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Montag, 16. Mai 2016

Fliegen mit Velos gestaltet sich immer etwas schwieriger. Oder sagen wir es so, etwas umständlicher. Am Montag um 05:30 Uhr wurden wir von Doris und meinem Bruder Hans-Jürg in Köniz abgeholt. Die Veloschachteln sowie das Gepäck konnten wir bequem in einem Anhänger verstauen. So erreichten wir locker den Flughafen in Kloten. Doris und Xaver wurden durch Erich supportet. Ein wirklich einfacher und bequemer Start.

Komplizierter wurde es mit den Veloschachteln und dem Gepäck in Seattle. Es begann mit den unterschiedlichen Sicherheitschecks. Danach mit den Veloschachteln, die wir zur Hochbahn tragen und schieben mussten. Dazu kommt, dass die Lifte zum Teil für die Veloschachteln auf dem Gepäckwagen zu klein sind. Erst gegen Schluss wurden wir durch einen Gepäckträger unterstützt. Diesen Service gibt es hier in den USA anscheinend immer noch.

Flexibel zeigte sich der Chauffeur im Shuttlebus zum Hotel. Die Schachteln wurden quer und hochkant auf die Sitze gestellt. Dazwischen sassen staunend über unser sperriges Gepäck die übrigen Hotelgäste.

Nach genau 27 Stunden fielen wir in die Federn.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Den gestrigen Tag verbrachten wir in der Stadt mit einem Ausflug auf den Needle Space Tower und dem Besuch des Fischmarktes. Das Wetter war angenehm, genau richtig für die Einstimmung auf unsere Ferien.

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Zum Nachtessen genossen wir ein währschaftes Steak, auch dies zählte noch zur Einstimmung.

Der heutige Tag beschäftigt uns mit dem Zusammensetzen der Velos. Die Schachteln weisen einige Löcher auf und sind teilweise stark beschädigt. Anscheinen hatten diese nicht so einen angenehmen Flug wie wir. Und es kommt wie befürchtet: Bei Barbaras Velo ist die Gabel vorne stark verbogen, so dass das Vorderrad nicht mehr eingespannt werden kann. Wie dies in den festen Schachteln geschehen kann ist uns ein Rätsel. Also müssen wir eine Velowerkstatt aufsuchen. Der Mann seufzt und meint, das sehe gar nicht gut aus, er glaube jedoch, dass er dies bis morgen hinkriegen werde.

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Arbeitsteilung: Velomech Edi setzt zusammen, Barbara assistiert. Doris und Xaver geben Anweisungen und Überwachen den Arbeitsprozess ...

Donnerstag, 19. Mai 2016, «Unser Aufsteller des heutigen Tages»

Der Velomech konnte das Fahrrad von Barbara reparieren. Das Vorderrad rollt wieder! Er musste jedoch bei einem Kollegen noch das entsprechende Tool anfordern, erst danach konnte er Gabel und Klemmen wieder richten. Als ich mich erkundige, was ich schuldig sei, da meint er, für Fernradler sei dies selbstverständlich gratis. Er würde sich jedoch freuen, wenn er von uns von irgendwo eine Karte bekäme. Es ist genau diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, welche wir hier in Amerika immer wieder erfahren dürfen und die wir so schätzen.

Die Camperübergabe erfordert wesentlich mehr Zeit als eingeplant.

Da Xaver im Wohnbereich seines Campers 12 Volt Anschlüsse für seine medizinischen Geräte benötigt, wurde der Camper von Doris und Xaver speziell umgebaut. Die Übergabe erfolgt durch den Manager von Seattle persönlich. Beim Camper von Xaver sagt er: «Oh, I see, you are the Swiss handicapped man». Dann erklärt er uns, dass die Anforderungen von Xaver dazu geführt hätten, dass nun sämtliche seiner Camper ab 2017 neu mit 12 Volt Anschlüssen in der Wohnkabine versehen würden. Er habe sich auch gefragt, warum man dies im Zeitalter von Laptops und Smartphones nicht schon lange realisiert hätte. Auf den Punkt gebracht: Dank Xaver wird nun eine lang überfällige Verbesserung endlich realisiert.   

Doch nun können wir losfahren, genauer gesagt, «kriechen» wir nordwärts im Abendverkehr auf den vier- bis fünfspurigen Strassen.

Nach wenigen Meilen haben wir uns mit unserem Truck-Camper bereits angefreundet und sind per DU. Das tiefe Motorengeräusch der kräftigen Maschine tönt wie Musik in unseren Ohren. Nur die an der Kühlerhaube vorne befestigten Velos machen uns etwas nervös. Eine wirklich wackelige Angelegenheit. Doch er, d.h. unser Camper, zwinkert mit den Scheinwerfern und beruhigt uns. Er meint, er werde die Velos während der kommenden mehreren Tausend Meilen sicher mit sich führen. Lieber Truck-Camper, wir nehmen dich beim Wort.

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Bei beiden Varianten ist das Velo vor dem Camper bzw. vor der Schlafkabine. Wir haben uns für die Variante zwei entschieden.

Nun befinden wir uns auf einem Campground in Bellevue. Es regnet und ist kalt geworden, so dass wir es im Wohnbereich des Campers so richtig zu schätzen wissen.

Samstag, 21. Mai 2016

Die Einkäufe unserer Outdoor Artikel sind abgeschlossen. Vom Moskitozelt bis zur Grillzange haben wir nun wirklich alles.

Beim Bärenspray haben wir uns speziell erkundigt, ob wir diesen problemlos über die Grenze nach Kanada einführen können. Man hat uns über die Vorschriften aufgeklärt. Ein Pfefferspray für die Selbstverteidigung könne problematisch sein, jedoch ein 7 Mal stärkerer Spray gegen Bären nicht. Es sei aber wichtig zu versichern, dass wir diesen nicht zur Selbstverteidigung gegen Personen, sondern nur gegen allfällige Bärenattacken einsetzen würden. Jetzt ist alles klar.

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Nun befinden wir uns in Kanada. Wir haben unser Nachtlager kurz vor Whistler auf einem Stellplatz vor dem Campground bezogen. Es ist ein Long-Weekend und alle Zeltplätze sind voll. Ein typischer «Anfängerfehler»! Nein, dies ist der Beweis, dass auch uns Routinier immer wieder Fehler unterlaufen, denn wir wissen ja, dass bei verlängerten Wochenenden alle zum Campieren fahren. Damit wir unsere Camper noch in das Glied einreihen können, sind die Camper neben uns noch etwas näher zusammengerückt. So eng beieinander und dies in einem sooo grossen Land. 

Der heutige Tag stand eigentlich ganz im Zeichen des Einkaufens der Lebensmittel. Wir könnten sicher mindestens eine Woche irgendwo wild überleben. Der genauen Liste von Doris sei Dank. Doch das kommt noch, etwas später.

Sonntag, 22. Mai 2016

Wir befinden uns in Kamloops auf einem Campground, genauer gesagt wieder im «Overflow», d.h. ausserhalb, da auch dieser Zeltplatz voll ist. Es regnet und regnet. Was machen denn all die Leute bei diesem Wetter hier? Barbara meint, das Gleiche wie wir, sie übernachten hier …

Morgen geht das Long-Weekend zu Ende und es wird auch für uns in den Campgrounds wieder Platz haben!

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Auf der Duffey Lake Road (Hwy 99) geht’s Richtung Kamloops

Eine ganz persönliche Anmerkung: Mit der Aktualisierung unserer Homepage ist es nicht immer so einfach. Oft gibt es WiFi, jedoch nur um E-Mails abzufragen jedoch keine Daten hochzuladen. Hier gibt es nur im Office Internetzugang, doch das ist längst geschlossen. Daneben befinden sich die WC- und Duschanlagen. So werden diese News aus einem ganz bestimmten Ort ins Netz gestellt. Um diese Zeit geht bei diesem "Sauwetter" eh niemand mehr in die Waschanlagen.

Montag, 23. Mai 2016

Es gibt nichts Schöneres, als in der Nacht den Regen auf das Dach des Campers prasseln zu hören.

Am Morgen ist der Himmel noch verhangen, doch schon kurze Zeit später bläst der Wind die Wolken weg. So fahren wir auf dem Hwy 5 durch die Berge bei strahlend schönem Sonnenschein.

In Valemount beschliessen wir zu übernachten. Das Long-Weekend ist vorbei und der  Campground ist nur halb voll oder sagen wir halb leer, wie man's nimmt. Wir geniessen in unseren Campingstühlen die Abendsonne, den stahlblauen Himmel mit den Schneebergen. Erst als die Sonne verschwindet, setzen wir unseren Weber-Grill zusammen. Die Leute ziehen sich bereits in ihre Wohnmobile zurück und wir starten erst jetzt mit unseren Vorbereitungen zu unserem Grillabend. Ganz alleine sind wir nicht. Mit der Dämmerung kommen die Mücken. Je kälter es jedoch wird, desto mehr sind wir wieder für uns ganz alleine. So macht das Campen Spass! Wir wissen, es wird nicht immer Sonnenschein herrschen, deshalb geniessen wir diesen Tag ganz besonders.

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Donnerstag, 26. Mai 2016

Vor drei Tagen sind wir in Valemount losgefahren und haben nach über 1'200 km die Grenze zu Northwest Territories erreicht. Im Visitor Center wird uns eine Urkunde überreicht, da wir soeben den 60. Breitengrad überquert haben. Eigentlich keine Leistung, wir sind ja nicht auf den Velos hier angekommen, sondern mit unseren Truck Campern.  

Nun noch kurz zur Strecke der vergangenen drei Tage. Zu Beginn fuhren wir weiter auf dem Yellowhead Hwy durch den Jasper Nationalpark. Der kurvenreiche Hwy schlängelt sich durch die Rocky Mountains und deren Ausläufer. Ein schöner und abwechslungsreicher Streckenabschnitt mit eindrücklichen Felsformationen und tiefblauen Seelein. Danach Wald und nichts als Wald. Aus Sicherheitsgründen werden auf beiden Seiten der Strasse die Bäume auf einer Breite von 20 bis 30 m gefällt. So entsteht ein grünes, mit Gras bewachsenes Band entlang des Hwys. Die grünen Streifen entlang der Strassen sind ein bevorzugtes Weidegebiet für wilde Tiere. Trotzdem bekamen wir nur einen einzigen Bären am Strassenrand zu Gesicht.

Je weiter nördlich wir fuhren, desto monotoner wurde die Gegend. Der Mackenzie Hwy führt schnurgerade durch flaches Weide- und Farmerland. Danach löst sich das Farmerland durch die Tundra ab. Da die Strasse etwas erhöht ist und die zum Teil schmalen Pannenstreifen stark abfallen, kann man auf weiten Strecken keine Pause einlegen. Auch mit wild campieren steht es schlecht, da es keine Möglichkeit gibt, die Camper von der Strasse weg irgendwo zu parkieren.

Menschen leben hier sehr wenige und Touristen sind noch nicht gekommen, ausgenommen wir Vier. Dafür hat es umso mehr Mücken. So stellen wir heute Abend unser Moskitozelt auf, damit wir ungestört das Abendessen draussen geniessen können. Nur beim Aufbau und Abbau des Zeltes haben die Moskitos eine Chance gegen uns, und diese haben sie voll ausgenutzt ...

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Freitag, 27. Mai 2016

Es war eine kalte Nacht. Doch nach einem heissen Kaffee sind die Lebensgeister aufgewärmt. Bei sonnigem Wetter fahren wir nun in den Wood Buffalo Nationalpark.

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Für Abwechlung sorgen die Wasserfälle entlang der Route. Vor allem die imposanten Alexandra Falls.

Sonst bleibt die Strecke immer noch monoton. Doch je näher wir zum Park kommen desto weniger Autos begegnen uns. Spannender wird es, als wir auf der Strasse auf eine Herde Bisons treffen. Diese geben bald die Durchfahrt frei und fressen am Strassenrand weiter.

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Für erneute Abwechslung sorgen die Schwarzbären, welche wir vom Auto aus beobachten können. Einige der Bären kommen bis an den Strassenrand und sehen uns neugierig an, andere lassen sich nicht stören und fressen weiter. Der Nationalpark ist flächenmässig grösser als die Schweiz, somit ist es nicht selbstverständlich, dass man Bisons und die schwarzen Pelze am Strassenrand antrifft. Barbara hat erklärt, dass sie heute Abend nicht draussen essen werde, es habe zu viele Bären.

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Nun befinden wir uns im Queen Elizabeth Territorial Park. Die Queen von England habe diesem Park wirklich einmal einen Besuch abgestattet, erklärt man uns voller Stolz.

Beim Einchecken, dies dauert oft bis zu einer halben Stunde, werden wir mit Informationen versehen. Die Parkangestellte lebt richtig auf, ihr Wissen an uns weitergeben zu können. Die Prozedur der Registrierung mit unseren Personalien und der Fahrzeuge ist noch nicht abgeschlossen, da kommt ein Einheimischer zu uns und sagt: «Kommt und esst mit uns, wir haben mehr als genug». So sind wir bei einem «Private Event» einer Schule mit ihren Eltern eingeladen und geniessen Salat, Reis, Spareribs süss-sauer und Pork barbeque. Entgegen der Beteuerung von Barbara essen wir nun doch draussen. Einfach etwas wärmer sollte es für unser Empfinden sein. Der Einheimische, wir wissen nicht welche Funktion er in dieser Gesellschaft hat, erzählt uns viel über die Gegend und deren Entwicklung. Auf das Wetter im Winter angesprochen meint er, es sei hier gar nicht so hart. Das Thermometer falle selten unter minus 40 Grad.

Samstag, 28. Mai 2016

Gestern erklärte die Parkangestellte noch beiläufig, dass sich in den letzten Tagen ein Bär auf dem Campingplatz herumgetrieben habe. Doch nun sei er weg. Sie gab uns dennoch für alle Fälle eine Notnummer, auf die wir 24 Stunden anrufen könnten.

Heute Morgen waren am Picknick Platz, wo wir gestern Abend sassen, alle Abfalltonnen umgeworfen und die Deckel zerstreut. Die Parkangestellte kommt und schimpft über den Bären, der wieder sein Unwesen in der Nacht getrieben habe. Die Abfalltonnen wurden am Abend geleert, doch der Geruch in den Tonnen machte den Bären anscheinend gleichwohl neugierig. Im Normalfall sind die Abfallcontainer mit einem Betonsockel fest verbunden, so dass diese nicht umgestossen werden können. Unverständlicherweise diese hier am Grillplatz jedoch nicht.

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Pause beim Salt Plains Lookout

Es kommt uns auch vor, als wären uns heute mehr Bären (es waren genau 13 Stück) auf der Strasse begegnet als andere Camper.

Die heutigen Eindrücke kann ich bei angenehmer «Begleitmusik» festhalten, genauer gesagt, es prasselt wieder der Regen auf unser Camperdach und das ist wirklich wie Musik!

Sonntag, 29. Mai 2016 «Bitte voll tanken»

Tankstellen gibt es hier in Northwest Territories nicht viele, der Durst vom Camper ist jedoch extrem gross (21 bis 23 l auf 100 km). So überprüfen wir ein bis zwei Tage im Voraus anhand der Milepost (über diesen Reiseführer werde ich später noch einige interessante Informationen festhalten) die Möglichkeiten zum Tanken.

Der Ablauf beim Tanken kann locker länger als eine halbe Stunde dauern. Das Bezahlen bei der Tankwartin bzw. dem Tankwart ist immer mit einem ausgiebigen Gespräch verbunden. Zuerst werden wir gefragt, woher wir kämen und wohin es ginge. Danach werden wir mit Informationen über die Strecke, die Sehenswürdigkeiten und manchmal auch über die Geschichte der Gegend eingedeckt. Es wird uns Gratiskaffee angeboten. Ein Tankwart holt sogar sein Gästebuch hervor und bittet uns um einen kleinen Eintrag.  Hier hat man Zeit und geniesst ein «Plauderstündchen» mit den Touristen, die anscheinend im Moment noch nicht so zahlreich im Norden anzutreffen sind.

Heute haben wir ebenfalls die Tankmöglichkeiten abgeklärt. Von Enterprise bis Fort Liard sind es mit den geplanten Abstechern ca. 580 km. Da sollte eine Tankfüllung ausreichen. In der Ortschaft Ckeckpoint führen wir eine Kontrollrechnung durch. Bis zur Tankstelle in Fort Liard sind es noch genau 223 km, gemäss Bordcomputer können wir noch 246 km fahren. Wie genau wir uns auf die Angaben des Bordcomputers verlassen können, wissen wir nicht. Ein grosser Teil der noch vor uns liegenden Strecke müssen wir auf Naturstrassen fahren. Diese sind bei trockenem Wetter sehr angenehm. Doch nach den starken Regenfällen sind diese Strassen nun weich und schlammig. Dies braucht Kraft, d.h. mehr Benzin. Deshalb beschliessen wir, in den Norden nach Fort Simpson zu fahren, um zu tanken und müssen auch noch den Liard River mit einer Fähre überqueren. Dies ergibt eine Zusatzschlaufe von 130 km, und dies nur, um tanken zu können. Doch für kanadische Verhältnisse ist das kaum erwähnenswert.

Nun befinden wir uns auf einem Rastplatz. Ein Mann mit einem grossen Wohnwagen hat hier auch einen Stopp eingelegt. Wir fragen, ob wir hier über Nacht bleiben dürfen. Er meint, das ist kein Problem, er sei bereits vier Tage hier und warte auf trockenes Wetter. Denn bei dieser «matschigen» Strasse könne er mit seinem grossen Trailer nicht mehr weiterfahren. Ein Beweis mehr, hier im Norden hat man Zeit.

Anmerkung: Der Entscheid war richtig! Das Benzin hätte nie bis Fort Liard gereicht und wir hätten, nachdem wir auf der verlassenen Strasse stecken geblieben wären,  mit den Velos zwei Kanister Treibstoff holen müssen …

Montag, 30. Mai 2016

Zweimal begegnen wir einer Bisonherde. Einige versperren die Strasse und andere weiden. Längere Zeit können wir nicht an den Tieren vorbeifahren. Sie rennen immer vor uns her und stoppen wieder auf der Strasse, als möchten sie uns kundtun, wer hier das Sagen hat.

Auf dem Liard Hwy verlassen wir die Northwest Territories. Das Liard Plateau ist hügelig und am Strassenrand liegt der letzte Schnee. Vor uns präsentiert sich die verschneite Bergkette der Rockys. Es ist jedoch frühlinghaft geworden. Zögerlich zeigt sich die Sonne. Nach drei Tagen mit viel Regen, Nebel und eisigen Winden geniessen wir Sonne und Wärme. Barbara meint, Wärme sei übertrieben, es sei einfach nicht mehr so kalt (8 – 10 Grad C).

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Nun sind wir in Fort Nelson auf dem gleichen Zeltplatz wie vor fünf Jahren. Zuerst werden unsere Camper gründlich abgespritzt. Der klebrige Matsch am Unterbau, an den Felgen und hinten am Auto muss schon aus Sicherheitsgründen entfernt werden.  An gewissen Stellen ist der verkrustete Schmutz bis zu 5 cm dick.

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neu profillose Reifen mit einem "Speckstreifen"

Montag, 31. Mai 2016

In den kommenden drei Tagen werden wir auf dem Alaska Highway nordwärts fahren. Im 2011 ging es mit unseren Velos südwärts. Nun ist es wesentlich weniger anstrengend, da wir (noch) mit dem Camper unterwegs sind. Diese Streckenüberschneidung lässt sich nicht umgehen, es hat hier einfach zu wenig Strassen. So gleiten wir gedanklich immer wieder ins Jahr 2011 zurück und schwelgen in den Erinnerungen.

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Auf der Passhöhe des Summit Lake liegt noch Schnee.

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Wenige Stunden später jedoch geniessen wir die 40 Grad heissen Quellen der Liard Hot Springs. Eine wohltuende Wärme.

Anmerkung der Frauen: Bei den Vorbereitungsarbeiten zum grillieren müssen wir feststellen, dass unsere Männer beim Holzspalten aus der Übung gekommen sind. Es müsste ein richtiger kanadischer Holzfäller her.

Diese Anschuldigung weisen Xaver und ich natürlich aufs schärfste zurück. Erstens handelt es sich um grosse, harte «Trämmel», die aufgespaltet werden müssen und zweitens ist unser Beil etwas gar klein. Dafür kommt bei uns Männern beim grillieren unsere Kernkompetenz, ohne zu übertreiben, voll zur Geltung!

Donnerstag, 2. Juni 2016

Nun sind wir nach rund 5'000 km mit dem Camper hier in Whitehorse angekommen.

Die Strecke der letzten zwei Tage war beeindruckend. Der Alaska Hwy schlängelt sich entlang des Liard Rivers nordwärts, dann führt die Strasse über Pässe und Schluchten. Der Spruch hier in Nordkanada, dass die Wildnis am Strassenrand beginnt, trifft wirklich voll zu. Wieder begegneten wir Bisons und Bären. Wir stoppten mit den Campern und beobachteten vom sicheren Auto aus die Tiere. Nur einmal ist Xaver ausgestiegen, um von hinten ein Foto mit den Campern und der verschneiten Bergkette zu schiessen. Da spaziert ein Schwarzbär vor unseren Campern über die Strasse, besinnt sich anders und kommt wieder zurück. Xaver hat den Bären nicht bemerkt und der Bär Xaver nicht.

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Blick auf die Nisutlin Bay Bridge bei Teslin

Nun ist diese Etappe abgeschlossen. Mehr als zwei Wochen hatten wir die aufgeschnallten Velos vor unseren Kühlerhauben. Je mehr wir uns Whitehorse näherten desto stärker ist das «Veloadrenalin» bei uns allen spürbar.

Morgen stehen die Vorbereitungen für die Einrolltour mit unseren Velos an.