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2. Etappe als pdf herunterladen:

Samstag, 9. Mai 2015

Heute Morgen besteigen wir den Zug Richtung Nevers. In Dijon empfängt uns leichter Regen, doch bereits in Nevers hat der Wind die Wolken verblasen. Bei herrlichem Sonnenschein können wir draussen das Abendessen geniessen.

Die Saggochen sind umgepackt und alles ist bereit, damit wir Morgen früh starten können. Das Wetter verspricht frühlingshaft zu werden. So freuen wir uns, die Loire-Etappe in Angriff nehmen zu können. Zum Start, Sonne und Wind immer schön im Rücken.

Sonntag, 10. Mai 2015

Nach wenigen Kilometern erreichen wir le Guétin. Der Kanal führt hier über die Loire. Mit 470 m soll dies eine der längsten Kanalbrücken Frankreichs sein. Diese Bauten faszinieren immer wieder von neuem.

Bei einer Weggabelung herrscht ein grosser Andrang von Velofahrern. Anscheinend gibt es etwas gratis. Nein, es handelt sich um eine Befragung der Velofahrer. Ob wir kurz Zeit hätten? Natürlich. Wir haben mehr Zeit als Geld. Doch bis wir all die über 50 Fragen beantwortet haben dauert es. Das war wirklich nicht einfach, die Kreuzchen an der richtigen Stelle anzubringen. Wir loben die hervorragende Ausschilderung des Veloweges 6 bzw. des Loire-Radweges. Als Dankeschön erhalten wir eine Veloweste „La Loire à Vélo“. Doch auf dem verkehrsfreien Kanalweg wollen wir die Leuchtweste dann doch nicht überstülpen.

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... noch wissen wir nicht, dass wir auf der falschen Fährte sind ...

Die Loire ist einer der letzten naturbelassenen Flüsse Europas. So pedalen wir entlang des Flusses oder zwischen Fluss und kleinen Seen. Plötzlich wird der Veloweg ruppiger. Grosse ausgewaschene Löcher. Es wird enger, sehr eng, so dass die Brennnesseln auf beiden Seiten des Weges immer näher an unsere nackten Wadli kommen. Plötzlich ist Schluss. Vorne Wasser, rechts Wasser, links Wasser. Wir befinden uns, wie wir später feststellen, auf der „Iles de la Garguade“. Dank der Unachtsamkeit bei einer der Abzweigungen können wir durch die liebliche Auenlandschaft bei Thauvenay kurven und die Ufer der Loire etwas intensiver wenn auch etwas mühsamer bestaunen.

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Ein steiler Aufstieg von über 150 m führt uns auf die Anhöhe nach Sancerre. Zum ersten Mal auf dieser Tour pedalen wir durch Rebberge. Reben, soweit das Auge reicht. Sancerre lebt von den Touristen bzw. vom Wein aus der Gegend und dem Ziegenkäse. Wir beschliessen, den späteren Nachmittag und die Nacht hier zu verbringen. Ein Fläschchen „Sancerre“ durfte heute natürlich nicht fehlen.

Montag, 11. Mai 2015

Als wir gestern Abend durch das Städtchen Sancerre schlenderten, hielten wir Ausschau nach einem Lebensmittelgeschäft. Doch es gibt nur Weinläden und nochmals Weinläden. Zwischendurch hat es einen Laden, der den speziellen, in dieser Gegend sehr bekannten Ziegenkäse verkauft und natürlich Souvernierläden.

Heute Morgen beim auschecken erkundige ich mich, wo man einkaufen könne. Was wir den benötigen, fragt die Dame an der Reception. Wasser, Joghurt, Brot, Käse oder Fleisch und Früchte. Mit einer grossen Selbstverständlichkeit meint sie, das hat es doch alles am Frühstücksbuffet. Bedient euch. Sie bringt uns noch vier Flaschen Mineralwasser.  Als wir dafür bezahlen wollen, winkt sie energisch ab. So erleben wir immer wieder positive Überraschungen.  Es kommt uns vor, als würden wir den ganzen Tag am Frühstücksbuffet verbringen.

Seit gestern fällt uns auf, dass die Dörfer viel gepflegter erscheinen. Alte Häuser wurden renoviert und am Dorfrand stehen vermehrt neue Einfamilienhäuser. Je mehr wir westwärts fahren, desto besser scheint es der lokalen Bevölkerung zu gehen.

Geblieben ist jedoch die Stille, welche die Dörfer umgibt. Wir können am Vormittag, über die Mittagszeit oder am Nachmittag durch die Dörfer radeln und treffen niemanden an. Nur Autos vor den Häusern und Wäsche, die zum Trocknen in den Vorgärten aufgehängt wird, sagen uns, dass es hier Leben geben muss.

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Am späteren Nachmittag erreichen wir Sully-sur-Loire. Beim Stadteingang erblicken wir das von Wasser umgebene Schloss Sully. 

Dienstag, 12. Mai 2015

Heute kommt der Wind von vorne. Dies ist nicht das Unangenehmste. Nein, es sind die Folgeerscheinungen der blühenden Wiesen: beissende, rote Augen, begleitet von starkem Heuschnupfen! Warum nur bei mir? Weil die Frauen viel härter im nehmen sind und nicht jammern.

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In Orleans entfliehen wir dem Wind in die engen Gässchen der Altstadt. Die Gebäude befinden sich zum Teil in einem erbärmlichen Zustand. So haben wir uns die Stadt Orleans, die sich im 14. Jahrhundert als Hauptstadt von Frankreich fühlte, nicht vorgestellt.

Doch als wir die Kathedrale Sainte Croix erreichen, erblicken wir den Prunk aus früheren Zeiten. Breite Strassen mit herrschaftlichen Häusern. Gegensätze, die uns überraschen. Dafür kostet ein Cappuccino auf dem Place Sainte Croix stolze 5 Euro.

Vor wenigen Tagen haben wir unterwegs nur etwas mehr als 1 Euro für einen Kaffee bezahlt.

Nun sind wir im kleinen Städtchen Beaugency, welches zum Unesco Weltkulturerbe gehört.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Entlang der Loire und ihren Nebenflüssen soll es über 400 Schlossanlagen geben. Wir haben nicht die Absicht, alle diese zu besichtigen. Einige haben wir uns auf unserer Route vorgemerkt und die anderen überlassen wir dem Zufall.

Heute unternehmen wir einen Abstecher zum Schloss Chambord. Ein Prunkbau, der mit vielen Superlativen beeindruckt. Mit 440 Zimmern soll es das grösste der Loireschlösser sein. Noch beeindruckender ist die Mauer, welche die Parkanlage umgibt. Diese misst 35 km. Wir sind nicht unglücklich, die weitläufige Parkanlage mit dem Velo besichtigen zu können.

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Nun sind wir in Chaumont-sur-Loire. Von unserem Dachzimmer aus, haben wir einen wundervollen Blick auf die Loire. So können wir den Sonnenuntergang geniessen und den Tag Revue passieren lassen.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Heute verlassen wir das Loiretal und fahren zum Schloss Chenonceau.

Bei solchen Besuchen stellt sich immer die Frage, wo können wir unsere Räder mit dem gesamten Gepäck sicher stehen lassen. Es gibt Orte, da werden für die Radfahrer Veloboxen zur Verfügung gestellt. In diese kann man das Velo samt Gepäck parkieren und wie bei einer normalen Garage abschliessen. Doch solche gibt es hier in Chenonceau nicht.

Ein Sicherheitsbeamter weist uns vom Eingangsbereich weg. Wir sollen unsere Fahrräder bei den grossen Parkplätzen für Autos und Zweiräder deponieren. Doch dieser Parkplatz ist uns zu unsicher. Also fahren wir ins Dorf zurück und suchen ein sicheres Plätzchen für unsere bepackten Velos. Bei einer Pension dürfen wir diese im Hinterhof deponieren. Dort seien unsere Räder sowie das Gepäck sicher, meint die Frau. Wir packen noch unser Mittagessen in die Rucksäcke und gehen zu Fuss zurück zum Schlosseingang. Bei der Sicherheitskontrolle wird uns erklärt, dass keine Lebensmittel in die Parkanlagen eingeführt werden dürfen. Also verschlingen wir schnell unser Mittagessen (Joghurt, Käse und Baquette). Als wir ohne Lebensmittel in den Rucksäcken, aber mit vollen Bäuchen, die Sicherheitskontrolle erneut passieren, werden wir nochmals nach Esswaren untersucht. Und kaum zu glauben: bei der Billettentwertung werden wird nochmals höflich gefragt, ob sie einen Blick in unsere Rucksäcke werfen dürften.

Endlich im wunderschönen Park angekommen beginnt es zu regnen. Zuerst nur leicht, doch wenige Minuten später sind die Schleusen geöffnet. Wir flüchten ins Innere des Schlosses. Bei der Besichtigung der zum Teil prunkvollen Gemächer lassen wir uns Zeit.

Am Nachmittag kehren wir wieder zu unseren gut gesicherten Velos zurück. Wir radeln weiter auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses le Cher R. und nochmals an der Schlossanlage vorbei. Da glänzt das Schloss bereits wieder im Sonnenschein.

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Freitag, 15. Mai 2015

Die Strecke führt uns heute durch die Rebberge bei Husseau. Nun haben wir ab Basel bereits mehr als 1‘000 km zurückgelegt. Dies ist ein guter Grund, heute Abend mit dem Rotwein aus dieser Gegend anzustossen.

Zwischendurch sind es nicht die grossen Rebberge, die unsere Aufmerksamkeit erwecken. Nein, es sind unscheinbare Kleinigkeiten am Rande des Veloweges. Auf einer langen Mauer, welche den Garten eines Steinhauses umgibt, sind Teekannen aufgestellt. Nicht einige Dutzend, nein es sind viel mehr. Ich beginne mit zählen und gebe bei Zweihundert auf, da im Innenhof viele weitere Kannen herumstehen.

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Bereits um die Mittagszeit erreichen wir unser Tagesziel, die Stadt Tours. Diese war für kurze Zeit die Hauptstadt Frankreichs. Am Nachmittag schlendern wir durch die Altstadt, besichtigen die Kathedrale Saint-Gatien und die Basilika Saint-Martin. Dazwischen nehmen  wir uns Zeit,  in einem der vielen Strassencafés eine Pause einzulegen, um dem Treiben zuzusehen.

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Einige Gedanken zu den Preisen

Für uns ist es immer wieder spannend, die Preise mit denen von zu Hause zu vergleichen.
Der Streckenabschnitt, in dem wir uns nun befinden, wird von Touristen sehr stark besucht. Viele Reisecars belegen die Parkplätze bei den Schlössern, wie auch am Rande der Städte. In den engen Gässchen der Altstadt begegnen wir dann all diesen Touristen. Die Kosten für Übernachtungen sind dementsprechend gestiegen.  Erstaunlich  jedoch nicht die Preise in den Restaurants.

In der Altstadt, an der Rue du Grand Marché, reiht sich ein Restaurant ans andere und dies auf beiden Seiten der Strasse. Wir haben wieder einmal Lust auf die italienische Küche. Im „La Cappuccino“ nehmen wir einen Apéro, danach Barbara eine Pizza und ich eine italienische Omelette mit Parmesankäse, Speck und Salat. Dazu genehmigen wir uns einen Halben roten Chinon aus der Gegend. Dazu gibt es eine Flasche Wasser. Für all dies bezahlen wir inklusive Service € 37.80. Die Bedienung war einmal mehr hervorragend. Das Preis-/ Leistungsverhältnis stimmt für uns.

Die Kleider und die Schuhe, die in den Schaufenstern der Boutiquen ausgestellt sind, entsprechen jedoch den Boutique-Preisen in Bern.

Samstag, 16. Mai 2015

Heute lässt sich die Sonne nicht blicken. Über den Auen schwebt leichter Nebel. Diese Feuchtigkeit hat auch ihre Vorteile. Trotz Wind keine geröteten Augen und keine „Heuschnupfenanfälle“.

Die Schlösser Langeais und d’Ussé betrachten wir nur kurz von aussen. Dafür nehmen wir uns für das Schloss Montsoreau viel Zeit. Eine Ausstellung im Innern zeigt die Bedeutung und Entwicklung der Frachtschiffe mit ihren grossen Segeln auf der Loire. Ferner spielten früher die Windmühlen entlang der Loire eine wichtige Rolle.

Von den zwei Schlosstürmen aus geniesst man einen herrlichen Ausblick auf den Zusammenfluss der Loire und der Vienne.  Auch das kleine Städtchen mit ihren Höhlenhäusern ist beeindruckend. In der Schlossbroschüre steht, dass Montsoreau eines der schönsten Orte Frankreichs sei.

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Wir haben für diese Nacht ein Dachzimmer mit Blick auf das Schloss gebucht. Am Abend, da lässt sich die Sonne nun doch noch blicken, so dass wir von unserem Zimmer aus das einzige Sonnenföteli für den heutigen Tag knipsen können.

Sonntag, 17. Mai 2015

Zu Beginn fahren wir direkt entlang der Höhlenhäuser, welche in die Felswände aus Tuffstein gehauen wurden. Dieser Kalkstein ist wie Sandstein, leicht zu bearbeiten, so dass auf mehreren Kilometern die ganze Felswand wie ein Emmentaler durchlöchert ist. Die Steine wurden auch für den Bau einiger Schlösser verwendet und die dadurch entstandenen Höhlen waren früher Wohnraum für arme Leute. Nur noch wenige werden heute bewohnt. Meistens  dienen sie nun als Weinkeller,  Weindegustationsräume oder Geräteschuppen.  Einzelne wurden erweitert und dienen Künstlern als Arbeits- und Ausstellungsräume.

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Nach einigen Kilometern führt uns der Weg auf die Anhöhe durch die Rebberge. Immer wieder mit Blick auf das breite Loiretal.

Übernachtungen

In den vergangenen Tagen war es nicht immer einfach, auf Anhieb eine Unterkunft zu finden. Der Monat Mai sei ein sehr beliebter Reisemonat, dementsprechend ist auch die Zimmerauslastung.  Somit haben wir uns entschieden, nicht mehr spontan vor Ort für eine Unterkunft Ausschau zu halten, sondern jeweils einen Tag zum Voraus  eine Reservation vorzunehmen. Dies geht zu Lasten der Spontanität, gibt uns dafür die Gelassenheit, auch etwas später am Abend an unser Tagesziel zu fahren.

Montag, 18. Mai 2015

Wer hatte heute den grösseren Durchhaltewillen? Der Wind hat den ganzen Tag gegen uns geblasen. Dennoch haben wir die geplante Strecke geschafft. Somit gibt es keinen Sieger, jedoch zwei ältere Radler, die wirklich auf den Felgen auf der Anhöhe des Städtchen Champtoceaux ankommen. Nach einem Durstlöscher und einem feinen Nachtessen mit Rotwein aus der Gegend ist die Welt jedoch wieder in Ordnung.

Auf dem Abendspaziergang entlang des Panoramaweges geniessen wir den Blick ins Loiretal. Den ganzen Nachmittag war es bedeckt, dunkle Wolken drohten mit Regen. Doch am Abend geniessen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang.

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Für den morgigen Tag sind Sturmböen angesagt. Aus welcher Richtung diese kommen, das wollen wir heute noch gar nicht wissen. Wir setzen uns aber kein Etappenziel und lassen uns durch den Wind und das Wetter leiten.

Dienstag, 19. Mai 2015

Wir starten mit einem Abstecher durch die Rebberge, bis wir wieder auf den Loireradweg einschwenken.  In der Ebene angekommen, führt uns der Veloweg durch grosse Gemüseplantagen. Es sieht aus, wie bei uns im Grossen Moos. Am meisten beeindrucken uns die riesigen Radiesliplantagen. Einige Felder sind erst gerade angepflanzt worden, bei anderen sind Dutzende von Arbeitern mit der Ernte beschäftigt. Ein Stapel von Palletten wird auf mehrere Lastwagen geladen. Wer um Himmels willen soll all diese Radiesli essen?

Wenige Kilometer später ändert sich das Landschaftsbild von neuem. Autofriedhöfe, Metallsammelstellen, genauer gesagt eine Grümpelhalde nach der anderen. Wie kann man so etwas dem Ufer der Loire antun?

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Zugegeben, ist nicht der idyllischste Platz für unsere Mittagspause. Dafür sind wir im Bushäuschen optimal vom Wind geschützt.

Wir beschliessen, kurz durch die Altstadt von Nantes zu radeln. Doch dies hätten wir uns ersparen können. Erst als wir den Grossraum der Stadt Nantes verlassen, finden wir wieder Gefallen an der Gegend.

Bei le Pellerin überqueren wir die Loire mit einer Fähre. Entlang des Canal Maritime de la Basse Loire nähern wir uns immer mehr dem Atlantik.

Da wir unterwegs keine Übernachtungsmöglichkeiten finden, bleibt uns nichts anderes übrig, als bis St. Brévin zu radeln. Der Gegenwind gibt nochmals alles, wir aber auch!

Nach hundert Kilometern erblicken wir die Brücke nach Saint-Nazaire, die hier die mehrere Kilometer breite Loire überspannt. 

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