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Samstag, 9. Juli 2016

Auf dem  „Top of the World Highway“

Gestern verliessen wir bei Sonnenschein das geschichtsträchtige Goldgräberstädtchen Dawson City. Eine Fähre brachte Barbara und mich über den Yukon River. Dann folgten 14 km stetige Steigung. Mehrmals dachten wir, endlich oben angekommen zu sein und es nicht mehr höher hinaufgehe. Doch nach der nächsten Kurve sahen wir, wie sich die Strasse weiter bergauf windete. Diese Strasse nennt sich nicht vergebens „Top of the World Highway“.

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Zusammenfluss von Yukon und Klondike River

Entschädigt wurden wir immer wieder durch den fantastischen Weitblick. Die Fernsicht reichte zum Teil bis zur Bergkette der Mackenzie Range. Dazu kam das schnell wechselnde Wolkenspiel. Einmal links, dann wieder rechts türmten sich Gewitterwolken auf und entluden sich mit Donnergrollen und Regen.

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Weitblick auf der Anhöhe des "Top of the World Hwy"

Am Nachmittag konnte dann auch Doris die Bekanntschaft mit den vielen Steigungen und Abfahrten machen.

Auf der Anhöhe etwas abseits der Strasse schlugen wir unser Nachtlager auf. Da es verboten ist, Holz von Kanada in die USA einzuführen, entfachten wir mit dem seit langem mitgeschleppten Holz ein Feuer. Zu einem Lagerfeuer gehört natürlich auch ein Stück Fleisch. So grillierten wir, obschon es zwischendurch immer wieder ins Feuer regnete, unsere Schweinssteaks.

Das Wechselspiel zwischen Sonne und Gewitter war heute noch intensiver. Doris und Xaver fuhren mit den Campern durch ein heftiges Hagelgewitter. Barbara und ich waren nur wenige Kilometer weiter entfernt und bekamen keinen einzigen Tropfen ab. Im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit wurden Barbara und ich dann aber über die Mittagszeit ausgiebig „übergossen“. Dies störte uns nicht. Dauerregen ist weit unangenehmer als die kurzen heftigen Gewitterregen.

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Am Nachmittag überquerten wir die Grenze von Kanada zu Alaska. Nun befinden wir uns wenige Kilometer vor dem Ende des Top of the World Hwy.

Die mehrheitlich aus Schotter und festgepresstem Sand bestehende Strasse ist in einem wesentlich besseren Zustand als der Dempster Hwy und somit angenehmer mit dem Velo zu befahren. Doch dies ist nicht der einzige Unterschied. In den vergangenen zwei Tagen vermissten wir die rücksichtsvollen Camper und Personenwagen. Nur selten wurde die Fahrt wegen uns Velofahrern verlangsamt. So bekamen wir oft anstelle eines Grusses mit der Hand nur aufgewirbelte Steine und eine dicke Staubwolke.

Kurz vor dem Grenzübergang befindet sich der höchste Punkt des Top of the World Hwy (1‘376 m). Nach der Grenze ist die Strasse für kurze 24 km geteert. Es ist ein feiner Belag ohne Bodenwellen und ohne Schlaglöcher. So konnten Xaver und ich es nach dem beschwerlichen Aufstieg auf der kanadischen nun auf der amerikanischen Seite mehrere Kilometer abwärts so richtig sausen lassen. Mit bis zu 60 km/h ging es bergab. (Daran hatten unsere lieben Frauen allerdings gar keine Freude!) Doch nach der Schussfahrt folgte wieder ein langer, sehr langer Aufstieg.

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Nach langem sondieren haben wir den idealen Platz für unser Nachtessen gefunden. Dies ist die einzige ebene Stelle, die auch schön trocken ist. Es wird wieder eine sehr ruhige Nacht geben, da die Grenze von 20:00 h bis 08:00 h geschlossen ist.

Nun ist es kurz vor Mitternacht. Xaver und ich wollen noch ein Foto von der Abendstimmung knipsen und können uns noch nicht aufs Ohr legen. Das Warten nutzen wir, um Fotos zu bereinigen und diesen Eintrag zu schreiben.

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Sonntag, 10. Juli 2016

Auf dem Taylor Highway

Heute Morgen endete der Top of the World Hwy und wir erwarteten einen gut ausgebauten Taylor Hwy. Doch die Schotterstrasse ist eng und weist zahlreiche grosse Schlaglöcher auf und einmal mehr viel Sand und Kies. Die Landschaft bleibt jedoch eindrucksvoll. Die Strasse windet sich auf Anhöhen mit eindrucksvoller Fernsicht und wieder hinab zum South Fork Fortymile River. Entlang des Flusses sehen wir Goldwäscher. Ein Bagger hebt Kies aus dem Fluss und schüttet es langsam auf ein Förderband. Die grossen Steine werden ausgesondert und der Sand „geschüttelt“ und mit Wasser gespült. So hoffen diese Goldsucher auf einen grossen Fund. Etwas später steht ein Mann im Wasser und schüttet den feinen Sand auf ein Metallsieb. Mit seinen fachkundigen Augen sucht er im zurückgebliebenen Sand nach Goldstaub und Nuggets. Dennoch findet er Zeit für einen kurzen Schwatz. Er erklärt uns seine Arbeitsschritte und gibt uns einen Tipp, wo wir als Velofahrer beim nächsten Campground unsere Trinkflaschen wieder auffüllen können.

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Ein Ort namens Chicken

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Auf den 300 Kilometern zwischen Dawson City und Tok gibt es nur eine Ortschaft und die nennt sich Chicken. Der ursprüngliche Name war Ptarmigan. Die ersten Siedler, die Goldgräber, wollten diesen Ort nach dem hier reichlich vorkommenden Schneehuhn nennen, welches in den Goldgräberlagern in unzählige Töpfe gewandert war. Doch diese konnten das Wort nicht richtig aussprechen.

Ptarmigan wurden auch schlicht Chicken genannt, also „Huhn“. So kam dieser Ort zu seinem Namen.

Im Winter leben hier 7 bis 9 Menschen und im Sommer schwindelerregende 30 bis 50 Personen. Die Post kommt, wenn das Wetter es zulässt, jeden Dienstag und Freitag mit dem Flugzeug.

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Heute lebt dieser Ort vor allem von den Touristen. Eine mächtige Goldschürfmaschine (Dredge) und die alten Holzhäuschen aus der Goldgräberzeit bilden die Attraktivität. Ferner Downtown Chicken, bestehend aus einem Laden mit vorwiegend Souvenirartikeln, einer Bar, einem Liquor Store und einem Restaurant. Alles erinnert an die glorreiche Goldgräberzeit.

Im Chicken Creek Saloon bestellen wir nicht einen Chickenburger, nein, einen Buffaloburger. Dazu ein Alaska Summer Bier. Den ganzen Abend sind wir die einzigen Gäste im kleinen Restaurant und geniessen das Wildwestflaire.

Montag, 11. Juni 2016

Glück gehabt

Zweimal beginnt sich der Himmel zu entleeren, und immer waren unsere Frauen mit dem Camper zufälligerweise in Sichtweite. So bekommen wir jeweils nur wenige Tropfen ab. Das Wetter hat es in sich. Gestern erzählte uns ein Mann, dass hier im Norden nicht wir die Tagesetappen bestimmen können, nein, es sei das Wetter. Wie recht er doch mit dieser Aussage hat.

So beschliessen wir, wieder irgendwo unser Nachtlager aufzuschlagen. Gut getarnt auf einem Platz, umhüllt von dichtem Nebel. Dazu setzt erneut ausgiebiger Regen ein. Gegrillt wird mit Regenschirm. Doch sehen wir dies positiv. Erstens hat es hier, kurz nach dem Fairplay Pass, keine Mücken mehr, und zweitens sind wir wieder ganz allein.

Der Mann mit dem Hund

Verschiedene Fernradfahrer aber auch Motorradfahrer haben uns in den vergangenen Tagen von einem Mann erzählt, den sie getroffen hätten. Der Mann sei mit seinem Hund vom nördlichen Eismeer, d.h. von Prudhoe Bay aus, unterwegs. Wir haben uns einen bärtigen und kräftigen Mann vorgestellt, der auf der Strasse südwärts marschiert. Und siehe da, kurz nach Chicken treffen wir nun diesen Fernwanderer mit seinem Wagen und seinem Hund. Ein jugendlich, fein gebauter Mann.

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Wir nutzen die Gelegenheit für einen kurzen Gedankenaustausch. Dieser „Fussgänger“ nennt sich Greg, kommt aus den Neu England Staaten und ist mit seinem Hund Pablo bereits seit Monaten unterwegs. Er hat wirklich bereits den ganzen Dalton Highway abmarschiert. Auf die Frage, wie viele Meilen er pro Tag so „schaffe“ meint er, 25 Meilen seien es schon (entspricht 40 km). Sein Ziel sei Texas. Dies werde er nach ca. 5‘000 Meilen etwa im kommenden Januar erreichen. Wir verabschieden uns, doch der Gesprächsstoff zwischen Barbara und mir bleibt noch lange bei Greg und Pablo.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Auf einem Veloweg durch die Wildnis

Heute Morgen strahlend blauer Himmel. Dies wird ein herrlicher Velotag. Barbara und ich verlassen das Örtchen Tok und pedalen auf dem Tok Cutoff Hwy, genauer gesagt auf einem Radweg mit feinem Belag, welcher parallel zur Strasse führt. Tok haben wir schon lange hinter uns gelassen. Es gibt keine Querstrassen mehr, keine Häuser mehr, doch der Veloweg, der geht noch weiter. Aber auch auf dem Highway ist kaum ein Auto zu sehen. Wir sind nicht sicher, ob wir vielleicht die ersten sind, die auf diesem Veloweg fahren. Der Staat Alaska hat viel Geld aus den Erdölsteuern. Die Strassen sind viel besser ausgebaut und werden auch besser unterhalten als im Yukon. Da wird sicher auch für ein Ort wie Tok von einer zentralen Verwaltungsstelle die Kostengutsprache für einige Dutzend Velowege gesprochen worden sein.

Baustelle: für Velofahrer passieren verboten

Bereits einige Kilometer vor der eigentlichen Baustelle werden die Bauarbeiten angekündigt.  Wir werden angehalten. Auf unsere Frage, ob wir mit dem Velo die Baustelle denn nicht passieren könnten, wird uns erklärt, dass dies viel zu gefährlich sei. Es wird ein „Safety-Car“ organisiert, der uns durch die 3 km lange Baustelle fahren soll. Wenige Minuten später rollt ein Pickup-Car an. Auf der Ladefläche werden die Baugeräte zur Seite geschoben und unsere Velos und Saggochen aufgeladen.

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Bevor wir in der Fahrerkabine Platz nehmen können, müssen zudem die Vermessungsgeräte und Ordner irgendwo deponiert werden. Es dauert einige Zeit, bis wir im Sicherheits-Car die Baustelle zwischen den grossen Erdbewegungsmaschinen hindurch passieren können. Erst nachdem wir Velofahrer die Baustelle hinter uns gelassen haben, werden die Autos und Camper durch die Baustelle geschleust.

Kiesgrube zum ???

Gestern übernachteten wir für 50 Dollars auf dem Tok RV Village Campground. Der Campingplatz ist gepflegt. Die einzelnen Plätze verfügen neben Wasser-, Strom- auch noch über Kabelfernsehanschluss. Dafür funktioniert WiFi nur mangelhaft.  Die Plätze sind jedoch, wie bei allen Stadtcampingplätzen, eng. Unser Nachbar hat die ganze Nacht den Motor seiner Klimaanlage laufen lassen. Am Morgen in aller früh fahren die ersten Autos und Camper wieder weg. Bevor sie losfahren, wird der Motor noch einige Minuten laufen gelassen. Kurz gesagt, keine Ruhe.

Ganz anders, wenn wir wild übernachten. So haben wir eine Vorliebe zu den zahlreichen Kiesgruben entlang der Strasse entwickelt. Wenn wir keinen Strom und kein Wasser benötigen, dann sind diese Plätze eine zu bevorzugende Alternative. Der Boden ist meist mit feinem Kies gut ausplaniert. Eine saubere Angelegenheit. Zudem sind diese Plätze etwas abseits der Strasse und weisen keine Verbotsschilder auf. Es gibt hilfreiche Campingführer aber keine „Kiesgrubenführer“. Genau diese Marktlücke will Xaver nun schliessen. Er notiert in seiner Mile-Post bei den Mile-Markern, wo sich all die lauschigen Kiesübernachtungsplätze befinden. Die erste Ausgabe erscheint vielleicht bereits 2017 mit dem Titel „Der Kiesgrubenführer vom Yukon und Alaska - Eine originelle Alternative zu den Übernachtungsmöglichkeiten auf Campingplätzen“.

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Dinner in der Kiesgrube

Donnerstag, 14. Juli 2016

Bereits am Morgen ist es sehr heiss. Ein herrlicher Sommertag. Gestern radelten wir durch Täler umgeben von steilen Bergen. Heute umgeben uns Espen- und Tannenwälder. Eher eine monotone Strecke. Starker Gegenwind bremst uns einmal mehr beim Vorwärtskommen.

Kiesgruben haben wir heute keine mehr zu Gesicht bekommen. Also suchen wir uns eine andere Stelle für unser Nachtlager. Gegen Abend entlädt sich ein heftiges Sommergewitter, begleitet von Hagel, Blitz und Donner. Wieder einmal Glück gehabt, dass wir bereits am Trockenen sein können. Aus Sicherheitsgründen sind wir bei solch heftigen Gewittern nicht gerne auf den Velos unterwegs.

Das Gewitter ist bereits weitergezogen, als wir Rauch riechen. Nördlich von uns, so nehmen wir an, hat ein Blitz ein Feuer entfacht. Die Wetterlage drückt den Rauch nach unten. Wir sind nicht sicher, ob es eventuell auch südwärts von uns brennt. Es ist nicht dramatisch. Feuer sehen wir keines, nur der Rauch in der Nase verunsichert uns, hier am Strassenrand zu übernachten. Da bemerke ich ein Auto, welches wenige Meter auf der anderen Seite der Strasse anhält. Ich eile zum Fahrer. Von einem Feuer habe er nichts bemerkt, erklärt er mir. Er komme direkt von Anchorage. Doch dank seiner spontanen Hilfe bekommen wir Entwarnung. Obschon wir hier kein Netz haben, funktioniert mit meinem Natel die Notfallnummer 911, welche er kurzerhand anruft. Super, das hätte ich nicht gedacht. Es wird uns mitgeteilt, dass der Waldbrand auf der anderen Seite des Flusses sei und für uns am Highway keine Gefahr bestehe. Nun können wir uns entspannt in die Federn legen.

Freitag, 15. Juli 2016 (Text von Barbara)

Lieber Edi. Ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem heutigen Geburtstag und wünsche dir alles alles Liebe und Gute und vor allem beste Gesundheit! Wau, nun habe ich als Ehemann einen AHV-Bezüger!

Auch von Seiten Doris und Xaver bekommt mein lieber Mann natürlich die allerbesten Glückwünsche. Doch welch eine Überraschung erwartet Edi beim Loslösen der Velos vom Veloträger?

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Doch nicht genug: es folgen „on the road“ noch zwei weitere Überraschungen…

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Es ist wirklich schön, so tolle und dazu noch so einfallsreiche Freunde zu haben! Herzlichen Dank euch Beiden!

Sonntag, 17. Juli 2016

Wir befinden uns unweit der Passhöhe des Thompson Summit. Eigentlich planten wir, heute im Blueberry State Park zu übernachten. Dies soll der schönste Campground von ganz Alaska sein. Doris und Barbara sind mit den Campern bereits vorgefahren und haben einen Platz ausgesucht. Doch die extrem vielen Fliegen, welche über die Damen hergefallen sind, haben diese veranlasst, den Campingplatz fluchtartig wieder zu verlassen. Seit heute Morgen belagern uns bei jedem Stopp sofort Hunderte von Fliegen. Diese sind noch aufsässiger als die Mücken. Ohren, Nase und Mund, sofern man diesen kurz öffnet, sind vor ihnen nicht sicher. Also sind die Frauen zurück auf den Thompson Pass gefahren und haben Xaver und mich hier „abgefangen“. Der starke Wind hält uns die Biester hier in der Höhe wirklich vom Laib. So können wir unser Dinner im Freien mit Blick auf die herrliche Bergwelt geniessen.

Zur Verdauung unternehmen wir eine Abend-Wanderung. Die Weitsicht auf das Keystone Canyon ist beeindruckend.

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Doch nun ein kurzer Rückblick:

„Boring Street“

Die gestrige Strecke gehört sicher zu den langweiligsten Abschnitten seit wir in Inuvik gestartet sind. Zudem ist die Strasse in einem sehr schlechten Zustand. Die harten Winter haben dem Belag arg zugesetzt. In Abständen von wenigen Metern ist der Teerbelag aufgesprengt und nur mangelhaft repariert. Barbara scherzte, dass es sich auf dieser Strasse genau so fährt, wie auf den Plattenbaustrassen der früheren DDR. Wir sehnen uns schon fast nach der Schotterstrasse zurück.

Wetter spannender als ein Krimi

Es war gestern so um 15:30 Uhr, als wir uns nicht so recht einigen konnten, ob wir bereits das Nachtlager beziehen oder doch noch einige Kilometer mit Velo und Camper weiterfahren sollten. Wir entschieden uns zum Bleiben. Es war drückend heiss und wir überlegten, wo wir die Campingstühle am besten positionieren könnten, um etwas Schatten und kühlenden Wind zu bekommen. Diese Überlegungen dauerten zu lange. Denn plötzlich war der Himmel mit dunklen Wolken überzogen und es goss wie aus Kübeln. Nun wussten wir, wohin wir flüchten mussten.

Bisher zogen die Gewitter jeweils rasch weiter. Doch dieses Mal war alles ganz anders. Die Regenunterbrüche dauerten nur wenige Minuten, dann öffnete sich der Himmel von Neuem. Zwischendurch trommelten auch Hagelkörner auf das Dach des Campers.

Da die älteren Herren nachts öfters mal aufstehen müssen, konnte ich einen aktuellen Wetterstand beobachten. Der Nebel hat uns in Watte eingepackt.

Am Morgen kurz vor sieben Uhr lag über dem Tal nur noch ein Nebelstreifen. Darüber glitzerte die Pipeline wie ein silberner Faden.

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Beim Start war der Nebel weg und die Sonne schien, als wäre seit gestern Nachmittag nichts geschehen.

Durch das Chugach Gebirge

Gestern eine langweilige Strecke und heute eine beeindruckende Bergwelt, durch dessen Täler sich die Strasse schlängelt. Die Bergspitzen der Chugach Ranch weisen noch Schnee auf. Vor uns sehen wir über viele Kilometer den imposanten Worthington Gletscher, bis wir ganz nahe an der Gletscherzunge vorbei radeln können. 

Der Worthington Gletscher ist das durch uns am meisten fotografierte Objekt. Je näher wir dem Gletscher kommen, desto beeindruckender finden wir diesen. So gibt es immer wieder von neuem einen Fotostopp. Doch zum Glück gibt es im Gegensatz zu den früheren Fotokameras mit den Rollenfilmen heute eine „Del-Taste“.

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Montag, 18. Juli 2016

Die heutige und letzte Tagesetappe nach Valdez unternehme ich mit Doris. Sie meint, sie sei von unserer Gruppe die wahre „Down Hill Spezialistin“. Etwa 15 km geht’s flott die 750 Höhemeter bergab. Je mehr wir uns Valdez nähern, desto kühler wird es. Eine klare Ankündigung des nahenden Pazifik.

Die Strecke führt uns entlang des Lowe River durch das eindrückliche Keystone Canyon. Als Attraktion werden in den Prospekten die beiden Wasserfälle Bridal Veil Falls und Horsetail Falls genannt. Liebes Alaska: In aller Bescheidenheit, unsere Trümmelbachfälle sind um einiges imposanter.

Das Städtchen Valdez ist noch mehrere Kilometer entfernt, da sehen wir wieder einen Veloweg.

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Dieser ist mit einem Warnschild vor Bären versehen. Wir fragen uns, ob es nicht doch sicherer wäre, auf dem Pannenstreifen in die Stadt zu fahren, als auf dem etwas abseits gelegenen Veloweg.

Die letzten Kilometer durch Valdez unternehmen wir wieder zu Viert auf dem Velo und zwar bis an den Hafen auf die Besichtigungsplattform. Nun ist unsere Velotour „From Arctic Ocean to the Pacific“ wirklich zu Ende.

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Dienstag, 19. Juli 2016

Heute besuchen wir die Solomon Gulch Hatchery. Nach Schätzungen sollen jeweils im August 150‘000 Lachse an ihre Laichplätze zurückkehren. In der Flussmündung wimmelt es von Lachsen. Es müssen Tausende sein, die teils dichtgedrängt gegen die Strömung und entlang der Flussmündung schwimmen.

Wir hoffen, hier auch Bären anzutreffen. Doch diesen scheint es heute zu warm zu sein. Dafür können wir 7 Seelöwen beobachten, die sich als geübte Lachsfänger in Szene setzen. Wir fragen uns, ob die Jagd koordiniert stattfindet oder ob es eher zufällig ist, wenn zwei oder drei Seelöwen abtauchen und gleichzeitig die Lachsschwärme vor sich hertreiben. Hat ein Seelöwe einen Lachs zwischen den Zähnen, umkreisen ihn die Möwen und halten Ausschau, ob nicht auch für sie noch ein Häppchen anfällt.  Eine für uns beeindruckende Beobachtung.

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