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Einleitung

Die Velostrecke zwischen London und Paris ist sehr bekannt und beliebt. Es gibt viele organisierte Touren zwischen den zwei Hauptstädten. Die Strecke führt teils auf stillgelegten Eisenbahntrassees. Wir haben uns jedoch entschieden, in England nicht diese Strecke zu nehmen, auch wenn sie wesentlich kürzer ist. Wir folgen weiter der North Sea Cycle Route und können so immer wieder die Meeresbrisen der Nordsee einatmen.

Sonntag, 18. Juni 2017

Wir starten und London schläft noch. In den Parks sind nur die „elderly People“ unterwegs. Es kommt mir vor wie bei uns im Emmental, man grüsst sich und zwar mit einem Lächeln.

Gestern haben wir zum Glück die Fahrt aus London vorsondiert. Es gibt unter der Themse einen Fussgängertunnel mit Lift. Für uns angenehm, da der Fernradweg genau durch diesen Tunnel verläuft. Doch der Lift ist ausser Betrieb und die rund 80 Stufen hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf, das schaffen wir mit unseren schweren Rädern und dem Gepäck auch mit gutem Willen nicht. Zum Glück gibt es in der Nähe eine Fähre. Das ist viel angenehmer.

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Wir verabschieden uns von London ..

Die Strecke der Themse entlang Richtung Meer führt uns durch Industrie und Hafengebiete, die ihre gute Zeit längst hinter sich gelassen haben. Viele Holzpiers sind am verfaulen und die Schwerindustrieanlagen am verrosten. Mit Eisenzäunen und Stacheldraht sind diese abgesperrt mit all den Verbots- und Gefahrenschildern.

Barbara gefällt dies weniger, doch auch das gehört zu London. Denn genau diese Industriegebiete mit den vielen Piers haben London unter anderem den früheren Wohlstand gebracht.

Der Sommer ist hier in England endgültig angekommen. Es ist schweisstreibend. Wasserkonsum heute stark erhöht und Bierkonsum leicht reduziert.

Montag, 19. Juni 2017

Wir radeln im Themsedelta durch teils tristes Gebiet. Die heruntergekommenen Industriebetriebe und der Abfall entlang des Radweges sind nach wie vor erbärmlich. Hier in England wurde auch auf Stufe Gemeinde viel privatisiert. Abfallentsorgung, Strassenunterhalt und teils auch die Sicherheit. Ziel war, Kosten sparen, optimieren, maximieren. Das Ergebnis kann man nun sehen. Was nicht im Leistungsumfang genau beschrieben ist, das wird nicht gemacht. Die Strassenränder werden beidseits zwei Meter zurückgeschnitten, all die Aludosen und der übrige Müll bleibt auf dem gemähten Gras einfach liegen, da die Reinigung der Strassenränder nicht im Leistungsumfang festgehalten ist. Zugegeben, das sind „brandsche Annahmen bzw. Schlussfolgerungen“.

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Später beschäftigen uns die baulichen Engpässe von und ab den Radwegen durch die Naturparks. Sie mussten errichtet werden, damit Motorräder diese idyllischen Radwege nicht benutzen können. Das ist sehr gut. Es gibt keinen Standard. Es hat verschiedene Arten von Hindernissen. So müssen wir unsere Saggochen abladen, damit unser Rad durch die Verengung kommt. Einmal müssen wir das Rad zwischen zwei Sperren zwei Meter tragen.

Doch manchmal geht es mit würgen und drängen. Dies ist aber auch ein eindeutiger Hinweis, dass wir zu viel Gepäck mit uns schleppen.

Auf Nebenstrassen fahren wir weiter durch Plantagen mit Äpfel- und Birnenbäumen. Als wir bei Kirschbäumen vorbeiradeln und einen Bauern sehen, der Kirschen direkt ab Baum am Strassenrand verkauft, da schalten wir eine Pause ein.

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Der Bauer erklärt uns, dass die diesjährige Kirschernte 20 Tage früher sei als normalerweise. Wir glauben dies bei dem herrlichen Sommerwetter, das wir in den vergangenen Tagen geniessen konnten.  

Dienstag, 20. Juni 2017

Als wir gestern durch die Städte Rochester und Gillingham radelten, beziehungsweise an den vielen Ampeln auf das „grüne Männchen“ warten mussten, da drückte die Hitze so richtig. Wir hatten das Gefühl, dass es mehr als 30 Grad gewesen waren. Heute fahren wir bei angenehmen 24 Grad direkt dem Meer entlang oder auf den Anhöhen der Klippen. Wir saugen die erfrischende Brise auf und nehmen uns viel Zeit. Der heutige Streckenabschnitt ist ein Filet-Stück.

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Nun sind wir im Städtchen Sandwich. Es wird behauptet, dass der Fast-Food-Klassiker Sandwich hier entstanden sei. Wir haben uns heute Abend dennoch für ein anderes Menu entschieden.  

Mittwoch, 21. Juni 2017

Gegensätze: Gestern kühlende Brise bei angenehmen Temperaturen, heute wieder schweisstreibende Hitze.

Der erste Teil führt uns durch ausgedehntes Weideland. Kurze Zeit später folgt ein riesiger Golfplatz mit feinem englischem Rasen, der so gar nicht in die urchige Gegend zu passen scheint.

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Vor Dover können wir von den Klippen aus die ankommenden und abfahrenden Fähren im Hafen beobachten. Später geht‘s direkt neben der vierspurigen Schnellstrasse weiter südwärts mit all den Lastenzügen, die vom Hafen kommen oder in das Hafengelände fahren. Vormittags beschauliche Ruhe und jetzt der aufdringliche Lärm der Fernstrasse, angereichert mit einer drückenden Hitze. Doch eine halbe Stunde später führt der Veloweg wieder über den Klippenrücken weit ab vom lärmenden Verkehr. Nur die extreme Hitze ist geblieben.

Wir wissen, dass wir nicht mehr behaupten können, mit den Velos von Edinburgh nach Hause geradelt zu sein. Nein, denn wir haben zu viele Unterbrüche, das heisst zu viele „Schiebepartien“. Auch heute müssen wir mehrmals die Velos über die kurzen aber sehr steilen Anhöhen schieben.

Folkestone erreichen wir so nass, als kämen wir vom duschen.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Der morgendliche Ablauf bis zum Start, der gleicht sich jeden Tag. Wenn wir dann in die Pedale steigen und losfahren ist die Monotonie weg.

Heute gibt’s keine Höhenmeter, somit eine Easy-Etappe, denken wir. Doch sobald wir dem Meer entlang pedalen blässt der Wind von vorne und es geht nur langsam vorwärts. Dafür ist die Temperatur mit 20 Grad sehr angenehm.

Der Himmel verdunkelt sich und das Donnergrollen ist zu hören. Bei Old Romney fallen die ersten Tropfen. Wir sehen ein Bushäuschen. Das bietet Platz für uns und unsere Fahrräder. Glück gehabt! Dann geht’s weiter. Wieder beginnt es leicht zu regnen. Wir erblicken ein Restaurant und steuern dieses an. Es reicht nicht einmal mehr, unsere Velos abzuschliessen, da leert sich der Himmel und wir flüchten ins Restaurant. Wir bestellen Café. Ausser uns ist niemand in der Gaststube und die Wirtin hat Zeit, mit uns ein Schwätzchen zu machen. Also erzählen wir, was wir schon so oft erzählt haben. Auch wir haben Zeit. So lange es regnet steigen wir nicht auf die Velos.

Der Wind vertreibt den Regen und wir wollen bezahlen. Doch die Wirtin winkt ab. Sie sagt, dass sie so beeindruckt von unserer Reise sei, dass die Cafés aufs Haus gingen. Sie wünscht uns eine sichere Weiterfahrt und viel Spass. Auch wenn wir dies schon mehrmals erleben durften, so sind wir über solche Gesten immer wieder beeindruckt.

In die Statistik geht dieser Tag als „kein Regen auf Velo“ ein.

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für einmal teilen wir den Veloweg mit anderen Teilnehmern ...

Freitag, 23. Juni 2017

Der erste Teil unserer Etappe führt uns auf die Anhöhen von Fairlight. „A hard work“ mit vielen Schiebepartien. Dann geht’s begab, direkt oder nahe dem Meer entlang. Doch wer erwartet uns am Meer? Der Wind. Natürlich greift er uns frontal an. Die Windböen drohen uns immer wieder aus dem Gleichgewicht zu werfen. Es geht geradeaus und ist doch so anstrengend. Barbara meint sogar es sei frustrierend.

So suchen wir immer wieder windgeschützte Stellen, um uns etwas zu erholen. Beliebt sind die Promenadehäuschen mit Blick aufs Meer.

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Wir sitzen und verzehren unser Picknick. Da kommt ein Wanderer. Er fragt, ob er sich zu uns setzen könne. Der Wind, so sagt er, der verlange alles von ihm ab. Das können wir bestätigen. Wir denken, dass es auf dem Velo mindestens so anstrengend ist wie zu Fuss.

Einmal mehr kommen wir ins Plaudern. Jeder erzählt seine Reiseerlebnisse. Chris erzählt uns, dass er seit 15 Jahren unter anderem die ganze Küste Englands durchwandert habe. Immer schön aufgeteilt in Etappen. Er sei auch zu Fuss nach Rom gewandert. Uns interessiert natürlich, wo er als Wanderer denn jeweils übernachte. Er erklärt uns, dass dies im Zelt sei. Er marschiere bis 10 Uhr abends, stelle sein Zelt irgendwo auf und am kommenden Morgen um 6 Uhr sei er wieder unterwegs. Das sei kein Problem. Das beeindruckt uns, denn Chris ist auch schon dreifacher Grossvater, wie er uns erzählt.

Doch dann machen wir alle uns wieder auf den Weg und kämpfen jeder für sich gegen den Wind.

Entweder sind wir alt geworden, oder die Winde sind stärker als früher.

Übrigens der Wind hat uns gesagt, dass er morgen Besuch bekäme. Sein Kollege Regen. Doch dies sei nur zu 40% sicher. Wollen mal sehen, ob der morgen kommt oder nicht.

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Nicht immer, doch hin und wieder, da fehlen einfach die Wegweiser bei den entscheidenden Abzweigungen.
Doch es gibt auch Situationen, da sind die Wegweiser vorhanden, und Barbara und ich können uns nicht einigen.

Samstag, 24. Juni 2017

Der Besuch ist eingetroffen: Wind und Regen haben bis in den Nachmittag hinein heftig gezecht. So gibt es auf längerer Strecke keine Fotostopps, zu heftig prasselt der Regen auf uns nieder. Schade, durch die Weiden mit den Schafherden, da wären einige Sonnenstrahlen wirklich toll gewesen.

Später dem Meer entlang gibt es Abschnitte, da gelangen wir fast an unsere Grenzen, so heftig sind die Windböen. Im Verlaufe des Nachmittages verzieht sich der Regen und Nebel zieht auf. Nach einer Stunde hat der nette Wind unsere Kleider und Saggochen wieder halbwegs getrocknet.

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Den letzten Streckenabschnitt vor Brighton radeln wir unter den Klippen. Doch Barbara kann es gar nicht mehr geniessen, zu heftig sind die Windböen.

Morgen werden wir, so hoffen wir zumindest, Rückenwind haben. Der Wunsch eines jeden Velofahrers.  

Sonntag, 25. Juni 2017

Heute lassen wir uns Zeit. Geniessen das feine Frühstück und radeln anschliessend entlang der Promenade durch Brighton weiter westwärts. Es ist Sonntag. Trotz des nicht gerade sommerlichen Wetters zieht es die Leute an den Strand. So staunen wir und fahren langsam die fünf Kilometer lange Promenade hinauf.

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Danach lassen wir uns vom Rückenwind wieder Richtung Newhaven schieben. Auf dem Velo- und dem Fussgängerweg schlagen die Wellen teils über die Abschrankungsmauern. Nicht nur der Wind will sich von uns verabschieden, nein auch das Meer. Morgen in der Früh geht es auf die Fähre nach Dieppe und dann sind wir wieder auf dem europäischen Festland.

Wir haben die Etappen bis Paris heute vororganisiert.

Unbeschwert verinnerlichen wir uns den letzten Tag in England und da kommt die Mitteilung, dass meine liebe Mutter heute Abend eingeschlafen ist. So schnell kann sich alles ändern. Wir beenden deshalb hier und jetzt unsere diesjährige Velotour.

Dies ist der letzte Eintrag in unserer Homepage. Irgendwann werde ich noch eine Nachlese über das National Cycle Network in Grossbritannien mit den Übernachtungsmöglichkeiten verfassen. Ferner natürlich die neuen GPS-Apps mit all den Erfahrungen.