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Sonntag, 7. Juni 2015

Es ist 22 Uhr und immer noch heiss. Kein Wind bläst vom Meer. Ich versuche nun, die Tageseindrücke kurz festzuhalten. Barbara serviert mir soeben Schoggicrème. Eigentlich ist es eine Tafel Schokolade, die heute in der Saggoche etwas zu warm bekommen hat. Eine Schoggiglace wäre mir lieber. Zu Fuss ins Städtchen mögen wir auch nicht, dann eben doch Barbaras Schoggicrème, die muss schliesslich auch weg.

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Am Abend sagen wir uns immer, morgen starten wir wegen der Hitze etwas früher. Doch es bleibt beim Wollen. Gründe, weshalb wir nicht früher in den Sätteln sitzen, gibt es verschiedene, doch lassen wir dies. 

18 km geht es auf dem gleichen holprigen Weg zurück, den wir gestern gekommen sind, denn Port-la-Nouvelle liegt in einer Sackgasse. Danach erreichen wir wieder die Originalveloroute. Was treffen wir an? Bestens ausgebaute Velowege. Der Wind schiebt uns ostwärts. Eigentlich super, doch dafür brennt die Sonne umso stärker. Schatten ist heute sehr rar. Ausgenommen in den Strandbeizli, die wir ausgiebig aufsuchen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Saint-Pierre-la-Mer und wenig später sind wir bereits im Meer. Das Wasser ist mit 16,1 Grad noch recht kalt, doch für einmal ist dies für uns sehr willkommen.

Montag, 8. Juni 2015

Vorerst führt die Strecke direkt entlang des Meers. Der Wind ist angenehm erfrischend. Danach pedalen wir nordwärts durch Etangs und Sumpfgebiet. Sobald wir die Ebene verlassen, prägen grosse Rebberge und Kornfelder die Landschaft. Die Strassen, vor allem die geteerten, sind mit den vielen Schlaglöchern und den holprigen Ausbesserungen nicht angenehm zum fahren. Dafür begegnen uns kaum Autos und dies schätzen wir ganz besonders

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Kurz vor der Stadt Béziers erreichen wir wieder den Canal du Midi und werden durch die Schleusentreppe von Fonsérannes begrüsst. Dies ist eines der beeindruckendsten Bauwerke des ganzen Kanals. Im 17. Jahrhundert wurden hier auf einer Strecke von 300 Metern neun Schleusen gebaut. Heute sind noch deren sieben in Betrieb, da für die Überquerung des Flusses Orbs eine Kanalbrücke gebaut wurde. Da diese Schleusen für die grossen Frachtkähne zu kurz waren, wurde daneben ein Schleusenlift gebaut. Doch dieser ist nach einer Panne ausser Betrieb gesetzt worden. Der grosse Stahlkoloss mit seiner langen Rampe zerfällt nun immer mehr.

Wir fahren weiter dem Canal du Midi entlang.  Die Wegbeschaffenheit ist unterschiedlich, von sehr feinem Teerbelag bis zu einem holprigen mit Wurzeln versehrten, engen Pfad.  Auch Barbara erträgt diesen Holperabschnitt mit Fassung, denn heute heisst es, Abschied nehmen vom Canal du Midi.

Später als geplant erreichen wir unser Hotel in den Dünen kurz nach Marseillan-Plage. Hier bleiben wir drei Nächte.

Während des Abendessens kommt endlich der erlösende Gewitterregen.  Wir hatten auch heute wieder bis 40 Grad am Schatten. Das Gewitter bringt nun die wohltuende Erfrischung, die wir richtiggehend aufsaugen.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Gestern verbrachten wir einen Ruhetag nach dem Motto: Einfach nichts tun!

Heute reinigen und ölen wir unsere Räder, waschen die Velokleider und entrümpeln unsere Saggochen. Danach gibt’s ein ausgiebiger Spaziergang dem Meer entlang. Wir geniessen eine Flasche Rosé sowie eine Wassermelone und schreiben einige Mails. Dann lese ich im iPhone die News und schliesse zwischendurch immer wieder die müde gewordenen Augen. So lassen wir den heutigen Tag verstreichen.

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      in Velowaschanlage

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Ein letztes Bad im Meer. Morgen werden wir die Küste verlassen und nordwärts pedalen.
Das Wasser ist wesentlich wärmer als noch vor zwei Tagen. Der heisse Wind von Süden hat es aufgewärmt.

Das ist für uns natürlich super. Somit werden wir mit dem Mistral noch keine Bekanntschaft machen. 

Donnerstag, 11. Juni 2015

Rund 70 km führt uns der Weg entlang des Mittelmeers. Durch Sanddünen und quirlige Ferienorte. Meistens fahren wir auf schön ausgebauten Velowegen. Nur auf wenigen Kilometern ist der Veloweg noch in der „Projektphase“ und wir müssen auf eine stark befahrene Strasse ausweichen. Doch dies muss anscheinend zwischendurch sein, damit man die ruhigen Fahrradwege später wieder schätzt.

Die Velowege zu finden ist allerdings nicht einfach. Doch man kann ja fragen. Dies tun wir immer öfters. So heute einen Postboten, denn der muss die Gegend ja kennen. Doch der uns beschriebene Weg ist definitiv falsch. Danach fragen wir einen Arbeiter, der in seinem Strassenreinigungsfahrzeug unterwegs ist. Kompetent gibt er uns die Instruktionen, wo wir lang fahren müssen. Doch bereits beim zweiten Kreisel ist die Information ebenfalls falsch.  Danach fragen wir einen Biker. Nun sind wir auf dem richtigen Weg. Die Lehre daraus: „Erkundige dich, wenn immer möglich, bei den lokalen Velofahrern, die kennen die Velowege am besten“.

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Fasziniert hat uns heute die Ferienstadt La Grande-Motte. Im Jahre 1974 hat der Architekt Jean Balladur hier eine Überbauung erstellt, die noch heute zu beeindrucken vermag. Es sind nicht die grossen Bauklötze entlang der Küste. Nein, es sind aztekenförmige Pyramiden, Gebäudekomplexe, die wie Muscheln oder Wellen aussehen. Für das Auge eine Freude. Wir benötigen viel mehr Zeit als geplant.

In der Abendsonne nähern wir uns der grossen Ringmauer von Aigues-Mortes und unserem heutigen Tagesziel.

Freitag, 12. Juni 2015

Wir pedalen durch die Marais zwischen den Etangs durch, dann auf Anhöhen durch Weinberge und Weideland mit vielen Pferden. Grösstenteils auf Nebenstrassen mit fast keinem Verkehr. Wir lästern über die Wettervorhersage. Seit 08:00 Uhr sollte es hier mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% regnen. Das hat gestern unser Wetter-App angekündigt. An der Rezeption wurde diese Aussage zudem mit Nachdruck bekräftigt.

Wir hätten besser nicht gelästert, sondern die regenfreie Fahrt genossen. In Vauvert gibt es einige harmlose Tropfen und wenige Minuten später öffnet Petrus die Schleusen. Wir haben Glück und können in einen Unterstand flüchten und warten.

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Doch kaum sind wir wieder auf den Rädern, beginnt es erneut zu regnen und zwar kräftig. Irgendwo bei starkem Regen mit beschlagenen Brillengläsern kommen wir vom geplanten Weg ab. Unser GPS kennt diese Strassen nicht und wir können in diesem Niemandsland einfach den Weg nicht finden.

So wird die heutige Etappe etliche Kilometer länger als geplant und wir erreichen Nimes im hektischen Abendverkehr. Gewisse Unterführungen können wir zusammen mit den Autos nur noch im Schritttempo durchfahren, das Wasser ist überall.

Und das Wasser ist wirklich überall! Nachdem wir im Hotelzimmer eine Bestandesaufnahme vornehmen, stellen wir fest, dass wir in den Vorderrad-Saggochen Wasser mitführen. Irgendwie ist dieses seitlich eingedrungen, konnte jedoch unten nicht mehr entweichen. Somit schwimmt bei Barbara das heute gekaufte  „Fleur de Sel“ buchstäblich im Wasser.

Am 25. April hatten wir unseren letzten Regentag. Seitdem sind wir auf dem Velo absolut trocken unterwegs. Somit ist der heutige Tag doch eine „bereichernde“  Abwechslung. Kein Heuschnupfen, kein Augenbeissen, keine staubigen Strassen, was will man da noch mehr?

Ich schreibe diese Zeilen und Barbara ist mit dem Föhn mit einer intensiven Trocknungsaktion beschäftigt.

Samstag, 13. Juni 2013

Schwein gehabt, und dies an einem 13. Eine knappe Minute bevor Petrus die Schleusen voll öffnet und es so richtig giesst, begleitet von Blitz und Donner, erreichen wir wieder unsere Unterkunft. Fast trocken. Doch alles schön der Reihe nach.

Nach Barbaras Bewertung, und die ist fundiert, ist Nîmes die schlimmste Velostadt, die wir in Frankreich kennengelernt haben und es sind deren bereits viele. Dazu kommen noch die Umleitungen, nach denen wir zwischendurch die Orientierung verlieren. Dann stehen zwei überforderte Pensionierte, suchen den Weg und irgendwie finden sie diesen zwischen Autobahnen und Schnellstrassen wieder.

Kurz nach Mittag erreichen wir die Rhone. Einige Kilometer geht es noch südwärts, bis wir diese überqueren können. Danach pedalen wir Kilometer um Kilometer entlang der Rhone. Doch vom Fluss sehen wir nichts. Ein Graben mit Wasser und ein Damm versperren den Zugang.

Immer wenn ich einen Stopp einlegen möchte, da meint Barbara (übrigens zu recht), lass uns weiter fahren, jeden Kilometer, den wir  heute trocken zurück legen können, ist ein Geschenk.

So erreichen wir bereits um 14 Uhr Avignon und beschliessen spontan, hier zu bleiben.

Am Nachmittag bummeln wir durch die Altstadt, bestaunen die beeindruckenden Bauten und natürlich auch  die „Pont d’Avignon“.

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                 von der Pont d'Avignon Blick zum  Papstpalast

Nun sind wir also wieder trockenen Fusses im Hotelzimmer. Wohin  und ob  es Morgen weitergehen soll, da sind wir uns noch nicht ganz einig. … Es folgt nun die Phase der Differenzbereinigung.

Sonntag, 14. Juni 2015

Gestern erkundigten wir uns im Touristenbüro in Avignon betreffend Radwege nach Orange. Die Dame übergibt uns eine schematisierte Velokarte und meint, bis Sorgues müssten wir den Zug nehmen, da es auf der teils vierspurigen Hauptstrasse ohne Pannenstreifen für Velofahrer zu gefährlich sei.

Da heute Sonntag ist versuchen wir es dennoch. Es hat wenig Verkehr und die Strasse verfügt über weite Teile eben doch über einen Pannenstreifen, auch wenn dieser etwas schmal ist. Für uns eine ganz normale Strasse. In Sorgues suchen wir den Veloweg gemäss der erhaltenen Velokarte. Ein einheimischer Radfahrer klärt uns auf. Es gebe keine eigentlichen Velowege. Die auf der Karte vermerkten Strecken seien verkehrsarme Nebenstrassen. Auf den Touristenbüros ist die Bedienung meistens nett, doch die Kompetenz betreffend Velowegen und Anliegen von Velofahrern schwach. Velokarten, wenn überhaupt vorhanden, sind meistens dürftig und mit viel Reklame und Informationen angereichert, die zur Orientierung nicht dienen. Die Erkenntnis: Es gibt eben nichts besseres als unsere Schweizer Velokarten.

Auf ruhigen Nebenstrassen geht es ab Sorgues weiter. Auf einer Anhöhe umgeben von Reben erblicken wir Châteauneuf-du-Pape. Trotz der drohenden Gewitterwolken nehmen wir uns die Zeit, zum Schloss hochzufahren. Das Schloss ist nur noch eine Ruine. Dafür hat man einen tollen Rundblick auf das Rhonetal und auf den Mont Ventoux, der für Velorennfahrer ein  Begriff ist.

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         Châteauneuf-du-Pape mit der Schlossruine im Hintergrund

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Die grossen Kieselsteine geben in der Nacht den Reben die gespeicherte Wärme ab

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Altstadt von Orange.

Nach genau 2‘794 km ist unsere Reise hier zu Ende. Eigentlich möchte ich noch zweimal um die Altstadt herumfahren, damit es etwas über 2‘800 km gegeben  hätte. Barbara sagt dazu: „So ne Seich mach i nid mit“! Und so bleibt der Velocomputer bei 2‘794 km stehen.

Ursprünglich hatten wir geplant, bis Genf oder zumindest bis Grenoble zu pedalen. Wir haben einige zusätzliche Abstecher unternommen und uns auch etwas mehr Zeit gelassen. Somit ist nun bereits hier in der Provence die Tour „let’s go west“ zu Ende.

Nächste Woche geht’s weiter, für einmal jedoch ohne Velos.

Nachlese:

Das Wetter war uns dieses Jahr besonders gut gesinnt. Abgesehen von Regen in Nevers und den Gewittern hier in der Provence, hatten wir die meiste Zeit herrliches Velowetter.

Die speziellen Veloerfahrungen aus der letzten Etappe sind unter den Hintergrundinformationen Mittelmeer und Provence festhalten.

Die einzelnen Etappen als pdf werden im Juli ins Netz gestellt.

Merci
Abschliessen danken wir für die vielen netten und humorvollen eMails. Wir freuen uns immer über Rückmeldungen und entsprechende Hinweise.