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Kapitel Rückblick als pdf herunterladen:

Nordwärts   (Text von Edi)

Kaum zu glauben. Wir haben unsere vier Velos hinten am Camper festgeschnallt. Nun sind wir auf einmal viel schneller unterwegs. Pro Tag schaffen wir mehrere hundert Kilometer. Wau!

Im Napa Valley besuchen wir die berühmte Robert Mondavi Vinery. Die Fahrt durch das riesige Weingebiet ist trotz regnerischem Wetter beeindruckend.

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Eingang des Weingutes Robert Mondavi

Wir kaufen je eine Flasche Cabernet, Pinot, Merlot und Zinfandel. Die Sonne geht bereits um 16.30 Uhr unter. Da wir nicht in der Dämmerung auf der Strasse unterwegs sein wollen, gibt es lange Abende. Ideal für blinde Weindegustationen im Camper.

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Weinkeller von Robert Mondavi                          

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Weindegustation in unserem Camper

Wir befinden uns heute auf dem Trailer Lane RV Park in Weed am Fusse des zweithöchsten Vulkans der USA, dem Mt. Shasta, und am grössten kalifornischen Gletscher. Wir sind die einzigen Touristen auf dem Campingplatz. Draussen schneit es. Die Temperatur ist bereits kurz nach Sonnenuntergang unter Null Grad gefallen. Im Camper findet wieder ein „wine testing“ statt.

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Der Kreis mit dem Start unserer Veloetappe scheint sich zu schliessen. Schnee in der Startphase und Schnee in der Schlussphase.

Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, den letzten Tagebucheintrag im Sinne einer Nachlese zu verfassen, also los, die Nacht ist noch lange …

Aus dem Blickwinkel des Velo-Rückspiegels von Edi
Von einer Idee zur konkreten Planung

Ich erinnere mich noch gut, wie ich Jahre zum voraus mit der Planung dieser Veloreise durch Nordamerika begonnen habe und mich bemühte, auch Barbara von dieser Idee zu überzeugen. Wie Doris und Xavi dazugestossen sind und sich für diese Reise auch begeistern konnten. Wie wir zu Viert planten und die Vorfreude so richtig genossen haben.

Und nun ist alles bereits Geschichte.

Wie kann man zu Viert so eng in einem Camper über mehrere Monate leben?

Wir kannten die Antwort zum vornherein auch nicht. Doch, wie sagte Obama: „Yes we can“. Auch wenn es regnet und innen und aussen alles feucht ist und noch zwei durchnässte Velofahrer in den Camper kommen, es geht.

Koordination Veloetappen mit Campersupport

Wer allein reist, der benötigt keine Koordination. Zu Viert, zwei jeweils auf dem Velo, die beiden andern im Camper, da ist es von Vorteil, den Tag genau zu planen Wer begleitet mich mit dem Velo? Wo übernachten wir? Wie können wir uns verständigen, wenn keine Natelverbindung besteht?

Es stellte sich rasch heraus, eine gute Abstimmung am Vortag ist Gold wert. Dabei ist wichtig, dass alle den gleichen Informationsstand haben. Dies war nicht immer der Fall. Dennoch haben wir uns am Abend immer gefunden. Nur einmal nahmen unsere Frauen einen Autofahrer als „Postmann“ in Anspruch, da Xavi und ich erst in der Dunkelheit und bei Regen mit den Velos auf dem Campingplatz anrollten.

Kommunikationsmöglichkeiten via Natel und WiFi

Wir kauften uns zwei amerikanische SIM-Karten. Diese haben wir jeweils übers Internet mit US$ 30.-- aufgeladen. Somit kostete uns das Telefonieren untereinander und innerhalb Kanada und USA nur wenige Cents. Eine tolle Sache, sofern man Natelverbindung und den richtigen Provider hat. In der Abgeschiedenheit von Alaska und Kanada hatten wir jeweils über mehrere Wochen keinen Natelempfang. Auch durch die Staaten Washington, Oregon und sogar Kalifornien ist entlang der Strassen der Natelempfang nicht immer gewährleistet.

Zum Telefonieren nach Hause benutzten wir Telefonkarten. Dies ist ein x-Faches günstiger als mit dem Natel zu telefonieren. Auch dies eine tolle Sache, sofern man eine öffentliche Telefonkabine findet. Dies ist nicht nur in abgelegenen Gebieten zum Teil schwierig, sondern auch weiter südlich in den dichter besiedelten Gegenden. Wer benötigt heute im Natel-Zeitalter noch eine Telefonkabine?

Viele Campingplätze, ausgenommen in den Stateparks, verfügen über WiFi. Doch nur etwa jede zweite Verbindung funktionierte dann auch wirklich. Dennoch konnten wir zwischendurch immer wieder mit unseren Laptops  skypen, eMails schreiben und vor allem unsere Homepage aktualisieren.

Die besten Verbindungen, die auch mit dem iPhone funktionieren, bieten die Starbucks Coffees. Zu einem guten Cappuccino konnte ich jeweils die eMails sowie die News von 20 Min, Bernerzeitung und Tagesanzeiger herunterladen. Gelesen habe ich die News dann erst später irgendwo unterwegs.

Übernachtungen

Für die Veloetappen planten wir Streckenabschnitte zwischen 60 bis 80 km. Es war jeweils nicht einfach, vorgängig abzuschätzen, wie stark die Steigungen und die Strassenverhältnisse das Vorankommen mit dem Velo beeinflussen werden. Auch der Wind hatte ein wesentliches Wort mitzureden. So mussten wir gelegentlich unsere Pläne den Gegebenheiten neu anpassen. Die Planungsände- rung musste dann zwischen den Velofahrern und dem Camper abgestimmt werden. Dies war nicht immer einfach, doch auch dies schafften wir auf irgendeine Art und Weise.

In Alaska und auf dem Alaska Highway existieren über mehrere 100 km keine Zeltplätze. Zudem war zwischendurch der vorgesehene Campingplatz geschlossen, dies meistens aus wirtschaftlichen Gründen.

Auch das freie Campieren gestaltete sich nicht immer ganz einfach. Oft mussten wir einige Kilometer zurücklegen, bis wir eine Stelle fanden, wo der Camper abgestellt werden konnte. Vorzugsweise etwas abseits, so dass man uns, nachdem wir den Übernachtungsplatz mit dem Velo erreicht hatten, von der Strasse aus nicht sehen konnte. Am idealsten war es an einem Flussufer. Auf dem Dalton Highway war dies umso wichtiger, konnten wir auch gleich die Fahrräder vom klebrigen Schlamm befreien.

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Die schönsten Übernachtungsorte waren für uns eindeutig die State Parks. Viele davon befinden sich im Wald. Die einzelnen Plätze liegen meistens weit auseinander. Holz zum Grillieren steht in einem Schelter zur Verfügung. Die WC-Anlagen sind sauber. Der einzige Nachteil ist, dass es nicht immer Trinkwasser hat und oft auch keine Duschen zur Verfügung stehen.

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Über die Erfahrungen mit den Campingplätzen könnten wir ein Buch schreiben. Es gab Zeltplätze, bei denen funktionierten weder WC noch Duschen. Bei anderen musste der Abfall wieder mitgenommen werden. Doch meistens waren wir froh, einfach an einem Ort im Camper schlafen zu können. Wir trafen aber auch das Gegenteil an. Campingplätze, die sehr günstig waren und die Infrastruktur sich in einem hervorragenden Zustand befand.

Streckenplanung mit dem Velo

Vorweg genommen: Velo fahren hier in Amerika ist viel entspannender, als wir dies erwartet haben. Zugegeben, es gibt Streckenabschnitte auf dem Pannenstreifen von Autobahnen und Fernstrassen, die weniger angenehm sind, doch dies sind eher die Ausnahmen. Über lange Strecken ist das Radeln hier in Amerika nicht viel anders als in Nordeuropa. Ein Unterschied besteht. Die Auto- und Lastwagenfahrer überholen in Nordamerika meistens mit grossem seitlichem Abstand. Oft weichen die Lastwagen und Autos ganz auf die andere Strassenseite aus. Doch keine Regel ohne Ausnahme. So sind zwischendurch prekäre Verkehrssituationen auf dem Velo nie ganz zu vermeiden.

In Alaska und durch den Yukon benötigten wir keine Velokarten. Weiter südlich, da ist es unabdingbar, über gutes Kartenmaterial zu verfügen. Die Outdoor Recreation Maps von Südkanada sind vorbildlich. In den USA sind es die Bicycle Touring Map von der Adventure Cycling Association. Diese Velokarten sind etwas gewöhnungsbedürftig. Sobald wir mit diesen etwas vertraut waren, erwiesen sie sich als unabdingbare Hilfsmittel. Dank diesen Karten konnten wir viele Nebenstrassen und Velowege benutzen. Zudem führten die Maps uns in den Städten durch Aussenquartiere und verkehrsarme Strassen.

Beeindruckend war immer wieder die Spontanität der Kanadier und Amerikaner. Man bot uns Hilfe an. Nicht nur, um uns wieder auf den richtigen Weg zu leiten. Nein, es wurden uns mehrmals Visitenkarten in die Hand gedrückt mit dem Hinweis: „Falls ihr Hilfe benötigt oder eine Unterkunft braucht, zögert nicht, ruft einfach an!  Wir haben genug Platz zum Übernachten."

Welches ist das richtige Velo, die richtige Velobereifung?

Doris und Xavi haben Mountainbikes mit Vollfederung. Barbara und ich haben Longrider (Tourenvelos) ohne Federung. Wir trafen auch Velofahrer an, die waren mit ihren Rennrädern unterwegs. Nichts ist falsch oder richtig. Einzig auf dem Dalton Highway mit seinen teils ruppigen Schotterstrassen sind Mountainbike-Reifen unabdingbar. Sonst haben alle Velomodelle ihre Vor- und Nachteile.

Sicherheit auf dem Velo

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Die zwei wichtigsten Elemente auf unseren Velos waren Leuchtwesten und unsere Rückspiegel. Immer wieder bekamen wir Komplimente, dass wir mit unseren Westen von weitem so gut sichtbar seien. Der Rückspiegel ermöglichte das Abschätzen der heranrollenden Fahrzeuge

und manchmal des heransausenden Xavi.

Der Bären- sowie der Hundespray waren weitere wichtige Tools, die wir nie benötigten, uns aber eine gewisse Sicherheit gab.

Haben sie eine Safeway-Karte?   (Text von Doris)

Natürlich haben wir sie! – nebst mittlerweilen diversen anderen Karten. Im Lebensmittelgeschäft der Safeway-Kette macht uns das Kassenpersonal jeweils auf den, durch die Mitgliedschaft, gesparten Betrag aufmerksam und kreist ihn dick mit Kugelschreiber auf der Quittung an.

. Um die Kundenbindung weiter zu sichern dürfen wir auch noch, unter Vorweisung dieser Quittung, vergünstigt an ihren Tankstellen  Benzin auffüllen.  So geht es weiter mit der „Good Sam“ Karte für Campingplätze, mit der Karte von Drogerien, Ausrüstungs- oder Haushalt-Geschäften.
...bei diesem Einkauf haben wir $ 69.37 bzw. 27 % gespart!

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Und sind wir einmal irgendwo nicht Mitglied  antworten wir auf die Frage nach „Der Karte“ einfach mit: wir sind nur Touristen auf der Durchreise. Sofort gewährt man uns freundlicherweise dennoch den Rabatt. In den Fastfood-Ketten bietet man uns anstelle der bestellten 10 Chicken-Nuggets für nur 30 Cents mehr ganze 20 Stück an! In den vergangenen 7 Monaten haben wir auf diese Weise sicher einige hundert Franken gespart. Wir sehen, auch hier in Amerika geht nichts ohne diese Plastikdinger und wir werden das nächste Mal, wenn wir nach der Coop Super-oder der Cumulus-Karte gefragt werden sicher versehentlich mit „Yes we have“ antworten!

Beeindruckende Preisunterschiede  (Text von Edi)

Mit dem aktuellen Wechselkurs ist Amerika für uns günstig. Überrascht hat uns der grosse Preisunterschied zwischen Kanada und den USA. Kanada ist etwa 20 % teurer.

Hier einige Beispiele:

- Benzin pro Liter: billigste Tankfüllung 62 Rappen, teuerste Fr. 1.45
- Bier (Coors) pro Dose 0,33 l: billigste Dose 28 Rappen; teuerste Fr. 2.15
- Wasser pro Liter: billigstes Trinkwasser 21 Rappen; teuerstes Fr. 2.40

Abschluss "let’s go south"

Noch sind wir nicht zu Hause. Wir sind kurz vor Seattle. Die Velokisten haben wir bereits organisiert. Damit der Abschied nicht zu schwer fällt, lässt es Petrus noch so richtig regnen.

Wir werden gegen Ende Dezember die einzelnen Etappen noch in pdf-Form ins Netz stellen. Dann wird die Homepage „brand-travelbook“ für einige Monate definitiv ruhen, bevor ….

Es ist uns ein Anliegen, uns für die zahlreichen und sehr herzlichen Gästebucheintragungen, die direkten eMails sowie das Interesse an unserer Reise zu bedanken. Wir haben uns über die Einträge sowie alle anderen Kontakte immer sehr gefreut! Somit schliessen wir „let’s go south“ mit einem „MERCI VIU MAU“!