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Dienstag, 14. April 2015  Vorfreude

Es war 2011 auf unserer Tour "let's go south". Auf einer der endlos erscheinenden Fernstrassen in Alaska haben wir damals die zwei vollbepackten Radfahrer Moni und Robi angetroffen. Es folgte eine kurze aber interessante Diskussiont. Damals waren die beiden bereits sieben Jahre mit ihren Velos unterwegs. Heute gab's in Lyss ein Wiedersehen. Die beiden haben die Räder in Südafrika deponiert und gönnen sich  nach über 10 Jahren eine Pause in der Schweiz. In lebhaft vorgetragenen Schilderungen, untermalt mit Kurzfilmen und eindrücklichen Fotos, haben sie uns an ihrer langjährigen Veloreise rund um die Welt teilhaben lassen. Es sind genau diese Begegnungen, die unser Radlerherz wieder höher schlagen lässt!
Unsere Tour kommt uns nun zwar eher wie ein Wochenendausflug vor. Dennoch können wir es fast nicht erwarten, wieder kräftig in die Pedale zu treten. Alles was wir benötigen werden wir je in vier Saggochen verpacken. Kein fixer Streckenplan mit Vorreservierungen. Nein, wir wollen einfach losfahren mit dem ersten Zwischenziel in Saint-Nazaire am Atlantik ...

Samstag, 18. April 2015  
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

sagt ein altes chinesisches Sprichwort …

Wir haben gestern Abend die Sommervelokleider bereits zu recht gelegt. Doch, nachdem wir heute Morgen unsere Nasen auf dem Balkon in den Wind gesetzt haben, da gab es einen Tenuwechsel. Lange Hosen, langärmliger Odlofliess.
Von Bern bis Basel gönnen wir uns den Zug. Diese Velostrecke haben wir schon mehrmals abgestrampelt.

Ab Basel geht es gemütlich den Flüssen entlang. Für wenige Kilometer dem Rhein, danach dem Canal de Huningue und dann dem Canal du Rhône au Rhin. Eine gemütliche Einrolltour, bei der das Wetter immer besser wird. Am Abend erreichen wir Mulhouse. Obschon wir nur ca. 50 km zurück gelegt haben, fühlen wir eine angenehme Müdigkeit. Sicher tragen Wind und Kälte ihren Beitrag dazu.

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Sonntag, 19. April 2015  

Alle scheinen heute mit den Velos unterwegs zu sein. Die Radfahrer, die uns entgegen kommen, sind mehrheitlich eingepackt und haben kein Lächeln auf den Lippen. Sie kämpfen gegen die kräftige Bise, die ihnen ins Gesicht bläst. Doch wir haben den kalten Wind im Rücken und werden westwärts entlang dem Canal du Rhône au Rhin geschoben.

Bei Dannemarie befinden sich auf einer Strecke von 3 km total 12 Schleusen. Nicht nur mit Schleusen überwindet der Kanal die Höhenunterschiede. Der Fluss Larque wird mit einer Kanalbrücke überquert. Die mit grossen Quadersteinen erbaute Brücke stammt aus dem 19. Jahrhundert.


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Bereits früh am Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel Montbéliard. Die Innenstadt ist gesperrt. Es ist Karneval. Ein Umzug zieht durch die engen Gässchen und es herrscht eine ausgelassene Stimmung mit viel Konfetti. Am Abend gehen wir auf die Suche nach einem Restaurant. Doch an jeder Tür steht ein Schild „Fermé le dimanche“. Während diesem Fest hat anscheinend niemand das Bedürfnis, auswärts essen zu gehen. Also kaufen wir ein Baguette und greifen auf die strategischen Reserven in unseren Saggochen.

Montag, 20. April 2015  Hilfsbereitschaft überall

Die Strecke führt abwechslungsweise dem Rhone-Rhein-Kanal und dem Doubs entlang.  Ab und zu auf einem Dammweg zwischen den beiden Flüssen.

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Auf der rechten Seite der Doubs, auf der linken Seite der Kanal. Der Doubs mit seinem leichten Gefälle ist jedoch jeweils zwischen 3 und 5 Metern tiefer gelegen als der Kanal.

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Es gibt auch Abschnitte, da führt der Radweg zusammen mit dem Kanal durch einen Tunnel.

Erwähnenswert ist die Hilfsbereitschaft der Menschen. Stehen wir am Strassenrand beim Kartenstudium, dann wird uns sofort Hilfe angeboten. Heute Morgen beim Verlassen von Montbéliard erklärt uns ein älterer Herr, wie wir am besten die Stadt verlassen können, um zum Radweg Eurovélo 6 zurückzufinden. Eine Unterführung, dann eine Rampe hochschieben, über eine lange Fussgängerbrücke, danach zwei Mal rechts und wir haben die Stadt hinter uns gelassen.

Heute Abend spricht uns in Besançon wieder ein älteres hilfsbereites Ehepaar an. Nach kurzem Überlegen und kontroverser Diskussion erklären sie uns, dass wir auf der falschen Seite der Stadt wären. Der für uns einfachste Weg sei, wieder zurückzufahren und um die Altstadt zu kurven. Genau das machen wir. Später stellt sich heraus, dass wir weniger als 500 m vom Ziel entfernt gewesen wären. So kommen wir zu einer Stadtrundfahrt mit einigen starken Steigungen.

Auf Anhieb haben wir dafür ein feines kleines Restaurant gefunden und können die Saggochen mit den Lebensmitteln für heute Abend verschlossen lassen.

Dienstag, 21. April 2015

Gestern Abend, als wir uns der Stadt Besançon näherten, da sahen wir die beeindruckende Zitadelle, welche die höchste Erhebung mit einer mächtigen Mauer umgibt. Da wusste ich, dort will ich hinauf steigen. Doch gestern half kein gutes Zureden. Nach 99 km war Barbara für diesen Aufstieg wirklich nicht mehr zu begeistern.

Heute Morgen sieht die Welt wieder anders aus. So nehmen wir den steilen Fussweg und die über 250 Treppenstufen in Angriff. Belohnt werden wir durch einen wunderschönen Ausblick. Besonders fasziniert bin ich von der Ausdehnung dieser Festungsanlage. (Barbara begeistern Festungen und Burgen generell wesentlich weniger). Ich frage mich immer wieder, wie sind diese riesigen Quadersteine auf die Anhöhe geschleppt und an der Kante der Felsen zu einer mächtigen Mauer aufgebaut worden? Anscheinend war die im 17. Jahrhundert erbaute Festungsanlage nicht gerade günstig. Denn König Ludwig XIV soll bei der Abrechnung der Baukosten gefragt haben, ob die Mauer aus Gold sei.

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Kurz vor Mittag lassen wir uns vom starken Rückenwind durch die liebliche Gegend entlang dem Kanal und dem Doubs nach Dôle schieben. Doch diesmal können wir unterwegs den Kanaltunnel mit unseren Velos nicht befahren, wir müssen über die Anhöhe strampeln.

Mittwoch, 22. April 2015  Chalon sur Saône

Der kalte Wind ist verschwunden und es ist spürbar wärmer geworden. Genauer gesagt, es herrscht herrliches Radlerwetter  Dafür hat uns unser Freund Namens „Rückenwind“ verlassen.
Der Canal du Rhône au Rhin ist nun in die Saône gemündet. Die Strecke führt vermehrt weg vom Fluss. Auf Nebenstrassen und Feldwegen, entlang duftender Rapsfelder, fahren wir durch verschlafene Bauerndörfer. Hier scheint die Zeit still gestanden zu sein. Das Markanteste sind die Denkmäler zu Ehre der gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg und die grossen, gedeckten Dorfbrunnen, die aus der Zeit stammen, als die Kommunikation noch nicht per Natel erfolgte.

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Das Abendessen geniessen wir draussen in einem engen Gässchen der Altstadt.

Donnerstag, 23. April 2015

Im Canal du Centre herrscht reger Verkehr. Es erweckt den Anschein, als sei heute Morgen die Saison eröffnet worden. So legen wir an den Schleusen jeweils eine Pause ein und können beobachten, wie die Boote diese  passieren.

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Da nun öfters entlang des Kanals die stark befahrene Hauptstrasse führt, werden wir Velofahrer über die Anhöhen umgeleitet. In St. Bérain beschliessen wir, für einige Kilometer nicht über die Hügel zu pedalen, sondern schön entlang des Kanals auf der Hauptstrasse. Es hat immer weniger Autos. Uns fällt auf, dass die Seitenstrassen durch Personen in Leuchtwesten abgesperrt sind. Das finden wir super. Wir sind allein unterwegs. Plötzlich kommen von hinten Polizisten auf Motorrädern und bitten uns, die Strasse sofort freizugeben. Kurze Zeit später fahren Dutzende von Autos mit Werbeaufschriften, Polizisten auf Motorrädern und Ambulanzfahrzeuge an uns vorbei und danach hundert bis zweihundert (konnten diese nicht zählen, alles ging viel zu schnell) Velorennfahrer. Wären wir auf unseren Rädern so schnell unterwegs, so würden wir den Atlantik bereits in drei bis vier Tagen erreichen. Doch das wollen wir gar nicht. Es vergeht keine halbe Stunde und die Strasse gehört wieder uns allein.

Am Kanal in Montceau-les-Mines haben wir nun unser Nachtlager bezogen.

Freitag, 24. April 2015

Heute sitzen wir schon früh im Sattel. Für Morgen ist Regen angesagt. Somit wollen wir noch  vom trockenen Wetter profitieren. Der Himmel ist bedeckt und ein kalter Wind weht uns entgegen. Wir verlassen Montceau-les-Mines auf der D974. Der Weg schlängelt sich zwischen dem Canal du Centre und dem Fluss Bourbine hindurch.

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Entlang des Kanals stehen die grossen zum Teil langsam zerfallenden Industriebauten vom Bergbau und der Stahlindustrie. Diese sorgten früher für regen Betrieb entlang des Kanals. Aber auch die Wohnhäuser stehen zum Teil leer, haben eingebrochene Dächer oder sind sonst in einem erbärmlichen Zustand. Die Gegend scheint sich zu entvölkern. Geblieben ist der Canal.

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Mehr zu  begeistern vermag uns die Kanalbrücke von Digon. Die Sonne kommt genau zur rechten Zeit hinter den Wolken hervor. Der Kanal überquert hier auf einer Länge von 243 m die Loire. Ein spezielles Gefühl, neben dem Kanal die breite Loire überqueren zu können. Nun pedalen wir entlang dem Canal Latêral à la Loire.

Die Wolken verziehen sich gänzlich und es wird, wie bereits gestern, ein herrlicher Frühsommertag. Angenehm warm aber nicht zu heiss zum Velo fahren.

In Bourbon-Lancy am Lac de Breuil  ist die Tagesetappe abgeschlossen. Wir sitzen im Gartenrestaurant, geniessen die Abendsonne und tippen diese Zeilen in den Compi.

Samstag, 25. April 2015

Gestern schlenderten wir nach dem Nachtessen noch durch die Altstadt von Bourbon-Lancy. Die Riegelbauten, der gepflegte Dorfplatz und die engen Gässchen gefallen uns ganz besonders. Vielleicht auch deswegen, weil es ein krasser Gegensatz zu den vielen langsam zerfallenden Dörfern bildet, durch die wir in den vergangenen Tagen geradelt sind.

Heute Morgen starten wir im Regen. Die Strecke führt uns über sanfte Hügel etwas abseits der Loire. Fast keine Autos begegnen uns, dafür Rehe, Hasen und viele, viele Schnecken auf der Strasse und neben der Strasse und im sumpfigen Grasland erblicken wir sogar einige Störche.

Der Regen kommt und geht. Wenn es aber zu giessen beginnt, dann kräftig. So können wir auf dieser Tour erstmals unsere Regenmontur testen. Wir dürfen festhalten, dass unsere Outdoor Kleider halten, was die Werbung verspricht.

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Einfahrt über die Loire nach Nevers

Vom Euroveloweg 6 zwischen Basel und Nantes haben wir nun ziemlich genau die Hälfte zurückgelegt. Ich werde am Ende der Strecke unter den „Hintergrundinformationen“ Tipps und Eindrücke zu diesem Fernveloweg festhalten, der von Nantes ans Schwarze Meer führt und einer der längsten Europavelowege ist. Also mehr dazu später.

Vorerst legen wir hier in Nevers eine Pause ein. Unsere Velos und das Gepäck können wir im Hotel deponieren, so dass wir nur mit der schmutzigen Wäsche nach Köniz fahren. Zu Hause wollen wir dann einige Tage mit unseren Freunden aus Amerika verbringen, die während dieser Zeit bei uns wohnen.

Erfahrungen zu diesem Fernradweg gehe zu:   Info zum Europaradweg