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Einen kurzen Blick in den Rückspiegel

Einige Erfahrungen auf unserer diesjährigen Reise. Es sind persönliche Empfindungen und Beurteilungen. Und wie heisst es jeweils? „Alle Angaben ohne Gewähr“.

Übernachtungen mit Camper oder Zelt

Die Übernachtungsmöglichkeiten können in drei Kategorien unterteilt werden.

Private RV Parks und Campgrounds

Diese Campingplätze verfügen meistens über eine gute Infrastruktur. WC-Anlagen mit Duschen, je nach Preiskategorie mit Wasser- und Stromanschluss, Holztische und zum Teil auch über Feuerstellen. Ferner kann man «dumpen», das heisst das Black- und Greywater entsorgen. Bei den stadtnahen Campgrounds sind die einzelnen Plätze jedoch eng nebeneinander, ähnlich wie bei Stellplätzen in Europa. Die einzelnen Plätze sehen wie übergrosse Parkfelder aus. Auf diesen Campingplätzen herrscht oft bis spät in die Nacht ein Kommen und dann bereits früh wieder ein Gehen. Ruhige Nächte sind eher selten.

Staatliche Parks (State Parks) und staatliche Campgrounds

Diese befinden sich in der Natur, oft in Wäldern, an Seen oder Flüssen. Die einzelnen Plätze sind weit auseinander, verfügen über Feuerstellen und Holztische. Das Holz zum feuern wird gratis zur Verfügung gestellt, muss jedoch selber gespalten werden. Dazu benötigt man eine grosse, schwere Axt, um die «Trämel» aufspalten zu können. WC sind sogenannte «Plumpsklos». Trinkwasser hat es in den State Parks oft keines. Da viele Flüsse und Bäche mit «Biberfieber» verunreinigt sind, muss das Wasser mindestens 10 Minuten lang abgekocht werden.

Wild campieren

Das kann man im Westen Kanadas und in Alaska ausgezeichnet. Entlang der Strasse gibt es verschiedene Möglichkeiten. Grosse Kiesgruben, die für den Strassenbau und -unterhalt errichtet worden sind. Grosse Parkplätze (Turnouts) und See- bzw. Flussanlegestationen. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass es sich nicht um Privatgrundstücke handelt und keine Verbotsschilder angebracht sind. Bei dem lockeren Umgang mit Schusswaffen ist nicht nur hier in Alaska, nein in ganz Nordamerika Vorsicht geboten. Auf einer Warntafel stand (leider habe ich diese nicht fotografiert): «Wenn du nicht schneller als eine Revolverkugel rennen kannst, dann bleibe fern von diesem Grundstück». Auch ohne solch klare Botschaften haben wir Privateigentum strickte gemieden. Im Zweifelsfall nach einer anderen Übernachtungsmöglichkeit Ausschau halten. Über unsere Vorliebe zu den Kiesgruben haben wir uns ja bereits ausgiebig geäussert.

Kartenmaterial

Die Mile Post wird als die Bibel für Reisende in Westkanada und Alaska bezeichnet. Das Buch hat das Format eines alten Schweizer Telefonbuches. In diesem Buch sind die wichtigsten Strassen, wie der Alaska Highway, der Dempster Highway, der Denali Highway und viele mehr genau beschrieben, jeder Kilometer (in Kanada) und jede Meile (in Alaska). Ebenso Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkte, Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten. All diese «Points of Interest» sind mit Meilen- bzw. Kilometer-Punkte versehen, und zwar jeweils von beiden Richtungen. Deshalb der Name Mile Post. Mit dieser Mile Post hat man eine so gute Orientierung, da braucht es nicht noch zwingend zusätzliche Strassenkarten.

Als Beispiel Auszug aus Mile Post:

Überland-Velokarten gibt es unseres Wissens keine. Lediglich in grösseren Städten gibt es spezielle Velokarten. Wie bereits über Anchorage beschrieben.

GPS benötigt man eigentlich keines. In den Städten ist ein «elektronischer Lotse» jedoch hilfreich. Diese Funktion übernimmt das geniale App «maps.me» hervorragend.

Hilfsbereitschaft der Leute

Die Hilfsbereitschaft der Leute, vor allem in den entlegenen Gebieten, ist für uns immer wieder von neuem beeindruckend.

Umso erstaunter sind wir betreffend «erste Hilfe» bei einem Unfall. Da müsse man sehr vorsichtig sein. Möglichst keine Hilfe leisten. Denn mache man etwas falsch, könne dies zu einer Millionenklage führen. Dieser Hinweis steht sogar in den Camperunterlagen, die wir erhalten haben. Sogar ein amerikanischer Arzt hat Doris und Xaver dazu geraten, jede Hilfe zu unterlassen. Er, der Arzt, würde in einem solchen Fall ebenfalls weiterfahren. Zu gross sei die Angst, dass es zu einer Klage kommen könnte, die ihm seine Arztlizenz kosten würde. Unabhängig, ob er alles korrekt mache oder nicht. Da begreifen wir die Welt, genauer gesagt, das Rechtssystem von Amerika, einmal mehr nicht.

Erfahrungen auf der Strasse

Wie in unseren Berichten bereits erwähnt, sind die kanadischen wie auch die amerikanischen Strassenteilnehmer gegenüber Velofahrern äussert zuvorkommend. Rücksichtsvoll wird überholt oder das Tempo auf den staubigen Strassen gedrosselt, bis die Fahrzeuge an uns vorbeigefahren sind. Dies ist die ganz grosse Mehrheit. Doch es gibt immer auch Ausnahmen, leider. Deshalb muss man sich als Velofahrer bewusst sein, man ist eindeutig der schwächere auf der Strasse. Lieber einmal mehr ganz am Strassenrand anhalten, bis das Fahrzeug vorbei ist.

Ist man mit dem Camper unterwegs, da erwarten die Lastwagenfahrer, dass man ihnen Platz macht. Erstaunlich ist, wie viele grosse Lastwagen mit Anhängern richtiggehend an der hinteren Stossstange kleben, bis wir ihnen bei der erstbesten Möglichkeit die Strasse freigeben.

Das Schweizerkreuz an der Lenkertasche

Dies hat unterwegs zu mehreren kurzen Gesprächen geführt, sei es mit Schweizern, Amerikanern oder Kanadiern, deren Vorfahren aus der Schweiz ausgewandert sind oder sonst neugierige Reisende. Interessant bei diesen kurzen Begegnungen war jeweils: Die Schweizer haben den Motor abgestellt. Bei den Amerikanern und Kanadiern ist es eine Selbstverständlichkeit, den Motor eine viertel Stunde laufen zu lassen.

Was wir lange nicht wussten, dass unser weisses Kreuz mit rotem Hintergrund auch durch das «Rescue Team» (Nothelfer Team) verwendet wird. Dies hat einige Male zu lustigen Missverständnissen geführt, brauchten die Amerikaner doch das Wort «red coss». Wieder haben wir etwas dazu gelernt.