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3. Etappe als pdf herunterladen

Donnerstag, 21. Mai 2015

In der Nacht hören wir das Rauschen des Meeres und am Morgen begrüsst uns die Sonne. So starten wir unsere 3. Etappe, die uns entlang des Atlantiks Richtung Bordeaux führen wird.

Ich geniesse die Fahrt, die Landschaft und lass meinen Gedanken freien Lauf. Das führt manchmal jedoch dazu, dass ich im Rückspiegel Barbara nicht mehr sehe. Nicht weil ich zu schnell gestrampelt bin, nein, weil ich einmal mehr einen Wegweiser übersehen habe. So geht‘s zurück an die Kreuzung, an der Barbara wartet, schmunzelt und höflicherweise nichts sagt.

Ich bin lernfähig und achte nun minuziös auf diese zum Teil etwas versteckten Velowegweiser. Die Strecke führt abwechslungsweise direkt am Meer entlang und dann wieder durch das Landesinnere mit den vielen Salzgewinnungsbecken. Wir folgen schön den ausgeschilderten Velowegen. Es muss in der Nähe von Beauvoir sur Mer sein, als wir abseits vom Meer feststellen, dass wir schon längere Zeit nordwärts fahren. In den kreuz und quer führenden Wegen zwischen den Wasserkanälen und Wasserbecken ist die Orientierung recht schwierig. Es sind genau solche Situationen, bei denen wir um unser GPS froh sind. Wir wenden, fahren südwärts, finden jedoch den Veloweg nicht mehr und müssen auf die Hauptstrasse.

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In Notre Dame des Monts beschliessen wir spontan, in einem kleinen Hotel in den Pinienwäldern zu übernachten.

Beim Hotelbesitzer erkundigen wir uns nach dem Veloweg, den wir anscheinend nicht gefunden haben. Er beruhigt uns. Ihr seid nicht die Einzigen, das geht den meisten Velofahrern so. Eigentlich finden nur die Einheimischen die verschlungenen Wege der Veloroute südwärts in diesem Abschnitt.

Die Chefin rät uns dringend, für die kommenden Pfingsttage die Hotelübernachtungen vor zu reservieren. Heute seien von 37 Zimmern nur 6 belegt. Über das Wochenende sei das Hotel ausgebucht. Somit begeben wir uns in unser Zimmerchen. Barbara bestimmt die Etappenlängen und sucht nach Unterkünften, möglichst direkt am Meer und ich halte in der Homepage unsere heutigen Tageseindrücke fest.

Freitag, 22. Mai 2015

Der heutige Veloweg führt abwechslungsweise durch Sanddünen, direkt dem Meer entlang und durch Wälder. Immer schön abseits vom Verkehr. Die Beschilderung ist hervorragend, so dass auch ich mich nicht verfahren kann. Es sind genau diese Velowege, welche Barbara so liebt. Immer wieder verweilen wir an einem Plätzchen am Strand und geniessen diesen sonnigen Tag.

Auf dem Velo habe ich, im Gegensatz zu Barbara, immer Hunger. Deshalb führen wir ständig eine reichhaltige Verpflegung mit uns. Unser Ritual am Morgen besteht aus dem Kauf eines frischen Baquettes und  vier Joghurts. Ferner stellen wir sicher, dass die vier Wasserflaschen à je 1, 5 l gefüllt sind und wir genügend Salami, Käse, Schokolade, Güezi und Früchte in den Vorrats-Saggochen bei uns haben.

Heute Mittag gibt es zum Dessert einen Lebkuchen. Dieser ist in der Saggoche etwas in Vergessenheit geraten. Das Konsumationsdatum ist bereits einen Monat überfällig. Doch dieser Lebkuchen mit seinem Zuckerguss-Bär war gut gelagert und hat uns bereits 1‘500 km auf dem Velo begleitet. Nicht nur fürs Auge braucht es schöne Augenblicke, nein auch für den Magen sind solche Überraschungen wichtig.

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Nun befinden wir uns in Les Sables-d’Olonne. Dies soll der zweitgrösste Badeort von Frankreich sein. Noch ist es hier relativ ruhig, die Hochsaison scheint noch nicht begonnen zu haben.

Samstag, 23. Mai 2015

Es ist ganz ungewohnt, es hat keinen Wind. Der Himmel ist bedeckt, die Temperatur ist jedoch angenehm.

Wir fahren entlang Entwässerungskanälen und durch Sumpfgebiet. Auch wenn wir immer wieder Kühen und Schafen begegnen, ist hier der Haupterwerbszweig die Austernaufzucht. Das milde Klima und die gute Wasserqualität seien dafür verantwortlich, dass die Austern rasch wachsen und eine hervorragende Qualität aufweisen. Wir besuchen den kleinen Hafen Port de la Guittière und bestaunen die Zuchtanlagen, die Bewässerungssysteme und die Betriebe. Der breite Fluss,

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der hier ins Meer fliesst, wird bei jeder Flut mit Meerwasser durchmischt. Dies soll den Austern einen unverwechsel- baren Geschmack verleihen. Über 9‘000 Tonnen von diesen Schalentieren werden jährlich in der Umgebung gezüchtet.

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Unser Hotel befindet sich am Rande des Städtchens La Tranche-sur-Mer. So kommen wir am Abend zu einem ausgiebigen Spaziergang dem Strand entlang ins Zentrum. In einem kleinen Beizli wählen wir ein einfaches Menu: Barbara Poulet und ich Couscous, dazu einen halben Roten aus der Gegend. Kaum zu glauben, das Ganze kostet nur 21 Euro. Auf unseren Reisen sind die Preisvergleiche immer etwas, was uns fasziniert. Wir kennen natürlich die Löhne der Austernarbeiter nicht, somit können wir auch keine Rückschlüsse auf die Kaufkraft vornehmen. Auf dem Rückweg verweilen wir bei einem Strandbeizli, sitzen in den Liegestühlen, genehmigen einen Abendtrunk und beobachten, wie die Flut seinen Lauf nimmt und wie es langsam einnachtet.

Sonntag, 24. MaI 2015

Auf den Tag genau vor drei Jahren waren wir hier in der Hafenstadt La Rochelle. Dies ist reiner Zufall. Vor drei Jahren fuhren wir auf unserer Tour „let’s go east“ in Begleitung von Doris und Xaver mit den Velos nordwärts, und nun auf unserer diesjährigen Tour „let’s go west“ pedalen wir südwärts. Für einige hundert Kilometer überschneiden sich die Wege. Doch die Strecke entlang des Atlantiks ist so schön, dass man diesen Abschnitt ruhig zweimal abstrampeln kann.

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Immer wieder begegnen uns an den Kanälen und dem Meer entlang kleine Häuschen mit grossen Fischernetzen. Bei Aiguillon-sur-Mer führt die alte Departementsstrasse über einen Meerbusen. Auf dieser können wir beobachten, wie die rechteckigen Netze durch die Fischer ins Wasser gelassen und an einer Kurbel wieder hochgezogen werden. Wir beobachten das Treiben eine ganze Weile. Fische bleiben jedoch nie im Netz hängen, dennoch geben die Fischer nicht auf. Zwischendurch genehmigen sie sich einen Schluck Rotwein. Natürlich darf auch hier die Geselligkeit nicht fehlen.

Montag, 25. Mai 2015

Das Pfingstwochenende scheinen alle am Meer zu verbringen. Der Veloweg und die Fussgängerpromenade treffen immer wieder aufeinander. So kommt es zu einem Gedränge. Doch niemand hetzt, alle scheinen Zeit zu haben. Auch wir. Bei Châtelaillon geniessen wir einen Cappuccino und lassen die Meerbrise auf uns einwirken. Als wir wieder aufbrechen und unseren Standort mit der Karte kurz abstimmen, werden wir von einer Gruppe Männer und Frauen angesprochen. Sie fragen uns, woher wir kommen und wieviele Kilometer wir  pro Tag radeln würden. Doch ganz besonderes Interesse finden die 14 Länderwappen, die an unseren Velostangen aufgeklebt sind. Sie versuchen, die Länder zu bestimmen. Nur zwei von der Gruppe sprechen französisch. Unsere Schilderungen werden den übrigen Anwesenden übersetzt. Als wir uns erkundigen, ob sie hier in den Ferien weilen, meint einer der Männer: „Nein, wir kommen aus Brasilien und besuchen hier eine Austernzucht. Wir wollen in Brasilien ebenfalls eine Austernfabrik aufbauen und vom Wissen hier profitieren“. Am Schluss knipsen sie noch einige Fotos von uns. Einer der Männer sagt, er fahre auch viel Velo und müsse uns seinen Kollegen in Brasilien unbedingt zeigen können. Es sind diese kurzen zum Teil lustigen Begegnungen, die wir immer wieder schätzen.

Nein, doch nicht alle Leute geniessen das Meer. Auf dem Radweg kurz vor Le Petit Vergeraux ist der Weg versperrt. So weit das Auge reicht erblicken wir Flohmarktstände. Zu Fuss bewegen wir uns mit der Menschenmasse, bleiben die Leute stehen, dann gibt es auch für uns kein Vorwärtskommen. Doch wie gesagt, wir haben Zeit. Auf früheren Velotouren hat Barbara jeweils noch alte Bügeleisen gekauft und in den Saggochen mitgeführt. Doch die Zeiten sind vorbei. Heute denkt sie darüber nach, wie sie ihre antike Bügeleisensammlung von ca. 150 Stück verkaufen könnte. Ja, vielleicht an einer Brocant wie diese.

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... liebe Barbara, es gäbe noch anderes zu sammeln als alte Bügeleisen ...

Dienstag, 26. Mai 2015

Bei Rochefort führt eine Schwebebrücke über die Charante. Diese transportiert nur noch Velos und Fussgänger, wenn sie in Betrieb ist. Heute leider nicht, es sei die Wochenrevision fällig.  So müssen wir die neue Autobrücke nehmen. Diese hat vier Spuren und am Rand nur einen schmalen Streifen von ca. 80 cm für Velos. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 90 km/h. Doch wir bringen es wegen der starken Steigung bis zur Brückenmitte bloss auf 9 km/h.  Es ist eng und es herrscht Morgenverkehr. Da die Lastwagen auf der rechten Fahrspur nicht auf die zweite Spur ausweichen können, fahren sie direkt dem Velostreifen entlang und somit sehr nahe an uns vorbei. Es sind die bisher unangenehmsten zwei Kilometer auf unserer Tour und kommen uns wie eine Ewigkeit vor.

Wohlbehalten auf der anderen Seite des Flusses angekommen suchen wir vergebens den Veloweg. Wir fahren kreuz und quer und treffen immer wieder auf Schnellstrassen. Doch irgendwann klappt es. Manchmal braucht es nicht nur Glück, sondern auch viel, sehr viel Geduld.

Ab der zweiten Tageshälfte wieder das gewohnte Bild. Tolle Radwege durch Pinienwälder oder direkt dem Meer entlang. Wir geniessen diesen Streckenabschnitt, denn ab morgen lassen wir den Atlantik hinter uns und schliessen die 3. Etappe ab.

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Hier wurde die Strasse für den normalen Autoverkehrt gesperrt. Nun gehört dieser Streckenabschnitt ausschliesslich den Fussgängern und den Velofahrern. Es ist nicht das erste Mal, dass wir solche Veränderungen beobachten. Eine gezielte Massnahme der regionalen Fremdenverkehrsorganisationen, um den immer aktiv werdenden Feriengästen das notwendige Umfeld anbieten zu können.

N a c h l e s e

Heute hat sich die Sonne nicht immer blicken lassen. Am Abend verziehen sich die Wolken. Blauer Himmel und eine kräftige Abendsonne ermöglichen uns, direkt in der Bucht von Saint Palais sur Mer den Abend zu verbringen. Zum Abschied gibt es nochmals Lachs aus dem Atlantik.

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Kurz vor Sonnenuntergang schlendern wir entlang der Promenade. Winkend, die Sonne im Rücken, sagen wir dieser Etappe „au revoir“.

Die neue Etappe heisst dann „Le Canal des 2 Mers à Vélo». Zuerst geht’s der Gironde, dann der Garonne entlang, weiter dem Canal du Midi, bis wir nach ca. 700 km das Mittelmeer erreichen werden.

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Barbara plant die nächsten Etappen und ich aktualisiere die Homepage