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Dienstag, 2. Juli 2013   Auf zur nächsten Etappe

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Nach genau 19,5 km passieren wir das Ortsausgangsschild Riga. Gemäss Radbuch von Detlef Kaden bereite die nördliche Ausfahrt aus Riga gewisse Probleme. Wir empfinden es jedoch durch die Parks und auf den Radwegen

als sehr angenehm. Durch den grossen Meza Park mit dem Riga Zoo führt sogar eine breite Freizeitstrasse für Velofahrer und Skater. Anscheinend ist unser Velobuch nicht mehr auf dem aktuellsten Stand.

Kurz vor Siguji müssen wir für einige Kilometer auf die A1 ausweichen. Nach unserem Verständnis ist dies keine Autobahn, sondern eine Schnellstrasse. Auf der rechten Spur, wir wissen nicht ob dies ein Pannenstreifen oder eine Kriechspur ist, haben wir genug Platz.

In Saulkrasti suchen wir eine Pension direkt am Meer. Der Empfang der Besitzer ist herzlich. Um in unser Zimmer zu gelangen müssen wir durch deren Küche. Diese ist eigentlich eher ein Mehrzweckraum. Eine Waschmaschine wurde vor die Schränke gestellt und obendrauf noch einen grossen Röhrenfernseher. So kann man natürlich den Waschvorgang optimal überwachen. Auf der einen Seite der Küchenablage befinden sich jede Menge Bücher und Hefte. Die Formalitäten kann ich in der Wohnstube ausfüllen. Dort stapeln sich Leintücher und Frottewäsche. Jeder Raum ist überfüllt mit Gegenständen, die uns fast erdrücken. Frühstück lehnen wir dankend ab. Wir wollen morgen lieber zeitig aufbrechen. Denn plötzlich sind wir nicht mehr sicher, ob wir eine Übernachtung gebucht oder einen Eintritt in ein Kuriositäten-Museum gelöst haben.

Den Abend verbringen wir am Strand. Kein Wind weht, es ist nicht zu heiss und nicht zu kalt. Genau um 22.19 Uhr versinkt die Sonne im Meer. Doch bis es zu dunkeln beginnt ist es bereits 23.30 Uhr.

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Immer wieder sehen wir am Strand dahin rostende frühere Vergnügungsanlagen, wie hier in Saulkrasti ein "Riesenrad" aus russischer Zeit.

Mittwoch, 3. Juli 2013   Wir verlassen den Europaradweg

Wir haben uns zu Hause intensiv überlegt, welche Streckenvariante wir ab Riga wählen sollen: Den kürzeren Europaradweg durchs Hinterland oder den Küstenradweg. Wir haben uns für die längere Variante entschieden, denn nur so können wir die Inseln Saaremaa und Hiiumaa besuchen und natürlich auch Tallinn. Wir sind uns bewusst, dass von nun an die Strassen belebter sein werden.

In Jelgavkrasti können wir auf einer wellblechartigen Schotterpiste der A1 entweichen. Dieser Weg führt direkt an die Küste und dann auf einem sandigen Naturpfad dem Strand entlang. Diese Strecken sind allerdings nur Fortgeschrittenen zu empfehlen. Immer wieder zwingt uns der weiche Sand abzusteigen und einige Meter zu schieben. Entschädigt werden wir durch die landschaftlich reizende Gegend mit Blick auf die Dünen und den Strand. Naturwiesen, kleine Seen und aktive Bremsen. Doch die finden einfach Barbaras Blut viel besser als meines. Ich werde nicht ein einziges Mal berücksichtig.

Auf dieser so abgelegenen Strecke bemerken wir zum ersten Mal in Lettland Velowegweiser mit zum Teil Kilometerangaben. Dies ist auch eines der Entwicklungsprojekte der EU.

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Plötzlich stehen wir vor einem Schild, welches darauf hinweist, dass nach 2,5 km die Fahrräder für 1 km durch den Sand getragen werden müssen. Beim Einchecken in Kloten hatten wir mit dem Gepäck inkl. Handgepäck und Fahrrädern insgesamt 97 kg auf die Waage gebracht. Nun haben wir noch einige Liter Wasser und unseren Proviant dabei. Somit müssten wir

zusammen etwas über 100 kg über den Sand tragen. Doch zu viel ist zu viel. Wir nehmen eine Schotterpiste, die uns zurück auf die A1 führt. Doch nun weist diese keinen Pannenstreifen mehr auf. Also Kopf runter und kräftig in die Pedale treten.

Am Strassenrand stehen zwei Damen bei ihren bepackten Fahrrädern. Wir fragen auf Englisch, ob wir helfen könnten. Ja, sie möchten wissen, wie man von dieser Schnellstrasse weg komme. Es entwickelt sich ein längeres Gespräch. Erst nach einiger Zeit stellen wir fest, dass wir die Diskussion auch auf Deutsch führen können. Eine der Damen ist aus Österreich, die andere aus Deutschland. Beide haben in Schweden studiert und nach ihrem Abschluss beschlossen, von Schweden mit ihren Fahrrädern nach Hause zu radeln. Uns beeindruckt die Unbekümmertheit. Keine Velokleidung, keine Rückspiegel, nur wenig Kartenmaterial. Sie würden einfach in den Tag hinein fahren und am Abend einen Zeltplatz aufsuchen. Zum Schluss bedanken sie sich für all die von uns erhaltenen Informationen. Es sei so schön gewesen, endlich einmal zwei Tourenfahrer getroffen zu haben und einen so intensiven Gedankenaustausch pflegen zu können. Dies stimmt. Seit Kaliningrad haben wir gerade einen einzigen Fernradler getroffen.

Donnerstag, 4. Juli 2013…Ein Ort zum Verweilen

Wir beschliessen, hier in Svetciems einen Tag länger zu bleiben. Ein schönes Resort mit Blockhütten, Campingplatz und einem Landhaus.

Wir haben ein Zimmer im Dachstock bezogen. Und warum haben wir bei diesem herrlichen Wetter nicht das Zelt aufgestellt? Wir wollen gar nicht mit dem Aufzählen von all den Ausreden anfangen.

Den Nachmittag verbringen wir in den Dünen am Meer und vor allem am Schatten in der Gartenanlage.

Beim Abendbier spricht uns ein älterer Herr an. Er heisst Len und kommt aus Boulder, Colorado. Früher sei er für Ford China verantwortlich gewesen und nun, seit er pensioniert sei, unternehme er ausgiebige Touren. Diesmal gehe es von Tallinn nach Istanbul. Da er vom Norden kommt und Richtung Riga fährt, können wir gegenseitig wertvolle Informationen über Strecke und Unterkunft austauschen. Auch sonst wissen er und wir viele spannende Velogeschichten zu erzählen.

Freitag, 5. Juli 2013  Estland

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Am Mittag erreichen wir die Grenze von Estland. Beinahe übersehen wir das Grenzschild.

Das nördlichste der drei baltischen Länder weist den höchsten Lebensstandard auf. Auch die Infrastruktur sei besser. Wir werden dies in einigen Tagen selber beurteilen können.

Auf der verkehrsarmen Nebenstrasse entlang der Küste stellen wir landschaftlich keine Unterschiede fest. Sonst fällt uns doch einiges auf, das nun anders ist. In den kleinen Dörfern stehen die bescheidenen alten aus Holz gebauten Kirchen. Auf der Strasse begegnen uns immer mehr Autos mit finnischen Kontrollschildern. In einem kleinen Tante Emma Laden bezahlen wir mit Euro. Seit dem Start in Danzig ist dies die fünfte Währung. Zumindest bietet der Euro für uns keine Probleme im Umrechnen in Schweizer Franken.
Die Velowege sind nun ausgeschildert. Der Fernradweg führt jedoch auch hier in Estland zwischendurch auf autobahnähnlichen Strassen. So müssen wir die letzten 35 km vor Pärnu auf die verkehrsreiche A1 ausweichen.

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Samstag, 6. Juli 2013   Pärnu

Es ist Hochsaison. Sämtliche Zimmer sind über dieses Wochenende hier in Pärnu belegt. Pärnu ist eine weithin bekannte Bade- und Kurstadt und somit eine Feriendestination vieler Esten und Finnen. Vorsorglich haben wir vor zwei Tagen eine Reservation im Estonia vorgenommen.

Das Hotel, so vermuten wir zumindest, war früher ein Sanatorium. Zimmer und Gänge sehen immer noch so aus. Das Zimmer nebenan ist mit Arst (Doktor) angeschrieben. Und da wir schon einmal hier einquartiert sind, nutzen wir ausgiebig die gratis zur Verfügung stehende Infrastruktur, wie die verschiedenen Thermalbäder, die Sauna und zum Abschluss das Hammam. Auf ein Schlammbad verzichten wir jedoch. Im Gegensatz zum "Sanatoriumzimmer“ überraschen uns die architektonische Gestaltung und die Grosszügigkeit der Wellnessanlagen.

Sonntag, 7. Juli 2013  vom belebten Strand ab in die Natur

Wir wollen den Tag nicht vor dem Abend loben, d.h. nicht bevor unsere diesjährige Reise zu Ende ist. Einmal mehr begleitet uns heute die Sonne. Ein herrlicher Tag. Je nach Fahrtrichtung haben wir den kühlenden Gegenwind im Gesicht. Über weite Strecken sind wir alleine unterwegs und können einmal mehr nebeneinander radeln. Bevor uns der Gesprächsstoff ausgeht, besprechen wir unsere anstehende Wohnungsrenovation. Besonders, was zu Hause alles endlich entsorgt werden sollte.

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Wälder, Seelein, Sumpflandschaft und Naturwiesen wechseln sich ab. In Paatsalu, bei einem Gästehaus mit Zeltplatz, wollen wir übernachten. Doch die Anlage ist verlassen. An einer der Türen entdecken wir eine Telefonnummer. Wir versuchen unser Glück und wirklich, es meldet sich eine Dame. Sie versteht nur wenige Brocken englisch, kommt jedoch einige Minuten später mit ihrem Fahrrad daher. Es ist ihr unangenehm, uns wegschicken zu müssen. Sie meint, dass wir eigentlich unser Zelt im Garten aufstellen könnten, doch dann folgt ein Aber. Sie erklärt uns, dass es in Pivarootsi einen Zeltplatz mit Verpflegungsmöglichkeiten gäbe. Sie wirkt erleichtert, als wir uns bedanken und weiter radeln.

Nach 97 km sehen wir in der Abendsonne die von ihr beschriebene Windmühle. Eine ältere Frau erscheint. Die Verständigung ist schwierig. Zum Glück kommt ein Gast, der als Übersetzer hilft. Das Zelt dürfen wir nicht aufschlagen, doch haben sie kleine Hütten. Das stimmt für uns.

Mit zwei Joghurts als Mittagsverpflegung sind wir nach der anstrengenden Strecke hungrig. Wir erkundigen uns, ob man uns nicht etwas zu essen zubereiten könnte. Nach gewissen Verständigungsproblemen erklärt der Besitzer, der ein klein wenig Deutsch spricht, er werde nun den Grill einfeuern. Wir bekommen ein ausgezeichnetes Abendessen. Anschliessend zeigt er uns seine restaurierte Mühle. Jedes Stockwerk ist ideenreich eingerichtet. Er ist stolz auf sein kleines „Schloss“ und seine Sammlerstücke aus der Zeit der Sowjetunion, insbesondere auf seine Wodkagläser.

Montag, 8. Juli 2013   auf die Inseln Muhu und Saaremaa

Heute lassen wir uns Zeit. Beim Ausgang entdecken wir zufälligerweise, dass der Besitzer von all seinen Gästen das entsprechende Landesfähnchen beim Eingang eingesteckt hat: Litauen, Lettland und wir Schweizer. Beim gestrigen Gespräch dachten wir, er verwechsle uns mit den Deutschen.

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Es geht flott voran, denn wir haben Rückenwind. Wir plaudern und geniessen den Morgen in dieser Abgeschiedenheit. Dann stehen wir verunsichert vor einer Kreuzung. Auf der Velokarte und anhand des GPS finden wir unsere Position nicht mehr. Wie gerufen kommt ein Auto angerollt. Der Fahrer hilft uns. Unser Standort ist nicht mehr auf der Velokarte. Das ging kräftig daneben. Doch es gibt viele Wege auf die Insel Saaremaa.

Die Fähre steht abfahrtsbereit, wartet jedoch noch auf uns zwei Radler. Kaum zu glauben diese Rücksichtsnahme. Neben den grossen Lastwagen und den Campern sehen wir auf dem Schiff etwas verloren aus.

Auf der Insel Muhu pedalen wir zum nördlichsten Zipfel. Die Naturstrasse ist angenehm zum fahren, mit Ausnahme wenn ein Auto entgegen kommt. Die feine Staubwolke zwingt uns jeweils, einen kurzen Augenblick anzuhalten.

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In Orissaare, auf der Insel Saaremaa finden wir kein Zimmer. Somit gibt es für ein Mal keine Ausreden. Bei einem Gästehaus mit Zeltmöglichkeiten stellen wir unser „Häuschen“ auf. Noch sind wir die einzigen auf der Zeltwiese. Es ist windig und kalt geworden. So verkriechen wir uns früh in unsere Daunenschlafsäcke.

Dienstag, 9. Juli 2013   WiFi for free  /  Sternnarben auf der Insel Saaremaa

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Wir haben gelesen und im Fernseher gesehen, dass Estland über die beste, landesweite Internetabdeckung von Europa verfüge. Das stimmt, es gibt fast in jedem Café, in Läden und in den Parks die Schilder, die darauf hinweisen, dass man freien Internetzugang habe. Dennoch hatten wir vorgestern in der Mühle und gestern auf dem Zeltplatz kein Internet. Doch was soll’s.

Heute Morgen bevor wir Orissaare verlassen, kaufen wir im Konsum ein. Genauer gesagt. Barbara geht einkaufen und ich bewache die Velos. Nach unserem Motte: „Jeder macht das, was er am Besten kann“.

Wird es mir langweilig, dann suche ich mit dem iPhone, ob es eine unverschlüsselte Internetverbindung gibt. Siehe da, es gibt eine unverschlüsselte Verbindung bei der Swedbank. Erst jetzt bemerke ich, dass neben dem Bancomaten eine Filiale dieser Bank ist. Erstaunlich, welche Dienstleistungen die Banken hier anbieten. Auf die Aktualisierung der Homepage vor dem Bancomaten verzichte ich gleichwohl. Wir werden es heute Abend versuchen

Die grösste Insel Estlands weist eine Bevölkerungsdichte von 12 Einwohnern pro km2 auf. Somit ist es nicht erstaunlich, dass wir im Landesinnern durch fast unberührte Naturlandschaft radeln können. Gelegentlich gibt es einen Bauernhof mit einigen Kühen. Nebst den Naturwiesen und dem niedrigen Buschwerk, geniessen wir den Rückenwind. Der schiebt uns in sportlichem Tempo Richtung der grössten Stadt der Insel nach Kuressaare.

In Kaali besuchen wir die Meteoriteneinschläge, die vor ca. 7‘500 Jahren hier niedergegangen sind. Der grösste Krater weist einen Durchmesser von mehr als 100 m auf. Die Tiefe, je nach Wasserstand, beträgt zwischen 16 und 22 m. Am Eingang sitzt eine Frau, die Prospekte über die „Sternnarben auf der Insel Saaremaa“ verkauft. Spontan sagt sie zu uns: „Ihr könnt die Fahrräder ruhig hier stehen lassen. Ich passe auf diese auf“. Super, so können wir hier etwas unbeschwerter das Naturwunder bestaunen.

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Es ist stahl blauer Himmel. Nach den Wetterprognosen soll es jedoch morgen regnen. Wir können es zwar fast nicht glauben. Dennoch haben wir beschlossen, einen Tag länger hier in Kuressaare zu bleiben. Wir müssen wieder einmal all unsere Kleider waschen. Ferner wollen wir die Feinplanung der nächsten Tage vornehmen. Mit den Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel wie auch auf der Nachbarinsel Hiiumaa ist es nicht ganz einfach. Auch wenn es hier erlaubt ist, wild zu zelten, suchen wir dies nicht.

Mittwoch, 10. Juli 2013  Kuressaare

Auch hier scheinen die Wetterfrösche nicht immer recht zu haben. Der Regen bleibt aus. Nur vorüberziehende Wolken verdecken ab und zu die Sonne. Für einen Bummel durch das Städtchen gerade richtig.

Wir besichtigen die Bischofsburg, spazieren dem Strand entlang und schlendern durch die Gassen. Kuressaare lebt vom Tourismus.

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Die Laurentiuskirche sieht von aussen eher unscheinbar aus. Das Innere mit den Säulen und den alten Holzbänken beeindruckt durch seine Schlichtheit. Neben den Bänken befindet sich eine kleine Kinderspielecke mit Malbüchlein, Stofftierchen und einem Schaukelpferd. So etwas haben wir noch nie in einer Kirche gesehen. Diese Idee finden wir super.

Donnerstag, 11. Juli 2013   Leuchtturm Sääre

Es ist kurz nach Mittag. Wir befinden uns am südlichsten Punkt der Insel. Der Leuchtturm Sääre sieht mit den dunklen, tiefhängenden Wolken beeindruckend aus. Das letzte Bild ist noch nicht geschossen, da prasseln die ersten grossen Tropfen auf uns nieder. Es beginnt kräftig zu regnen. Wir flüchten ins Leuchtturmrestaurant und lassen die Regenfront bei Tee und Kaffee vorbei ziehen.

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Einige Stunden später haben wir weniger Glück. Plötzlich setzt erneut heftiger Regen ein. Kein Unterstand weit und breit. Zum Überstülpen der Regenmontur reicht die Zeit nicht mehr. So stehen wir, wie kalt geduscht, am Strassenrand und lassen es einfach über uns ergehen.

Nun befinden wir uns auf einem Campingplatz in Tehumardi, sitzen in der Nähe des Zeltes und geniessen die Abendsonne. Alle unsere Kleider sind bereits wieder trocken. Erstaunlich für uns ist, dass es auf diesem 4-Stern Zeltplatz nichts einzukaufen gibt. In unseren Saggochen hat es noch Käse, Brot und Knäckebrot, das wir vor einigen Tagen eingekauft haben. Diese Resten müssen auch einmal vertilgt werden.

Freitag, 12. Juli 2013   Nordwind

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Viele Streckenabschnitte sind auf unserer Velokarte wie auch im GPS noch als Naturstrasse eingezeichnet. In der Zwischenzeit sind etliche Abschnitte geteert worden. Da wir bereits viel auf den holperigen Schotterstrassen gefahren sind, schätzen wir jeweils diese angenehmen Überraschungen. Nun, Signalisation für Schotterstrasse. Somit gibt es wirklich keine positive Überraschung.

Der Nordwind bläst uns heute kräftig entgegen. Die Sonne scheint, doch der kalte Wind hat ganz eindeutig die Oberhand und zehrt an unseren Kräften. Wir sind froh, endlich den Zeltplatz in Selgese zu erreichen. Die Infrastruktur sieht schäbig aus. Die Holzeinrichtungen sind am verlottern. WC haben wir keines gesehen, doch dies wird sich irgendwo im Wald befinden. Wie bei der Velokarte die Angaben über die Strassen sind auch die Beschreibungen der verschiedenen Unterkünfte nicht immer à jour geführt. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren.

Nun sind wir in Küdema auf einer Farm. Der Bauer züchtet und verkauft Hochlandrinder. Daneben hat er noch einige kleine Holzhäuschen, die er vermietet. Genau vor so einem sitzen wir nun und verpflegen uns wieder aus den Saggochen. Um im Stall zu helfen sind wir einfach zu müde.

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Samstag, 13. Juli 2013  Letzter Tag auf Saaremaa

Heute starten wir unsere letzte Tagesetappe auf der Insel Saaremaa. Mehr als 360 km sind wir auf den Inseln Muhu und Saaremaa geradelt. Viele Kilometer entlang der Küste mit Abstechern zu den Leuchttürmen und Klippen. Dank dem herrlichen Wetter haben wir einige Extraschlaufen eingeschaltet.

Saaremaa ist eine Ferieninsel. Dennoch ist es abseits des Touristenzentrums Kuressaare sehr ruhig. Über Land haben wir die ganze Strasse meistens für uns allein. Vielleicht gibt es auf der Insel noch so viel unberührte Natur, weil sie zur sowjetischen Zeit militärisches Sperrgebiet war.

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In Angla ist der einzige noch erhaltene Windmühlenhügel von Saaremaa. Von den ursprünglich 9 Mühlen stehen noch deren 5. Die grosse rechts ist eine holländische Mühle, bei welcher sich der Drehpunkt für die Ausrichtung des Windrades oben am Kopf befindet. Daneben hat es die typischen Bockwindmühlen. Der Drehpunkt befindet sich unten. Das bedeutet, das ganze Holzhäuschen inklusive Treppe wird jeweils gegen den Wind ausgerichtet.

Nun befinden wir uns auf der Tourist Farm in Hiieväla. Wir haben den Zeitpunkt unserer Ankunft telefonisch angekündigt. Als wir mit leichter Verspätung eintreffen, werden wir herzlich empfangen. Es ist natürlich schon viel einfacher, wenn man sich mit den Leuten auf Englisch verständigen kann. Verpflegung gibt es keine, das ist hier so üblich. Dafür darf ich meine eingekauften Bierdosen in seinen Kühlschrank stellen. Der Bauer diskutiert noch mit seiner Frau über unsere Zimmerzuteilung. Sie entscheiden sich, uns das Zimmer auf dem Dachboden zu geben, denn dies sei schöner und grösser als die anderen. Es sieht wirklich heimelig aus. Danach verabschieden sich die Beiden bis morgen mit dem Hinweis, sie würden nun in den Ausgang gehen.

Morgen früh werden wir nach Triigi fahren und die Fähre auf die Insel Hiiumaa nehmen.

Sonntag, 14. Juli 2013   Wald, Wald, Wald

Eine Stunde dauert die Überfahrt mit der Fähre auf die Insel Hiiumaa. Nun radeln wir entlang der Westküste nordwärts. Genauer gesagt, fahren wir durch Wald, nichts als Wald.

Am Nachmittag erreichen wir Köpu. Hier steht auf dem höchsten Punkt der Insel der älteste Leuchtturm der Ostseeregion und der drittälteste der Welt. Der Rundblick von der obersten Plattform bestätigt unsere Vermutung. In allen Himmelsrichtungen sehen wir so weit das Auge reicht Wald und nochmals Wald.

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Aufgrund der Untiefen um die Insel Hiiumaa handelt es sich hier um eine der gefährlichsten Gegenden in der Ostsee. Aus diesem Grunde hat der Rat von Tallinn bereits 1499 beschlossen, auf dem höchsten Punkt der Insel einen Leuchtturm zu errichten. Die ansässige Bevölkerung war darüber nicht sonderlich erfreut. Denn zur damaligen Zeit war es gesetzlich verankert, dass das Strandgut dem jeweiligen Finder gehört. So kam es den Strandbewohnern gerade recht, wenn wieder ein Schiff vor der Küste

versank. Manchmal halfen sie sogar mit Irrlichtern nach, um ein Schiff zum Sinken zu bringen. Früher waren sieben Männer beschäftigt, um sicherzustellen, dass das Holzfeuer jede Nacht leuchtete.

Nun befinden wir uns am westlichsten Punkt der Insel auf einem Zeltplatz. Genauer gesagt in einem Kiefernwald. Die Lichtungen sind gerade gross genug, dass wir unser kleines Zelt aufschlagen können. Dafür sind wir hier ganz allein. Zudem haben wir Dank der Bäume viel Platz, um unsere Wäscheleine zu spannen.

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Am Hafen gibt es ein kleines Restaurant. Wir sind froh, für einmal nicht aus den Saggochen leben zu müssen. Die Auswahl ist bescheiden, doch wer hungrig ist, der ist nicht wählerisch.

Montag, 15. Juli 2013  Ristimägi der Kreuzberg

Gestern beobachteten wir beim Hafenrestaurant, wie ein grosses Wildschwein mit Speiseresten gefüttert wird. Die grossen Eckzähne flössen Respekt ein. Als es in der Nacht neben unserem Zelt raschelt, zumindest glauben wir ein Rascheln zu hören, bekommen wir ein mulmiges Gefühl. Ob Wildschweine unsere Lebensmittel in den Saggochen wohl riechen können? Am Morgen scheint die Sonne und die nächtlichen Geräusche sind vergessen.

Das Frühstück genehmigen wir uns beim Leuchtturm Ristna. Gestern waren wir anscheinend zu müde, um uns die markierte Abzweigung zu merken. So verfehlen wir die Kreuzung und irren auf Schotterstrassen der Küste entlang. Es dauert einige Zeit, bis wir den Weg zurück finden und im Restaurant des Leuchtturmes landen. Barbara erklärt, dass heute alle Schotterwege so weit möglich zu meiden seien. Das heisst keine Extraschlaufen mehr.

Kurz bevor wir Kärdla, die Hauptstadt von Hiiumaa, erreichen, besichtigen wir den Kreuzberg. Dort werden ähnlich wie beim Berg der Kreuze in Litauen Holzkreuze aufgestellt. Die ersten um 1781 zum Gedenken an die Vertreibung der Schweden durch die russische Zarin Katharina II. Diese Schweden beteten auf dem Berg und errichteten Kreuze, bevor sie in die Ukraine verfrachtet wurden. Nun soll jeder Besucher aus den herumliegenden Ästen ein Kreuz errichten, ohne ein anderes zu zerstören. Entlang der Waldpfade sind Hunderte wenn nicht Tausende solcher Holzkreuze. Zum Teil wurden auch nur zwei Äste quer auf den Boden gelegt. Mehr als die Kreuze selber beschäftigt uns einmal mehr der geschichtliche Ursprung dieses Kreuzberges.

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Dienstag, 16. Juli 2013   Haapsalu

Heute verlassen wir die Insel Hiiumaa. Die Überfahrt mit der Fähre nach Rohuküla dauert etwas mehr als eine Stunde. Trotz blauem Himmel pedalen wir wegen des kalten Windes seit langem wieder mit Velojacken.

Nun befinden wir uns im kleinen Seebad Haapsalu und bleiben hier zwei Nächte. Nach der vielen Natur und Abgeschiedenheit bietet uns sogar dieses verschlafene Örtchen die gewünschte Abwechslung.

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Der alte Bahnhof von Haapsalu. Da dieser Ort ein beliebter Sommeraufenthalt der russischen Zarenfamilie war, wurde das Bahnhofsgebäude nach ganz bestimmten Anforderungen erstellt. Der Bahnsteig mit einer Länge von 216 m wurde vollumfänglich überdacht. So konnte der Zar mit seiner Gefolgschaft, egal aus welchem Waggon, trockenen Fusses aussteigen.

Haapsalu war die Endstation der Eisenbahnlinie von St. Petersburg. Heute kann man von hier aus nicht mehr in den Zug nach St. Petersburg einsteigen Auf über 50 km Länge ist das alte Bahntrassee zu einem Veloweg umgebaut worden. Wir haben jedoch entschieden, den Weg der Küste entlang zu nehmen

Zufälle:   Heute zeigt unser Velocomputer den total gefahrenen Stand mit 1‘800 km an.

Mittwoch, 17. Juli 2013  Bischofsburg Haapsalu

Heute besuchen wir die Bischofsburg mit der Domkirche. Einmal mehr sind wir froh, nicht in der damaligen Zeit leben zu müssen.

Im Mittelalter, als der Bischof von Saare-Lääne herrschte, mussten alle Domherren ein keusches Leben entsprechend der Klosterregeln führen. Das Betreten der Bischofsburg war unter Todesdrohung für Frauen verboten. Ein Domherr verliebte sich leidenschaftlich in ein estnisches Mädchen. Damit sich das Liebespärchen näher sein konnte, brachte der Domherr das Mädchen in Knabenkleider als Sänger in den Kirchenchor. Das blieb lange Zeit ein Geheimnis. Doch eines Tages wurde der Betrug entdeckt. Das Urteil des Bischofs war hart: Der Domherr wurde ins Burgverlies geworfen, angekettet und man liess ihn verhungern. Das Mädchen wurde lebend in die Wand der damals im Bau befindlichen Kapelle eingemauert. Nun erscheint immer bei Vollmond im August der Geist des Mädchens als weisse Gestalt, um die Unsterblichkeit der Liebe zu beweisen. Wir haben den Geist nicht getroffen, es ist ja weder Vollmond noch August.

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Donnerstag, 18. Juli 2013  Nicht immer ist es durch die Natur so entspannend

Heute Morgen regnet es leicht. Wir warten eine Regenpause ab, dann starten wir. Doch der Regen holt uns wieder ein und wir suchen jeweils bei Bushaltestellehäuschen Schutz und lassen die Regenschauer vorbei ziehen. Das funktioniert mehr als einmal bestens.

Am Nachmittag sind die dunklen Wolken verschwunden. Es wird so richtig schwül. Der Radweg führt uns durch ein Naturreservat. Wieder einmal eine Schotterstrasse, die mit unseren schwer beladenen Velos nur mühsam zu befahren ist. Und wer begleitet uns? Unzählige Bremsen und Fliegen. Der Mückenspray wirkt nur mässig. Diese Plaggeister weichen einfach nicht von uns. Mit einer Hand an der Lenkstange und mit der anderen dauernd abwehren. Von der tollen Gegend durch den Naturpark bekommen wir nichts mit. Zu sehr sind wir mit uns beschäftigt. So kann eine Fahrt auf abgelegenem Weg durch einen Naturpark ganz schön stressig werden.

Heute ist die Beschilderung der Strassen und Ortsnamen zweisprachig. Nebst estnisch zusätzlich noch schwedisch. Hier leben sehr viele Schweden, welche nicht nur ihre Bräuche weiterhin pflegen, sondern auch ihre Sprache.

In Estland begegnen uns zudem viele Autos mit finnischen Kontrollschildern. Für die Finnen ist Estland eine günstige Feriendestination. Somit sollten wir auch immer wieder Finnisch zu Ohren bekommen. Doch wir können die 7 bisher gehörten verschiedenen Sprachen einfach nicht voneinander unterscheiden. Polnisch, Russisch, Litauisch, Lettisch, Estnisch, Finnisch und Schwedisch. Für uns ist das alles wie Spanisch. Nein, eigentlich nicht, denn Spanisch verstehen wir einige Brocken. Mit Englisch und zwischendurch auch mit Deutsch können wir uns gut verständigen. Zudem kann Barbara sogar in Russisch ein Menu bestellen. Doch diese Kernkompetenz wird erst wieder in einigen Tagen gefragt sein!

Heute haben wir uns gesagt, wir fahren einfach los und entscheiden unterwegs, wo und wie wir übernachten. Etwas abseits von Nova fragen wir in der Villa Nova, ob wir hier in unserem Zelt nächtigen könnten. Einmal mehr werden wir herzlich empfangen. Wir sind die einzigen Gäste.

Wir erkundigen uns nach den Möglichkeiten zum Essen. Die Inhaberin erklärt, sie könne uns nur dasselbe anbieten, was sie für die Familie koche. Natürlich sagen wir dankend zu. Als wir zu Tisch gebeten werden, ist es uns fast unangenehm. Ein kleines Selbstbedienungsbuffet wurde errichtet und dies nur für uns zwei. Wir werden betreut und tafeln fast wie zur Zeit des Zaren. Als sie sich erkundigt, ob wir nicht ein Gläschen Wein möchten, bejahen wir auch dies. Es gibt zwei Gründe. Erstens haben wir auf unserer Tour noch nie Wein getrunken, es bot sich einfach nie die passende Gelegenheit. Zudem ist ein Gläschen zu meinem Geburtstag noch überfällig. Zur Auswahl gibt es nur Cabernet Sauvignon von Chile. Dieser schmeckt uns ausgezeichnet, so dass es nicht bei einem Gläschen bleibt, sondern bei der ganzen Flasche. Den ganzen Abend werden wir umsorgt. Die Inhaberin erzählt uns von ihren Kindern, die verstreut über Amerika und Finnland leben und vieles mehr. Es sind genau diese ungeplanten Begegnungen, die das Reisen mit dem Velo so spannend gestalten. Nun sitzen wir in einem Lounge Raum. Barbara vor dem Cheminée (nicht in Betrieb) und ich am Tischchen und schreibe die heutigen Erlebnisse im Compy nieder. Internet gibt es hier nicht, doch dies benötigen wir auch nicht.

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Freitag, 19. Juli 2013   Regen am Morgen, Regen am Abend

Die ganze Nacht regnet es. Im Zelt hört sich dies richtig heimelig an. Am Morgen sieht es aus, als ob das Gröbste vorbei wäre. Wir trocknen das Zelt mit unseren „Superschwämmen“ und packen die Saggochen. Gerade als wir uns mit dem Zeltabbau beschäftigen, fängt es wieder kräftig an zu regnen. Kennen wir diesen Ablauf nicht schon von früher?

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Der heutige Tag im Sattel ist kalt und windig jedoch ohne Regen. Lange Zeit haben wir auch kräftigen Gegenwind.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Kirche von Risti begonnen. Im 15. Jahrhundert erhielt die Kirche einen rundförmigen Kirchturm. Im 17. Jahrhundert ist eine Seite des Turms eingestürzt und wurde in ihrer ursprünglichen Form nicht wieder aufgebaut. Aus diesem Grunde hat der Kirchturm nun eine so markante Form.

Da unser Zelt noch feucht ist beschliessen wir, es heute wieder aufzustellen, in der Hoffnung, dass es trocknen kann. Als erstes gilt es zu

überlegen, wo genau der idealste Standort sein könnte. Dies ist gar nicht so einfach, sind wir einmal mehr ganz allein auf der Zeltwiese.

Nun beginnen wir mit dem Aufstellen, da fallen die ersten grossen Tropfen. Es dauert nur wenige Augenblicke und es regnet kräftig. Somit hat sich der Kreislauf heute geschlossen. Zeltabbau bei Regen, Zeltaufbau bei Regen.

Der Zeltplatz hier ist jedoch ideal. Es hat einen Unterstand mit Bänken und Tischen und für uns das Wichtigste, einen Aufenthaltsraum, in dem wir vor Wind und Regen geschützt sind, denn die Abende werden kalt. Wir können ja nicht schon um 22 Uhr ins Zelt kriechen, das gäbe eine zu lange Nacht.

Es ist nun 21 Uhr und erneut kommt eine dunkle Regenwand. Hier am Holztisch in der Küche mit Blick auf unser Zelt sieht das allerdings gar nicht so düster aus.

Samstag, 20. Juli 2013  Etappenziel Tallinn erreicht

Es hat sich doch gelohnt. Heute Morgen können wir das Zelt trotz des starken Regens von gestern Abend trocken verpacken. In den kommenden Tagen besteht kein Bedarf auf Camping.

Bereits 25 km vor der Stadtgrenze von Tallinn gibt es einen durchgehenden Radweg. Fertiggestellt wurde dieser gemäss einer Infotafel im Jahre 2011. So ist es angenehm, in die Stadt zu fahren.

In Rocca al Mare besuchen wir das Estnische Freilichtmuseum. Ein Problem beim Besuch von Museen oder Ausstellungen besteht jeweils darin, die beladenen Räder auf dem Parkplatz stehen lassen zu müssen. Doch dies ist hier nicht nötig. An der Kasse sagt uns die Dame, wir sollen die Fahrräder nur durch den Laden schieben und auf dem Rundgang mitnehmen. Das ist für uns natürlich super. So haben wir die Räder immer in der Nähe. Die Anlage ist mit viel Umsicht aufgebaut. Es erinnert uns stark an unseren Ballenberg. Die Häuser stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und aus unterschiedlichen Teilen Estlands. In oder vor den Häusern verrichten Männer und Frauen in den Kleidern und Trachten der damaligen Zeit ihr Handwerk. Die Besichtigung gibt Hunger und Durst, so dass wir uns in der aus dem Jahre 1840 erbauten Schankwirtschaft Kolu stärken.

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Nun sind wir am Rande der Altstadt von Tallinn in einem Hotel. Die Fahrräder können wir im Gepäckraum deponieren. Sie werden in den kommenden drei Tagen nicht bewegt. Wir wollen diese Stadt zu Fuss erkunden.

Auf dem Raekoja Plats (Rathausplatz) geniessen wir nun die Sonne und stossen auf den unfallfreien Abschluss unserer Etappe 8 „Riga – Tallinn“ an.

21. Juli 2013   Stadtbesichtigung

Tallinn und Riga weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Beide Städte waren Mitglied der Hanse und hatten in den gleichen Jahrhunderten ihre Blütezeit.

Dennoch stellen wir Unterschiede fest. Imposant finden wir die Stadtmauer, von der noch 1,9 km erhalten sind. Wir steigen auf die Türme und bekommen eine Vorstellung, wie man in früheren Zeiten diese Stadt wirkungsvoll verteidigen konnte. Von den einst 46 Wehrtürmen gibt es heute noch deren 19. Auch die kleinen schmalen verwinkelten Gassen versetzen uns immer wieder ins Staunen.

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Den ganzen Tag schlendern wir durch die Altstadt, besuchen den lokalen Markt und den Hafen, wo die Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Legt eines der Schiffe an, dann durchfluten die Leute die Strassen und all die Souvenierläden.

Müssten wir eine Präferenz über die zwei Städte abgeben, dann ist für uns Beide klar: es ist Tallinn. Noch haben wir zwei Tage, um das quirlige Treiben in der Altstadt auf uns einwirken zu lassen.

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Hauptbahnhof von Tallinn

Unser Hotel liegt direkt beim Hauptbahnhof, so dass wir von unserem Zimmer einen direkten Blick auf die Geleise haben. Der moderne Bahnhof ist nicht überdacht. Schauen wir aus unserem Fenster, wirkt der Bahnhof wie ausgestorben. Auch heute Abend spazieren wir noch zu den Geleisen. Es begegnen uns nur wenige Leute. Obschon Tallinn drei Mal grösser ist als Bern, vergleicht Barbara die Frequenzen mit dem Bahnhof von Burgdorf. Als Burgdorferin muss es Barbara ja wissen. Estland hat nur 1,3 Mio. Einwohner bei einer Fläche etwas grösser als die Schweiz. Die Mobilität ist nicht so ausgeprägt wie bei uns. Zudem werden anstelle der Bahn oft Busse und Schiffe eingesetzt. Es ist und bleibt so: Unser Eisenbahnnetz in der Schweiz bleibt eben Spitze.

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Montag und Dienstag, 22. und 23. Juli 2013

Die Altstadt ist kompakt und gut zu Fuss zu besichtigen. Nun können wir uns ohne Stadtplan bewegen. Eigentlich könnten wir fast eine Führung in Berndeutsch geben.

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