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Dienstag, 14. August 2012   Zur fünften Etappe gestartet

Wäre da nicht die Sprache, so hätten wir den Übergang von Holland nach Deutschland kaum bemerkt. Die Wegmarkierungen sind zwar etwas lückenhafter, doch immer noch ganz ordentlich. Die Landschaft mit den grossen Getreidefeldern und den Wäldern unterscheidet sich nicht. Auch die Dörfer mit ihren rotbraunen Backsteinbauten sehen hier wie drüben gleich aus.

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Nach wenigen Kilometern treffen wir auf ein Dutzend ältere Herren. Alle sind mit dem Rad unterwegs, besser gesagt in einer Waldlichtung auf einem Velorastplatz. Als sie uns sehen stehen sie mit ihren Bierflaschen in der Hand auf den Veloweg. Wir wissen, ohne eine kleine „Plauderstunde“ kommen wir nicht vorbei. Es sind immer die gleichen Fragen: Weshalb wir so viel Gepäck mit uns herumschleppen, woher wir kämen, wohin es gehe und wie lange wir bereits unterwegs seien. Einer der Männer fragt, weshalb wir eigentlich nur Wasser bei uns hätten? Eigentlich schätzen wir diese kurzen Begegnungen. So kommen wir oft zu interessanten Informationen über Strecke und Sehenswürdigkeiten. Zudem sind diese Gespräche immer mit viel Humor begleitet. Heute ganz besonders, da die Herren schon richtig in „Fahrt“ sind, nicht auf dem Velo, nein im Bier trinken. Wir benötigen mehrere Anläufe, bis wir endlich weiterfahren können.

Nach etwas mehr als 100 km erreichen wir die Stadt Münster. In der Abendsonne geniessen wir die „währschafte“ deutsche Küche.

Mittwoch, 15. August 2012  „Ein velofreier Tag“

Heute gönnen wir uns und den Velos einen Ruhetag. Eigentlich sollten wir die Stadtbesichtigung von Münster mit dem Velo unternehmen. Münster verfügt über ein ausgezeichnetes Velonetz. Eine ehemalige Wallanlage um die Altstadt wurde zu einer Ringstrasse umgebaut, welche nur Radfahrer benützen dürfen. Die Stadt wurde vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) als velofreundlichste Stadt Deutschlands ausgezeichnet. Die rund 280‘000 Einwohner haben über 500‘000 Leeze, wie die Bewohner von Münster ihre Velos nennen. Täglich sind mehr als 100‘000 Stadtbewohner mit ihren Rädern unterwegs.

Doch Münster hat mehr zu bieten als nur Velos. Diese Sehenswürdigkeiten entdecken wir für heute aber zu Fuss. Auch diese Stadt wurde im 2. Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Über 80 % der Altstadt wurde durch Bombenangriffe zerstört. Nach alten Bauplänen ist die Stadt wieder aufgebaut worden, so dass wir Häuser bestaunen können, die aussehen, als stünden sie bereits mehrere hundert Jahre.

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Prinzipalmarkt mit Lambertikirche in Münster

Donnerstag, 16. August 2012   Auf dem Velo erlebt man vieles intensiver!

Heute Morgen frühstücken wir in einer der vielen Konditoreien, die es hier in Münster gibt. Wir wählen die ausführliche Version: Vier Brötchen nach Wunsch, Butter, Konfitüre, Eier, Käse, Salami und Aufschnitt. Dazu je ein Glas Orangensaft und ein Cappuccino. Dies kostet pro Person sage und schreibe Fr. 5.07. Da staunen wir einmal mehr, wie günstig das Essen hier in Deutschland ist. Noch vor wenigen Tagen haben wir in Holland für ein ausgiebiges Frühstück pro Person Fr. 24.-- bezahlt.

Auf den Feld- und Wiesenwegen können wir oft nebeneinander fahren. Diese Zeit nutzen wir, um über Gott und die Welt zu diskutieren und zu philosophieren. Die Gegend der letzten drei Tage ist unspektakulär und sieht eigentlich immer gleich aus. Als wir wieder einmal neben einem Bauernbetrieb vorbei radeln frage ich Barbara, über was wir heute eigentlich schreiben könnten. Die Antwort kommt spontan: „Über die vielen verschiedenen Gerüche“.

Eine gute Idee. Auf dem Velo empfindet man Wind, Wetter, Geräusche und Gerüche intensiver als in einem Auto. Heute ist es nicht der Wind, denn der schiebt erstmals seit langem von hinten. Nein, es sind die landwirtschaftlichen Düfte in all ihren Ausprägungen. Jeder Bauernbetrieb scheint hier seine eigene Schweinemästerei zu betreiben. Dies riecht man bereits 5 Minuten vor und 5 Minuten nach den Gutsbetrieben. Je nachdem wie der Wind weht, kann sich das „Vor- und Nachher“ etwas verschieben. Zudem scheint heute „Gülleverteiltag“ zu sein. Traktore mit ihrem stinkenden Material überholen uns oder kommen uns auf den schmalen Strässchen entgegen oder verteilen ihre „Ware“ auf den Feldern. Je nach Windrichtung sticht auch dieser Duft teilweise kräftig in die Nase.

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Auch wenn die Gutsbetriebe sehr schön aussehen, der Geruch ist oft der gleiche....

Angenehmer, doch nicht weniger intensiv ist der Geruch des Staubes, wenn die grossen Dreschmaschinen entlang des Veloweges das Getreide ernten. Der feine Staub hüllt die Umgebung in eine gelbliche Wolke ein.

Ist doch auch ganz toll, wenn man sich über die Kleinigkeiten freuen oder aufhalten kann, sei es auch nur über Schweinegestank.

Unser Zimmer im Appelbaum Hotel hier in Gütersloh riecht jedoch ausgezeichnet. Kein Wunder, befindet sich doch in dieser Stadt der Hauptsitz von Miele!

Freitag, 17. August 2012  Externsteine

Wir sind nicht unglücklich, führt der Radweg durch viele schattenspendende Wälder. Der Velotachometer zeigt auch im Wald noch 29 Grad an. Die Strässchen sind zwar etwas holprig, dafür umgibt uns viel Natur. Wir kommen bei einer über 1‘000 jährigen Eiche vorbei. Wie alt diese genau ist, könne nicht bestimmt werden, doch einige 100 Jahre älter als die in der Umgebung gegründeten Dörfer und Städte.

Wenige Kilometer später sind wir vor dem Jagdschloss Holte-Stukenbrock. Der Prachtbau ist von einem breiten Wassergraben umgeben. Bestaunen können wir dieses aus dem 17. Jahrhundert stammende Schloss nur von aussen. Wie viele Schlösser ist auch dieses in Privatbesitz.

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Nun wird es immer hügeliger. Dies ist eine willkommene Abwechslung nach den langen „Flachlandtagesetappen“.

In Holzhausen beschliessen wir, in der Pension „Waldesruh“ abzusteigen. Nach einer Bierpause geht’s zu Fuss durch das Naturschutzgebiet Bärenstein zu den Externsteinen. Barbara ist zwar nicht begeistert, nun noch einige Höhenmeter zurücklegen zu müssen. Doch als wir die Externsteine erreichen, findet auch sie es gut, diesen Abstecher als Ausgleich zum Pedalen unternommen zu haben. Die Sonne steht schon tief. Intensiv werden die mehrere Jahrtausende alten Gesteinsformationen beschienen. Auf einer schmalen in den Stein gehauenen Treppe erklimmen wir einer der bis zu 38 m hohen Sandsteine und geniessen die Fernsicht über den Teutoburger Wald zum Eggegebirge.

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Diese Wanderung hat sich wirklich gelohnt. Auch wenn wir müde in die Pension zurückkehren. Nach einer erfrischenden Dusche geniessen wir den Abend in einem Biergarten am Waldrand.

Samstag, 18. August 2012  Überhitzte Motoren

Bereits am Morgen ist es herrlich warm. Die Strecke führt wieder viel auf Naturstrassen durch das hügelige Gelände. Das „Auf“ treibt den Schweiss aus allen Poren. Das „Ab“ dagegen ist herrlich erfrischend.

So geniessen wir diese Abwechslungen. Doch kurz nach Mittag sind unsere Motoren überhitzt. Wir beschliessen spontan, in der Stadt Höxter die heutige Etappe zu beenden, die Räder in einen schattigen Unterstand zu stellen und uns eine kühle Erfrischung zu gönnen.

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Die Stadt Höxter hat eine interessante Geschichte. Über mehrere Jahr- hunderte stand Höxter mit dem Kloster Corvey in Konkurrenz. Ein langer Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht. Höxter entwickelte sich prächtig, bis zum 30-jährigen Krieg. An einem einzigen Tag wurden mehr als 1‘000 Bewohner abgeschlachtet. Zudem wurde vielen Leuten die Zunge herausgeschnitten, damit sie nicht über diese Greueltaten berichten konnten. Das Kloster Corvey hatte wieder das Sagen.

Heute sieht diese Touristenstadt sehr friedlich aus. Viele prächtige Riegelbauten säumen die Strassen im Stadtkern. In der Altstadt geniessen wir diesen Hitzeabend. Dank den kühlen Hellen doch ganz erträglich, nein, eigentlich sehr angenehm.

Sonntag, 19. August 2012  Hitzerekord (Eintrag von Barbara)

Bei herrlichem Wetter radeln wir weiter auf dem Weser-Damm. Ich gebe zu, entlang eines Flusses pedalen zu können, finde ich immer abwechslungsreich und entspannend. Doch leider ist diese Wellness-Etappe rasch vorbei und wir verlassen das Flusstal.

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Nun geht es hoch. Das Thermometer und der Radweg. Der Velocomputer steigt bis auf 39 Grad. Die Dörfer sind wie ausgestorben. Auf den Feldern rattern überall Dreschmaschinen, um das Korn noch vor den angekündigten Gewittern einzufahren.

Bei der Stadt Einbeck haben wir für heute genug Sonne. Einbeck ist die Bierstadt von Deutschland. Somit kann ich Edi überzeugen, dass dies ein guter Ort ist, hier am heissesten Tag des Jahres abzusteigen.

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Die Altstadt ist ebenfalls wie ausgestorben. Viele Biergärten sind geschlossen. Es ist allen einfach zu heiss. Erst am Abend kommt Leben in die Stadt. Im 17. Jahrhundert gab es in der Stadt über 750 Bürgerbrauhäuser. Wir unternehmen keine Degustationstour und begnügen uns mit

einem hellen „Einbecker“. Natürlich gönnt sich Edi mehr als nur eines.

Es gibt Tage, an denen die Übernachtungsplätze spannender als die Tagesetappen sind. So auch in Einbeck. Wir übernachten in einem der Bürger-Brauhäuser. Die Fahrräder schieben wir durch den runden Bogen der Toreinfahrt. Unter dem hohen Dachbereich wurde früher der Hopfen gelagert. Nun ist dieser Bereich die Garage für unsere Fahrräder. Nicht weniger spannend sind die anschliessenden Räumlichkeiten. Museum und Hotel vermischen sich. Wir beziehen unser winzig kleines Zimmer im zweiten Stock, früher ohne Toilette und Dusche. Nun sind diese ins Zimmer gestellt worden. Somit ist es noch enger um die Betten. Doch uns gefällt dieser ganz spezielle Ort.

Montag, 20. August 2012   Am Rande des Harzgebirges

Zusammen mit zwei urchigen Motorradfahrern scheinen wir letzte Nacht die einzigen Gäste gewesen zu sein. Auf unserem Tisch hat die betagte Wirtin aufgedeckt, als müsse eine ganze Schulklasse verpflegt werden. Neben dem grossen Fleischteller liegt eine Rolle Alufolie. Die Wirtin sagt zu uns: „Den Rest könnt ihr einfach in die Folie einpacken und mitnehmen“. Also streichen wir mit all den Wurstwaren vier Sandwichs, packen noch die Joghurts ein und haben so bereits unser Mittagessen. Die Gastfreundlichkeit in den familiären kleineren Hotels und Pensionen ist einmal mehr eindrücklich.

Die Strecke führt nun entlang des Harzgebirges. Es ist noch hügeliger geworden. Obschon es weniger heiss ist, die Feuchtigkeit ist massiv höher. Es ist wunderschön aber anstrengend.

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An diesen heissen Tagen gehen sogar die Skulpturen baden (Kunstausstellung im Klostergarten Brunshausen)

Nun befinden wir uns in Goslar, Unesco Weltkulturerbe und Mittelalterstadt. In unserem Zimmer zeigt das Thermometer jetzt genau 29 Grad an, und dies um 22:00 Uhr. Es ist gut so, denn es ist ja noch Sommer und die nassen und kälteren Tage kommen bestimmt. So geniessen wir den Augenblick trotz der Schweissperlen, die überall vom Körper herunter kugeln.

Dienstag, 21. August 2012  Glück auf!

Glück auf, dies ist die Begrüssung unter den Bergwerksleuten. Heute tauschen wir die Velohelme mit Bergwerkshelmen. Um 10.45 h steigen wir mit einer Führerin in den Roederstollen des Rammelsberges. Angenehme 10 Grad umgeben uns. Bis 136 m steigen wir unter Tag. Originalwasserräder, die als Antrieb für das Heben der Erze aus dem Schacht dienten, sind noch vorhanden und eines dieser Räder mit einem Durchmesser von mehr als 8 Metern wird angeworfen. Heute ist unklar, wie die Bestandteile dieser riesigen Wasserräder durch die engen Stollen hineingebracht worden sind. Wir erleben eine ausgezeichnete Führung mit vielen Informationen über das karge und gefährliche Leben der Bergbauarbeiter.

Mehr als 1‘000 Jahre wurde am Rammelsberg ununterbrochen Bergbau betrieben. 27 Millionen Tonnen Kupfer, Blei und Zinkerze sollen in dieser Zeit gefördert worden sein. 1988 wurde der Betrieb eingestellt. So entstand eines der grössten und originellsten Industriemuseen der Welt, das von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

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Am Nachmittag besichtigen wir die Altstadt Goslar, die vor rund tausend Jahren die Kaiserstadt war. Nebst 1‘500 Fachwerkgebäuden sind viele weitere imposante Bauten zu bestaunen.

Mittwoch, 22. August 2012  Der eiserne Vorhang

Kurz nach Mittag überqueren wir bei Eckertal die Innerdeutsche Grenze. Es ist bereits das vierte Mal, dass wir mit dem Velo diese frühere Grenzlinie passieren. Auch wenn der „Eiserne Vorhang“ nun seit über 22 Jahren gefallen ist, so bleibt dieser Grenzstreifen, der früher Deutschland von der DDR trennte, beeindruckend. Entlang der Grenze gab es eine breite Pufferzone, eine sogenannte Sperrzone. In diesem Steifen, der beide Länder teilte, konnte sich die Natur und Tierwelt ohne menschliche Einflüsse entwickeln. Dieses grüne Band, welches sich von der Ostsee durch ganz Deutschland erstreckt, ist heute ein beliebtes Wander- und Radlergebiet. Der Radweg Innerdeutsche Grenze führt entlang dieser Grenzlinie.

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Auf einer Kopfsteinpflaster-Strasse erreichen wir das etwas abseits liegende Kloster Michaelstein. Spontan beschliessen wir, hier, umgeben von Wald und der Stille des Harzes, zu übernachten. Nun sitzen wir im Garten. Barbara plant in der Abendsonne die weitere Etappe. Sie interessiert sich vor allem um die noch anstehenden Höhenkurven. Ich schreibe am Schatten die Erlebnisse des heutigen Tages nieder.

Was für ein Zufall. Als wir die Räder abstellen und am Kellerfenster der Küche der Klosterfischerei anbinden, stellen wir fest, dass unsere Velocomputer die Gesamtstrecke mit genau 4‘000 km anzeigen. Es ist keine Schnapszahl, doch man kann ja auch runde Zahlen feiern. Die Mönche wussten schon immer, wie man feines Bier braut. Somit stossen wir mit einem Klosterbier auf unsere 4‘000 unfallfreien Kilometer an.

Donnerstag, 23. August 2012   Und es gibt ihn immer noch... (Text Barbara)

Vor mehr als 45 Jahren war ich in Schöningen, in der Nähe des Eisernen Vorhanges in den Ferien. Nachts hörten wir die Schüsse der Selbstschussanlagen. Es sei Rotwild, welches auf Minen getreten sei, so erklärte man uns. Damals war es unmöglich, die Grenze zu überschreiten. Heute können wir hinter dem Eisernen Vorhang frei herum pedalen.

Die Unterschiede zwischen der BRD und der früheren DDR sind nach über 22 Jahren des Mauerfalles immer noch augenfällig. Dabei sind es nicht nur Details. Wir begegnen immer wieder grossen Wohnblocksiedlungen aus den 60er Jahren. Viele sind nach der Wende renoviert worden, haben aber das triste, sozialistische Aussehen nicht ganz abstreifen können. In den Dörfern von Sachsen Anhalt sehen wir vermehrt baufällige Häuser und renovationsbedürftige Gutsbetriebe. Das Geld, welches in die neuen Bundesländer floss, konnte den Nachholbedarf nicht überall stillen. Es gibt aber auch Städte oder Strassenzüge, die mit aller Liebe zum Detail renoviert worden sind.

Die Strassen in Sachsen Anhalt sind in einem schlechten Zustand, ebenso die Velowege. So pedalen wir seit gestern vermehrt auf holprigen Nebensträsschen oder alten Strassen mit grossen Kopfsteinen. Diese sind mit den Velos fast nicht befahrbar. Auch die Plattenstrassen, eine Errungenschaft des sozialistischen Fortschrittes, sind mühsam. Die Platten sind so schlecht aneinander gefügt, dass die Absätze uns jeweils fast aus dem Sattel heben.

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Die grösste Herausforderung für uns sind hier jedoch die fehlenden Beschilderungen. Der Europaradweg ist eigentlich gut ausgeschildert. Doch es gibt immer wieder Kreuzungen, an denen die Schilder entfernt worden sind. Da der Hexenveloweg in die gleiche Richtung führt, wurde das Veloschild kombiniert.

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So ist ein dekorativer Veloweg-
weiser mit Hexe und Europaradweg entstanden. Dies fanden anscheinend auch Sammler und Velofernfahrer und haben einige dieser Schilder entfernt. Besonders schwierig wird es im Wald. Die Velostrassenkarte von 1:150‘000 ist zu ungenau. Auf der GPS-Europakarte fehlen die Natur-
strassen durch Wald und Wiesen ebenfalls.

So kommt es, wie es heute kommen musste: Wir verfahren uns mehr als einmal im Wald und gelangen nach etwa 1 Stunde wieder an den gleichen Ort. Doch wir lernen unsere Hilfsmittel immer besser einzusetzen. Sicher eine gute Vorbereitung für Polen.

Freitag, 24. August 2012  In Sachsen Anhalt ticken die Uhren anders

In der Nähe von Gasterstein hat früher die Bergbaufirma Concordia im Tagbau Kohle abgetragen. Dabei entstand ein riesiges Loch. Die stillgelegte Anlage wird nun renaturalisiert. Es entsteht ein grosser See, der Concordiasee. Bis 2015 soll dieser gefüllt sein. Dies wollen wir uns näher ansehen. Doch plötzlich stehen wir vor einer Sperre. Ein Bergbauarbeiter erklärt, dass wir hier nicht weiterfahren können. Ein Erdrutsch vor etwa 3 Jahren habe ein Einfamilienhaus und einen Teil eines Mehrfamilienhauses sowie die Strasse in die Tiefe des Sees gerissen. Wir scheinen nicht immer auf dem neusten Stand zu sein.

Dank unserem Trixli finden wir den Weg kreuz und quer wieder zurück auf den eigentlichen Europaradweg. Dazwischen werden wir von starkem Regen überrascht. Seit mehr als 2 Wochen müssen wir erstmals wieder die Regenmontur aus den Saggochen auspacken. Die Waldwege werden schlammig und glitschig, so dass wir und unsere Saggochen nach kurzer Zeit braun gesprenkelt sind.

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Gegen Abend verdunkelt sich der Himmel erneut. Im Örtchen Biendorf sehen wir den Gasthof zur Linde. Ein Schild weist darauf hin, dass auch Zimmer vermietet werden. So sind wir nun in diesem 800 Seelendorf. Es gibt nur diese Gaststätte und wir sind die einzigen Gäste. Wir essen ein Schnitzel nach „Schweizer Art“. Da unser Zimmerchen über keinen Tisch verfügt und es sonst sehr eng ist, beschliessen wir, in der Gaststube zu verweilen.

Langsam füllt sich die Gaststätte. Jeder, der reinkommt, klopft mit seinen Handknöcheln auf unseren Tisch. Dies scheint hier die Begrüssungsart zu sein. Nun herrscht Hochbetrieb. Die Diskussion ist sehr laut und engagiert. Mit jeder Bierrunde wird’s lauter. Es wird über Berlin gewettert und natürlich auch über die Olympiade. Ein Mann am runden Tisch meint: „Man müsse es eben so machen, wie wir es früher hier in der DDR gemacht hätten, dann würde der Medaillenregen wieder von alleine einsetzen“. In der Gaststätte darf geraucht werden. So wird es immer dunstiger, doch die Standpunkte sind klar. Nun wissen wir es. Die Politik von Biendorf wir hier im Gasthof zur Linde gemacht.

Samstag, 25. August 2012   und kein bisschen Nachbrand

Noch eine kleine Nachlese zu gestern: Nachdem wir unsere Homepage aktualisiert haben, stehen wir auf und verabschieden uns. Nun wollen die Leute wissen, woher wir kämen und wohin es gehe. Einer der Männer sagt spontan: „Ohne einen Absacker geht man hier bei uns nicht ins Bett“. Wir spendieren der ganzen Runde einen Absacker, ohne genau zu wissen, was dies eigentlich ist, und setzen uns zu ihnen an den Stammtisch. Jeder will eine Runde spendieren, so kommen Absacker-Runde um Absacker-Runde. Nun wissen wir auch was Absacker ist. Es ist ein süsser Kräuterlikör. Die Leute vom Dorf stellen uns viele Fragen und auch wir sind natürlich interessiert über ihr Leben hier im ehemaligen Osten. So vernehmen wir, dass alle am Tisch russisch können. Auch bei den Jungen sei russisch nach dem Englischen die beliebteste Sprache. Sie erklären uns die 6 Fälle und plötzlich sprechen alle nur noch russisch und wir verstehen nur noch „spanisch“. Es ist bereits nach Mitternacht, Polizeistunde kennt man hier im Dorf wohl nicht. Niemand macht Anstalten aufzubrechen. Wir spendieren noch eine Runde und nutzen die Gelegenheit, uns gleichzeitig zu verabschieden. Die Wirtin bitten wir, alles auf unser Zimmer zu schreiben.

Am Morgen riechen unsere Kleider so stark nach Rauch, als kämen wir nach einer Durchhalteübung aus einer Räucherei. Doch wir haben beide keine Kopfschmerzen, nicht einmal einen duseligen Kopf. Als wir die Rechnung des gestrigen Gelages bekommen, da staunen wir nicht schlecht. Keine Fr. 40.-- für zwei Nachtessen, sehr viel Bier und 2 Runden Absacker für alle. Zweimal frage ich nach, ob wirklich alles verrechnet worden sei und erwähne nochmals, dass wir zwei Runden Absacker spendiert hätten. Die Wirtin kontrolliert die Rechnung und erwidert: „Es ist alles verrechnet. Ihr seid hier eben in Sachsen Anhalt, da ist es viel billiger als im Westen“. Dies stimmt. Übernachtungen, Essen und Trinken sind besonders hier auf dem Lande massiv günstiger.

Die heutige Strecke führt durch viel Natur, schlammige Wald- und Dammwege und einmal mehr auf holprigen Strassen mit grossen Kopfsteinpflastern. Diese Pflasterstrassen sind auch immer ein zentrales Thema, wenn man andere Radler trifft und einige Gedanken austauscht.

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  Ist es wirklich so, dass sich der Herbst schon bemerkbar macht?

Sonntag, 26. August 2012  „Für einige Kilometer auf dem Elbe Radweg“ (Eintrag von Barbara)

Es war vor 4 Jahren, da radelten wir von Cuxhaven nach Prag (siehe unter Archiv 2008: auf dem Elbe/Moldau Radweg Cuxhaven-Prag). Nun sind wir gestern und noch bis heute Mittag auf dem gleichen Radweg. Teilweise sind der Elbe- und der Europaradweg identisch. Auf dieser Strecke begegnen wir Dutzenden von Velofahrern mit ihren beladenen Rädern. Der Elberadweg scheint wesentlich populärer zu sein als der Europaradweg.

Heute um die Mittagszeit erreichen wir die Stadt Lutherstadt Wittenberg. Diese Stadt ist untrennbar mit dem Namen Martin Luther. Auch hier waren wir auf langen Radtouren bereits dreimal durchgekommen.

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Somit zieht es uns nach einem Cappuccino und einem Apfelstrudel weiter auf dem Europaradweg. Es herrscht wieder wesentlich weniger Betrieb auf dieser Strecke, dafür weht ein starker, böenartiger Wind.

Nun befinden wir uns im Städtchen Belzig. Das Altstadtsommerfest versetzt diesen Ort in Festlaune.

Montag, 27. August 2012  Fotografieren verboten!

In der Ortschaft Brück-Ausbau treffen wir auf eine Siedlung mit Plattenbauten. Diese Mehrfamilienhäuser sind seit der Wende noch nicht saniert worden. Ich versuche, diese Gebäude mit einem Foto festzuhalten. Da eilt ein Mann auf mich zu und schreit. „Fotografieren verboten, dies ist hier privat“. Wir stehen auf dem Radweg und nirgends ist ein Hinweis, dass man hier nicht fotografieren dürfte. Ich gehe auf den Mann zu und beginne ein Gespräch. Nach einigen Minuten entwickelt sich eine interessante Diskussion. Er erklärt uns, dass es vor der Wende besser gewesen sei. Der Arbeitsplatz sei sicher gewesen und die Kosten nicht so hoch. Er arbeitete während der DDR-Zeit beim Militär. Nicht selten treffen wir auf ältere Menschen, die der alten guten DDR-Zeit nachtrauern. Dann kommen wir mit Westlern ins Gespräch, die über die Milliarden von Euro, die immer noch in den Osten fliessen, schimpfen. Es ist klar, der Unterschied zwischen den alten und neuen Bundesländern ist nicht nur in der Infrastruktur und in den Preisen zu erkennen, sondern steckt noch in den Köpfen der Menschen.

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Dies ist kein Plattenbau! Wir treffen jedoch immer wieder auf ganz originelle Rastplätze entlang des Radweges.

Dienstag, 28. August 2012   Potsdam mit dem Velo (Eintrag von Barbara)

Wau, wie angenehm es sich doch fühlt, ohne Vollpackung durch die Strassen von Potsdam zu radeln. Vor zwei Jahren haben wir Berlin mit dem Rad erkundet, diesmal machen wir in Potsdam eine Pause.

Vor fast 350 Jahren wurde Potsdam neben Berlin die zweite Residenzstadt der Hohenzollern. Brandenburgische Kurfürsten, preussische Könige und deutsche Kaiser liessen hier Schlösser errichten, Parks und Gärten anlegen und trugen dazu bei, dass eine facettenreiche Stadt entstand. Die besten Architekten und Landschaftsgestalter ihrer Zeit fanden hier ein reiches Betätigungsfeld. Seit 1991 ist die Potsdamer Kulturlandschaft Unesco-Weltkulturerbe.

Wir besuchen die Parkanlage Sanssouci mit ihren prächtigen Schlössern und Gärten. Die wuchtigen Bauten mit dem gepflegten, weitläufigen Park gefallen uns sehr.

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Neues Palais im Park Sanssouci in Potsdam

„Nie rozumiem“   (übersetzt: ich verstehe nicht)

In den letzten Tagen haben wir begonnen, uns mit der Polen-Etappe auseinander zu setzen. Dazu gehören natürlich auch einige Brocken polnisch.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um an die Grenze von Kalingrad zu gelangen. Die erste Variante führt entlang der Ostsee. Diese ist die populärere Route und Favorit von Barbara. Die zweite Möglichkeit ist, durchs Hinterland möglichst auf dem E1 zu fahren. Dies ist die grössere Herausforderung. Wir einigen uns, es geht weiter auf dem Europaradweg. (Eingeschobene Anmerkung von Barbara: Wer genau hat entschieden? Mein lieber Mann natürlich! :-)

Wir wissen aus Foren und von anderen Radlern, die wir persönlich getroffen haben, auf was wir Acht geben müssen. Es sind zum Beispiel die aggressiven Hunde, die zum Teil herrenlos in Gruppen herumstreunen. Aber auch gewisse Streckenabschnitte, die nur bei trockener Witterung befahren werden können. Es werden keine Radwege mehr sein wie bisher. Es soll aber sehr schön und abwechslungsreich sein. Wir freuen uns auf Polen.

In einem Waffengeschäft kaufen wir uns Pfefferspray +30. Wir werden über die gesetzlichen Bestimmungen und über den effektivsten Einsatz instruiert. Diesen Spray werden wir gegen die Hunde wirklich nur im äussersten Notfall einsetzen. Da wir Alternativrouten in Betracht ziehen müssen, beschaffen wir uns auch Kartenmaterial im Massstab 1:200‘000. Super, mit angehefteten Lupen. Denn die Orte auf den Karten sind für mich als alter Mann oft so klein geschrieben, dass ich diese beim besten Willen nicht lesen kann. Barbara meint, ich hätte nicht nur beim Kleingeschriebenen Mühe. Nein, ich würde auch immer wieder Wegweiser übersehen. Ja vielleicht wäre ich ohne Barbara immer noch irgendwo am Atlantik, da ich die Abzweigungen verpasst hätte.

Die Vorbereitungen haben wir abgeschlossen, obschon es noch ca. 170 km bis an die polnische Grenze sind. Vielleicht wird es auch schwieriger, die Homepage zu aktualisieren. Wir werden es ja sehen.

Radfahrerbekanntschaften

Es war vor 4 Tagen. Kurz nach Nachterstedt am Concordiasee überraschte uns Regen. Wir sassen unter einem überdachten Sitzplatz auf dem Tisch. Gut geschützt vor dem Regen. Da kamen zwei bepackte Radler angerollt. Wir boten ihnen die andere Hälfte des trockenen Platzes an. So warteten wir zu Viert. Es gab viel zu plaudern, zu diskutieren und zu philosophieren. Die Beiden waren mit ihren Rädern bereits in St. Petersburg. Auch in Oman waren sie mit ihren Velos unterwegs. Der Regen hatte schon lange aufgehört und wir sassen immer noch auf dem Tisch und führten angeregte Gespräche.

Das zweite Treffen fand einige Stunden später in einem Café statt.

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Nun nach 4 Tagen treffen wir Margit und Werner hier in Potsdam zufälligerweise wieder. Den Abend verbringen wir in einem Restaurant an der Brandenburgerstrasse und können die interessanten Diskussionen fortführen. Es sind diese kurzen intensiven Bekanntschaften mit angeregtem Gedankenaustausch, die zum Reisen

gehören, die das Unterwegssein auf dem Velo auch immer so abwechslungsreich gestalten. Wir sind sicher, irgendwann, irgendwo werden sich unsere Wege wieder kreuzen.

Mittwoch, 29. August 2012   Mit dem Velo durch Berlin Mitte

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren radelten wir ebenfalls durch Berlin. Allerdings in der anderen Richtung, denn damals ging’s nach Hause.

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  Der Radweg führt direkt durchs Brandenburger Tor

Heute empfinden wir den Verkehr viel hektischer. Auf der ehemaligen Ostseite wird viel gebaut. Die Radstreifen sind teilweise aufgehoben. Wir schlängeln uns durch den zähflüssigen Verkehr, teilweise auf der Busspur. Doch dann wird es wieder ruhiger. Durch Wälder und der Spree entlang erreichen wir die Stadt Köpenick.

Heute ist ein toller, schweisstreibender Sommertag. Wir beschliessen, den Abend in Alt Köpenick zu verbringen. Das Nachtessen geniessen wir in einem Restaurant direkt an der Spree. Der anschliessende Verdauungsspaziergang führt uns durch die Parkanlage des Schlosses. Wir können es fast nicht glauben, dass in dieser Nacht das Wetter umschlagen soll, mit viel Regen und wesentlich kühleren Temperaturen.

Donnerstag, 30. August 2012   Durch die Märkische Schweiz

Die angekündigte Schlechtwetterfront scheint sich etwas zu verspäten. Deshalb fahren wir heute etwas früher los. Jeder Kilometer, den wir noch am Trockenen zurücklegen können, ist wie geschenkt. Gegen Mittag erreichen wir den Naturpark der Märkischen Schweiz. Schweizerisches stellen wir aber nichts fest. Die Strassen sind in einem schlechten Zustand und die Dörfer sehen immer tristerer aus. Dazwischen stehen prunkvolle Schlösser, die eigentlich gar nicht in diese Gegend passen. Diese Bauten zeigen jedoch, dass die Grenzregion zu Polen einmal bessere Zeiten gesehen hat.

Dann kommt der starke Regen, doch am Nachmittag hellt sich der Himmel wieder auf und wir erleben die zweite Hälfte der Märkischen Schweiz auch noch ohne Regentropfen auf unseren Brillen. Die Dörfer sehen dadurch jedoch nicht einladender aus, die Strassen sind nicht weniger holperig.

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An einem trockenen Unterstand geniessen wir unsere Standard-Mittagsverpflegung. Man könnte sagen, dies sei etwas phantasielos. Doch wir lieben diese Aktivia-Joghurt "Müesli". Natürlich bekommt jeder von uns zwei davon.

Oft führt entlang der Kopfsteinpflaster-Strassen ein schmaler Radstreifen. Dieser ist mit Kunststeinen fein säuberlich bepflastert. Auf diesen schmalen Streifen radelt es sich recht angenehm. Grosse Plakate weisen darauf hin, dass diese Radstreifen dank Fördermitteln der Europäischen Union für regionale Entwicklung realisiert werden konnten. Solche Schilder haben wir bereits in Frankreich angetroffen. Ohne diese Subventionen gäbe es sicher viele Fahrradwege nicht.

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Bei Regen radeln wir durch den Naturpark der Märkischen Schweiz

Wir erreichen die Ortschaft Neuhardenberg. Ein alter Mann kommt mit seinem Rad schwankend auf uns zu und fragt, was wir suchen würden und woher wir eigentlich kämen. Er wollte auch wissen, wie viele Kilometer wir mit dem Rad bereits zurückgelegt hätten. Wir sagen ihm, dass es genau 4‘470 km seien. Er überlegt kurz und erwidert: „ Da habt ihr aber viel gespart. Bei diesen Benzinpreisen hättet ihr eine Menge Geld für „Sprit“ ausgeben müssen.“ So haben wir es noch gar nie betrachtet, ganz unrecht hat der alte Mann nicht. Nach unserem Gespräch radeln wir gemeinsam zur Kirche. Dabei erklärt er uns voller Stolz, er sei verantwortlich, dass die Uhr am Kirchturm nie still stehe. Dennoch scheint uns, dass hier im Dorf die Zeit still gestanden ist.

Als Nachlese: „Eine Nacht im Schloss Neuhardenberg“

Nun müssen wir doch noch einige Zeilen über die vergangene Nacht im Schloss Neuhardenberg niederschreiben.

Wir haben uns gesagt, für einmal nicht König oder Königin der Landstrasse zu sein, nein, sondern in einem Schloss. So als Abschluss der Etappe auf dem E1 durch Deutschland darf es doch ein bisschen mehr sein, oder?

An der Rezeption des Schlosses Neuhardenberg geht es sehr höflich und förmlich zu. Der Portier formuliert etwas umständlich, ob seine Annahme richtig sei, dass wir mit dem Rad hier seien. Natürlich, denke ich, mit dem Helm auf dem Kopf, durchnässt und verschwitzt. Unsere Räder können wir in die Lobby stellen und diese nur stehen lassen, das Personal werde sie im Gepäckraum versorgen. Der Portier erwähnt noch ganz beiläufig, dass wir ihm doch sagen sollten, wann er die Sauna einheizen müsse…

Unser Schlosszimmer ist riesig. Es hat einen Bürotisch, Polstersessel und viel zu viel Platz für zwei Radler. Ein Zimmermädchen bringt uns am Abend noch eine Schale mit Früchten, macht die Betten zurecht und legt vor jedes Bett eine grosse, weisse Bettvorlage mit der Inschrift „Hotel Neuhardenberg“. Auch das Nachtessen in der Brennerei ist gediegen. Alles in allem ein umfassender 5-Stern-Service, und dies für keine Fr. 200.--. (Nachtessen, Schlafen inkl. Frühstück). Doch dies ist eine Ausnahme, einfach so entstanden aus einer Spontanität. In Polen wird es wieder einfacher und günstiger werden. Genau so, wie wir es unterwegs mit dem Velo auch suchen und wollen.

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Freitag, 31. August 2012  Die letzten Kilometer bis zur Grenze

Es regnet und regnet. Wir beschliessen, später zu starten, in der Hoffnung, dass der Regen irgendwann nachlässt. Das Warten in der Lobby des Schlosshotels ist angenehm. Es hat sogar eine aktuelle NZZ. Doch der Regen zeigt heute Ausdauer.

Irgendwann radeln wir dann trotzdem los. Wir erreichen das Oderbruch. Durch die Umleitung und Kanalisierung der Oder im 18. Jahrhundert konnte ein grosse Fläche trocken gelegt werden. 43 neue Dörfer wurden danach in diesem Gebiet angesiedelt.

Die letzten Kilometer radeln wir auf dem Dammweg auf der Deutschen Seite Richtung Küstrin. Trotz anhaltendem Regen oder vielleicht erst recht wegen des schlechten Wetters, wirkt diese wilde Flusslandschaft so eindrücklich. Auf dem erhöhten Dammweg geniessen wir die Weitsicht über das Sumpfgebiet und lassen den Regen einfach an unseren Regenkleidern abprallen.

Nach 43 km erreichen wir die Brücke, die uns über den Fluss Oder nach Kostrzyn führt. Somit schliessen wir kurz nach Mittag unsere 5. Etappe „Auf dem Europaradweg durch Deutschland“ ab. Mit etwas gemischten Gefühlen starten wir nun die 6. Etappe.

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Nach 989 km auf dem Europaradweg durch Deutschland schliessen wir diese Etappe ab.