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Freitag, 22. Juli 2016

Zum Abschluss mit dem Velo auf den Denali Highway

Der Denali Hwy gilt als eine der schönsten und urwüchsigsten Strassen Zentralalaskas. Besonders beliebt ist dieser bei Velofahrern und Motorradfahrern. Mit Mietautos oder auch mit Miet-Campern ist es oft verboten, diese raue Strasse zu befahren. Mit unseren Truck-Campern ist dies gestattet und auch kein Problem.

Diese Naturstrasse war über mehrere Jahre die einzige Verbindung zum Denali Nationalpark. Die 218 km von Paxson bis Cantwell verlaufen entlang des Südhanges der Alaska Range mit Blick auf Schneeberge und viele Gletscherzungen. Genau diese Strecke haben wir zu Hause als Ausrolltour mit den Velos eingeplant.

… anders als geplant

Die Sicht auf die Berge der Alaska Range sei vom Denali Highway fantastisch. Doch bei schlechtem Wetter stellt sich die Frage, ob es sich wirklich lohnt, bei Regen und Nebel die lange Schotterstrasse zu fahren.

Wir verlassen Valdez wieder auf dem Richardson Hwy, die Fahrräder vorne bei den Campern aufgeschnallt. Auf den ersten 200 km können wir nun die Strecke, die wir mit den Velos geradelt sind, von der entgegen gesetzten Richtung aus begutachten. In Glennallen geht es weiter auf dem Glenn Hwy. Der Regen hat nachgelassen und der Himmel hellt sich zögerlich auf. Zumindest genug, um aus der Ferne den Nelchina Gletscher bestaunen zu können. Beim Matanuska Gletscher unternehmen wir über die Moränen eine kleine Wanderung, dies trotz des erneut einsetzenden Regens.

Die Nacht verbringen wir in der Nähe vom mächtigen Matanuska River. Das Wasser vom Himmel und das Wasser vom Fluss bilden eine Symbiose.

Samstag, 23. Juli 2016

Gegen Nachmittag hellt sich der Himmel auf. Nach der Abgeschiedenheit ist es ungewohnt, auf einer 6-spurige Autobahn Richtung Anchorage zu fahren. 60 % aller Einwohner Alaskas leben in oder um Anchorage. Hier befindet sich das Businesscenter des nördlichsten Bundesstaates der USA schlechthin.

Unsere Aufmerksamkeit liegt jedoch eindeutig beim Wetter. Die Sonne scheint! Doch für wie lange? Wir fahren zum Campingplatz und schnallen kurzerhand unsere Velos vom Träger ab und schwingen uns auf die Stahlrösser. Auf dem Küstenradweg (Tony Knowles Coastal Trail) geniessen wir die wärmenden Sonnenstrahlen. Viele Wanderer und Velofahrer sind unterwegs. Alle mit dem gleichen Ziel, das kurze Sonnenfenster voll auszukosten. Am Abend, als wir den Campingplatz wieder erreichen, da beginnt es erneut zu regnen.

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Zu Viert auf dem Tony Knowles Coastal Trail. Im Hintergrund die Skyline von Anchorage.

Sonntag, 24. Juli 2016

Wir wissen, in Amerika ist alles am grössten oder zumindest grösser. Dies muss auch mit den Regenwolken so sein. Die ganze Nacht prasselt der Regen auf das Camperdach. Mit kurzen Unterbrüchen regnet es nun auch den ganzen Tag und dies zum Teil heftig. Wo nehmen die Regenwolken all diese Wassermengen her?

Doch gemäss Wettervorhersage soll es ab Dienstag zwei regenfreie Tage geben. Wir ändern unser Programm von neuem. Morgen früh wollen wir mit den Campern bis Paxson fahren und am Dienstag doch noch einen Versuch wagen, den Denali Highway mit den Velos zu „bezwingen“.

Montag, 25. Juli 2016

Die ganze Nacht regnet es, am Morgen regnet es. Wir verlassen bei starkem Regen Anchorage nordwärts. Doch je später der Vormittag, desto schöner wird das Wetter. Erneut sind wir auf dem Glenn Hwy. Gegen Mittag erblicken wir auf den Gletscherzungen die ersten Sonnenstrahlen. Die dunklen Wolken sind nicht verschwunden, doch es regnet zumindest nicht mehr. Wie dies unseren Seelen wohl tut.

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Auf dem Glenn Hwy mit Sicht auf den Matanuska Gletscher von fern und nah

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In Paxson beziehen wir unser Nachtlager. Wir sondieren verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Überall hat es grosse Wasserlachen und es ist auf den Abstellplätzen sumpfig. Ausser? Genau, ausser in einer Kiesgrube. Der festgepresste Kiesboden ist schon fast trocken. Wir nehmen unseren Weber Grill hervor, spalten noch etwas Treibholz und entfachen ein Feuer. Zwischendurch scheint sogar die Sonne. Wie herrlich dies ist nach all den Regentagen. Nicht einmal die Mücken können uns den Abend verderben. Wir sitzen einfach etwas näher ans Feuer, möglichst im Rauch und die Biester sind weg.

Dienstag, 26. Juli 2016

In einer Kiesgrube, d.h. eigentlich einer Deponie für den Strassenunterhalt, bestehend aus Hügeln mit feinem Sand, grobem Sand, Kies und Schottersteinen, da schläft es sich einfach herrlich.

Und heute Morgen welch ein Wunder, kein Regen. Im Gegenteil, die ersten Sonnenstrahlen fordern uns auf, in die Sättel zu steigen.

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Auf dem noch geteerten Denali Hwy. Im Hintergrund der Gulkana Gletscher.

Die Strasse windet sich langsam hoch. Auf der rechten Seite sind die Schneeberge und Gletscher der Alaska Range zwischen den Wolken durch die Sonne beleuchtet. Wir können uns fast nicht satt sehen.  Das Gefühl wird natürlich wegen der vergangenen Regentage zusätzlich verstärkt. Wir finden es einfach super, unsere Ausrolltour, das sogenannte „Sahnehäuptchen auf der Torte“ doch noch kosten zu können.  

Auf den ersten Kilometern ist der Denali Hwy noch geteert. Doch die Frostschäden längs und quer sowie die Löcher im Teer zwingen Velofahrer und auch Autofahrer, sich voll zu konzentrieren. Will man die Bergwelt bestaunen, da muss man anhalten.

Auch die Schotterstrasse ist von den harten Wintern nicht weniger gekennzeichnet. Zudem liegt viel Kies und Sand auf der Fahrbahn. (Der kommt, wie könnte es anders sein, natürlich von einer der vielen Kiesgruben.) Doch eigentlich ist es diese zum Teil löchrige und holperige Naturstrasse, welche genau zu dieser wilden Landschaft passt und ihr den Charme verleiht. Es bestehen durch den Staat Alaska Pläne, den Denali Hwy durchgehend zu teeren. Doch gegen dieses Vorhaben wird durch verschiedene Interessensgruppen jeweils heftig protestiert. Das finden wir gut. Lassen wir doch dem Denali Hwy seinen abenteuerlichen Reiz.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Der kalte Wind bläst uns um die Ohren meistens jedoch von hinten. Ein schönes Gefühl, so allein mit etwas Rückenwind unterwegs zu sein. In den Werbeprospekten steht, dass der Denali Hwy im Sommer stark frequentiert sei. Auf den Ausstellplätzen könne der Platz eng werden. Und was treffen wir an? Sehr wenige Fahrzeuge. Oft vergeht über eine halbe Stunde oder noch mehr, bis uns wieder ein Auto begegnet. Vielleicht ist es das schlechte Wetter und die nicht sonderlich guten Wetterprognosen, welche viele Touristen dazu bewogen haben, auf den Denali Hwy zu verzichten.

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Kaum zu glauben, Doris grösser als die Berge.

Für uns stimmt diese Ruhe. Umso mehr wir die ganze Strasse mit den Velos benötigen. Immer auf der Suche nach dem rollfreudigsten Streifen und der ist oft ganz auf der linken Strassenseite. Wir sind uns einig. Der Denali Hwy ist in einem noch schlechteren Zustand als der Dempster Hwy. Dafür hat es hier keine Mücken und so stimmt es für uns vollkommen.

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… eine der seltenen Begegnungen auf dem Denali Hwy.

Bei einem grossen Turnout auf einer Anhöhe mit Blick auf das breite Tal und die Gebirgskette der Alaska Range haben wir am Abend unsere Camper positioniert. Hinter uns dunkle Wolken, vor uns zum Teil blauer Himmel mit wärmender Sonne. Genau diese Abendstimmung braucht es, um den Grill in Betrieb zu setzen. Am späteren Abend, nachdem die Sonne den Kampf gegen die dunklen Wolken verloren hat, wird es sehr kalt und wir ziehen uns in unsere Camper zurück.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Die Wetterprognosen haben gehalten, was sie versprochen hatten. Mehr noch, nicht nur kein Regen, nein, wir hatten in den vergangenen zwei Tagen immer wieder die wärmende Sonne.

Heute Morgen, als Xaver und ich in die Sattel steigen, wie könnte es anders sein, da regnet es bereits. Mehrmals ziehen wir die schweisstreibenden Regenkleider bei aufhellendem Himmel ab, um diese kurz danach wieder anziehen zu müssen.

Doch der Regen hat auch seine positiven Seiten. Die umliegenden Berge sind im Nebel und den Wolken eingehüllt und die Seelein wirken mystisch. Zudem können wir den Denali Hwy nun auch bei Regen testen. Die Strasse ist matschig und wir werden durch den braunen Schmutz gekennzeichnet. Doch es ist nicht die klebrige Masse wie auf dem Dempster Hwy. Bei Regen fährt es sich hier eindeutig besser.

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… rasch wechselnde Stimmung

Am Abend erreichen wir den kleinen Native-Ort Cantwell. Auf dem Campingplatz wollen Xaver und ich unsere Räder bei der Dumpingstelle kurz abspritzen. Doch dies wird uns unverständlicherweise vom Platzwart untersagt. Der Wechsler, der Umwerfer und die Schaltung müssen wir jedoch unbedingt vom Schmutz reinigen. So packen wir je zwei 4 l Wasserbehälter in unsere Saggochen und fahren auf einen nahe gelegenen Turnout, wo wir in aller Ruhe den „Tagesparkdienst“ verrichten können.

Erst danach kommt die auch für uns notwendige Dusche.

Nach dem Nachtessen gibt es eine neue Lagebeurteilung. Der Regen trommelt schon länger auf unser Camperdach. Die Wetterprognosen kündigen für die kommenden Tage erneut Regen und nochmals Regen an. Zum Glück haben wir den Denali Hwy als Ausrolltour doch noch voll auskosten können, bei Sonne wie auch bei Regen. Deshalb beschliessen wir, auf die Weiterfahrt mit den Velos auf dem Parks Hwy zu verzichten und stattdessen morgen die Velos wieder aufzuladen und direkt nach Anchorage zu fahren. An der Küste soll, gemäss Wetterfrosch, das Wetter etwas besser sein.
 

Montag, 1. August 2016

In den vergangenen Tagen haben wir die nähere und weitere Umgebung von Anchorage mit den Velos erkundet. Das Wetter war und bleibt anscheinend weiterhin wechselhaft. Ein, zwei regenfreie Tage mit zwischendurch etwas Sonne, dann wieder Dauerregen.

Gestern nutzten wir einen regenfreien Tag und fuhren mit Velos zum Winterkurort Girdwood. Dieser Ort liegt lediglich 80 m über Meer. Doch Sessellifte, Gondelbahn und die Skipisten bestätigen, dass es sich hier um einen Winterkurort handelt. Die Velowege dienen im Winter als Langlaufpisten.

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Doch nicht auf der ganzen Strecke hat es einen so tollen Veloweg. Etwa 20 km mussten wir auf dem Pannenstreifen des verkehrsreichen Steward Hwy fahren.

Heute Morgen erneut Dauerregen. Wir entscheiden uns, die Velos zu verladen und zurück nach Anchorage zu fahren. Heute gibt es Indoor-Aktivitäten, das heisst „lädelen“. Diese Aktivität kann auch auf mehrere Tage ausgedehnt werden. Zwischendurch steht noch die Camperreinigung und das Zerlegen und Verpacken der Velos auf dem Pflichtprogramm. Langweilig wird es uns bis zum kommenden Sonntag sicher nicht.

Anchorage, die Velostadt

Anchorage hat (je nach Quelle) ca. 300‘000 Einwohner, einen kleinen Stadtkern mit zerstreuten Siedlungen rund herum. Dazwischen liegen Flüsse und Bäche mit Wäldchen und Parkanlagen. Die Stadt hat Platz, viel Platz. Die Strassen und Kreisel scheinen uns oft etwas zu grosszügig angelegt zu sein. Doch das eigentlich überraschende ist das dichte Netz von Velowegen in der Stadt. Anchorage versucht, nach dem Motto „Bike to Work“ möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, mit dem Velo zur Arbeit zu fahren. Mit verschiedenen Massnahmen wird diesem Vorhaben Schwung verliehen. So wurde eine „Bike Map“ herausgegeben. Auf dieser Karte sind sämtliche Velowege und Strassen mit getrennten Velostreifen im Grossraum Anchorage aufgeführt. Ferner enthält diese Map die wichtigsten Verkehrsregeln für Velofahrer und viele nützliche Tipps.

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Auf der Karte sind alle Stellen markiert, wo sich ein Veloreparaturposten mit Werkzeug und Pumpe befindet. Auf den öffentlichen Bussen sind vorne Veloträger montiert. So können die Velofahrer zwischendurch auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausweichen. Besonders interessant ist die Anleitung, wie die Velos gesichert sein sollten. Das Vorderrad entweder abnehmen und zusammen mit dem Hinterrad an einen Pfosten anbinden oder das Vorderrad zusammen mit

dem Velorahmen an einem Pfosten sichern. Der Hinweis, das Velo immer abzuschliessen und auch nicht eine Sekunde ungesichert irgendwo stehen zu lassen, hat uns zum Schmunzeln gebracht. Denn hier in Alaska sagt man, dass nichts abgeschlossen werden müsse, denn hier werde nichts gestohlen. Doch das hat sich vielleicht in den letzten Jahren auch geändert.

Barbara und ich sind einen ganzen Tag lang auf den Velotrails geradelt, die direkt durch die Stadt führen, auf denen wir jedoch das Gefühl hatten, irgendwo in der Wildnis zu sein.

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Der Campbell Creek Trail zum Beispiel führt quer durch die Stadt und hat eine Länge von 20 km. Zu den Trails gibt es zusätzlich noch viele von der Strasse getrennt geführte Velowege.

Die USA und ganz besonders Alaska gelten nicht als sonderlich umweltfreundlich. Amerika ist das Land des motorisierten Verkehrs. Deshalb hat uns die Velostadt ganz besonders überrascht und fasziniert. Die Qualität des Velowegsystems in und um Anchorage ist mindestens so gut wie in den grossen Städten Hollands, und diese sind in Europa doch eindeutig führend.