzeichnet. Auf einem Pfad erreichen wir das Ende der Gletscherzunge. Ja, vor hundert Jahren hätten wir einige Kilometer weniger weit marschieren müssen. Die mächtige Gletscherzunge ist imposant. Gestern bestaunten wir den Holgate Gletscher, der 40 km (Luftlinie) entfernt ist. Beide Gletscher gehören zum gleichen Eisfeld, dem Harding Icefield.

Trotz Wetterprognose mit 80% Chance auf Sonnenschein, ist der Himmel seit drei Tagen bedeckt. Die Sonne lässt sich nur kurz blicken. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel müssten diese Gletscher noch eindrücklicher wirken.

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                                                         Exit Gletscher

Nun sind wir wieder zurück in Anchorage und geniessen den letzten gemeinsamen Abend mit Piera und Michael. Nicht nur die Bären haben Lachs gerne. Auch wir! Die professionelle Zubereitung erfolgt durch Michael auf dem Grill. Dazu gibt es Rotwein aus Oregon. Nun ist die gemeinsame Zeit vorbei. Piera und Michael werden mit ihrer alten VW-Tante noch kurze Zeit in dieser Gegend bleiben. Beide wollen die Erlebnisse verarbeiten, den Bus optimal einrichten und Michael will natürlich noch einige Tage fischen. Für uns Vier geht die Fahrt weiter nach Fairbanks.

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Einkaufen, als ginge es auf eine Grossexpedition (Text von Edi)

Bevor wir Anchorage verlassen, kaufen wir noch zwei Zelte, Schlafmätteli und Kochgeschirr. Und was braucht es noch für einen tiefen, gesunden Schlaf? Genau, einen Bärenzaun. Spätestens im Süden von Kanada wollen wir zu Viert einige Tage mit Sack und Pack (Zelt und Küche) einen Teil des Kettle Railway abstrampeln und in der Wildnis übernachten.

Das Wetter hat geändert. Nun ist wieder strahlender Sonnenschein. Auf dem Glenn Highway geht‘s Richtung Fairbanks. Ein toller Streckenabschnitt. Viele Berge, Gletscher, Seen und nur wenig Verkehr.

„Hoi zäme, weit dr öpis z‘trinke?“ (Text von Barbara)

Auf der Strecke sehen wir plötzlich zwei Radfahrer. Die Räder sind so beladen, dass man fast Angst bekommt, sie brechen zusammen. Hinten weht eine Schweizerfahne. Wir halten an und kommen mit Monika und Robert ins Gespräch und immer mehr ins Staunen. Seit 7 Jahren sind sie mit ihren Fahrrädern unterwegs. Via Orient, Pakistan, Indien, China, Japan und vielen weiteren Ländern sind sie via Mexiko hier in Alaska angekommen. Bereits über 50‘000 km in den „Wadli“. Auf unsere Frage, wie es weiter gehe, kommt nach einer kurzen Pause die Antwort: „Es gibt noch so viel zu sehen, das wird noch einige Jahre dauern“. Solche Begegnungen sind immer sehr spannend und aufregend zugleich.

Wenn Edi solche Abenteuergeschichten hört, bekommt er das „Augenleuchten“. Ich muss ihm dann jeweils aufzeigen, dass er nicht mehr 20 sei. Wir bewegen uns in einer anderen Liga. Dies kann aber genauso Spass machen …

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Seit 7 Jahren sind Monika und Robert unterwegs!

Vorbereitung zur nächsten Etappe (Text von Edi)

Nun haben wir an unserem Wohnmobil wieder einen Veloträger. Die neue Konstruktion sollte besser halten. Hoffen wir’s!

Morgen, Dienstag, 12. Juli, starten wir zur zweiten Veloetappe. Von nun an steht das Velofahren im Zentrum. In den vergangenen drei Wochen konnten wir Alaska mit seinen tollen Nationalparks etwas näher kennenlernen. Wandern, Tiere beobachten und auch das Outdoorleben geniessen.