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Freitag, 1. Juni 2012  Auf zur zweiten Etappe

Um 12 Uhr stehen wir an der Bushaltestelle in St. Brévin und warten auf den Bus Nr. 17. Wir haben gestern vorsorglich eine Reservation für 4 Personen, vier Velos und sehr, sehr viel Gepäck aufgegeben. Mit einigen Minuten Verspätung kommt unser Bus. Eine zierliche Chauffeuse steigt aus. Sie schliesst den Bus ab, so dass niemand einsteigen kann, zieht Handwerkerhandschuhe über und kommt zu unseren Velos. Ganz erstaunt ist sie, dass wir unsere Räder hinten selber aufhängen und sichern können. In aller Gemütlichkeit erfolgt dann die Billettkontrolle all der Passagiere und am Schluss steigen wir mit unserem Hab und Gut ein. Erstaunlich, wir sehen fast immer nur Damen, die hinter dem Steuer der grossen Busse sitzen.

Als wir über die Brücke St-Nazaire fahren, wissen wir, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die einzelnen Fahrstreifen sind mit Pflöcken abgetrennt, so dass beim Überholen die Fahrzeuge nicht genügend Abstand hätten nehmen können. Und wer will schon über 4 km hinter vier schwer beladenen Velos nachfahren?

Montag, 4. Juni 2012  Wo sind sie geblieben, die ruhigen Velowege?

Nach dem „Vendée à Vélo“-Radweg  konnten wir im Department Loire Atlantique auf dem ebenfalls neu ausgeschilderten Radweg „Vélocéan“ radeln. Vorbildlich! Die Idee eines departementübergreifenden Radweges entstand vor über 10 Jahren, ist leider noch nicht ganz realisiert. Ob es an der 35-Stundenwoche hier in Frankreich liegt?

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So stehen wir plötzlich vor einem Schild „Ende Vélocéan“. Auf den bisher über 1‘000 km sind wir nur wenige Dutzend Kilometer auf normalen Haupt- und Nebenstrassen geradelt.

Seit drei Tagen versuchen wir nun, auf Nebenstrassen möglichst dem Verkehr zu entfliehen. Neben den Nationalstrassen gibt es Departements- und Gemeindestrassen. Auf den in der Karte weiss eingezeichneten Gemeindesträsschen fährt es sich am angenehmsten. Es ist nicht immer leicht, diese zu finden. Oft sind die Kreuzungen nicht angeschrieben und weisen auch keine Strassennummern auf. Mit Suchen und Fragen geht’s dann weiter. In Auray jedoch gelangen wir nach über einer Stunde wieder zum gleichen Kreisel. Wir radeln nun auf der Hauptstrasse weiter. Doch der starke Verkehr ist für uns ungewohnt und unangenehm. Wieder weichen wir auf ein Nebensträsschen aus. Auch wenn der Weg so länger und hügeliger ist, es lohnt sich immer.

Seit wir in der Bretagne sind begleitet uns starker, böenartiger Wind. Genauer gesagt er begleitet uns nicht, er kommt meistens von vorne oder seitlich. Die Augen sind trotz Velobrillen angeschwollen. Der Wind hat jedoch nicht nur Nachteile. Seit einigen Tagen sind wir von Mücken verschont geblieben.

Dienstag, 5. Juni 2012  Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, … (Eintrag der vier Velos)

Auch das Leben eines Velos ist nicht immer einfach. Wenn wir euch erzählen, wo und wie wir die Nächte auf dieser Reise verbringen mussten, dann könnt ihr dies kaum glauben. Ja, dies ist das Los eines Velos, von Besitzern, die monatelang durch die Welt radeln.

Um unsere Sicherheit wird gesorgt. Wohl weil die Besitzer genau wissen, ohne uns ginge es nicht mehr weiter.

Am einfachsten für uns sind die Nächte auf einem Zeltplatz. Da werden wir an einen Baum gebunden. Der Sattel wird mit einem Plastiksack zugedeckt und wir werden in Ruhe gelassen.

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Es gibt aber auch Nächte, an denen unsere Chefs nicht im Zelt schlafen wollen. Nein, es zieht sie in ein Hotel. Die Qualität der Unterkunft für uns Velos ist dann zweite Priorität. Nachstehend einige Orte, an denen wir die Nacht verbringen mussten.

Mühsam ist, wenn wir die Zimmer mit unseren Chefs teilen müssen. Wir werden ins Zimmer gestellt und stehen immer irgendwie im Wege. Überall wird an uns Wäsche aufgehängt. Die Unterhosen über die Lenkstange, die Leibchen über den Sattel. Das ginge ja

noch. Doch in der Nacht müssen wir das Schnarchen der Männer erdulden.

Es gibt für uns Velos aber auch spannendere Orte:
-         in der Rezeption neben der Empfangsdame
-         in einem separaten Hotelzimmer wir vier Velos ganz allein
-         in einem Fitness-Raum, der in der Vorsaison noch nicht genutzt wird
-         in einem Konferenzsaal, zwischen Tischen und Stühlen
Doch immer steht unsere Sicherheit im Zentrum.

Auch sonst dürfen wir uns nicht beklagen. Die Ketten und Schaltungen werden sporadisch ordentlich gereinigt und geölt. Die Luft in den Reifen kontrolliert. Ihr seht, uns Vieren geht’s nicht schlecht!

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Steindenkmäler der Vorgeschichte

Zu den ungelösten Fragen der Wissenschaft gehört die Deutung der Steinreihen in der Umgebung von Carnac. In verschiedenen Feldern stehen bis zu 1‘000 zum Teil gewaltige Hinkelsteine, sogenannte Menhire. Diese sind in mehreren Reihen angeordnet und ziehen sich auf eine Länge bis zu 2 km hin. Der gewaltigste Hinkelstein ist 6 m hoch.

Die Entstehung dieser verschiedenen Megalithmonumente wird auf die Zeitepoche zwischen 5‘000 bis 2‘000 vor Christi geschätzt.

In der Abendsonne radeln wir entlang dieser Kultstätte.

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Ich geniesse nicht nur das Velo fahren  (Eintrag von Doris)

Wer Meeresfrüchte liebt, weilt hier im Paradies. Austern, bei uns eine teure Delikatesse, schlürft man mit wenig Zitronensaft beträufelt, relativ günstig. Ihr Preis richtet sich nach der Grösse. Die Miesmuscheln werden in einem Sud von Weisswein und Kräutern gekocht und in einem Topf mit einem Teller Pommes frites serviert. Ich habe beide Muscheln ausprobiert. Austern fand ich zarter und schmeckten herrlich nach Meer. Die ebenfalls auf dem Teller liegenden Meeresschnecken ass ich mit Sicherheit das letzte Mal. Xavi kostete auch eine Auster und eine Meeresschnecke. Ich glaube, sie haben seine Geschmacksnerven empfindlich getroffen.

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Gänseleberpastete, Blut- und Kuttelwurst, Ente und verschiedene Fische sind typische Gerichte, die auf jeder Speisekarte stehen. Crêpes, mit Zucker bestreut, mit Nutella oder Fruchtgelee bestrichen, werden als Dessert oder kleiner Snack serviert. Sie waren früher ein Essen für arme Leute, da man nur Mehl und Wasser zum backen benötigte. Wir bevorzugen aber „Gauffre“ (Waffeln), über die Honig oder Konfitüre geträufelt wird. Ein etwas üppiger Imbiss sind die „Galettes“, Omeletten aus Buchweizenmehl, die mit Käse, Schinken, Tomaten und so weiter gefüllt sind.

Was uns sehr erstaunt ist, wie fade gewürzt die französische Küche ist. Zum Glück gibt es Salz- und Pfefferstreuer.

Donnerstag, 7. Juni 2012  wäre ich doch bloss grösser und schwerer …  (Eintrag von Doris)

Ich erinnere mich noch genau. Es ist fast ein Jahr her, als wir in Prudhoe-Bay zu Viert mit den Velos unsere Tour „let’s go south“ starteten und ich gegen den eisigen Wind ankämpfte.

Und auch heute muss ich wieder gegen den unerbärmlichen Wind radeln. Es ist zwar nicht kalt, dafür wird das voll bepackte Rad viel stärker von Windböen erfasst. Der einzige Trost ist, dass es Xaver und Edi nicht viel besser ergeht. Trotzdem sie doch einige Kilogramm schwerer sind, radeln sie wie betrunkene Velofahrer und beanspruchen die ganze Breite des Veloweges beziehungsweise des Pannenstreifens.

Die Pausen erfolgen in immer kürzeren Abständen. Mit einer Banane mobilisiere ich meine letzten Kraftreserven. Wiederum wünschte ich mir, bei diesen extremen Windverhältnissen doch einige Kilogramm schwerer zu sein.

Nach 44 km beschliessen wir, nicht mehr weiterzukämpfen und die Nacht im Künstlerort Pont-Aven zu verbringen. Bei der Ankunft im Städtchen wimmelt es von Touristen. Nach der Dusche und dem Nachtessen haben wir die Gässchen für uns alleine. Genau so wie im Reiseführer beschrieben. All die Tagestouristen und die Cars sind weg. In der Abendsonne wandeln wir auf den Spuren von Paul Gaugin und verstehen nun, weshalb dieser berühmte Maler das Städtchen so geliebt hat.

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Der Fluss, der durch Pont-Aven fliesst, speist 14 Mühlen und ist eine der ganz besonderen Sehenswürdigkeiten dieses Örtchens.

Freitag, 8. Juni 2012   nicht schon wieder! (Eintrag von Xaver)

Nach 1‘300 km geht Doris zum zweiten Mal mit dem Velo zu Boden. Nein, nein, diesmal bin ich unschuldig. Gedrängt vom Strassenverkehr will Doris aufs Trottoir ausweichen. In zu spitzem Winkel fährt sie über den abgesenkten Randstein. Das Vorderrad rutscht weg. Doris purzelt über den Lenker, rollt wie eine Kunstturnerin ab und liegt etwas unbeholfen am Boden. Der aufgeschreckte Hund hinter dem Gartenzaun stürzt herbei und bellt. Auch ein Grosi von nebenan schaut mit besorgter Miene über den Zaun und sagt, „oh là là“. Erleichtert sind wir Fünf (inkl. Grosi und der Hund), als Doris aufsteht und sagt, „hat nichts gemacht“!

Samstag, 9. Juni 2012   nun geht es langsamer voran…(Eintrag von Barbara)

Seit ein paar Tagen ist das Wetter wechselhaft. Regen, Wolken, Wind und ab und zu einige Aufhellungen. Die Sonne zeigt sich für kurze Augenblicke, als wolle sie es mit uns nicht verderben. Der Wind bläst abwechslungsweise von vorne oder seitlich und zwingt uns, zusammen mit der hügeligen Strecke zu kürzeren Tagesetappen. Eigentlich passt dieses Wetter zum rauhen Klima der Bretagne.

Landschaftlich gefällt es uns sehr. Wir vermissen jedoch die ruhigen Velowege. Wir müssen nun meistens auf Haupt- und Nebenstrassen radeln. Die Nebenstrassen sind nicht immer angenehmer. Oft verfügen sie über keinen Pannenstreifen. In der Regel sind die Autofahrer aber rücksichtsvoll. Natürlich gibt‘s auch hier Ausnahmen, wie sportliche Fahrer, die uns auch bei Gegenverkehr überholen. Dann wird es eng, zum Teil sehr eng. Diese Situationen führen jeweils dazu, dass das Velo fahren stressig werden kann.

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  Es ist nicht nur hügelig, sondern hat Steigungen für Fortgeschrittene!

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...und es gibt sie doch, die erholsamen Strecken auf ruhigen Strässchen direkt der Küste entlang. Wir geniessen diesen Abschnitt, auch wenn wir nur 15 km der Hauptstrasse entfliehen konnen.

Sonntag, 10. Juni 2012   verdiente Ruhepause

Wir befinden uns in Audierne in einem kleinen zwei Stern-Hotel direkt am Meer. Da die Wetterprognosen für heute nicht sonderlich erbaulich tönten, haben wir uns entschlossen, einen Tag hier zu bleiben.

In der Nacht, als die Flut kommt, hören wir das Tosen der Wellen. Der Strand ist nur wenige Meter entfernt. Das Fenster ist weit geöffnet und die Rolläden nicht ganz herunter gelassen. Ein herrliches Gefühl, unter der warmen Bettdecke die feuchte Meeresluft zu schnuppern.

Trotz Wind und Regen wandern wir dem Strand entlang. Am Nachmittag holen wir unsere Bücher aus den Saggochen und lesen. Nur wir Vier sind in der Lobby des Hotels. Trotz geschlossenen Fenstern hört man die Wellen, die sich in regelmässigen Abständen am Ufer überschlagen. Genau das richtige Wetter für eine Pause.

Nun bin ich gespannt, wem von uns Vieren zuerst die Augen zufallen.

(Nachtrag von Barbara: Edi war der Erste!)

Montag, 11. Juni 2012   Pointe du Raz, Pointe du Van

Die Wetterprognosen hier in Frankreich sind etwa so präzis wie die in der Schweiz. Nur ein wenig Nieselregen begleitet uns, kein starker Regen wie angedroht. Auch der Wind bläst heute viel zahmer, als wolle er uns das Erreichen der Klippen bei Lescoff erleichtern.

Gestern haben wir beim Spazieren am Hafen Velowegweiser entdeckt. Diesen folgen wir nun, obschon auf der Karte keine durchgehende Strasse eingezeichnet ist. Auf verschlungenen Pfaden führen uns die unzähligen grünen Velowegweiser durch kleine Dörfer, über Felder und entlang der Küste. Bei einem steilen Anstieg müssen wir die Räder schieben. Eine alte Frau bemustert uns. Ihr Gesicht ist gezeichnet vom rauhen Klima hier in der Bretagne. Doch ihr Lächeln ist herzlich. Wir grüssen freundlich. Sie strahlt uns an und meint: „Hart für euch mit all dem Gepäck diese steile Strasse hinauf. Doch ihr müsst dies nur einmal machen. Ich muss diesen mühsamen Weg täglich unter die Füsse nehmen.“

Nach viel Schweiss erreichen wir den Pointe du Raz. Die letzten zwei Kilometer müssen wir die Fahrräder über einen steinigen Feldweg schieben. Nun stehen wir an einem der westlichsten Punkte von Frankreich. Im Hintergrund der Leuchtturm „La Vieille“. Das Wetter hellt sich immer mehr auf.

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Wir radeln vom Pointe du Raz zum zweiten Aussichtspunkt, dem Pointe du Van. Hoch oben über den Klippen können wir das rauhe Meer bestaunen. Die Wellen mit ihren weissen Kronen, die unermüdlich an die Felsklippen schlagen.

Kurz bevor wir unser Hotel erreichen haben sich die letzten Wolken verzogen. Wir geniessen den Abend draussen bei einem Feierabendbier. Unser Hotel liegt direkt an einem Sandstrand zwischen den zwei Pointes, die nur wenige Kilometer auseinander liegen.

Zum Nachtessen gönnen wir uns wieder einmal Fisch, und zwar je einen Sol. Der Preis ist wirklich bestechend. Wir haben nur zu wenig genau die kleine Anmerkung in der Speisekarte gelesen. Die Preisangabe bezieht sich auf 100 gr. So wird unser Abendessen fast drei Mal so teuer als geplant. Dafür werden wir kulinarisch vom Feinsten verwöhnt. Um 22.20 Uhr bestaunen wir den Sonnenuntergang am Meer.

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Dienstag, 12. Juni 2012   erster Plattfuss

Heute tut sich Xaver bei den vielen kleineren Steigungen sehr schwer. Er schiebt dies seiner Morgensteifheit zu. Doch dann stellen wir fest, dass er fast auf den Felgen fährt. Ein kleiner Glassplitter im Mantel hat den hinteren Schlauch beschädigt. Mit voll gepumpten Reifen, meint Xaver, da gehe es doch um einiges leichter.

Der Wind schiebt uns sachte aber stetig voran, so dass wir am späteren Nachmittag die Ortschaft Locronan erreichen. Es soll eines der schönsten französischen Dörfer sein und sei über Jahrhunderte fast unverändert geblieben. Wir schlendern durch die Gässchen. Alles ist sehr touristisch, doch irgendwie müssen die noch etwa 700 Bewohner hier ja auch überleben.

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Die Nacht verbringen wir am Dorfrand in einem alten bretonischen Steinhaus. Wir wollen einmal sehen, ob es hier in der Bretagne in den alten Häusern noch Geister gibt.

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Mittwoch, 13. Juni 2012   bretonisches Bier

In Locronan besuchen wir einen Bierladen. Über 100 verschiedene bretonische Biersorten können wir bestaunen. Merkwürdig finden wir nur, dass wir in den Restaurants fast ausschliesslich Bier vom Fass der grossen ausländischen Hersteller angeboten bekommen.

Beim Fassbier kennt man drei Masseinheiten. „Un formidable“ das entspricht einem Liter, „un sérieux“ einem halben Liter und „un demi“ einem viertel Liter. Warum ein „demi“ ein viertel Liter ist, wissen wir nicht. Für uns nicht so wichtig. Als seriöse Radler haben wir immer „sérieux“ bestellt.

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Donnerstag, 14. Juni 2012  Brest gibt ihr den Rest (Eintrag von Xaver)

Das nun seit Tagen anhaltende Auf und Ab über die bretonischen Hügel findet kein Ende. Eine Windböe in Brest gibt Brösmeli (Doris) den Rest. Der Windstoss wirft sie auf die Strasse. Sie schimpft: „Ich lass das nicht mehr mit mir machen!“ Ich als fürsorglicher Ehemann buche kurzfristig einen Flug nach Hause. Brösmeli wird wieder ihr Glück am heimischen Herd finden und ihren seit langem lädierten Ellbogen zu Hause auskurieren. So endet eine traumhafte Veloreise mit unseren lieben Freunden Barbara und Edi infolge dieser Beschwerden etwas früher als geplant. Ein spezieller Dank geht an Barbara, die immer zuerst beim Sturzopfer war, Doris aufrichtete und psychologische Hilfe anbot. Auch Mechaniker Edi sei Dank, brachte er doch das Velo jeweils wieder in einen fahrtüchtigen Zustand. Mit hochgelagerten Beinen werden wir die Weiterreise genussvoll auf ihrer Homepage mitverfolgen.

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Von Meereshöhe geht's auf und ab!

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  Einfahrt in Brest

Freitag, 15. Juni 2012   über 10‘000 Meerestiere gratulieren Xaver zum 60. Geburtstag

Eine ganz besondere Attraktion von Brest ist das Océanopolis. Wir entfliehen den stürmischen Winden und tauchen in die Unterwasserwelt ein. Zuerst in den Pavillon Polarmeer und anschliessend in die tropischen Gewässer. Dieser Unterwasserzoo mit seinen über 1‘000 verschiedenen Spezien ist spannend und lehrreich. Ausgezeichnet sind die Hintergrundinformationen mit Animationen, Filmen und Erklärungen.

Der eigentliche Höhepunkt des heutigen Tages ist natürlich der 60. Geburtstag von Xaver. Zum Abendessen werden Barbara und ich eingeladen, und zwar bei einem Italiener. Bedienung, Essen, Wein und Dessert bekommen das Prädikat: „Super“. Auf dem nach Hause Weg meint Xaver, in diesem nicht mehr so jugendlichen Alter sei es besser, einen grossen Whisky im Hotelzimmer zu genehmigen und dann in die Federn zu gehen, als noch Besuche bei den umliegenden Bars einzuschalten.

Samstag, 16. Juni 2012   unterschiedliche Interessen

Die Frauen geniessen die lange, verkehrsfreie Lädelistrasse und wir Männer klettern auf der Festung von Brest herum. Diese Festungsanlage wurde mehrmals um- und ausgebaut und wurde in ihrer 1‘700 jährigen Geschichte nie eingenommen. Ganz besonders beeindruckt sind wir vom Schifffahrtsmuseum. Viele interessante Informationen geben uns einen Einblick über die Bedeutung der Schifffahrt für Frankreich. So wissen wir nun, dass für den Bau eines Kriegssegelschiffes mit 74 Kanonen mehr als 3‘000 über 100 jährige Eichen und über 1‘000 Zedern benötigt wurden. Jedes Schiff war ein schwimmender Wald. Viele Schiffe wurden hier in Brest gebaut und dafür wurde der Wald in der näheren und weiteren Umgebung gänzlich abgeholzt.

Auch die mehrjährigen Expeditionen und Entdeckungsreisen waren zu den damaligen Zeiten mit enormem Aufwand verbunden. Der Aufwand sei gleichbedeutend mit dem einer Mondmission in der heutigen Zeit.

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Brest hat sonst nicht viel Charme. Um es mit Xavers Worten zu sagen: „Brest hat etwa so viel Flair, wie eine Tiefgarage“.

Die zweite Nachmittagshälfte wird für die Zerlegung und Verpackung der Velos von Doris und Xaver benötigt. Nun stehen die Veloschachteln verklebt und angeschrieben in einem Hauseingang neben dem Hotel. Morgen früh geht es auf den Flugplatz und zurück in die Schweiz.

Barbara und ich werden nun alleine weiter pedalen. Wir hoffen, dass der stürmische Wind etwas nachlässt. Heute werden wir zu Fuss durch die starken Windböen mehrmals fast weggeblasen. Mit dem Velo wird die Herausforderung noch einiges grösser sein. Doch ein Sprichwort hier sagt: „Der Wind ist die Seele der Bretagne“.

Wir gehen nun zum letzten Abendessen zu Viert und lassen die gemeinsam abgestrampelten 1‘455 km noch einmal Revue passieren.

Sonntag, 17. Juni 2012 Abreise nach Programm, oder doch nicht?

Eigentlich ist es normal, wenn Doris und Xaver auf Reisen sind, dass immer etwas schief geht. So auch diesmal. Der Hotelmanager hat gestern beim Spezialtaxidienst nochmals zurück versichert, dass es mit dem Spezialtransport der Velokisten wirklich klappe. Um 9 Uhr werdet ihr abgeholt, hat er gestern Xaver noch erklärt.

Nun ist es bereits 9.15 Uhr und die etwas schüchterne Dame an der Rezeption versucht, den Taxiservice zu erreichen. Sie weckt diesen aus dem Schlaf. Er verspricht, dass ein Kollege komme. Die Zeit vergeht und es wird zeitlich eng. Da kommt endlich das Taxi. Es handelt sich um einen Van. Doch die Sitze können nicht herunter geklappt werden. Die Kopfstützen werden abmontiert und eine Veloschachtel über die Sitze geschoben. Die zweite hat natürlich keinen Platz mehr. Sie wird hinten hineingeschoben, so dass ein Drittel hinaus ragt. Das Ganze nicht gesichert, dazu reicht die Zeit nicht mehr. So fahren Doris und Xaver zum Flughafen.

Erleichtert vernehmen wir, dass es gereicht hat. Es habe sich jedoch nur um Minuten gehandelt.

Damit es nicht zu langweilig wird, habe es noch einige Turbulenzen während des Fluges nach Hause gegeben ( Luftloch oder Ausweichmanöver?)

Letzte Meldung: Doris und Xaver sind gut in Gattikon angekommen. Anstelle am Morgen die Räder zu bepacken und in die Pedale zu treten sitzen sie auf ihrem Balkon, lesen den Tagesanzeiger und geniessen an der Sonne das heimische Frühstück, vor allem den feinen Kaffee.

… über 28 Grad!

Auf weissen Nebensträsschen suchen wir den Weg aus Brest Richtung Norden. Mehrmals werden wir von einigen Regentropfen begrüsst. Doch nach wenigen Minuten trocknet der Wind diese jeweils wieder. Bis dann am Nachmittag das Wetter gänzlich umschlägt. Zuerst einmal mehr einige Regentropfen, denen wir keine grosse Beachtung schenken. Doch der Regen wird immer stärker. So verpassen wir den Augenblick, zur richtigen Zeit unsere Regenmontur anzuziehen. Innen nass und aussen nass erreichen wir gegen Abend die Hafenstadt Roscoff.

Nun sitzen wir im Zimmer des „Hôtel du Centre“. Die 2-Sterne-Hotels in der Altstadt sind immer sehr klein. Noch kleiner, wenn nachträglich WC mit Dusche im Zimmer eingebaut wurden. So wird es jeweils zu einer Herausforderung, in diesen kleinen Zimmern unsere 8 Saggochen, den Zelt- und den Mättelisack sowie die drei Rucksäcke zu plazieren. Wenn wir wie heute gänzlich durchnässt in ein so kleines Zimmer kommen, da wird die Herausforderung nochmals grösser.

Heute haben wir Glück. Es hat im Zimmer einen funktionierenden Heizkörper und im Badezimmer einen Heizföhn. So können wir die Temperatur des Zimmers auf 28 Grad erhöhen. Dies ist die einzige Möglichkeit, all unsere nassen Sachen trocken zu kriegen. Wir sitzen in den Unterhosen und hätten es eigentlich gerne etwas kühler. Doch die nassen Kleider haben heute Priorität. Zum Schlafen werden wir natürlich die Fenster öffnen, die Heizungen abstellen und die kühle Regenluft wieder geniessen.

Montag, 18. Juni 2012  nach dem Regen scheint die Sonne

In der Nacht sind all unsere Kleider wieder trocken geworden. Durchs Fenster scheint die Sonne. Es ist eben doch so, bei Sonnenschein sieht eine Stadt ganz anders aus. Bevor wir weiterfahren, schalten wir eine kurze Stadtbesichtigung ein.

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Nun radeln wir weiter auf dem Veloweg „Voies vertes“. Das Sonnenspiel mit den Wolken verleiht der Küste einen speziellen Charme. Doch die Steigungen auf Anhöhen und dann wieder runter auf Meereshöhe machen uns mit der Zeit stark zu schaffen. Es hat so steile Anstiege, da können wir nicht mehr pedalen. Wir müssen die bepackten Velos schieben.

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Am Nachmittag erreichen wir den Pointe du Diben. Auf einem Bunker aus dem zweiten Weltkrieg können wir unsere Räder abstellen und den herrlichen Ausblick auf die Baie de Morlaix geniessen. Auf der anderen Seite des Meerbusens sehen wir die Städte Roscoff und St-Pol-de-Léon. Die Luftlinie zur Stadt Roscoff beträgt etwa 7 km. Mit all den Umwegen um die Buchten benötigten wir dafür über 53 km.

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Die Strecke ist wirklich wunderschön. Wir sind fast allein unterwegs. Doch irgendwann sagt Barbara: „Ich kann diese Klippen und die tolle Aussicht gar nicht richtig geniessen, ich bin einfach zu kaputt“.

Nun befinden wir uns in Locquirec in einem Hotel, welches über unserem Standard liegt. Es ist jedoch noch das einzige Hotel. Nach dem Nachtessen fällt Barbara in einen tiefen Schlaf.

Dienstag, 19. Juni 2012  Frankreich gegen Schweden (Eintrag von Barbara)

Heute entscheide ich: Wir nehmen nicht die Strecke der Küste entlang, sondern den Weg auf Nebensträsschen durchs Landesinnere. Diese Strecke ist leider nicht weniger hügelig. Die Dörfer sehen alle ähnlich aus. Im Zentrum steht stolz die Kirche, die für die paar Häuser etwas zu mächtig erscheint. Daneben befindet sich auf dem Dorfplatz das Gemeindehaus. Das Zentrum ist sauber und gepflegt. Doch die Dörfer scheinen wie ausgestorben. Nur selten finden wir einen Laden, um etwas einkaufen zu können. Das Lädelisterben ist hier anscheinen bereits abgeschlossen. Dennoch staunen wir immer wieder über die schmucken Steinhäuser, die wir antreffen.

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Im Hafenstädtchen Tréguier suchen wir in der Altstadt ein kleines Hotel. Das Wetter fürs Zelten ist noch zu unbeständig. Zudem zehrt der Wind stark an unseren Kräften. Wir steigen im Hôtel „Le St-Yves“ ab, ein Familienbetrieb mit nur wenigen Zimmern und einer Bar. Die Wirtin entschuldigt sich, dass es im Zimmer keinen Fernseher hat. Heute spiele ja Frankreich, doch gegen wen konnte sie uns nicht sagen. Wir beschliessen, den Match in der Bar zu verfolgen. Weit spannender als das Spiel ist das Beobachten der einheimischen Gäste. Wir sind die einzigen Touristen. In der Mitte steht ein Billardtisch, an welchem ein junges Pärchen spielt. Der Jüngling ist nicht mehr so standfest und trifft selten die Kugel. Ältere Männer sitzen hinter ihrem „Demi“ und verfolgen das Spiel. Am Interessiertesten ist jedoch der Wirt, der hinter der Theke lautstark seinen Kommentar abgibt. Neben uns sitzt ein älterer Mann und blättert in einem Heft. So auffällig, als wolle er zeigen, dass ihn das Spiel nicht im Geringsten interessiert.
Nach der Halbzeit verabschieden wir uns. Wer den Match gewonnen hat, wissen wir noch nicht. Dies ist mir jedoch „Wurst“!

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Tréguier

Mittwoch, 20. Juni 2012  …getrübte Stimmung bei Frankreich und bei uns …

Die Niederlage gestern gegen Schweden hat Frankreich tief getroffen. Es ist im Frühstücksraum in der Bar das Thema.

Wir haben andere Sorgen. Das Fahren auf den Hauptstrassen wird immer mühsamer. Es fehlen Pannenstreifen und die Autos, Lastwagen und Camper huschen teilweise sehr nahe an uns vorbei. Dies ist sehr unangenehm. Wenn immer möglich versuchen wir, auf die weissen Strässchen auszuweichen.

Wir wünschten uns, einmal einige Kilometer einfach geradeaus radeln zu können. Es geht immer berg auf, dann steil hinunter, und die nächste Steigung steht schon wieder vor uns. Der Wind ist nur selten auf unserer Seite und das Wetter fühlt sich eher wie Spätherbst an. Doch so schnell geben wir nicht auf. Wir sind überzeugt, dass wieder interessantere und ruhigere Streckenabschnitte kommen werden.

Donnerstag, 21. Juni 2012   Regen, Wind, Sonne

Wir ziehen unsere Regenkleider an, doch beim Start sieht es danach aus, als könnten wir doch ohne Regenmontur los fahren und verstauen diese wieder in den Saggochen. Wir kommen genau 2,3 km weit, dann beginnt der Dauerregen. In der ersten Stunde finden wir das Prasseln der Regentropfen auf die Kapuze noch angenehm. Doch irgendwann ist die „Romantik“ vorbei.

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Wir wollen heute konsequent die Hauptstrasse meiden und radeln auf den in der Karte eingetragenen weissen Strässchen. Es geht stets bergauf und dann wieder steil hinunter. Mehrmals landen wir bei einer Bucht und der Weg endet im Meer. Die Beschilderung fehlt hier gänzlich.

Um die Mittagszeit fliehen wir vor dem Regen in einen „Super U“. Dies ist eine Einkaufskette, die mit der Migros oder dem Coop vergleichbar ist. Dieser Einkaufsladen verfügt hier sogar über ein Restaurant und wir können am Trockenen eine Pizza verzehren.

Gestärkt kehren wir zu unseren Rädern zurück. Nun scheint die Sonne aber es herrscht starker Wind. Dennoch beschliessen wir, zum Cap Fréhel zu radeln. Wir haben Rückenwind und werden nicht nur zum Cap geblasen, nein wir werden förmlich geschoben. Die Klippen mit dem tiefblauen Meer sehen fantastisch aus Wir sind froh, diesen Umweg in Angriff genommen zu haben.

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Auf dem Rückweg dient uns der Wind natürlich nicht mehr als Helfer und Schieber. Doch dies wussten wir ja.

Unterwegs steht auf der Strasse ein Mobilhome. Der Fahrer hat irgendwie eine Böschung tangiert und die hintere Abdeckung halb weggerissen. Mit unserem Superkleber kann ich die Plastikabdeckung kleben und an der Rückwand fixieren. Staunend und dankbar nimmt er unsere Hilfe entgegen. Dies ist das erste Mal, dass ich einem Camperfahrer meine Hilfe anbieten konnte. Bis jetzt habe ich mit meinem Wunderwerkzeugkasten nur Velofahrern helfen können.

Zwischendurch regnet es immer wieder. Wir wollen deshalb einmal mehr nicht zelten, sondern in einem Hotel übernachten. Doch in den verschiedenen Dörfern treffen wir auf Hotels, die geschlossen sind. Entweder sind Türen und Fenster mit Brettern zugenagelt, oder es steht ein grosses Schild an der Wand „Zum verkaufen“. So landen wir schliesslich am feinen, weissen Strand der Stadt St-Cast-le-Guildo. Wir sitzen in einem Zimmer mit Blick aufs Meer. Die Sonne scheint wieder und es gibt einen fantastischen doppelten Regenbogen. Bei unserer Trocknungsaktion haben wir nun ja gewisse Erfahrung.

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so sieht es in unserem Hotelzimmer aus, wenn als getrocknet werden muss!

Samstag, 23. Juni 2012  Saint-Malo (Eintrag von Barbara)

Wir geniessen den heutigen Ruhetag. Die Sonne scheint und wir können auf dem Place de Chateaubriand frühstücken. Die umliegenden Häuser bieten Schutz vor dem Wind. Ich geniesse die wärmende Sonne einmal ohne Wind und ohne Velokleider. Ein herrliches Gefühl!

Bei einem ausgiebigen Bummel auf den mächtigen Stadtmauern und durch die alten Gässchen lassen wir das „alte Saint-Malo“ auf uns wirken. Tausende Touristen sind bereits unterwegs. Wie muss dies hier wohl in der Hochsaison aussehen?

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Am Abend lese ich über die Geschichte dieser bedeutenden bretonischen Stadt. Dabei muss ich Edi aufklären, dass er gar nicht auf Jahrhundert alten Mauern die Aussicht über die Bucht genossen habe. Auch diese Stadt wurde 1944 durch die Alliierten zu 80% zerstört. Nach dem Krieg wurde diskutiert, die Ruinenstadt als Mahndenkmal stehen zu lassen, einen modernen Stadtteil aufzubauen oder den Wiederaufbau der Altstadt nach den alten Plänen vorzunehmen. Die Bevölkerung entschied sich für die dritte Variante.

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                                                         Ebbe und Flut

Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt hier zur Zeit über 9 Meter. Bei Ebbe sieht man das Schwimmbassin mit dem Sprungturm, bei Flut nur noch die Spitze des Sprungturms. Bei Ebbe besteht die Möglichkeit, trockenen Fusses zur angrenzenden Insel "Grand Bé" zu gelangen.

Sonntag, 24. Juni 2012   Ein verregneter Sonntag

Heute Morgen starten wir bei leichtem Regen. Doch nur für kurze Zeit, dann setzt ein heftiger Dauerregen ein. Dennoch kann ich Barbara motivieren, dass wir die Küstenstrasse über den Pointe du Grouin fahren. Am Cap setzen wir uns unter die Sonnenstore des Restaurants und geniessen einen herrlichen Cappuccino mit viel Rahm und sehr viel Zucker. Die Velos lassen wir im Regen stehen. Vom Trockenen sieht die verregnete Klippenlandschaft mit der Insel „des Landes“ äusserst romantisch aus.

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Kurz nach der Stadt Cancale verändert sich die Landschaft. Wir pedalen entlang der Baie du Mont Saint-Michel. Die Klippen sind weg. Der Strand ist ganz flach. Keine Steigungen mehr, so dass wir flott vorankommen. Dies wäre eine schöne Gegend, doch nicht jetzt. Der Regen vermischt sich mit Nebel. Die überholenden Autos spritzen uns zusätzlich mit Wasser an. Wir können gar nicht erkennen, ob nun Ebbe oder Flut herrscht.

Bei einem Kurzstopp meint Barbara, dass sie glaube, dass zwischen ihren Fingern langsam Schwimmhäute wachsen würden. Damit diese Bedenken rasch entkräftet werden können, beenden wir unsere heutige Tagesetappe im Örtchen Quatre Salines, drei Kilometer vor der Grenze zur Normandie.

Über 1‘000 km sind wir nun entlang der Küste und durch die Campagne der Bretagne geradelt. Hier endet nun diese Etappe mit einem Kurzeintrag als Nachlese.

Kurznachlese zur Bretagne

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Vor wenigen Tagen: Wir sitzen in einem Restaurant und bestellen unsere „Kohlenhydrate“. Es ist eng bestuhlt und so kommen wir mit den anderen Gästen, wie so oft, rasch ins Gespräch. Nach einigen Sätzen folgt immer die gleiche Frage, woher wir kämen. Der Mann am Nebentisch sagt danach zu uns: „Und ich bin Bretone, nicht Franzose“ und schmunzelt dazu.

Auf Plätzen oder vor den Häusern wehen oft nicht die französischen, sondern die bretonischen Flaggen. Die Orte sind französisch und bretonisch angeschrieben.

Doch sonst stellen wir keinen Unterschied zu den übrigen Franzosen fest.

Die Eindrücke und Erfahrungen, die wir entlang der bretonischen Küste und durch die Campagne radelnd gemacht haben, sind für uns zwiespältig. So erlebten wir auf Nebensträsschen entlang der Küste und durch das Hinterland immer wieder tolle Streckenabschnitte. Von vielen Aussichtspunkten bestaunten wir die Klippen und das rauhe Meer. Doch bis auf wenige Ausnahmen fehlen die Velowege und auch die Beschilderung wurde in den letzten Tagen immer mangelhafter. Zudem mussten wir öfters für einige Kilometer auf die Hauptstrassen ausweichen. Diese verfügen nur selten über einen Pannenstreifen und sind zum Teil eng. Obschon die Auto- und Lastwagenfahrer rücksichtsvoll überholen, gibt es auch hier immer wieder Ausnahmen. Dies stresst vor allem Barbara. Besonders prekär war für uns die Einfahrt über die Brücke „Barrage de la Rance“ mit der nachfolgenden starken Steigung nach Saint-Malo. Eine 4-spurige Schnellstrasse, die mit einer Betonwand von einem Meter Höhe abgegrenzt ist und über keinen Pannenstreifen verfügt. So pedalten wir eingeklemmt zwischen der Wand und den an uns vorbeifahrenden Autos. Bergauf werden wir noch langsamer und die Fahrzeuge huschen noch rascher an uns vorbei. Dies waren unsere drei schrecklichsten Velokilometer hier in Frankreich. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt: Wir haben uns erkundigt, ob wir mit den Rädern auf der Schnellstrasse fahren dürften und ob dies gefährlich sei. Uns wurde versichert, es sei kein Problem, einfach etwas eng und man müsse gut aufpassen. Genauer gesagt, eigentlich müssen die andern auf uns aufpassen!

Fantastisch ist der Fernwanderweg GR 34, der über 1'700 km entlang der Küste der Bretagne führt. Weit über Tausend Kilometern schlängelt sich dieser Weg über die Klippen, dann wieder hinunter in Buchten und durch Fischerdörfer. Die Beschilderung dieses Wanderweges ist ausgezeichnet. Sogar in der Strassenkarte 1 zu 100‘000 sind all die Fernwanderwege als GR eingezeichnet. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass wir mehr Wanderer mit ihren zum Teil grossen Rucksäcken antreffen, als Velofahrer mit Vollpackung. Wir haben auch ein paar Kilometer zu Fuss auf diesen Wegen zurückgelegt. Trotzdem, wir bleiben beim Velo fahren.

klippen_mit_dem_wanderweg_gr_34.jpg

Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Erlebnisse von unserer „Tour de Bretagne“ und dies trotz Regen, Wind und vielen Steigungen. In der Sommersaison würden wir jedoch jedem Langstreckenradler dringend abraten, diese Tour entlang der Küste unter die Räder zu nehmen.

Nun lassen wir uns von der nächsten Etappe entlang der Küste der Normandie überraschen.

 

zum Reisebericht:   3. Etappe: Durch die Normandie