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Einleitung

Als „Golden Circle“ wird die ca. 600 km lange Rundstrecke von Whitehorse nach Skagway, Haines und wieder zurück nach Whitehorse bezeichnet. Nach Skagway fährt man auf dem South Klondike Highway. Danach geht es mit einer Fähre nach Haines, anschliessend weiter auf dem Haines Highway. Diese beiden Highways gehören besonders bei den Radfahrern zu den beliebtesten Streckenabschnitten in Kanada.

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Genau diesen "Golden Circle" haben wir für unsere Einrolltour ausgewählt. Zwei radeln und Zwei fahren mit den Campern, so können wir uns am Abend jeweils in unsere warmen Schneckenhäuser zurückziehen.   

Die Wetterprognosen der kommenden Tage für die Region Skagway tönen nicht besonders motivierend, genauer gesagt, schlecht. Für den Haines Hwy westlich der Alpenkette sieht es im Augenblick besser aus. Deshalb beschliessen wir, diesen "Golden Circle" in der umgekehrten Richtung unter die Räder zu nehmen.

Offen ist noch die Überfahrt mit der Fähre von Haines nach Skagway. Im Visitor Center in Whitehorse hat man uns gesagt, wir sollen vor Ort die Überfahrt nach Skagway organisieren. Via Internet gehe dies nicht, da unsere Camper zu gross seien und telefonisch, na ja, da rate sie uns eher ab.

Sonntag, 5. Juni 2016

Gestern starteten Barbara und ich bei sonnigem Wetter in Whitehorse, unterstützt durch sehr starken Rückenwind. Wir hatten zum Spass noch diskutiert, ob wir die 160 km bis nach Haines Junction nicht in einem Tag zurücklegen könnten. Doch dann nach 25 km kehrte der Wind und wir strampelten und strampelten. Am Nachmittag begleitete Xaver mich und meinte, so einen starken Wind habe er noch nie auf dem Velo erlebt. Vielleicht ist es aber auch die fehlende Grundkondition bei uns allen. Deshalb machen wir diese Einrolltour, bevor es in etwa zwei Wochen von Inuvik aus losgehen wird.

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auf dem Alaska Highway

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Doris in Begleitung mit ihrem Maskottchen Roudy

Als Nachtlager hatten wir einen Platz am Mendenhall Fluss ausgewählt. Dieser Platz wird zur Tankung der Strassenunterhaltsfahrzeuge mit Wasser benutzt. Für uns gerade eben richtig. In der Abendsonne mit Jacke und Mütze genossen wir draussen den Apéro. Dank dem starken Wind plagten uns keine Mücken, nicht eine einzige.

Heute ist der Wind zusammengefallen. Dafür hängen die Wolken tief. Die umliegenden Berge sind im Nebel eingehüllt. Es nieselt und ist unfreundlich. Wir freuen uns jedoch am fehlenden Gegenwind und kommen locker voran.

Ich habe für kaltes Wetter auf dem Velo ein spezielles Tenue entwickelt: Eine Velomütze, die Ohren schön eingepackt, ein Halstuch, um den Nacken zu schützen, d.h. oben schön warm. Dafür aber nur Sandalen, damit die überflüssige Wärme über die Füsse entweichen kann. Doch heute haben sich meine Füsse beschwert. Bei 10 Grad und gemäss Wetter.com gefühlten minus 2 Grad, sei dies nicht mehr so optimal. Warme Schuhe seien hier nun wirklich am Platz. Ich müsse dafür den Kopf nicht so einpacken, damit die Wärme über die Ohren entweichen könne. Am Nachmittag habe ich dann Turnschuhe angezogen, oben jedoch nichts geändert. Und wirklich, so ist es bei diesen Temperaturen gerade richtig. Ich bin immer noch am Optimieren der richtigen Velokleidung.

Nun sind wir in Haines Junction. Morgen geht es dann auf den Haines Hwy.

Montag, 6. Juni 2016

Was für ein wundervoller Morgen. Die Sonne ist schon hoch über den Bergen als wir starten. Kein Wunder, der Sonnenaufgang ist hier bereits um vier Uhr.

Nachdem wir den Alaska Highway verlassen und auf dem Haines Highway Richtung Meer fahren sind wir alleine unterwegs. Diese Strasse wurde im 2. Weltkrieg als Zubringer zum Alaska Highway gebaut, in der Zwischenzeit jedoch erneuert und befindet sich nun in einem ausgezeichneten Zustand. Der Belag ist rollfreudig. Es geht zwar immer bergauf und bergab, doch die Steigungen sind sanft und die Talfahrten schön langgezogen, für Radfahrer optimal. Beeindruckend ist die verzuckerte Bergkette, in der das Tal eingebettet ist, sowie die vielen blühenden Blumen entlang der Strasse.  

Es könnte nicht besser sein, wenn dieser starke Wind nicht wäre. Meistens bläst dieser voll von vorne, d.h. vom Meer her. Zwischendurch seitlich und ganz wenig von hinten. Die starken Windböen zwingen uns zwischendurch zum Absteigen. Wir können die Velos einfach nicht mehr halten. 

So beschliessen wir, auf dem Dezadeash Statepark Campground die Tagesetappe zu beenden. Unsere Camper stehen direkt am Wasser. Die Sonne scheint, warum nicht draussen diese Abendstimmung geniessen? Die Wucht des Windes zwingt uns, im Inneren des Campers Schutz zu suchen. Es pfeift durch alle Ritzen und unsere Camper werden kräftig  durchgeschüttelt.

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Am Abend beim Verdauungswhisky diskutieren wir, ob bei diesem Wind, die Frauen bezeichnen diesen als orkanartigen Sturm, überhaupt noch velofahren Sinn macht. Es gibt zwei Ansichten:  Die einen sagen, wir könnten doch die Velos einfach auf die Camper aufschnallen, es ist eh nur die Einrolltour. Die andern geben zu bedenken, dass, wenn wir schon hier klein beigeben, dann den Dempster Hwy und den „Top of the World Hwy„  ebenfalls nicht schaffen würden.

Wir lassen es morgen werden und beschliessen, es zu versuchen. 

Mittwoch, 8. Juni 2016

Wir haben nicht aufgegeben, einfach kleinere Etappen gewählt.

Der Tagesablauf hat sich eingependelt. Am Morgen starte ich mit Barbara und am Nachmittag begleiten mich Doris oder Xaver. Wir lassen uns Zeit. Freuen uns an den Augenblicken, wo der Wind nicht gegen uns ist, sondern uns zwischendurch über die Anhöhen schiebt. Erstaunlich ist, dass auf der ausgezeichnet ausgebauten Strasse nach wie vor sehr selten ein Fahrzeug zu sehen ist. Ausser uns scheint anscheinend niemand unterwegs zu sein. So können wir die Strassenmitte benutzen, da dies nach Barbaras Theorie etwas sicherer vor den Bären sei, die unter Umständen am Strassenrand nach Fressbarem suchen. Die wunderbare Berglandschaft fasziniert uns immer wieder von neuem. Es ist die Kombination der rauen und wilden Vegetation, der Abgeschiedenheit und Ruhe, die wir auf unseren Rädern richtig aufsaugen können.

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Auch mit den Temperaturen haben wir uns arrangiert. Am Morgen ist es im Innern des Campers zwischen 8 bis 10 Grad. Wenn wir mit den Velos starten bereits zwischen 10 bis 12 Grad. Einzig der Wind kann frostig sein und der geht wirklich durch und durch. Über die Mittagszeit wird es angenehmer, sofern sich die Sonne blicken lässt.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Etwa 15 km vor der Grenze zu Alaska haben wir gestern unser Nachtlager aufgeschlagen. Wie bereits erwähnt ist es verboten, auf den Rastplätzen zu übernachten. Diese „Turn- outs“ wären natürlich ideal. Die Naturzeltplätze sind nicht so zahlreich oder liegen bis zu 20 km neben unserer Route. Somit suchen wir immer wieder nach Alternativen, die kein Verbotsschild aufweisen. Sei dies an einem Fluss oder sonst bei einer Ausweichstelle, es kann sogar wie diese Nacht eine Kiesgrube sein.

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Bereits gestern, als wir die Passhöhe des Chilkat Summit hinter uns gelassen hatten, wurde es wärmer. Heute Morgen ist es in der windgeschützten Kiesgrube bereits 16 Grad.

Durch eine lange, sehr lange Talfahrt (Schussfahrt) erreichen wir die Ebene mit dem breiten Chilkat River. Die Vegetation hat sich nun grundlegend geändert und ist weit fortgeschritten. Mächtige Nadelhölzer und Bäume bedecken die Ebene. Das Thermometer steigt über 30 Grad. Gleich geblieben ist das wunderschöne Panorama mit den Schneebergen.

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So radeln wir heute zum ersten Mal in kurzen Hosen und im T-Shirt Richtung Haines.

Kurz vor dem Städtchen Haines bekommt Barbara ein SMS von ihrem lieben Mann mit dem Text: „Wir sind hinter euch, bitte am abgemachten Turn-out warten“. Eine wichtige Information, jedoch drei Tage zu spät. Es kam so: Eigentlich haben wir abgemacht, dass die Zwei auf dem Velo die Strasse ohne gegenseitige Absprache nie verlassen bzw. zumindest immer Sichtverbindung zum Highway haben. Grundsätzlich halten wir uns alle daran. Doch vor drei Tagen sind Xaver und ich doch noch schnell von der Strasse weg hinunter zum Kathleen Lake gefahren. Dieser Abstecher dauerte länger als geplant und in der Zwischenzeit fuhren die Frauen mit den Campern längst an uns vorbei. Zurück auf der Hauptstrasse stellte ich fest, dass ich schwache Netzverbindung hatte. Das Telefon funktionierte nicht, dafür konnte ich Barbara das vorgenannte SMS senden. Wäre dies rechtzeitig angekommen, hätte sich der Rest des Tages wesentlich einfacher gestaltet.

Freitag, 10. Juni 2016

Wir stehen mit unseren Campern für die Überfahrt von Haines nach Skagway in der „Stand by-Line“ (Warteschlaufe). Die Fähre ist ausgebucht und da wir keine Reservation vorgenommen hatten, bzw. keine vornehmen konnten, warten wir nun. Wir sind nicht die einzigen in der Warteposition, jedoch die zwei letzten Fahrzeuge.

Das Verladen der Autos und Camper mit Reservation dauert mehr als eine Stunde. Die Fahrzeuge werden hin und her verschoben, es wird versucht, immer noch etwas mehr zu optimieren. Dann kommt die Meldung, die Fähre sei voll. Kurze Zeit später eine neue Information, wir könnten nun doch noch verladen, müssen jedoch rückwärts über die Rampe fahren. Im Innern der Fähre wird es sehr eng. Mit eingeklappten Seitenspiegeln erhalten wir das allerletzte Plätzchen. Erstaunlicherweise herrscht keine Hektik. Einmal mehr erfahren wir, dass man hier im Norden Zeit hat, viel Zeit.

Bei herrlichem Sonnenschein fahren wir nun mit der Fähre durch die Fjorde Richtung Skagway. Viele Passagiere sind hochsommerlich angezogen und saugen gierig die Sonnenstrahlen auf.

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Nun sind wir im Touristenstädtchen Skagway mit seinen rund 1‘000 Einwohnern. Hier bleiben wir zwei Tage. Für die Frauen ist morgen grosser Wäschetag angesagt. Sicher bleibt dann noch genügend Zeit, um durch die zwei „Hauptstrassen“ zu schlendern und zu „lädelen“!

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Klondike Goldrausch

Das 1897 gegründete Skagway war zu den Zeiten des Goldrausches für mehrere 10‘000 Abenteurer Ausgangspunkt, um zu den Klondike Goldfeldern zu gelangen. Der beschwerliche Weg über den White Pass oder den Chilkoot Pass waren die kürzesten Verbindungen nach Bennett.

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Der South Klondike Hwy führt entlang des historischen White Pass Trails. Diesen nehmen wir nicht zu Fuss, wie die Goldsucher vor rund 110 Jahren, sondern mit den Velos in Angriff.

Auf dem Klondike Highway über den White Pass

Die Strasse von Skagway Richtung Whitehorse ist wesentlich stärker befahren als der Haines Hwy. Das Touristenstädtchen Skagway hat jährlich über 800‘000 Besucher. Die meisten  kommen mit Kreuzfahrtschiffen. Viele der Besucher werden mit Autos auf den White Pass gefahren oder nehmen den berühmten Zug. Es besteht auch die Möglichkeit, mit einem Bus auf den Pass zu fahren, um danach mit Velos die Talfahrt in Angriff zu nehmen. Den Touristen, die nur einen Tag in Skagway verbringen, muss etwas geboten werden.

So sind wir beim Aufstieg mit den Velos auf den White Pass nicht allein. Die Strasse ist enger, hat nur teilweise einen Pannenstreifen und dieser ist oft mit Kies und Sand bedeckt.

Dennoch können wir den langgezogenen Anstieg geniessen. Nachdem wir den Pass überquert haben, lässt auch der Verkehr nach.

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zugegeben es sind 3'292 Fuss und nicht Meter, d.h. nur 1'007 m

Die durch die Gletscher abgeschliffenen Felsen, zum Teil mit Flechten überwachsen und die vielen tiefblauen Seen faszinieren uns immer wieder von neuem. Obschon wir schon viele Fotos geknipst haben, halten wir immer wieder an, um die Eindrücke festzuhalten.

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Der Wind bläst mehrheitlich von hinten und trotz anderslautenden Wettervorhersagen begleitet uns die Sonne von Skagway Richtung Whitehorse.

Das Grösste, das Höchste, das Längste, das …

In den Staaten aber auch in Kanada gibt es so viele Sehenswürdigkeiten mit den Attributen, „das Grösste“, „das Höchste“, „das Längste“, etc. Dieser Ausdruck hat in Nordamerika eine inflationäre Ausprägung. Genau aus diesem Grunde erweckt die kleinste, nur 250 ha grosse Sandwüste der Welt in Carcross unsere Aufmerksamkeit. Der Sand auf dem Boden eines Gletscherzungenbeckens wird vom Wind ständig umgeschichtet, so dass sich keine Vegetation ansiedeln kann.

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Letzte Tagesetappe nach Whitehorse

Nachdem wir den Klondike Hwy verlassen haben und auf dem Alaska Hwy unterwegs sind, nimmt der Verkehr merklich zu. Eine „boring Street“ um es mit den Worten von Xaver festzuhalten. Nach Tagen auf einsamen Strassen sind wir dies nicht mehr so gewohnt.

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Der türkis schimmernde Emerald-Bergsee

Mittwoch, 15. Juni 2016

Unsere „Golden Circle“ Tour ist nach 589 Velo-km abgeschlossen. Eine fantastische Rundstrecke. Die Natur hat uns immer wieder in den Bann gezogen. Mit den Tieren hatten wir weniger Glück. Keine Bären gesehen und auch keine Elche. Nur Hirsche, einige Hasen, Squirells, Mäuse und andere Kleintiere. Drei Mal hat ein Fahrzeug angehalten und uns Radfahrer gewarnt, dass sich am Strassenrand Bären aufhalten würden. Einmal hat ein Personenwagen, der kurz zuvor an uns vorbeigefahren ist, gewendet, ist zurückgefahren, und dies nur um uns zu warnen. Doch gesehen haben wir diese nicht.

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zwei ungleiche Strassenbenutzer ...

Der heutige Tag steht nicht im Mittelpunkt eines Rückblickes, nein er steht im Fokus eines Ausblickes. Denn Xaver hat heute Geburtstag und da wünschen Barbara und ich weiterhin viel Vitalität, Interesse am Reisen, am Neuen generell. Vor allem aber beste Gesundheit.

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Kaum zu glauben, wie viele Muffins Xaver auf dieser Tour bereits verschlungen hat. Deshalb bekommt er von Barbara und mir zu seinem 64. Geburtstag 64 Muffins, abrufbar in Tranchen von 4 bis 6 Stück. Die letzten Lieferungen können in der CH abgerufen werden. Hauslieferung nach Gattikon inbegriffen.