Menu

Montag, 5. Juni 2017

Wir starten heute zum zweiten Teil unserer Etappe „Von Edinburgh nach London“. Die ersten 700 km konnten wir ohne Regen radeln. Nun hat das Wetter umgeschlagen. Nur ein leichter Regen, jedoch stark genug, um die Luft von all den Pollen zu reinigen. Diese Regentropfen sind für mich heute mein Freund und Helfer. In den vergangenen Tagen hatte ich starken Heuschnupfen, gerötete Augen verbunden mit Augenjucken. Das ist unangenehm. Auch für Barbara, denn sie behauptet jeweils, ich sei in diesen Momenten „rumpusurig“. Nun, nach dem reinigenden Regen ist die Luft sauber und meine Allergiebeschwerden weg.

05.06.17_kathedrale_von_lincoln.jpg

Am Mittag erreichen wir die 2‘000 Jahre alte Stadt Lincoln. Das mächtige Lincoln Castle ist schon von weitem zu sehen. Noch beeindruckender ist die Kathedrale. Sie ist eine der monumentalsten Kirchen Grossbritanniens und war beim Bau das damals höchste Kirchenbauwerk der Welt. Doch auch die Altstadt hat viel vom früheren Glanz behalten. Dementsprechend hat es sehr viele Touristen. Doch nur Zwei schieben die schweren Räder durch die steilen Gassen.

Dienstag, 6. Juni 2017

Heute gibt es eine „Testetappe“. Getestet werden unsere Regenkleider. Wir starten gut eingepackt bei leichtem Regen. Es folgen kurze Unterbrüche, bis dann am Nachmittag ein starker Dauerregen einsetzt. Ich bin erstaunt, dass die Regentropfen bei diesen stürmischen Winden überhaupt den Weg auf den Boden finden. Im Gesicht fühlen sich die herangepeitschten Regentropfen wie Hagelkörner an. So starken Wind, begleitet mit heftigen Böen, das haben wir auf dieser Tour noch nicht erlebt. Zumindest bläst der Wind heute meistens von hinten oder seitlich. Es gibt aber auch kurze Abschnitte, da kommt der Wind frontal auf uns zu. Einfach nur um uns zu zeigen, wie es wäre, wenn wir die heutigen 60 km immer im Gegenwind hätten abstrampeln müssen.

Laut Wetterprognosen soll der Wind morgen noch einen Zacken zulegen.

In Boston gönnen wir uns eine ausgiebige Kaffeepause. Die Räder lassen wir im Regen stehen. Mit Blick auf den Stadtplatz sitzen wir gemütlich am Trockenen und geniessen unser Cappuccino. Die Stadtbesichtigung findet heute via iPhone statt. So erfahren wir, dass Pilgerväter, welche um 1600 mit dem Schiff nach Amerika auswanderten, dort die neue Stadt Boston gegründet haben. Und noch einen interessanten Hinweis haben wir gefunden. Der Wahlbezirk Boston stimmte am 23. Juni 2016 mit über 75% für Brexit.

Und wieder auf einer stillgelegten Eisenbahnstrecke unterwegs

Ein Kanalsystem verband früher die zwei bedeutenden Städte Lincoln und Boston. Vor etwas mehr als 150 Jahren wurde zusätzlich bzw. als Konkurrenz eine Eisenbahnverbindung gebaut, die entlang des Witham-Kanals bzw. über längere Strecken zwischen Kanal und Witham Fluss verlief. Die Dampfboote benötigten damals für die Strecke über 6 Stunden, der Zug nur 90 Minuten und wir heute und gestern mit den Fotostopps etwas über 5 Stunden. Wer hat das wirtschaftliche Rennen der zwei Transportsysteme gewonnen?

06.06.17_auf_dem_stillgelegten_bahntrassee_lincoln-boston.jpg

das ehemalige Bahntrassee eingebettet durch die zwei Kanäle

Gewonnen haben die Velos. Denn der Kanal ist nicht mehr in Betrieb und die Eisenbahnstrecke wurde in einen Veloweg umgebaut. Schön geteert und mit vielen interessanten Informationstafeln versehen. Genau auf diesem Veloweg sind wir von Lincoln nach Boston geradelt.

Nun sind wir in einem B&B in Holbeach. Barbara versucht, mit dem Föhn die nassen Kleider und Saggochen wieder zu trocknen. Eigentlich haben die Regenkleider den Test bestanden. Doch meistens findet das Wasser einen Weg, um Hosen und Leibchen doch noch etwas zu durchnässen.  

Mittwoch, 7. Juni 2017

Nun wissen wir, wozu die Hecken entlang der Strässchen dienen: Damit der seitliche Wind uns nicht von den Rädern bläst. Wir lernen diese dichten Windschutzwälle richtig schätzen. Beklagen dürfen wir uns aber nicht, denn mehrheitlich begleitet uns Seiten- oder Rückenwind.

07.06.17_schuetzende_hecken_entlang_der_strasse.jpg

Wir steigen im Globe Hotel Wetherspoon in King’s Lynn ab. Dem Hotelpersonal ist es immer sehr wichtig, dass unsere Räder sicher untergebracht werden können. Sei es in einem nicht benötigten Konferenzsaal, in einem Nebenzimmer oder Innenhof. Doch heute findet die Dame an der Rezeption, dass dies unser Problem sei. Wir könnten diese an der Strasse irgendwo anbinden. Doch das wollen wir nicht und suchen nach Alternativen. Im Biergarten? Gehe nicht, wegen der betrunkenen Gäste am späten Abend. In einem Hotelschopf, wo auch das Personal ihre Velos deponiert? Gehe nicht, dies sei nur für das Personal. Neben der Feuerleiter im Innenhof? Gehe nicht aus feuerpolizeilichen Gründen. Geht doch. Wir binden die Räder einfach fest und sagen der Dame, wenn es Probleme gäbe, sie wisse ja welches Zimmer wir hätten und gehen essen.  Es kommt selten vor, dass für ein sicheres Nachtlager unserer Velos kein Verständnis aufgebracht wird, aber nun ist es wieder einmal so weit.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Wir sind in Wells-next-the-Sea in einem B&B. Ein freies Hotelzimmer haben wir in diesem kleinen Hafenörtchen keines gefunden. Das Einchecken in den kleinen Familienbetrieben mit zwei oder drei Zimmern gestaltet sich oft kompliziert und umständlich, verbunden mit etwas zu nahem Familienanschluss. Auch heute ist das so. Die Ankunftszeit mussten wir bereits gestern telefonisch bekannt geben. Das Zimmer ist klein, spartanisch eingerichtet, überstellt mit Sachen, die nur im Weg stehen. Dafür fehlen Haken, um die Kleider aufhängen zu können. Was wir morgen zum Frühstück möchten und um welche Zeit, auch dies müssen wir bereits heute genau aufschreiben. Wir werden gebeten, nicht früher zu erscheinen, da die Küche mit der Essecke sehr eng sei. Alles ist etwas bescheiden, nur der Preis für diese Übernachtungen nicht.

08.06.17_der_breite_sandstrand_bei_wells-next-the-sea.jpg

Bei Ebbe erstreckt sich der Sand über mehrere Kilometer ins Meer hinaus. Man hat das Gefühl, in der Wüste zu stehen.

Wir gehen Fish & Chips essen und zwar in das Restaurant, von dem man uns bereits gestern geschwärmt hatte. Es wurde dieses Jahr als das beste Fish & Chips Restaurant dieser Region ausgezeichnet. Die Restaurants nebenan sind fast leer, begreiflich, denn alle wollen den besten Fish & Chip. Das Essen ist gut, jedoch serviert in einer Kartonschale mit Plastikbesteck.

Wir sind uns einig: Velofahren, ja das macht immer noch grossen Spass. Jeden Tag auswärts essen, das hängt uns regelrecht zum Halse heraus (weiss nicht einmal, ob man dies in der Schriftsprache so schreiben kann).

Also in den kommenden Tagen möglichst keine B&B‘s mit Familienanschluss mehr und für die Verpflegung am liebsten einen Italiener, oder im Notfall einen McDonald‘s.

Morgen gibt’s wieder einmal einen Ruhetag. Genau in dem B&B, von dem ich soeben „geschwärmt“ habe. Doch was soll’s, gebucht ist gebucht. Wir werden den Tag eh mehrheitlich am Meer verbringen und nicht im Zimmer.

Samstag, 10. Juni 2017

Die schlechte Laune lassen wir im B&B in Wells zurück und radeln los.

In Wighton führt der Nordseeküsten Radweg ins Landesinnere. Wir wollen jedoch der Küste entlang radeln und so verlassen wir für zwei Tage die North Sea Cycle Route. Einheimische Radfahrer bestätigen uns, dass der Norfolk Coast Cycleway eindeutig der schönere Fernradweg sei, wenn auch etwas hügeliger. Erstaunlich, dass der Nordsee Küstenradweg immer wieder über längere Strecken durchs Landesinnere führt.

Kurz nach Mittag erreichen wir das Seebad Cromer. Die restlichen Wolken haben sich verzogen, so dass all die Leute den herrlichen Samstag am Strand geniessen. Es ist Ebbe und das Meer hat sich weit zurückgezogen und gibt den spielenden Kindern viel Platz.

Nun sind wir im Hotel de Paris, also kein B&B. 

Das Nachtessen geniessen wir im grossen Speisesaal mit Rundblick aufs Meer und auf die Cromer Pier. Die Promenade führt direkt vor unserem Fenster vorbei. Und was sehen wir? All die Leute, die an den Strand gehen, um die Abendsonne zu geniessen, halten in ihren Händen die uns bekannten Kartons. Die Ungeduldigen oder die Hungrigen haben bereits angefangen, die Chips zu knabbern. Wir haben auch Fisch bestellt, doch heute wollen wir es etwas gediegener haben.

Beim Abendspaziergang ist die Sonne bereits sehr tief. Nun ist Flut und der Sandstrand verschwunden. Die Wellen schlagen bis an die Promenadenmauer. Die Gezeiten beeindrucken uns immer wieder.

10.06.17_sonnenuntergang_in_cromer.jpg

Vom Pier in Cromer kann man beobachten, wie am Abend die Sonne auf der einen Seite im Meer versinkt und am Morgen auf der anderen Seite aus dem Meer aufsteigt. Den Sonnenuntergang können wir festhalten…

Sonntag, 11. Juni 2017

…doch das mit dem Sonnenaufgang wird nichts. Nicht weil wir diesen verschlafen, nein, weil die Wolken einen Strich durch die Rechnung machen. So können wir uns nochmals aufs Ohr legen.

Ein Grossteil der Strecke führt durch Nebenstrassen, auf denen wir allein unterwegs sind. Es geht durch gepflegte Dörfer. Der Grafschaft Norfolk, in der wir uns jetzt befinden, scheint es wirtschaftlich wesentlich besser zu gehen als Lincolnshire.

Eine der Herausforderung ist, den Norfolk Coast Cycleway nicht zu verlieren, der oft durch abgelegene Nebenstrassen führt. Wenn die Wegweiser fehlen oder wir diese übersehen, dann sind wir irgendwo und müssen mit MapsMe und Velokarte wieder die Position finden. In einem kleinen Dorf sind wir erneut etwas auf Abwege geraten. Ein älterer Mann geht am Strassenrand. Ausgezeichnet denke ich, das muss ein Einheimischer sein. Das einzige, was wir wissen müssen, wie gelangen wir zum nächsten Örtchen Lower Street, welches nur wenige Kilometer von unserem Standort entfernt sein muss. Der Mann kennt diesen Ort nicht. Spreche ich den Namen falsch aus? Ich zeige ihm auf der Velokarte den Ort. Er schaut lange auf die Karte, hebt seinen Kopf und sagt: Entschuldigung, da kann ich euch nicht weiterhelfen. Das verunsichert uns doch ein wenig. Doch dann denke ich, dass er seine Lesebrille nicht bei sich hat und sich nicht getraut, dies uns zu sagen. Wir finden den Weg auch ohne seine Hilfe.

Gegen Abend erreichen wir Great Yarmouth. Die ruhigen Strassen weichen starkem Verkehr und dann sind wir an der Küstenstrasse und der Flanierzone. Wir wähnen uns in Little Las Vegas. Erstaunlich, ein wunderbarer Strand und alle scheinen sich nur für Spielsalons und Attraktionen zu interessieren.

11.06.17_little_las_vegas_in_great_yarmouth.jpg

Montag, 12. Juni 2017

Wir haben klare Aufgabenteilung. Barbara geht jeweils einkaufen und ich bewache die Velos. Bin schliesslich auch der stärkere. Heute gehe ich ausnahmsweise erstmals einkaufen und bezahle mit einer 10 Pfund Note. Die Verkäuferin nimmt einen Stift hervor und überprüft die Echtheit der 10er Note. Das ist Barbara nie passiert. Für mich unbegreiflich. Mit meinem „Bienchen Velohelm“ und dem Leuchtgurt, so finde ich, sehe ich doch wirklich vertrauenswürdig aus.

Noch einige Gedanken zu den Preisen hier. Das Einkaufen von Lebensmitteln ist wesentlich günstiger als bei uns. Wir staunen immer, was es alles für drei, vier Pfund als Zwischenverpflegung zu kaufen gibt. In den Cafés und Restaurants sind die Preisunterschiede viel grösser als bei uns. Manchmal bezahlen wir unterwegs für einen Cappuccino etwas abseits der Touristen keine zwei Franken, in den belebten Gegenden dann bis sechs Franken. Auch der Preis für ein Pint Lager in den Pubs variiert zwischen drei und sechs Franken. Die Preise beeinflussen unser Kaufverhalten, entgegen der Wirtschaftslehre, jedoch nicht nachhaltig.

Und nochmals etwas zu den B&B-Übernachtungen. Diese sind, gemäss unseren bisher gemachten Erfahrungen, bei vergleichbarem Standard mindestens 30% teurer als ein Hotelzimmer.  Dafür hat man Familienanschluss (aber nicht immer Bad und Dusche im eigenen Zimmer).

12.06.17_und_wieder_ein_spezieller_unbewachter_bahnuebergang.jpg

... und wieder ein unbewachter Bahnübergang mit einem "Gattertor".

Dienstag, 13. Juni 20

Wir steigen auf‘s Rad und stellen fest, es ist windstill. Kaum zu glauben. Dies ist der erste Tag hier in Grossbritannien, wo uns der starke Wind nicht begleitet. Eigentlich ganz angenehm!

Die heutigen 90 km sind anstrengend, deshalb: Je länger die Etappe, desto kürzer der Eintrag.

Doch noch etwas ist erwähnenswert: Was macht man, wenn man im Hotelzimmer alles ausgepackt hat und endlich unter die Dusche kann, und es kommt nur kaltes Wasser?  

13.06.17_ein_selfie_einmal_etwas_anders.jpg

Einmal ein Selfie etwas anderer Art.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Wir empfinden es wesentlich angenehmer und einfacher, mit dem Velo durch eine englische Stadt zu fahren, als bei uns in der Schweiz. Bis in die Stadtmitte hat es oft reine Velowege. Manchmal führen diese entlang einer Haupteinfahrtsstrasse. Das ist sicher, lediglich der Lärm ist störend. Was uns allerdings oft stresst sind die doppelspurigen Kreisel. Die Velowege führen etwa 20 m ausserhalb des Kreisels über die vier Fahrspuren. An Abenden bei starkem Verkehr ist es manchmal fast nicht möglich, die je zwei Spuren zu überqueren. Da die Kreisel sehr grosszügig angelegt sind, fahren die Autos mit flottem Tempo um oder in den Kreisel. Da braucht es Geduld und Nerven.

14.06.17_umgenutzte_typische_englische_telefonkabine.jpg

Die typischen roten Telefonkabinen sind in jedem Dorf anzutreffen. Doch sie haben ihre Dienste erfüllt und sind nun ausser Betrieb. Teils sind die Scheiben eingeschlagen oder rosten einfach vor sich hin. Ein trauriger Anblick. In einem Dorf sehen wir jedoch eine Kabine, die nun als Buchtauschladen eine neue Aufgabe gefunden hat.

Heute sind wir wieder einmal zu viert im Zimmer. Für die Fahrräder hat es keinen Platz, auch nicht in einem Nebenraum. Die Dame an der Rezeption meint, wir können diese aufs Zimmer nehmen. Dies ist gross genug, so dass wir alle vier schön Platz haben. Die Velos dienen nun als Wäschetrockenständer.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Für den zweiten Teil unserer heutigen Etappe haben wir ausnahmsweise keine Velokarte. So testen wir das „naviki-App“. Dieses Veloapp funktioniert ähnlich wie „maps.me“, hat jedoch als Zusatz die Fernradwege (National Cycle Network) speziell eingezeichnet. So müssen wir nur sicherstellen, dass sich der Navipfeil immer schön auf dem markierten Veloweg bewegt. Ein geniales App. Und wer genau hat dies herausgefunden und die Strecken entsprechend heruntergeladen? Barbara natürlich.

15.06.17_entlang_der_kanaele_durch_das_lee_valley.jpg

So führt uns „naviki“ sicher durch das grosse Naturreservat und den Freizeitpark Lee Valley mit seinen vielen Wander- und Velowegen. Wir radeln entlang von Seen und Kanälen und dann wieder über Anhöhen mit schönem Rundblick. So erreichen wir Waltham Abbey, ohne zu merken, dass wir uns bereits in einem Vorort von London befinden.

Ohne Navi mit dem heruntergeladenen Veloweg NCR 1 hätten wir uns durch das riesige Naturerholungsgebiet nicht orientieren können. Nicht immer steht ein Wegweiser an den entscheidenden Abzweigungen. Das zeigt uns, ohne technischen Support wird es schwierig.  Die wenigen Fernradfahrer, die wir bisher getroffen haben, fahren alle mit GPS oder einem Veloapp. Die Wegweiser verlieren so natürlich immer mehr an Bedeutung.  Die Sustrans-Velokarten, die ich so schätze, hatte bisher noch kein einziger Radler, dem wir begegnet sind. Ganz ohne Technik scheint es auch beim Velofahren nicht zu gehen. Ein Deutscher, den wir kürzlich getroffen haben, erklärt uns sein Dynamosystem, welches sein iPhone den ganzen Tag mit genügend Energie versorgt. Andere Velofahrer haben in der Fronttasche die Akkus direkt mit einem Kabel mit den Smartphones verbunden.

Morgen werden wir die London City erreichen.

Freitag, 16. Juni 2017

Heute geht es weiter durch das Lee Valley und danach viele Kilometer entlang verschiedener Kanälen, die mit Schleusen verbunden sind. Am Schluss führt uns der Regent’s Canal direkt an die Themse. Beeindruckend sind die vielen Hunderte von Hausbooten. Die meisten sind in die Jahre gekommen und es scheinen nicht mehr alle benutzbar zu sein. Einige Boote werden von Liebhabern als „Wochenendhaus“ oder auch als ständige Bleibe genutzt. Die Gegensätze beeindrucken ganz besonders. Im Hintergrund die modernen Hochhäuser und entlang des Kanals die teils dahinrostenden Hausboote.

16.06.17_regents_canal.jpg

Doch dann folgt ein plötzlicher Szenenwechsel. Wir sind an der Themse und sehen die Downtown und die Tower Bridge. Unser Etappenziel „Edinburgh – London“! Nach etwas über 1‘400 km und über 9‘000 Höhenmetern haben wir die erste Etappe bewältigt. Nicht zuletzt dank Unterstützung von Petrus. Es war nicht der Wind, denn dieser hat oft gegen uns gearbeitet. Nein, es war das herrliche Wetter mit viel Sonnenschein. Wir mussten nur einen einzigen Regentag erleiden und das ist gut so, denn sonst wüssten wir gar nicht, wie es eben auch hätte sein können.

16.06.17_angekommen_am_etappenziel_der_tower_bridge.jpg

Als wir heute mit unseren Rädern zwei Mal die Tower Bridge überquerten und die Gelassenheit und Fröhlichkeit der Hunderten von Touristen beobachten konnten, ging uns natürlich das kürzlich verübte Attentat durch den Kopf. All die Touristen scheinen sich, wie auch wir, durch dieses Attentat nicht abschrecken zu lassen und so soll es auch sein.

Mit einem feinen Nachtessen schliessen wir diese Etappe ab. Morgen gibt es einen Ruhetag à la Brand‘s. Wir werden mit den Velos der Themse entlang radeln und ohne Gepäck den Samstag geniessen.

Am Sonntag starten wir unsere nächste Etappe London – Paris.
 

Samstag, 17. Juni 2017

Heute erleben wir gegen 30 Grad den ersten Hitzetag. Umso angenehmer ist der kühlende Fahrwind auf dem Velo.

London ist eine lebendige und multikulturelle Stadt. Genauso vielfältig ist die Architektur. Alte renovierte Gebäude und daneben modernste Bauarchitektur mit ausgefallenen Formen.

Doch was uns noch mehr begeistert ist das Velonetz hier in London. Barbara, die sich sonst immer so gepflegt auszudrücken weiss, hat mehrmals gesagt: „Das isch e mega geili Velostad, das London“.

17.06.17_ein_wegweiser_des_cycle_superhighways.jpg

Besonders angetan haben uns die Cycle Superhighways. Das sind eigentliche „Veloautobahnen“. Der Belag ist blau markiert, teils sogar baulich von der Strasse abgetrennt und mit 3 m etwas breiter als normale Velowege. Diese CS-Velowege haben eigene Lichtampeln und führen mitten durch das Stadtzentrum.

Das Gefährliche sind nur die vielen Velos, die auf diesen Veloschnellstrassen unterwegs sind. Besonders die Rennvelos flitzen über den Belag, schneiden teils die Kurven und halten nicht bei jeder roten Ampel an.

17.06.17_cycle_superhighway.jpg

Der Ausbau der sicheren und attraktiven Velowege wurde nicht wegen uns Velotouristen realisiert. Nein, es ist für London eine Möglichkeit, die jährliche Zunahme des motorisierten Verkehrs etwas zu bremsen. In den kommenden 15 Jahren, so wird geschätzt, wird der Verkehr hier in London um über 50% zunehmen.

London hat noch ganz andere Velovisionen. Velowege durch stillgelegte U-Bahn-Tunnels oder schwimmende Velowege auf der Themse oder Radwege über den Trassen der Nahverkehrszüge. Realisiert sind bis jetzt die Veloschnellstrassen.

zur Fortsetzung gehe zu: Mit dem Velo von London nach Paris